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Nebenbei

  • Putin und seine Opfer

    Erfahrene Übeltäter wissen: Gut geschützt sind sie, wenn sie gegen Übeltäter wettern. Diese Methode, von sich abzulenken, ist simpel, aber durchaus effektiv. Russlands Präsident Putin demonstriert gerade, wie man sie praktiziert.– Seine Regierung hat nicht, wie es ihre Pflicht wäre, Doping unterbunden, sondern gefördert und betrieben. Der Betrug flog auf. Putin und die russischen Athleten standen am Pranger. Lange mussten sie dort nicht ausharren. Das IOC und ihr Präsident Bach taten ihr Bestes, um unangenehme Konsequenzen von ihnen abzuwenden. Während Putin dabei war, sein Gesicht zu verlieren, versuchte Bach, es zu verschleiern. Bei dieser Aktion verlor auch er sein Gesicht. Er nahm es in Kauf. Er braucht für seine Wiederwahl Putins Hilfe. – Was den Funktionären der vermeintlich gesunden Olympiasportler offensichtlich fehlt, zeigten die Funktionäre der behinderten Sportler: Rückgrat. Sie bestraften den Betrug der russischen Regierung und sperrten Russlands Paralypics-Team. Sie stellten Putin und Bach bloß. – Jene russischen Sportler, die auf Druck ihrer Regierung dopten, und jene, die zu Unrecht von den Spielen in Rio ausgeschlossen wurden, müssten über den Betrug ihrer Regierung wütend sein. Die Regierung hat sie mit dem Doping um den Lohn ihrer Anstrengung gebracht. Auch die vielen russischen Sportsfans müssten sich über Putin und sein Regierungsteam empören. – Damit Proteste gar nicht erst hörbar werden, regen sich Putin und seine Regierung auf, die Sanktionen seien zynisch. Sie deuten die Bestrafung ihres niederträchtigen Betrugs als niederträchtigen Angriff auf Russland um. Der Täter macht sich zum Opfer und will die Betrogenen zu Tätern machen. Putin disqualifiziert sich ein weiteres Mal. – Ulrich Horn

Ein Weltunternehmen am Abgrund

ThyssenKrupp: Mehr als eine Konzern-Krise

Montag, 26. August 2013

Politik

(uh) Krisen großer Konzerne werden schnell zum Politikum. Sobald viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, kommen Parteien und Regierungen beinahe zwangsläufig ins Spiel. Die ThyssenKrupp-Krise ist noch nicht Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Lange wird das so wohl nicht bleiben. Die Krise des Konzerns enthält alle Zutaten für großes Theater. Dafür sorgte in den vergangenen Wochen Konzernchef Hiesinger.

Angebot abgelehnt

Er muss das stark verschuldete Unternehmen sanieren. Dazu benötigt er frisches Kapital. In den vergangenen Wochen deutete er an, wie er es besorgen will. Er vermittelte drei Botschaften.

Der Konzern soll dem Einfluss der Krupp-Stiftung und damit auch dem der Politik entzogen werden, die mit NRW-Ministerpräsidentin Kraft in der Stiftung prominent vertreten ist. Ihr fehlt das Geld für eine Kapitalerhöhung. Die Stiftung hat den Niedergang des Konzerns nicht verhindert. Sie schaute zu, wie seine Kultur kollabierte und trug Investitionen mit, die sich als teure Fehler erwiesen.

Die RAG-Stiftung bietet an, die Krupp-Stiftung in die Lage zu versetzen, ihre Sperrminorität von 25,1 Prozent zu sichern, die sie bei der Kapitalerhöhung zu verlieren droht. Hiesiger lehnt dieses Angebot schroff ab.

Möglichst geringe Nebenwirkungen

Die Schwächung der Stiftung macht ThyssenKrupp für Hedgefonds interessant. Bisher schreckte die Stiftung mit ihrer Sperrminorität „Heuschrecken“ ab. Nun steht die Tür offen. Hiesiger spricht mit den Fonds. Für sie ist der Einstieg in den Konzern lukrativ. Auch bei der Filettierung können sie hohe Gewinne erzielen. Sie werden aber nur einsteigen, wenn die Stiftung keine tragende Rolle mehr spielt.

Hiesingers Pläne laufen darauf hinaus, einen der renommiertesten deutschen Konzerne zu zerschlagen, um seine lukrativen Teile zu retten. Zu den Gewinnern würden auch berüchtigte Spekulanten zählen. Der Plan würde viele Arbeitsplätze retten, sicher aber auch kosten.

Diese Perspektiven rufen die Politik auf den Plan. Die SPD, die den Heuschrecken erst den Weg bereitete und sie dann attackierte, kann Heusingers Plan schlecht gutheißen. Sie will eine Sanierung mit möglichst geringen Nebenwirkungen. Das wäre aus ihrer Sicht am ehesten gesichert, wenn die Stiftung ihren Einfluss behielte. Über das Stiftungsmitglied Kraft bliebe die NRW-Regierung mit im Boot.

Gute Kontakte zu Merkel

Auch der Kanzlerin kann nicht daran gelegen sein, dass Hedgefonds ThyssenKrupp zerlegen. RAG-Stiftungschef Müller hat nicht nur gute Kontakte zu Kraft, sondern auch zu Merkel. Das Kanzleramt schlug ihn kürzlich als Moderator für die Suche nach einem Atom-Endlager vor. Sein Angebot, den Einfluss der Krupp-Stiftung auf den Konzern zu sichern, unterbreitete Müller sicher nicht ohne Rückkopplung, bisher jedoch ohne Resonanz.

Ob und wie weit die politischen Interessen tragen, wird sich wohl bald zeigen. In der ThyssenKrupp-Krise gibt es viel Sprengstoff, der sogar noch in der Endphase des Wahlkampfes eine Rolle spielen könnte. Es geht nicht nur um die Arbeitsplätze des Konzerns. Auch die Beschäftigten in den vielen Zuliefer-Firmen, die derzeit keine Aufträge mehr erhalten, wüssten wohl gerne, wie es bei ihnen weiter geht.


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2 Kommentare zu “ThyssenKrupp: Mehr als eine Konzern-Krise”

  1. […] ThyssenKrupp: Mehr als eine Konzern-Krise (Post von Horn) – […]

  2. […] Ruhrgebiet: ThyssenKrupp – Mehr als eine Konzern-Krise…Post von Horn […]

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