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  • AfD: Wie ein Geheimbund

    Die AfD in NRW will sich nicht in die Karten schauen lassen. Zwar möchte sie das Ergebnis ihres Parteitages unter die Leute gebracht sehen. Wie es zustande kam, will sie jedoch verbergen. Um diesen Zweck zu erreichen, möchte sie den Journalisten die Teilnahme am Parteitag verwehren. Die AfD scheut Transparenz. Sie führt sich wie ein Geheimbund auf, der das Tageslicht scheut. Sie will ihre Selbstsicht zum Standard machen. Kann sich eine Partei dümmer verhalten? Diskussionsverläufe, kluge und weniger kluge Anmerkungen von Delegierten und auch Ränkespiele auf Parteitagen lassen sich nicht geheim halten, schon gar nicht in einer Partei, in der unterschiedliche Strömungen und Gruppierungen gegeneinander konkurrieren. Dass die AfD Journalisten ausschließt, trifft nicht die Journalisten. Sie werden über kurz oder lang schon Wege finden, über das zu berichten, was ihnen die NRW-AfD vorenthalten will. Mit ihrer Geheimniskrämerei trifft die AfD vor allem ihre Sympathisanten und potenziellen Wähler, die nur unvollständig informiert werden sollen. Mancher wird sich fragen, ob er einer Partei, die so erpicht darauf ist, ihren Kram im Verborgenen zu regeln, seine Stimme geben kann. – Ulrich Horn

Verdacht auf Korruption und Geldwäsche

Hoeneß: Die Schattenseite des Fußballs

Montag, 17. März 2014

Politik, Sport

Der Fall Hoeneß hat zwei Seiten. Im Prozess kam nur eine zur Sprache – der Steuerbetrug. Die Verteidigung erweckte den Eindruck, es gehe lediglich um das Verhalten des Privatmannes Hoeneß. So gelang es ihr zu verhindern, dass dessen Steuerbetrug mit seiner Tätigkeit als Fußball-Funktionär verbunden wurde. Nachhaltig war dieses Manöver nicht. Inzwischen dreht sich der Wind.

Bankbelege unter Verschluss

Hoeneß‘ überraschendes Geständnis hielt den Prozess kurz. Details seiner Transaktionen blieben im Dunkeln. Die Bankbelege wurden sehr spät vorgelegt und konnten nicht ausgewertet werden. Es schien, als sollten unangenehme Sachverhalte verheimlicht werden.

Dass Hoeneß auf die Revision verzichtet, dient dem gleichen Zweck. Sie hätte das Verfahren über Monate fortgesetzt. Er hätte riskiert, dass seine Finanzgeschäfte mit dem FC Bayern verknüpft worden wären.

Die Konten in der Schweiz waren schwarze Kassen. Sie waren zeitweise prall gefüllt. Hoeneß hat Geld abgehoben. In welcher Höhe und wofür, ist nicht bekannt. Die Bankbelege könnten Aufschluss geben, sind jedoch unter Verschluss. Längst gibt es den Verdacht, hinter Hoeneß’ Transaktionen könnten sich Korruption und Geldwäsche verbergen. Dann könnte das Schwarzgeld auch dazu gedient haben, die Dominanz des FC Bayern zu stärken.

Illegale Zahlungen in Millionenhöhe

Das ist nicht belegt, aber auch nicht abwegig. Der FC Bayern stand schon früher unter Korruptionsverdacht. Er schloss gegen die Regeln der Deutschen Fußball-Liga heimlich einen Millionenvertrag mit dem Medienunternehmer Kirch ab. Auch bevorzugte er Adidas, obwohl ihm ein besseres Angebot von Nike vorlag.

Der verstorbene Adidas-Chef Dreyfus, von dem Hoeneß behauptet, er habe ihm Millionen für Spekulationen spendiert, war selbst in einen Prozess um schwarze Kassen verwickelt. 2006 wurde Dreyfus wegen illegaler Zahlungen in Millionenhöhe zu einer Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt.

Korruptionsskandale in Italien, Polen und Brasilien belegen: Der Fußball ist für Korruption und Günstlingswirtschaft anfällig. Dass in der Fifa unter Sepp Blatter die Korruption grassiert, ist ebenfalls aktenkundig. Bis heute sieht er sich dem Vorwurf der Korruption und Misswirtschaft ausgesetzt.

In die Schranken gewiesen

Hoeneß attackierte Blatter 2011/2012 besonders heftig. Er forderte, die Korruption in der Fifa auszutrocknen, und sagte Blatters baldigen Sturz voraus. Damals sah sich Hoeneß auf dem Gipfel seiner Macht. Zum 60. Geburtstag feierte ihn Rummenigge als „Vater Theresa vom Tegernsee und den Nelson Mandela von der Säbener Straße“.

Blatters Antwort auf Hoeneß’ Attacken ließ nicht lange auf sich warten. Sie hatte es in sich. Der Fifa-Chef signalisierte, wer im Glashaus sitze, solle nicht mit Steinen werfen. Blatter deutete an, Deutschland habe 1998 die Weltmeisterschaft 2006 gekauft.

