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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Olaf Scholz: Märchen und Mythen

Montag, 28. März 2022

Politik

Kanzler Scholz erfährt derzeit, was einst DDR-Diktator Honecker schmerzlich durchlitt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Seit die Weltpolitik über den bürokratisch betulichen Scholz hinwegfegte, hat er nicht nur Mühe, ihr hinterher zu laufen. Er quält sich auch damit ab, den Eindruck zu verwischen, seine Spätzündungen seien notorisch.

Die Realität verbiegen

Wie jeder Strebsame, der feststellt, hinter dem Mond zu sein, gibt er sich nicht damit zufrieden, auf der Höhe der Zeit zu erscheinen. Scholz muss den Menschen klar machen, dass er die Entwicklung anführt. Und so bemühte er sich in der Talkshow „Anne Will“, die Realität zu verbiegen.

Er bestritt, dass er lange zögerte, Sanktionen gegen Russland zu verhängen und den Ukrainern Waffen zu liefern, dass er ihnen zu wenige lieferte, dass Lieferungen nicht klappten und dass er von anderen EU-Staaten unter Druck gesetzt wurde, endlich aus den Puschen zu kommen.

Scholz versuchte, an die Stelle der Realität ein Märchen zu setzen. Er stilisierte sich als Vorreiter in EU und NATO. Nicht er sei den Bündnispartnern hinterhergelaufen, sondern sie ihm.

Den Schaden beheben

Immer, wenn er in der Sendung an diesem Mythos werkelte, konnte sich Moderatorin Will ein Lächeln nicht verkneifen. Je hartnäckiger Scholz darauf beharrte, Europas Anführer zu sein, desto mitleidiger schmunzelte Will.

Zu Beginn des Krieges stand er neben der Realität. Die grüne Außenministerin Baerbock nahm ihm die Butter vom Brot. Nun will er den Schaden beheben und in guter alter SPD-Manier ein Märchen zur Medienwirklichkeit machen.

Die SPD-Politiker, die an dieser Aufgabe scheiterten, sind Legion. Die Reihe reicht von Ex-NRW-Ministerpräsidentin Kraft bis zu Scholz-Vorvorgänger und Putin-Freund Schröder. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Olaf Scholz: Märchen und Mythen”

  1. Fürs Saarland scheints gereicht zu haben. Für zahlreiche andere Parteien nicht.
    (ich esse wöchentlich mit einem Saarland-Kenner zu Mittag, ich weiss, dass es für nichts, ausser sich selbst reprasentativ ist)

  2. E. Becker sagt:

    Lieber Ulrich Horn, ich bin überzeugt, daß hinter den Kulissen besorgter, ernsthafter und angestrengter gearbeitet wird, als es in den Talkshows ausgebreitet wird, siehe die Bemühungen von Habeck und Baerbock. Auch Herr Scholz wird sich von verschiedenen Seiten beraten lassen. Allerdings ist die Verführung groß, nur den „Praktikern“ der Wirtschaft zu folgen, Beispiel Schröder. Der heutige Kommentar in der Süddeutschen bringt es auf den Punkt. Scholz` Problem ist sein defensiver Politikstil, der vermeintlich die Bevölkerung beruhigen kann. Wichtiger wäre es, die Zumutungen zu artikulieren, die auf uns zukommen können und werden und daraus eine positive Geschichte zu erzählen, nämlich wie aus einem Weniger an Energieverbrauch ein Mehr an Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit werden kann. Dieses Thema überläßt er den Grünen, anstatt hier die Anführerschaft zu übernehmen, um der Sache noch mehr Schwung zu geben. Nach seiner „Zeitenwende“-Rede scheint dieser Schwung erstmal verbraucht, schade.

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