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Nebenbei

  • Hummels, Hoeneß, Glück

    Man stelle sich vor: Statt Costa (FCB) hätte Hummels (Borussia) den Elfmeter verwandelt, mit dem das Pokalfinale entschieden wurde. FCB-Trainer Guardiola stünde ziemlich belämmert und die teure Truppe des FCB mit „nur“ einem Titel da. Die FCB-Macher Rummenigge und Hoeneß würden blöd aus der Wäsche gucken. Die halbe Republik würde sich ins Fäustchen lachen. Hummels hätte bewiesen, dass er Rückgrat hat. Da er in der nächsten Saison in München spielen wird und über seine aktive Zeit hinaus dort seinen Lebensmittelpunkt sieht, wäre er an der Iser wohl seines Lebens nicht mehr froh geworden. Einer, der mit allen Wassern gewaschen ist, sah das voraus. Hoeneß riet davon ab, Hummels beim Elfmeterschießen einzusetzen. Wie weit der Einfluss von Hoeneß reicht, zeigte sich auf dem Platz. Hummels erweckte den Eindruck, als habe er sich Hoeneß’ Worte zu Herzen genommen. Der Borussia-Verteidiger spielte mit gebremstem Schaum. Eine Viertelstunde vor Schluss der regulären Spielzeit erweckte er sogar den Eindruck, stark abzubauen. Sein Verbleib auf dem Platz schien für Dortmund von Minute zu Minute riskanter. Hummels wurde ausgewechselt. Beim Elfmeterschießen standen seine Dienste nicht mehr zur Verfügung. Bayern gewann das Spiel (auch), weil Costa den entscheidenden Elfmeter verwandelte und Hoeneß Hummels kleingekocht hatte. Man kann nicht einmal behaupten, Hummels habe Dortmund den Sieg gekostet oder München habe mit den Millionen für Hummels neben dem Spieler auch den Pokalsieg erworben. An Hummels allein lag es ja nicht. Der Schiedsrichter hätte Ribery vom Platz stellen, Aubameyang seine Chancen verwerten und Borussia-Trainer Tuchel andere Elfmeterschützen benennen müssen. Kein Wunder, dass Guardiola am Ende in Tränen ausbrach: Er konnte sein Glück nicht fassen. – Ulrich Horn

Hoeneß und die FC Bayern-Aufsichtsräte

Liegen Leichen im Keller?

Freitag, 2. August 2013

Sport

(uh) Skandale wirken wie Krebsgeschwüre. Sie neigen dazu, Metastasen zu bilden. Das kann man im Fall Berlusconi studieren. Viele freut, dass er jetzt wegen Steuerbetrugs verurteilt wurde. Man muss nicht nach Italien schauen, um das hoch-maligne Wesen von Skandalen zu beobachten. Auch in Deutschland agiert ein prominenter Steuerbetrüger in der Öffentlichkeit. Ulrich Hoeneß tut so, als sei nichts geschehen. Dabei hat auch sein Skandal weitere Skandale erzeugt.

Eine unglaubliche Zumutung

Hoeneß betrog den Staat um Steuern. Das disqualifiziert ihn, unabhängig von seiner Bestrafung, für öffentliche Aufgaben. Er müsste zurücktreten. Er tut es nicht. Er verstieß nicht nur gegen Recht und Gesetz. Er weigert sich auch, Konsequenzen zu ziehen. Damit steigert er sein unmoralisches Verhalten. Er zwingt jedermann, es zu ertragen – eine unglaubliche Zumutung von jemandem, der mit seinem Verein in großem Umfang Dienstleistungen des Staates sowie Steuern und Fernsehgebühren der Bürger in Anspruch nimmt.

Wie ein halbseidener Krauter

Der FC Bayern erhebt den Anspruch, der beste Verein der Welt zu sein. Er hätte den Betrüger an seiner Spitze aus dem Verkehr ziehen müssen. Er tut es nicht – eine töriche Demonstration großer Ignoranz. Der Verein verhält sich wie ein halbseidener Krauter. Die Vereinsbosse um Rummenigge, der DFB, die DFL und die Claqueure unter den Sportjournalisten führen sich auf wie Kumpane. Sie entlarven den pädagogischen und gesellschaftlichen Anspruch des Fußballs und den Geist seiner Regeln als Phrase. Wir kennen das schon vom Radsport, der inzwischen ebenfalls auf den Hund gekommen ist.