Der Vorwurf schreckte Franz Beckenbauer auf, der in den 90-er Jahren im Auftrag des DFB unterwegs war, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Beckenbauer wies Hoeneß öffentlich in die Schranken und forderte ihn auf, Angriffe gegen Blatter gefälligst zu unterlassen. Es schien, als wollte Beckenbauer das Feuer austreten, ehe die Flammen hochmodern konnten. Die Zeit titelte damals: „Was für eine gekaufte WM spricht“.

Von Ächtung keine Spur

Der Stern, der den Fall Hoeneß auslöste, will in dieser Sache offenbar nachlegen. Stern-Chefredakteur Wichmann deutete an, dass von den Hoeneß-Konten 2008 und 2009 Gelder auf Konten bei den Banken Julius Bär, Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank abgeflossen seien. Es gebe weiterhin großen Klärungsbedarf.

Licht ins Dunkel zu bringen, könnte schwer werden. Verzichtet auch die Staatsanwaltschaft auf Revision, wird sie die Belege über Hoeneß‘ Geschäfte an die Finanzbehörden überstellen. Dort werden sie ausgewertet. Die Angst vor dem Staatsanwalt wird die Finanzbeamten bewegen, das Steuergeheimnis im Fall Hoeneß sorgsam zu hüten.

Ohnehin sind viele Prominente bemüht, Hoeneß trotz seines Betrugs Wertschätzung zu zollen. Von Ausgrenzung und Ächtung keine Spur. Alle Welt bekundet Respekt und hohe Anerkennung, von der Kanzlerin bis Gregor Gysi. Alle Welt scheint bemüht, Hoeneß zu besänftigen.

Aushängeschild für Tüchtigkeit

Offenbar sorgt man sich, er könnte aus der Schule plaudern. Der Fußball ist inzwischen eine politische Macht. Millionen identifizieren sich mit ihm. Er bedient sich der Medien, diktiert den Sendern die Präsentation der Spiele und zapft in großem Umfang Rundfunk-Zwangsgebühren ab.

Wirtschaft und Politik nutzen die Popularität und Erfolge des deutschen Fußballs im In- und Ausland als Markenzeichen, auch als Aushängeschild für deutsche Tüchtigkeit und Qualitätsarbeit. Niemand hat Interesse daran, dieses Konstrukt, an dem Hoeneß maßgeblich mitwirkte, zu beschädigen oder gar zu zerstören. Nicht auszudenken, was mit wem passiert, wenn es ins Wanken geriete.


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7 Kommentare zu “Hoeneß: Die Schattenseite des Fußballs”

  1. Roland Appel sagt:

    Mafia und Sport, insbesondere Fußball ist sicher eine Geschichte, die es noch zu schreiben gilt. Denn nirgendwo werden Gelder in Millionenhöhe unter absurderen Begründungen – Transfergehälter, Beraterhonorare, Spielerausleihe, Scheinanstellungen, Ausleihen, Prämien, Ablösezahlungen usw. hin und her geschoben.
    Der polnische Mittelfeldspieler des 1. FC Köln, Slavomir Petzko, ist ein illustres Beispiel: Offiziell ist er angestellt beim FC Porto/Italien, für den er keine Minute seines Lebens gespielt hat, bei dem er aber unter Vertrag ist und der aber dem 1. FC Köln ständig Probleme macht, ihn dauerhaft anzustellen. Wer die Causa Petzko 2013 im Kölner Stadtanzeiger verfolgt hat, glaubt an modernen Sklavenhandel und unbekannte Hintermänner – mit Fußball hat das offensichtlich alles nichts zu tun – nur mit jeder Menge Kohle.
    Verwickelt ist sein Spielerberater und „Investor“ Wernze – der auch einen Millionenanteil an der Veschiebung von Lukas Podolski von und nach Köln und nach Arsenal hatte – und wenn man weiss, dass der FC Porto etwa 260 Spieler auf diese Art beschäftigt, beginnt man zu ahnen, welche undurchsichtigen Nummern da laufen.
    Wie naiv muss man sein, um nicht zu glauben, dass da nicht irgendwelche Schiebereien laufen und Gelder auf undurchsichtigen Kanälen hin- und her geschoben werden?
    Alles hängt im Kommerzsport mit allem irgendwie zusammen.
    Ich erinnere mich gut an den Telefonanruf von Wolfgang Clement, als ich Fraktionsvorsitzender unserer Rot-Grünen Koalition war. Er teilte mir stolz mit, wen er – nachdem das Landesverfassungsgericht seine Zusammenlegung von Innen-und Justizministerum für verfassungswidrig erklärt hatte – nun als Justizminister ernennen würde: Reinhard Rauball – in Koalitionen redet man sich traditionell nicht rein, wer wen in welches Amt schickt – und offensichtlich frustrierte ihn, dass ich den Herrn Rauball als Nicht-unbedingt-Fußball-und-dann-auch-noch-Köln-Fan überhaupt nicht kannte und schon gar nicht vor Ehrfurcht ob dieser genialen Wahl in Beifall ausbrach.
    Der Herr Rauball ging dann mit 7 Tagen Amtszeit zum „kürzesten“ NRW-Minister aller Zeiten in die Geschichte des Landes NRW ein, er musste wegen Interessenkonflikten und undurchsichtiger Machenschaften der Fußballwelt zurücktreten. Heute ist er Vorsitzender der DFL und Vorstand von Borussia Dortmund – von Fans ähnlich bejubelt und hochgegeilt wie Uli Hoeneß. Honni soit qui mal y pense.
    Es wird Zeit, dass diese Parallelgesellschaft einmal näher untersucht wird – solange Innenminister auch gleichzeitig Sportminister sind, entbehrt das jedoch nicht einer gewissen Pikanterie. Zu naheliegend ist die potenzielle Gefahr, dass aus Kumpanei oder Stolz auf sportliche Leistungen – über die dunkle Seite des Sports – und das ist beileibe nicht nur Doping – hinweggesehen wird.

