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Nebenbei

  • Die Büttenredner der SPD

    Zum Wochenwechsel beschäftigte sich die Republik mit zwei lokalen Ereignissen – mit dem Karneval und der Hamburg-Wahl. Beide Veranstaltungen vermittelten sich wie üblich in großem Stil über die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Es war schwer zu unterscheiden, ob gerade der Karneval oder die Wahl übertragen wurde. Hamburgs SPD-Bürgermeister hörte gar nicht auf, das Wahlergebnis seiner Partei zu bejubeln, obwohl sie mit mehr als sechs Prozentpunkten den höchsten Verlust aller Parteien erlitt. Die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans übertrafen den Bürgermeister noch. Sie beschränkten sich nicht darauf, das magere Ergebnis als Erfolg zu feiern. Sie beanspruchten auch, ihn mitbewirkt zu haben. Dabei weiß die ganze Republik: Hamburgs SPD hatte sich verbeten, dass Esken und Walter-Borjans im Wahlkampf auftraten. Die beiden SPD-Chefs sind schließlich angetreten, gerade jene politische Richtung in der SPD zu bekämpfen, deren Hamburger Wahlergebnis sie nun in den Wahlsendungen feierten und sogar für sich reklamierten. Wie viele Zuschauer fühlten sich wohl von den beiden SPD-Chefs belogen? Wie vielen vermittelten Esken und Walter-Borjans wohl, dass man auf das Wort von Politikern und auf ihres im Besonderen nichts geben kann? Für alle anderen machten sich Esken und Walter-Borjans über die Hamburg-Wahl zu Narren. Viele Zuschauer werden ihre Stellungnahmen als Büttenreden verstanden haben. Kürzlich war zu lesen, Walter-Borjans erwäge, zur Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat anzutreten. Seine Wahlkampfbotschaft und sein Wahlslogan dürften schon feststehen: SPD alaaf, SPD helau. – Ulrich Horn

Nackenschlag zu Neujahr

Sonntag, 29. Dezember 2019

Nebenbei

Seit Anfang Dezember sind die beiden SPD-Chefs im Amt. Seither suchen sie nach Autorität. Sie wehren sich, Handlanger von Jusos-Chef Kühnert zu sein, und geben viele Erklärungen ab. Esken wirkt noch etwas gehemmt. Walter-Borjans, seit jeher sein eigener Pressesprecher, hantiert routinierter. Kaum ein Thema, zu dem er schweigt. Sein Spektrum reicht vom Kassenbon über die Geschäfte, mit denen sich die WestLB unter seiner Aufsicht in Verruf brachte, bis hin zur neuen Ostseepipeline, die sein Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vorgänger Schröder beaufsichtigt. Auch die Rolle der SPD weiß Walter-Borjans zu definieren. „Sozialdemokratie notwendiger denn je“, heißt es bei ihm auf Twitter. Er und Esken kamen an ihre Posten mit der Verheißung, die Großen Koalition zu verlassen. Inzwischen dämmert ihnen wohl, dass die Behauptung, die SPD sei unverzichtbar, und der Koalitionsbruch sich widersprechen. Über ihn reden sie kaum noch. Ihr Generalsekretär Klingbeil dagegen sieht Klärungsbedarf. Er sagt den Koalitionsbruch endgültig ab. Für die SPD-Chefs, die nach Autorität streben, ein herber Nackenschlag. Alle ihre Forderungen verlieren nun ihr Sprengpotenzial. Etliche Wähler dürften die beiden SPD-Chefs nun für Maulhelden, wenn nicht gar für Rosstäuscher halten. Deutlich wird auch: Mit ihrer Autorität ist es nicht weit her. Machtfragen beantworten nicht sie, sondern ihr Generalsekretär. Kaum einen Monat sind sie im Amt, und schon stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis Klingbeil (oder Kühnert) an ihre Stelle rückt? – Ulrich Horn

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4 Kommentare zu “Nackenschlag zu Neujahr”

  1. grafiksammler sagt:

    Frage: wen juckt das noch? Lohnt es sich noch, über diese Partei zu schreiben, sich gar noch zu echaufieren? Die SPD hat es in 2019 geschafft, irrelevant zu werden.

    Für 2020 Gesundheit und Erfolg!

    grafiksammler

  2. Na ja, das war doch allen politisch interessierten Bürgern wohl klar. Zwei Leichtmatrosen für die Jahreswende als kleiner Zwischengang für das Hauptgericht im Sommer. Da hätten wir dann den leichten „Generalsekretär“, das Crossover „Vize und Jusochef“, und die ehemalige Berliner Bürgermeisterin als falschen Hasen und sonst?

    Allen einen guten Rutsch und ein gesundes 2020! Ich freue mich auf weitere interessante Artikel und Statements hier im Blog;-)

  3. Roland Appel sagt:

    Lieber Herr Horn,
    ich glaube eher, die beiden werden sich so durchwursteln. Natürlich ist es logisch, dass man erstmal verhandeln (oder es versuchen) muss, wenn einem ein Parteitag etwas aufgrtragen hat. Insofern waren natürlich alle Erwartungen, schon auf diesem Parteitag würde die SPD das Aus beschließen, völlig daneben. Kein vernünftiger Mensch (die SPD-Linke sind derer keine) hat das erwartet. Dann wird es irgendein unübersichtliches Ergebnis geben, das nicht eideutig genug ist, um abzuspringen (dafür wird Merkel(…) schon sorgen) aber auch nicht genug, um die SPD wieder zu einer überzeugenden Kraft zu machen (auch dafür wird Merkel(…) sorgen). Zwischen 11 und 13 Prozent dümpelnd, wird sie dann gleichwohl einen Kanzlerkandidaten aufstellen. Hubertus Heil vermutlich, der ist ein wahrer Volkstribun und rechts genug. Aber wieso soll eine 13%-Partei eigentlich einen Kanzlerkandidaten aufstellen? Die FDP hat sich schon bei 13% Prognose mit Westerwelle lächerlich gemacht.
    Also stellt sich doch eher die Frage, wer in der „Baracke“ dann als letzte/r das Licht ausmacht. Wat simmer heut wieder bös!

  4. Markus sagt:

    Autorität müssen sich die neuen Parteivorsitzenden natürlich erst noch verschaffen. Rom ist aber auch nicht an einem Tag erbaut worden. Wenn Walter-Borjans und Esken der SPD bis zur Bundestagswahl in 2021 ein anderes Profil geben können, haben sie schon viel erreicht. Nach Lage der Dinge warten dann die Oppositionsbänke auf die Sozialdemokraten und Merkel merkelt mit den Grünen weiter in ein Ökoparadies-Chaos hinein.

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