Eine internationale Affäre

Den größten Skandal im Gefolge des Hoeneß-Skandals produzieren jedoch die Manager der deutschen Weltunternehmen, die im Bayern-Aufsichtsrat sitzen. Sie sollen in dem Verein wie in ihren Unternehmen die Regeln guter Unternehmensführung durchsetzen. Sie tun es nicht. Sie schauen dem Treiben des Vereins, der alle Werte missachtet, unfassbar untätig zu. Hätten sie in ihren Unternehmen wie Hoeneß agiert, hätte man sie vom Werkesgelände gejagt. Statt beim FCB ihre Pflicht zu tun, machen sie aus dem Hoeness-Skandal eine international beachtete Affäre. Ihr Thema: der Niedergang der deutschen Unternehmenskultur. Die Aufsichtsräte setzen ihre Unternehmen, darunter Audi, Telekom, VW und Adidas, weltweit dem Verdacht aus, sie ließen bei Steuerbetrug und anderen Delikten Fünfe gerade sein.

Etwas ziemlich Ungeheuerliches

Warum tun sie das? Warum riskieren sie ihr Ansehen und das ihrer Unternehmen? Eine Antwort geben sie nicht. Sie halten es nicht für erforderlich, ihr kumpanenhaftes Verhalten zu erklären. Es bleibt ein Geheimnis, so wie der Fußball viele Geheimnisse hat, etwa das, wie die WM 2006 nach Deutschland kam. Im Fall Hoeneß drängt sich die Vermutung auf: Könnte es sein, dass die Bayern-Aufsichtsräte gemeinsame Leichen im Keller haben und fürchten, Hoeneß werde die Kellertür öffnen, wenn sie ihn verstoßen? Was könnte da wohl ans Tageslicht kommen? Es müsste schon etwas Ungeheuerliches sein.


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8 Kommentare zu “Liegen Leichen im Keller?”

  1. s10n sagt:

    Herr Horn,
    Sie haben offenbar den Blick für das große Ganze verloren: Politik, Medien, Stiftungen, aus allen Ecken dringt seit geraumer Zeit die Erkenntnis, dass Steuern eigentlich staatlich organisierter Diebstahl sind, weil der Staat nichts auf die Reihe bekommt – Polizei, Feuerwehr, ÖPNV sozialer Wohnungsbau und, das haben wir ja im Zuge der Jahrhundertflut wieder tausendmal gehört, natürlich auch Deiche, werden einfach besser privat organisiert.
    Der Staat hingegen verprasst das Geld völlig sinnlos für Straßen, Schulen, Unis oder die Organisation einer ganz basalen Existenz für Vollzeitarbeitende mit Dumpinglöhnen; deutsche Unternehmen könnten aber auch ohne jede Infrastruktur global konkurrenzfähig wirtschaften. Mehr noch: Wenn keiner mehr Steuer bezahlte, wären die Waren sogar noch billiger und Deutschland könnte sogar mit Bangladesch konkurrieren. Und damit zurück in die harte Realität jenseits der „bürgerlichen“ Parteien.

    Niemand hat je behauptet, dass die FDP eine staatsgefährdende Partei sei, nur weil sie den Staat den Unternehmen zum Fraß vorwirft. Hier beginnt das Übel, dass sich dann im heimlichen Neid auf Kriminelle wie Hoeneß, der, um das mal auf den Punkt zu bringen, schweren Diebstahl an der gesamten deutschen Bevölkerung begangen hat, auslebt, statt solche Leute mit der Wut der Gerechten aus dem Lande zu jagen. [So viel Pathos muss sein ;)]

  2. Markus sagt:

    Zum Fall und zur Person von Uli Hoeneß könnte man vielleicht sagen, daß dieser der von Ihnen beschriebene Steuerbetrüger ist – ohne Wenn und Aber.

