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Nebenbei

  • Etwas wie ein Vogelschiss

    Die neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestages vereidigt. Zu diesem Zweck wurden die Abgeordneten aus dem Urlaub gerufen. Etliche, darunter die Fraktionschefs Lindner (FDP) und Weidel (AfD), beanstanden die Kosten der Aktion. Es soll sich um 100.000 Euro handeln. Keine Peanuts, aber doch so etwas wie ein Vogelschiss, diesmal ein echter. Wie teuer war eigentlich die Sondersitzung des Verkehrsausschusses, die ebenfalls am Mittwoch stattfand? Und wie teuer waren die Sitzungen der Ausschüsse für Auswärtiges und für Bildung, die am Dienstag tagten, auch er ein Ferientag? Wurde der Aufwand der Ausschüsse gegen den der Bundestagssondersitzung gegengerechnet? – Im Ernst: Wollen Lindner und Weidel sparen, sollten sie den Bundestag verkleinern. 709 Abgeordnete sind zu viele. Die Hinterbank des Parlaments wird von Wahl zu Wahl länger. Die Qualität im Parlament wächst nicht mit, siehe die Kritik an der Sondersitzung. Würde das Plenum nur um zehn Prozent schrumpfen, könnten nicht 100.000 Euro, sondern mehrere Millionen gespart werden, und das Jahr für Jahr. Lindner und Weidel sollten sich auch daranmachen, die Geldverbrennungsanlage Berliner Flughafen zu stoppen. Dort geht seit Langem Tag für Tag eine Million durch den Kamin. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dort wird unter den Augen von Lindner, Weidel und 707 weiteren Bundestagsabgeordneten allein an einem Tag Geld im Wert von zehn Sondersitzungen verschwendet. Es sieht nicht so aus, als seien die Abgeordneten dabei, diesen Missstand zu beheben. – Ulrich Horn

Ein Blindgänger, der Schaum schlägt

Donnerstag, 24. November 2011

Politik

(uh) Vieles ist dieser Tage ungewiss: die Zukunft Europas, des Euro, der schwarz-gelben Bundesregierung, der FDP. Eines aber ist ganz sicher: Karl-Theodor zu Guttenberg wird schon bald aus den USA nach Deutschland zurückkehren.

Diese Gewissheit stützt sich auf ein paar nahe liegende Gründe:

Es gibt in Deutschland einen Markt für Guttenberg. Die Nachfrage ist gewaltig. Mit ihm lassen sich Auflagen und Einschaltquoten steigern, und zwar nicht zu knapp. Der Mann – und seine Frau – bieten Stoff für unzählige Fortsetzungsgeschichten, die dauerhaften Auflagen- und Quotengewinn garantieren, nicht nur den Boulevard-Medien.

Der Markt für Guttenberg ist ganz breit gefächert. Der Mann kann alle Marken und Formate beschäftigen und füllen. Es sind nicht nur seine Fans, die nach ihm verlangen. Auch seine Gegner brauchen ihn, um sich an ihm abzuarbeiten und von ihm abzugrenzen.

Dem Sog der Medien wird sich Guttenberg nicht entziehen. Er ist längst eine Marke, und er will eine Marke bleiben. Ihm bleibt kaum etwas anderes übrig. Er hat so gut wie nichts gelernt. Außer dem Abitur und ein paar Semestern Jura hat er nichts zu bieten. Leuten mit seiner Bildungsvita stehen nicht allzu viele Berufsfelder offen.

Er rutschte ohne Anstrengung in die Politik und erreichte dort schnell Spitzenpositionen, weil er das schafft, was den meisten Politikern nicht gelingt. Er erregt Aufmerksamkeit, weil er Politik nach den Gesetzen des Showbusiness betreibt. In dieser Hinsicht hat er in Deutschland ein Monopol. Guttenberg ist eigentlich kein Politiker. Er spielt den Politiker nur, und zwar so gut, dass viele seiner Fans nicht merken, dass er gar kein Politiker ist.

Was Guttenberg kann: Er setzt sich gekonnt in Szene. Bisher tat er das nur für die Marke Guttenberg. Demnächst könnte er seine Inszenierungen ausbauen. Seine Selbstdarstellung macht ihn auch für politische Kräfte interessant, die selbst nicht in der Lage sind, ihre politischen Vorstellungen werbewirksam an den Wähler zu bringen.

Wie ihn die Medien zur Steigerung von Auflagen und Quoten nutzen, so könnten ihn demnächst politische Kräfte, die sich nicht hinreichend beachtet finden, als Testimonial für ihre Anliegen verpflichten. In Berlin soll es bereits Überlegungen in diese Richtung geben.

Guttenberg präsentiert sich zurzeit als „vorerst gescheitert“. Was er im Rückblick auf die Zeit sagt, als er an seiner Promotion herumwerkelte, lässt einen erschaudern. Jemand, der nicht in der Lage ist, strukturiert zu arbeiten, hatte zeitweise das Kommando über das Wirtschaftsministerium und die Bundeswehr. Der CSU-Chef und bayrische Ministerpräsident Seehofer brachte den überforderten Nachwuchspolitiker in diese Positionen. Auch das war unverantwortlich.

Guttenberg hat sich mit seiner gefälschten Doktorarbeit und dem törichten Versuch, die Fälschung zu leugnen, als Blindgänger entpuppt. Seine Familie weiß das, er weiß das, und viele andere Menschen wissen das auch. Dennoch wird er versuchen, den Gegenbeweis anzutreten. Er ist eben nicht nur ein Blindgänger, sondern auch ein Schaumschläger. Er kann es nicht lassen, wie seine jüngsten Auftritte zeigen.

Auf lange Sicht wird das Comeback für den Ex-Doktor nicht gut ausgehen. Auch für ihn gilt, was der frühere SPD-Spin-Doktor Bodo Hombach schon vor Jahren befand: Man kann auf Dauer kein Image gegen die Wirklichkeit bilden.

 

 

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Ein Kommentar zu “Ein Blindgänger, der Schaum schlägt”

  1. Peter sagt:

    20000 Euro Strafe ist für so einen reichen Menschen wie ein Bußgeld in Höhe von 10 Euro für einen normalen Bürger, wenn überhaupt vielleicht sind es sogar nur wie 10 Cent..der Herr Guttenberg lacht sich bestimmt grad ins Fäustchen wie billig er für seine Verhältnisse davongekommen ist…ist echt eine Schande was sich unsere Justiz seit Jahren leistet…in unserem Land wird also ganz klar mit 2erlei Maß gemessen…denke da zum Beispiel auch an Herrn Ackermann und Herrn Zumwinkel….ha man ja bestimmt schon vergessen…
    Peter

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