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Nebenbei

  • Der Preis der Pandemie

    Die vierte Coronawelle macht den Politikern Sorgen. Die Krankenhäuser laufen über. Sie werden vor allem von Impfunwilligen geflutet, die sich bei ihresgleichen angesteckt haben. Seit das Virus die Inzidenz zum vierstelligen Bereich hochtreibt, sind die Politiker alarmiert. Es fällt ihnen auf, dass fast elf Monate nach dem Impfstart 15 Millionen Impffähige die Impfung verweigern. Um zu verhindern, dass sich die große Katastrophe zu einer gigantischen auswächst, sollen die Impfunwilligen bewogen werden, sich sozial zu verhalten und sich impfen zu lassen. Man will ein wenig Druck auf sie ausüben: Es soll ihnen gut zugeredet werden. Man will ihnen vor Augen halten, sie könnten vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen werden, wenn es mit der Pandemie noch doller kommen sollte. Wen wollen die Politiker mit solchen Ankündigungen beeindrucken? Die 15 Millionen Impfverweigerer können es nicht sein. Ihnen wollen die Politiker mit kostenlosen Tests die Möglichkeit bieten, sich der Impfnadel zu entziehen. Solange die Tests gratis sind und von den Steuermitteln aus dem Kreis der 56 Millionen Geimpften finanziert werden, schwindet der Anreiz für die Impfverweigerer, sich impfen zu lassen. Der Unmut unter den Geimpften dürfte dagegen neues Maximum erreichen. Sie bezahlen nicht nur die Tests für die Impfverweigerer, sondern auch die hohen Kosten, die sich darüber hinaus durch das unsoziale Verhalten der Impfverweigerer ergeben. Wäre es nicht gerechter und an der Zeit, die Coronakosten stärker am Verursacherprinzip auszurichten? – Ulrich Horn

Olaf Scholz: Märchen und Mythen

Montag, 28. März 2022

Politik

Kanzler Scholz erfährt derzeit, was einst DDR-Diktator Honecker schmerzlich durchlitt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Seit die Weltpolitik über den bürokratisch betulichen Scholz hinwegfegte, hat er nicht nur Mühe, ihr hinterher zu laufen. Er quält sich auch damit ab, den Eindruck zu verwischen, seine Spätzündungen seien notorisch.

Die Realität verbiegen

Wie jeder Strebsame, der feststellt, hinter dem Mond zu sein, gibt er sich nicht damit zufrieden, auf der Höhe der Zeit zu erscheinen. Scholz muss den Menschen klar machen, dass er die Entwicklung anführt. Und so bemühte er sich in der Talkshow „Anne Will“, die Realität zu verbiegen.

Er bestritt, dass er lange zögerte, Sanktionen gegen Russland zu verhängen und den Ukrainern Waffen zu liefern, dass er ihnen zu wenige lieferte, dass Lieferungen nicht klappten und dass er von anderen EU-Staaten unter Druck gesetzt wurde, endlich aus den Puschen zu kommen.

Scholz versuchte, an die Stelle der Realität ein Märchen zu setzen. Er stilisierte sich als Vorreiter in EU und NATO. Nicht er sei den Bündnispartnern hinterhergelaufen, sondern sie ihm.

Den Schaden beheben

Immer, wenn er in der Sendung an diesem Mythos werkelte, konnte sich Moderatorin Will ein Lächeln nicht verkneifen. Je hartnäckiger Scholz darauf beharrte, Europas Anführer zu sein, desto mitleidiger schmunzelte Will.

Zu Beginn des Krieges stand er neben der Realität. Die grüne Außenministerin Baerbock nahm ihm die Butter vom Brot. Nun will er den Schaden beheben und in guter alter SPD-Manier ein Märchen zur Medienwirklichkeit machen.

Die SPD-Politiker, die an dieser Aufgabe scheiterten, sind Legion. Die Reihe reicht von Ex-NRW-Ministerpräsidentin Kraft bis zu Scholz-Vorvorgänger und Putin-Freund Schröder. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Olaf Scholz: Märchen und Mythen”

  1. Fürs Saarland scheints gereicht zu haben. Für zahlreiche andere Parteien nicht.
    (ich esse wöchentlich mit einem Saarland-Kenner zu Mittag, ich weiss, dass es für nichts, ausser sich selbst reprasentativ ist)

  2. E. Becker sagt:

    Lieber Ulrich Horn, ich bin überzeugt, daß hinter den Kulissen besorgter, ernsthafter und angestrengter gearbeitet wird, als es in den Talkshows ausgebreitet wird, siehe die Bemühungen von Habeck und Baerbock. Auch Herr Scholz wird sich von verschiedenen Seiten beraten lassen. Allerdings ist die Verführung groß, nur den „Praktikern“ der Wirtschaft zu folgen, Beispiel Schröder. Der heutige Kommentar in der Süddeutschen bringt es auf den Punkt. Scholz` Problem ist sein defensiver Politikstil, der vermeintlich die Bevölkerung beruhigen kann. Wichtiger wäre es, die Zumutungen zu artikulieren, die auf uns zukommen können und werden und daraus eine positive Geschichte zu erzählen, nämlich wie aus einem Weniger an Energieverbrauch ein Mehr an Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit werden kann. Dieses Thema überläßt er den Grünen, anstatt hier die Anführerschaft zu übernehmen, um der Sache noch mehr Schwung zu geben. Nach seiner „Zeitenwende“-Rede scheint dieser Schwung erstmal verbraucht, schade.

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