  2. dr.pingel sagt:

    In der neuen Weltkirche, dem Kapitalismus, ist der Fußball inzwischen die bedeutendste Sekte geworden. Und wie in allen Sekten sind die Grundstrukturen mafiös.
    Die Unsummen, die die Medien für die Übertragungen der Spiele bezahlen, müssten umgekehrt fließen. Ich habe vor Jahren einmal für 5 Jahre keinen Fernseher gehabt. Der verblüffende Effekt: Das Interesse am Fußball sank auf Null. Mein Bruder macht gerade dieselbe Erfahrung. Also macht das Fernsehen Reklame für den Industriefußball und bezahlt noch dafür!

  3. Martin Böttger sagt:

    Kleine Korrektur: „zapft in großem Umfang Zwangsgebühren ab“ ist zwar einerseits richtig. Den größeren Anteil zahlt allerdings schon lange Rupert Murdoch, der mit dem Abhörskandal und Untersuchungsausschuss in Großbritannien, und dem Revolver- und Tea-Party-TV-Sender „Fox“ in den USA. Und der zapft es hierzulande bei angeblich ca. 3 Mio. Abonnenten und mehreren tausend Gastwirten ab.
    Es ist der eigentliche Geniestreich von „SKY“, dass der Konzern bei uns kaum gemeinsam mit dieser durch und durch unsympathischen Tycoon-Figur in Verbindung gebracht wird. Dabei kann Murdoch es an Macht und Antipathie locker mit Putin aufnehmen.

  4. stromerhannes sagt:

    Zum Fall Hoeneß wäre das hier an die ganz grosse Glocke zu hängen:
    Fehlende Unterschriften auf Einkommensteuerbescheiden: Genau diese fehlende Unterschrift auf dem “Einkommensteubescheid” löste eine bisher unendliche Geschichte aus. Diese ist im bisherigen Verfahren mit weiteren “maschinell erstellten Urkunden ohne Unterschrift” gespickt: Nachdem schriftlich beim Finanzamt angefragt wurde, wann die Abgabenordnung inkraft trat und welchen räumlichen Geltungsbereich sie hat, kam der maschinell erstellte Steuerbescheid. google hilft dem bisher medial verarschtem Volk dabei:
    – “Bundesrepublik Deutschland- Finanzagentur GmbH”
    – Abgabenordnung § 415
    – Zvilprozessordnung ungültig ?
    – Staatenlos?
    – HLKO (Plünderung)
    – Jahrhundertluege (Frohnert)
    – Deutschland- Protokol
    – youtube- “Aufruf an alle Finanzbeamte”
    Ich habe dem FA diese Fragen schriftlich gestellt mit folgendem “Erfolg”:
    – Steuerfahndung
    – Kontopfändung
    – Vollziehungsbeamter
    – Eintragung Sicherungshypothek
    – Eintragung Zwangsversteigerung des Grundstücks mit gew. Existenz
    – Beschwerde dagegen mit allen relevanten Unterlagen abgegeben
    – Beschluss ohne auf die Unterlagen eingegangen zu sein
    – Finanzamt hat Recht, wenn es sagt.”Jeder muss Steuern zahlen”!
    – es braucht keine justiziable Begründung (hier: geltende Gesetze) dem Steuerschuldner auf Verlangen zu geben.
    ZV werden wegen der AO und der ZPO beim Gericht beantragt und sofort ohne Prüfung durchgewunken! Es geht hier um eine vom FA geschätzte Summe von 4000,– €; der Verkehrswert der Immo incl. beruflicher Existenz die unter den Hammer kommt, wenn ich nicht noch zahle, beträgt 360.000,– €. Obwohl zahlungsfähig, möchte ich die Verpflichtung dazu gerichtlich bestätigt haben. Den rechtlosen Zustand öffentlich machen.
    Finanzamt und Gerichte kooperieren rechtswidrig und offenkundig komplizenhaft. Noch sehe ich die Angelegenheit sportlich, an Volksaufklärung interessiert. Leider könnten sich aus den Zutaten Rechtsbeugung, Prozessbetrug, Falschbeurkundung, Nichtachtung, kein rechtliches Gehör gewähren und fehlende erforderliche Unterschriften Gemenge ergeben, die förmlich nach einer Explosion durch massive Gegenwehr rufen.

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