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Nebenbei

  • Untätig – bei vollen Bezügen

    Die Parteien und ihre Bundestagsabgeordneten tun sich schwer, ihren Daseinszweck zu erfüllen. Sie schaffen es bisher nicht, den Auftrag der Bundeswahl 2017 zu erledigen. Knapp vier Monate nach der Wahl hat Deutschland noch keine Regierung. Sie steht bestenfalls zu Ostern. Bis dahin wird ein Achtel der Legislaturperiode verstrichen sein, aus Sicht der Bürger völlig nutzlos. Bis Ostern werden die 709 Abgeordneten sechs Monate lang Diäten bezogen haben, obwohl sie weitgehend untätig waren. Die 233 Abgeordneten von SPD und FDP haben sogar auf diesen Zustand hingearbeitet, der einem bezahlten Urlaub gleicht. Können Parteimitglieder ernsthaft glauben, die Mehrheit der übrigen Bürger fände dieses Verhalten akzeptabel? Welcher berufstätige Wähler lebt schon in Verhältnissen, in denen sie volle Bezüge ohne entsprechende Gegenleistung empfangen? Diese Frage sollten sich auch die Bundestagsparteien stellen. Sie werden weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Sie bekommen das Geld selbst für die Zeitspanne, in der sie sich weigern, eine Regierung zu bilden und ihre Arbeit zu tun. Müssen sich die Bürger, die den Politikbetrieb mit vielen Millionen Euro unterhalten, von den Abgeordneten und ihren Parteien nicht geprellt fühlen? – Der neue Bundestag sollte sie gesetzlich verpflichten, Regierungen schnell zu bilden. Für die Zeit zwischen der Wahl und der Vereidigung der Regierung sollten die Diäten der Abgeordneten halbiert und ihre Privilegien, die ebenfalls Millionen kosten, gestrichen werden. Die Finanzierung der Parteien sollte um den Betrag gekürzt werden, der ihnen für diesen Zeitraum zustünde, aktuell also um ein Achtel. – Zwei Bemerkungen zum Schluss: Erstens: Wetten, dass eine solche Regelung die Regierungsbildung beschleunigen würde? Zweitens: Wetten, dass eine solche Regelung nie zustande kommen wird? – Ulrich Horn

Zerstörerische Blockaden

Der Spiegel wirtschaftet sich ab

Mittwoch, 28. August 2013

Medien

(uh) Die Eigentümer des „Spiegel“ sind dabei, die Marke zu demolieren und das Magazin abzuwirtschaften. Das Unternehmen zeigt Anzeichen von Verfall. Statt die Konflikte dieser Welt zu thematisieren, macht das Magazin seine eigenen zum Gespräch. Die Krise scheint kaum heilbar. Es ist beim Spiegel keine Institution erkennbar, der zuzutrauen wäre, die Konflikte zu moderieren und zu entschärfen.

Erstaunlich tölpelhaft

Der künftige Chefredakteur Büchner ist beschädigt, ehe er sein Amt angetreten hat. Es gelingt ihm nicht, der Spiegel-Redaktion seine wichtigste Personalentscheidung zu vermitteln, die Berufung des Bild-Journalisten Blome. In der Rolle der moderierenden und gestaltenden Instanz erweist sich Büchner als Ausfall.

Die Konfrontation mit den Ressortleitern schwächt ihn. Gibt er klein bei, verliert er sein Gesicht. Setzt er sich durch, wird er zum Pyrrhus. Er hätte dann wohl einen Guerillakrieg im Haus. Nach und nach müsste er alle Ressortleiter kippen, um seine Beine wieder auf den Boden zu bekommen. So oder so – gedeihlich wird die Zusammenarbeit vorerst wohl nicht.

Auch die Geschäftsführung zeigt sich erstaunlich tölpelhaft. Sie unterschätzte die Brisanz der Personalie Blome. Auch schätzte sie die Stimmung in der Redaktion falsch ein. Der Konflikt behindert deren Arbeit. Kann die Redaktion unter diesen Bedingungen Qualität liefern? Schon dass sich die Frage stellt, erschwert das Anzeigengeschäft. Gute Verkaufszahlen sind derzeit wohl nur sicher, wenn der Spiegel sich selbst zur Titelgeschichte macht.

An den Eigentümern krepiert

Die Eigentümer sind ebenfalls für das Desaster verantwortlich. Gruner + Jahr und die Erben-Gemeinschaft haben den Konflikt mit der Mitarbeiter KG provoziert. Dabei sind sich die Erben nicht einmal einig. Franziska Augstein lehnt Blome ab. Ob die Mitarbeiter KG, die nicht nur Redakteure, sondern auch Verlagsmitarbeiter vertritt, geschlossen agiert, muss sich noch zeigen. Dass sie nun erst aufbegehrt, obwohl sie seit Wochen über Blomes Berufung informiert ist, stellt ihr kein gutes Zeugnis aus.

Der Spiegel ist renovierungs-, wenn nicht sogar sanierungsbedürftig. Über seine Schwächen und Mängel hat er bisher nicht offen diskutiert. Auch das ist ein Versäumnis der Eigentümer. Sie können sich nur schwer damit abfinden, dass ihre Gestaltungsansprüche durch die anderen Eigentümer eingeschränkt sind. Das Ergebnis sind zerstörerische Blockaden.

Finden die Eigentümer für dieses Problem keine Lösung, wird der Spiegel an ihnen zugrunde gehen. Er wäre nicht das erste Magazin, das an seinen Eigentümern krepiert, weil sie ihren Publikationen nicht gewachsen sind. Die Spiegel-Mitarbeiter brauchen nur ein paar hundert Meter über den Hafen nach Westen zu schauen, zu ihrem Miteigentümer Gruner + Jahr. Er hat seine einst so renommierten und ertragreichen Wirtschaftsmagazine inzwischen so gut wie versenkt.


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Ein Kommentar zu “Der Spiegel wirtschaftet sich ab”

  1. Martin Böttger sagt:

    Ich habe nie der Spiegel-Verehrung angehangen. Alle Storys, die ich durch eigene Beteiligung selbst beurteilen konnte, waren schlecht recherchiert oder hatten mindestens einen vom Schreiber kreierten Spin, den sie sich durch Tatsachen nicht kaputt machen lassen wollten. Das war schon in den 80ern so und hat sich bis heute nicht gebessert.
    Heute finde ich es zusätzlich merkwürdig, dass die Online-Redakteure, über deren Arbeitsqualität man natürlich genauso streiten kann, die aber doch für das Wohlergehen des Spiegel schon bemerkenswertes geleistet haben, bis heute nicht an der Mitarbeiter-KG teilhaben, also Mitarbeiter 2. Klasse sind. Wie unsozial und gestrig ist das denn?

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