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Nebenbei

  • Söder und die Umfragen

    In repräsentativen Demokratien sollen die Abgeordneten und ihr Gewissen die Gemeinschaft vor schwankenden Stimmungen schützen. Dieses Prinzip steht unter Druck. Mit vielen Abgeordneten ist es nicht mehr weit her. Zudem hat sich die Stimmung in der Bevölkerung zu einer mächtigen Kraft entfaltet. Viele Abgeordnete mögen ihr nicht widerstehen. Viele nutzen sie auch, um ihre Interessen durchzusetzen. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Söder setzte darauf, dass sie ihn zum Kanzlerkandidaten der Union machen würde. Er mühte sich, in Umfragen zu reüssieren, und wurde zu einem Umfrageriesen. Er ging davon aus, dass er seinen CDU-Konkurrenten Laschet, einen Umfragezwerg, leicht aus dem Feld schlagen könne. Die Rechnung ging nicht auf. Laschet kandidierte. Er verlor. Hätten die Umfragen den Ausschlag gegeben, hätte Söder kandidieren müssen und ganz sicher gewonnen, behaupten er und seine Fans. Damals stand er in den Politiker-Rankings auf Platz 2 gleich hinter Merkel. Was es mit dem Gewicht der Umfragen auf sich hat, zeigt sich heute, drei Wochen nach der Wahl. Söder ist abgestürzt. Beim ZDF-Politbarometer rangiert er nur noch auf Platz 6, gerade noch knapp über der Nulllinie. Ginge es auch heute nach Umfragen, wie es Söder vor der Bundestagswahl wünschte, müsste er sich langsam darauf einrichten, sich vom Acker zu machen, damit bei der Bayernwahl 2023 ein beliebterer CSU-Politiker versuchen kann, die CSU vor dem Fall in die Opposition zu bewahren. Wetten, dass Söder auf Umfragewerte derzeit gar nichts mehr gibt? – Ulrich Horn

Trumps Theater

Sonntag, 19. Februar 2017

Nebenbei

Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

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5 Kommentare zu “Trumps Theater”

  1. dr.pingel sagt:

    Paradoxe Intervention ist immer eine gute Idee. Aber wie ist es bei uns? Bitte nennt mir ein einziges Interview mit Angela Merkel, in der sie so hart herangenommen wird wie etwa Sahra Wagenknecht!

  2. Freifrau sagt:

    Die Idee mit dem Verein für Pressekonferenzen hat Charme. Ich sehne mich jedenfalls nach seriöser und vor allem lösungsorientierter Berichterstattung. Ich stelle mir im Zusammenhang folgende Fragen:
    Welche Lehren zieht der Journalismus aus dem Vorwurf der Lügenpresse in Amerika und Deutschland? Wie kommt es, dass die Mehrzahl der Menschen – nicht nur Trump und Petri – der ( Print) Presse tief misstraut? Wie möchte der Journalismus verlorenes Vertrauen wieder herstellen?
    Journalisten neigen dazu, sich extrem „aufzublasen“ , wenn sie Angriffe auf die Pressefreiheit befürchten. Selbstkritik im Bezug auf die Seriosität der eigenen Berichterstattung ist leider deutlich weniger verbreitet. – Post von Horn ist ausdrücklich ausgenommen.

    • Hans Meier sagt:

      Freifrau, Sie treffen des Pudels Kern.
      Das ganze journalistische Gedudel hat doch nur einen Zweck, und der stand schon vorher ganz außer Frage, es geht um das „mediale Musizieren im Streichkonzert des Omnipussi-Millieus der Schönfärbe-Anstalten“.
      Da kann Mister Trump machen, was er will, er ist der Böse. Er hat eine junge schöne Frau und viele Kinder, und das ist für unsere Presse-Fuchteln einfach nur noch „I bäh“!
      Denn die Wall-Streeter hatten mit Obama einen Klima-Präsidenten gefunden, der die Bioethanol-Zumischung an den Tanken zum Klima-Rettungs-Rendite-Gesetz machte.
      Und nun geht dieser lukrative Schuldkomplex, mit dem man die Bevölkerung medial verschaukelte, langsam den Bach runter.
      Wie schrecklich ist denn das nun?
      Wo doch zig Millionen in die mediale Bewerbung der zig Milliarden teuren „Klima-Rettungs-Bewirtschaftung“ von der schuldigen, womöglich auch noch Diesel-fahrenden Bevölkerung abzupressen sind, oder in welcher medialen Bescheuertheit sind wir auch außerhalb von Karnevall und Altweiber mit bedüdelten Textern, die tröten.
      MfG

  3. Habnix sagt:

    Zitat: “ Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. “

    Die Medien so arbeiten lassen wie bisher und keiner kauft diese Medien.

    “Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein.”

    Karl Marx

    Zitat: “ Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? “

    Pressefreiheit ist nicht gleich Meinungsfreiheit, da Pressefreiheit eigentlich Kapitalfreiheit ist.

  4. Hubertus Bruch sagt:

    Sie schlagen eine amerikanische Bundespressekonferenz vor? Sicherlich ein interessanter Gedanke. Würde das etwas ändern? Schauen wir nach Deutschland: Würde sich die Bundespressekonferenz dem Wunsch um einen Auftritt eines Kanzlers verweigern? Wohl kaum! Warum? Weil Der Berufsstand der schreibenden Zünfte die politischen Entscheidungsträger auch für sein eigenes, persönliches Glück braucht wie der Junkie seinen Stoff. Was ist ein politischer Journalist ohne Zugang zur Macht? Es kommt nicht von Ungefähr, dass vor der Kanzlerin oder vor dem Präsidenten viele Journalisten sitzen, deren Ego bzw. Selbstliebe mindestens genau so groß ist, wie das der Befragten. Wozu das dann führt, kann man sehr schön dieser Tage in Washington beobachten. Verletzte Eitelkeiten wohin man schaut! Übrigens: Trumps Umgang mit der Wahrheit ist mehr als grenzwertig, aber: Sie schreiben hier häufig über NRW und dessen Politiker und deren Umgang mit der Wahrheit. Da wird auch gelogen, was das Zeug hält. Sind die Journalisten da nicht auch williges Mittel um ihrer selbst Willen?

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