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Nebenbei

  • Wüstes Gequatsche

    Hendrik Wüst hat es geschafft. Er behauptete bei der NRW-Wahl die CDU-Spitzenposition und baute sie sogar aus. Er kann auf diesen Erfolg stolz sein. Er beflügelt sogar TV-Reporter. Am Wahlabend war immer wieder zu hören, Wüst sei nun Kandidat für die Kanzlerkandidatur und Konkurrent für CDU-Chef Merz. Wüst täte gut daran, darauf nichts zu geben. Unter denen, die ihn hochjubeln, sind nicht nur Einfaltspinsel, die an seinem Erfolg teilhaben wollen. Wen die Medien hochheben, den versenken sie auch wieder. Manchen heben sie nur hoch, um ihn besser versenken zu können. Wer geneigt ist, das TV-Gequatsche ernst zu nehmen, sollte sich vor Augen halten: Wüst ist erst seit sieben Monaten Ministerpräsident. Einen großen Teil dieser Zeit verbrachte er nicht mit Regieren, sondern mit Wahlkampf. Sein Wahlerfolg ist weniger der Lohn für bisherige Leistungen als ein Kredit auf künftige. Ob er im Amt bleibt, steht noch nicht fest. Es liegt nicht allein bei ihm, sondern vor allem bei den Grünen. Damit er im Amt bleiben kann, muss er sie von sich überzeugen. Erst wenn diese Aufgabe gelöst ist, hat er die Landtagswahl gewonnen. Dann muss er beweisen, dass er die neue Koalition führen und die Verhältnisse in NRW verbessern kann. Bevor er diesen Nachweis nicht erbracht hat, sollte er nicht einmal im Traum daran denken, das Kanzleramt anzupeilen. Wie schrecklich es sich anschaut, wenn dieses Amt seinen Inhaber überfordert, demonstriert es gerade am Beispiel von Olaf Scholz. – Ulrich Horn

Olaf Scholz: Märchen und Mythen

Montag, 28. März 2022

Politik

Kanzler Scholz erfährt derzeit, was einst DDR-Diktator Honecker schmerzlich durchlitt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Seit die Weltpolitik über den bürokratisch betulichen Scholz hinwegfegte, hat er nicht nur Mühe, ihr hinterher zu laufen. Er quält sich auch damit ab, den Eindruck zu verwischen, seine Spätzündungen seien notorisch.

Die Realität verbiegen

Wie jeder Strebsame, der feststellt, hinter dem Mond zu sein, gibt er sich nicht damit zufrieden, auf der Höhe der Zeit zu erscheinen. Scholz muss den Menschen klar machen, dass er die Entwicklung anführt. Und so bemühte er sich in der Talkshow „Anne Will“, die Realität zu verbiegen.

Er bestritt, dass er lange zögerte, Sanktionen gegen Russland zu verhängen und den Ukrainern Waffen zu liefern, dass er ihnen zu wenige lieferte, dass Lieferungen nicht klappten und dass er von anderen EU-Staaten unter Druck gesetzt wurde, endlich aus den Puschen zu kommen.

Scholz versuchte, an die Stelle der Realität ein Märchen zu setzen. Er stilisierte sich als Vorreiter in EU und NATO. Nicht er sei den Bündnispartnern hinterhergelaufen, sondern sie ihm.

Den Schaden beheben

Immer, wenn er in der Sendung an diesem Mythos werkelte, konnte sich Moderatorin Will ein Lächeln nicht verkneifen. Je hartnäckiger Scholz darauf beharrte, Europas Anführer zu sein, desto mitleidiger schmunzelte Will.

Zu Beginn des Krieges stand er neben der Realität. Die grüne Außenministerin Baerbock nahm ihm die Butter vom Brot. Nun will er den Schaden beheben und in guter alter SPD-Manier ein Märchen zur Medienwirklichkeit machen.

Die SPD-Politiker, die an dieser Aufgabe scheiterten, sind Legion. Die Reihe reicht von Ex-NRW-Ministerpräsidentin Kraft bis zu Scholz-Vorvorgänger und Putin-Freund Schröder. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Olaf Scholz: Märchen und Mythen”

  1. Fürs Saarland scheints gereicht zu haben. Für zahlreiche andere Parteien nicht.
    (ich esse wöchentlich mit einem Saarland-Kenner zu Mittag, ich weiss, dass es für nichts, ausser sich selbst reprasentativ ist)

  2. E. Becker sagt:

    Lieber Ulrich Horn, ich bin überzeugt, daß hinter den Kulissen besorgter, ernsthafter und angestrengter gearbeitet wird, als es in den Talkshows ausgebreitet wird, siehe die Bemühungen von Habeck und Baerbock. Auch Herr Scholz wird sich von verschiedenen Seiten beraten lassen. Allerdings ist die Verführung groß, nur den „Praktikern“ der Wirtschaft zu folgen, Beispiel Schröder. Der heutige Kommentar in der Süddeutschen bringt es auf den Punkt. Scholz` Problem ist sein defensiver Politikstil, der vermeintlich die Bevölkerung beruhigen kann. Wichtiger wäre es, die Zumutungen zu artikulieren, die auf uns zukommen können und werden und daraus eine positive Geschichte zu erzählen, nämlich wie aus einem Weniger an Energieverbrauch ein Mehr an Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit werden kann. Dieses Thema überläßt er den Grünen, anstatt hier die Anführerschaft zu übernehmen, um der Sache noch mehr Schwung zu geben. Nach seiner „Zeitenwende“-Rede scheint dieser Schwung erstmal verbraucht, schade.

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