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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Ein Weltunternehmen am Abgrund

ThyssenKrupp: Mehr als eine Konzern-Krise

Montag, 26. August 2013

Politik

(uh) Krisen großer Konzerne werden schnell zum Politikum. Sobald viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, kommen Parteien und Regierungen beinahe zwangsläufig ins Spiel. Die ThyssenKrupp-Krise ist noch nicht Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Lange wird das so wohl nicht bleiben. Die Krise des Konzerns enthält alle Zutaten für großes Theater. Dafür sorgte in den vergangenen Wochen Konzernchef Hiesinger.

Angebot abgelehnt

Er muss das stark verschuldete Unternehmen sanieren. Dazu benötigt er frisches Kapital. In den vergangenen Wochen deutete er an, wie er es besorgen will. Er vermittelte drei Botschaften.

Der Konzern soll dem Einfluss der Krupp-Stiftung und damit auch dem der Politik entzogen werden, die mit NRW-Ministerpräsidentin Kraft in der Stiftung prominent vertreten ist. Ihr fehlt das Geld für eine Kapitalerhöhung. Die Stiftung hat den Niedergang des Konzerns nicht verhindert. Sie schaute zu, wie seine Kultur kollabierte und trug Investitionen mit, die sich als teure Fehler erwiesen.

Die RAG-Stiftung bietet an, die Krupp-Stiftung in die Lage zu versetzen, ihre Sperrminorität von 25,1 Prozent zu sichern, die sie bei der Kapitalerhöhung zu verlieren droht. Hiesiger lehnt dieses Angebot schroff ab.

Möglichst geringe Nebenwirkungen

Die Schwächung der Stiftung macht ThyssenKrupp für Hedgefonds interessant. Bisher schreckte die Stiftung mit ihrer Sperrminorität „Heuschrecken“ ab. Nun steht die Tür offen. Hiesiger spricht mit den Fonds. Für sie ist der Einstieg in den Konzern lukrativ. Auch bei der Filettierung können sie hohe Gewinne erzielen. Sie werden aber nur einsteigen, wenn die Stiftung keine tragende Rolle mehr spielt.

Hiesingers Pläne laufen darauf hinaus, einen der renommiertesten deutschen Konzerne zu zerschlagen, um seine lukrativen Teile zu retten. Zu den Gewinnern würden auch berüchtigte Spekulanten zählen. Der Plan würde viele Arbeitsplätze retten, sicher aber auch kosten.

Diese Perspektiven rufen die Politik auf den Plan. Die SPD, die den Heuschrecken erst den Weg bereitete und sie dann attackierte, kann Heusingers Plan schlecht gutheißen. Sie will eine Sanierung mit möglichst geringen Nebenwirkungen. Das wäre aus ihrer Sicht am ehesten gesichert, wenn die Stiftung ihren Einfluss behielte. Über das Stiftungsmitglied Kraft bliebe die NRW-Regierung mit im Boot.

Gute Kontakte zu Merkel

Auch der Kanzlerin kann nicht daran gelegen sein, dass Hedgefonds ThyssenKrupp zerlegen. RAG-Stiftungschef Müller hat nicht nur gute Kontakte zu Kraft, sondern auch zu Merkel. Das Kanzleramt schlug ihn kürzlich als Moderator für die Suche nach einem Atom-Endlager vor. Sein Angebot, den Einfluss der Krupp-Stiftung auf den Konzern zu sichern, unterbreitete Müller sicher nicht ohne Rückkopplung, bisher jedoch ohne Resonanz.

Ob und wie weit die politischen Interessen tragen, wird sich wohl bald zeigen. In der ThyssenKrupp-Krise gibt es viel Sprengstoff, der sogar noch in der Endphase des Wahlkampfes eine Rolle spielen könnte. Es geht nicht nur um die Arbeitsplätze des Konzerns. Auch die Beschäftigten in den vielen Zuliefer-Firmen, die derzeit keine Aufträge mehr erhalten, wüssten wohl gerne, wie es bei ihnen weiter geht.


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2 Kommentare zu “ThyssenKrupp: Mehr als eine Konzern-Krise”

  1. […] ThyssenKrupp: Mehr als eine Konzern-Krise (Post von Horn) – […]

  2. […] Ruhrgebiet: ThyssenKrupp – Mehr als eine Konzern-Krise…Post von Horn […]

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