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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Ein Blindgänger, der Schaum schlägt

Donnerstag, 24. November 2011

Politik

(uh) Vieles ist dieser Tage ungewiss: die Zukunft Europas, des Euro, der schwarz-gelben Bundesregierung, der FDP. Eines aber ist ganz sicher: Karl-Theodor zu Guttenberg wird schon bald aus den USA nach Deutschland zurückkehren.

Diese Gewissheit stützt sich auf ein paar nahe liegende Gründe:

Es gibt in Deutschland einen Markt für Guttenberg. Die Nachfrage ist gewaltig. Mit ihm lassen sich Auflagen und Einschaltquoten steigern, und zwar nicht zu knapp. Der Mann – und seine Frau – bieten Stoff für unzählige Fortsetzungsgeschichten, die dauerhaften Auflagen- und Quotengewinn garantieren, nicht nur den Boulevard-Medien.

Der Markt für Guttenberg ist ganz breit gefächert. Der Mann kann alle Marken und Formate beschäftigen und füllen. Es sind nicht nur seine Fans, die nach ihm verlangen. Auch seine Gegner brauchen ihn, um sich an ihm abzuarbeiten und von ihm abzugrenzen.

Dem Sog der Medien wird sich Guttenberg nicht entziehen. Er ist längst eine Marke, und er will eine Marke bleiben. Ihm bleibt kaum etwas anderes übrig. Er hat so gut wie nichts gelernt. Außer dem Abitur und ein paar Semestern Jura hat er nichts zu bieten. Leuten mit seiner Bildungsvita stehen nicht allzu viele Berufsfelder offen.

Er rutschte ohne Anstrengung in die Politik und erreichte dort schnell Spitzenpositionen, weil er das schafft, was den meisten Politikern nicht gelingt. Er erregt Aufmerksamkeit, weil er Politik nach den Gesetzen des Showbusiness betreibt. In dieser Hinsicht hat er in Deutschland ein Monopol. Guttenberg ist eigentlich kein Politiker. Er spielt den Politiker nur, und zwar so gut, dass viele seiner Fans nicht merken, dass er gar kein Politiker ist.

Was Guttenberg kann: Er setzt sich gekonnt in Szene. Bisher tat er das nur für die Marke Guttenberg. Demnächst könnte er seine Inszenierungen ausbauen. Seine Selbstdarstellung macht ihn auch für politische Kräfte interessant, die selbst nicht in der Lage sind, ihre politischen Vorstellungen werbewirksam an den Wähler zu bringen.

Wie ihn die Medien zur Steigerung von Auflagen und Quoten nutzen, so könnten ihn demnächst politische Kräfte, die sich nicht hinreichend beachtet finden, als Testimonial für ihre Anliegen verpflichten. In Berlin soll es bereits Überlegungen in diese Richtung geben.

Guttenberg präsentiert sich zurzeit als „vorerst gescheitert“. Was er im Rückblick auf die Zeit sagt, als er an seiner Promotion herumwerkelte, lässt einen erschaudern. Jemand, der nicht in der Lage ist, strukturiert zu arbeiten, hatte zeitweise das Kommando über das Wirtschaftsministerium und die Bundeswehr. Der CSU-Chef und bayrische Ministerpräsident Seehofer brachte den überforderten Nachwuchspolitiker in diese Positionen. Auch das war unverantwortlich.

Guttenberg hat sich mit seiner gefälschten Doktorarbeit und dem törichten Versuch, die Fälschung zu leugnen, als Blindgänger entpuppt. Seine Familie weiß das, er weiß das, und viele andere Menschen wissen das auch. Dennoch wird er versuchen, den Gegenbeweis anzutreten. Er ist eben nicht nur ein Blindgänger, sondern auch ein Schaumschläger. Er kann es nicht lassen, wie seine jüngsten Auftritte zeigen.

Auf lange Sicht wird das Comeback für den Ex-Doktor nicht gut ausgehen. Auch für ihn gilt, was der frühere SPD-Spin-Doktor Bodo Hombach schon vor Jahren befand: Man kann auf Dauer kein Image gegen die Wirklichkeit bilden.

 

 

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Ein Kommentar zu “Ein Blindgänger, der Schaum schlägt”

  1. Peter sagt:

    20000 Euro Strafe ist für so einen reichen Menschen wie ein Bußgeld in Höhe von 10 Euro für einen normalen Bürger, wenn überhaupt vielleicht sind es sogar nur wie 10 Cent..der Herr Guttenberg lacht sich bestimmt grad ins Fäustchen wie billig er für seine Verhältnisse davongekommen ist…ist echt eine Schande was sich unsere Justiz seit Jahren leistet…in unserem Land wird also ganz klar mit 2erlei Maß gemessen…denke da zum Beispiel auch an Herrn Ackermann und Herrn Zumwinkel….ha man ja bestimmt schon vergessen…
    Peter

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