    Dennoch genießt Hoeneß nicht nur bei den eingeschlägigen Wirtschaftsbossen und Kumpanen in den Vorstandsetagen weiterhin ungebrochene Unterstützung, sondern durchaus auch beim „einfachen (Fußball-)Volk“. Da werden seine tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Fähigkeiten als Manager des FC Bayern München über den grünen Klee gelobt und auch sein Engagement jenseits des Fußballplatzes findet immer noch Anerkennung. Und das obwohl dieselben Leuten auch zugeben, daß der „kleine Mann“ schon für Bagatelldelikte meist hart bestraft wird und nicht so glimpflich davonkommt wie ein „Promi“ mit Namen Uli Hoeneß.

  3. […] Ulli Hoeneß und die FC Bayern-Aufsichtsräte: Liegen Leichen im Keller? (Post von Hor… – […]

  4. M sagt:

    Eine Krähe hackt der Anderen……….usw.

  5. sword sagt:

    Selten so einen sinnfreien Artikel gelesen, der auch noch so von Verblendung strotzt.

    Da hat sich aber jemand schön blenden lassen. Wie wäre es, wenn ich mal Deine Steuererklärung prüfen dürfte? Falls Du überhaupt eine machst. Wir könnten auch sämtliche Steuererklärungen der einfachen Bürger nehmen. Da wird wesentlich mehr beschissen, da es mehr Masse ist, als Uli jemals hätte an Schaden anrichten können. Ein Unterschied scheint überall bewusst weggelassen zu werden, nämlich der, dass Hoeneß nie bei seinem Einkommen beschissen hat, sondern lediglich bei Zinseinnahmen. Ich möchte das Handeln von Hoeneß nicht legalisieren, doch die wahren Steuerverbrecher sind die großen Konzerne, welche mit Mrd an Subventionen vom Steuerzahler finanziert werden, da sie nicht die wirkichen Löhne zahlen wollen, da die Arbeitnehmer sich den Rest von den Argen holen dürfen. Erinnert mich auch an Zumwinkel, der ja um 1 Million beschissen hat, während die IKB gleichzeitig mit 10 Mrd an Steuergeldern gestopft wurde. Aber alle Welt spricht vom bösen Zumwinkel. So ein Artikel ist eine Beton 6, da man sich mal wieder hat blenden lassen. Wie wäre es mal lieber mit einer Anklage oder Artikel über die Steuerbetrügereien der großen Firmen, wo Steuerfahnder, die zu dicht an der Wahrheit waren, als Psychos abgestempelt wurden und werden, wo andere wiederum versetzt oder in Rente geschickt werden und wurden (Hessen Koch)? Ebenso über sämtliche Zweckentfremdungen unserer Steuern? Herr Hoeneß wäre da gar nicht erwähnenswert. Ein Hoch auf den Mainstream…..und sowas liest man auf NNE…*roll*

  6. Klaus sagt:

    1) Hoeneß weigert sich nicht, wie Horn behauptet, Konsequenzen zu ziehen. Er hat dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt angeboten. Was auch immer man davon hält, es ist eine Konsequenz, die er da gezogen hat.

    2) Öffentliche Aufgabe und Bayern München? Das ist absurd. Bayern München ist ein privater Verein und verantwortlich ist Hoeneß lediglich gegenüber den Mitgliedern und nicht jedem dahergelaufen Bürger, der sich anmaßt, Ansprüche zu stellen.

    • Ulrich Horn sagt:

      1. Hoeneß soll keine Konsequenzen anbieten. Er soll sie ziehen. In seiner Lage packt man still und leise seinen Karton und geht durch die Hintertür.
      2. Müsste der private Verein Bayern München alle Steuermittel und TV-Gebühren zurückzahlen, die er von den „hergelaufenen Bürgern“ – auch jenen, die mit Fußball nicht am Hut haben – seit Bestehen der Bundesliga kassiert hat, stünde er da wie der VfL Bochum.

  7. […] wohl ans Tageslicht kommen? Es müsste schon etwas Ungeheuerliches sein.   Crosspost von Post von Horn […]

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