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Nebenbei

  • Putin und seine Opfer

    Erfahrene Übeltäter wissen: Gut geschützt sind sie, wenn sie gegen Übeltäter wettern. Diese Methode, von sich abzulenken, ist simpel, aber durchaus effektiv. Russlands Präsident Putin demonstriert gerade, wie man sie praktiziert.– Seine Regierung hat nicht, wie es ihre Pflicht wäre, Doping unterbunden, sondern gefördert und betrieben. Der Betrug flog auf. Putin und die russischen Athleten standen am Pranger. Lange mussten sie dort nicht ausharren. Das IOC und ihr Präsident Bach taten ihr Bestes, um unangenehme Konsequenzen von ihnen abzuwenden. Während Putin dabei war, sein Gesicht zu verlieren, versuchte Bach, es zu verschleiern. Bei dieser Aktion verlor auch er sein Gesicht. Er nahm es in Kauf. Er braucht für seine Wiederwahl Putins Hilfe. – Was den Funktionären der vermeintlich gesunden Olympiasportler offensichtlich fehlt, zeigten die Funktionäre der behinderten Sportler: Rückgrat. Sie bestraften den Betrug der russischen Regierung und sperrten Russlands Paralypics-Team. Sie stellten Putin und Bach bloß. – Jene russischen Sportler, die auf Druck ihrer Regierung dopten, und jene, die zu Unrecht von den Spielen in Rio ausgeschlossen wurden, müssten über den Betrug ihrer Regierung wütend sein. Die Regierung hat sie mit dem Doping um den Lohn ihrer Anstrengung gebracht. Auch die vielen russischen Sportsfans müssten sich über Putin und sein Regierungsteam empören. – Damit Proteste gar nicht erst hörbar werden, regen sich Putin und seine Regierung auf, die Sanktionen seien zynisch. Sie deuten die Bestrafung ihres niederträchtigen Betrugs als niederträchtigen Angriff auf Russland um. Der Täter macht sich zum Opfer und will die Betrogenen zu Tätern machen. Putin disqualifiziert sich ein weiteres Mal. – Ulrich Horn

Für den SPD-Kandidaten wird es eng

Was liegt sonst noch in Steinbrücks Keller?

Freitag, 7. Dezember 2012

Politik

(uh) SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wird für seine Partei immer mehr zum Wahlkampf-Risiko. Vor dem Krönungsparteitag am kommenden Sonntag werden beinahe täglich neue Sachverhalte bekannt, die ihn und die Partei in schiefes Licht setzen. Die peinlichen Vorgänge werden zunehmend gravierender. Inzwischen gerät sogar seine Arbeit als Bundesfinanzminister in Verruf.

Verteidigungslinie bricht zusammen

Im Zusammenhang mit seinen hoch dotierten Vorträgen war ihm vorgeworfen worden, er habe Distanz zu den Banken vermissen lassen. Die hohen Honorare für seine Vorträge seien das Dankeschön für die bankenfreundliche Politik während seiner Zeit als Finanzminister gewesen. Steinbrück hatte sich gegen diesen Verdacht heftig gewehrt und darauf verwiesen, dass er den Banken stets die Leviten gelesen habe.

Diese Verteidigungslinie bricht nun zusammen. Die „Zeit“ machte bekannt, dass in der Ära des Bundesfinanzministers Steinbrück Beamte des Ministeriums eine Gesetzesreform betrieben, die es den Banken ermöglichte, hohe Gewinne auf Kosten der deutschen Steuerzahler zu machen.

Schlimmer noch: Bei der Gesetzesänderung stützte sich das Ministerium auf ein Papier des Bundesverbandes deutscher Banken. Die Beamten übertrugen lange Passagen dieses Lobbyisten-Konzepts wörtlich in das neue Gesetz.

Auswirkungen nicht zu überschauen

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter und einen Kunden der HypoVereinsbank wegen des Verdachts auf Steuerbetrug. Die Ermittlungen haben sich nach Ansicht von Experten auch aus dem schlecht fabrizierten Steuergesetz ergeben. Schon ist davon die Rede, Steinbrücks Reformgesetz könnte eine Serie von Prozessen nach sich ziehen.

Bisher ging es bei den Vorgängen, die ihn belasten, um Sachverhalte aus der Vergangenheit. Nun kommt erstmals etwas auf den Tisch, was dem Kandidaten und seiner Partei auch in Zukunft noch viel Ärger machen kann. Das Ausmaß und die Auswirkungen sind noch nicht zu überschauen. Sie könnten den Kandidaten und die SPD bis zum Wahltag und noch danach beschäftigen.

Beachtung in der SPD findet auch der Umstand, dass ausgerechnet die „Zeit“ den peinlichen Vorgang um das Steuergesetz zum Thema machte. Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt hatte sich öffentlich stark für Steinbrücks Kandidatur eingesetzt. Nun nutzt die Zeitung diesen Umstand und Steinbrücks Schwäche, um auf seine Kosten ihre Unabhängigkeit und Distanz zu demonstrieren.

Viele fühlen sich unwohl

Dass sich die Banken in seiner Amtszeit als Finanzminister selbst ein Gesetz schreiben konnten, das ihnen hohe Gewinne verschaffte und ihnen möglicherweise half, den Staat um Steuern zu betrügen, löst in der SPD Entsetzen aus. Bisher hatten Mitglieder und Sympathisanten die Enthüllungen über den Kandidaten mit zusammengebissenen Zähnen widerwillig ertragen.

Doch nach den jüngsten Berichten wird es für ihn eng in der SPD. Mitglieder und Funktionäre fragen sich, wie groß der Keller ist, in dem er seine Leichen lagert. Viele befürchten, dass in den nächsten Wochen weitere unangenehme Vorgänge an den Tag kommen werden, die den Bundestagswahlkampf verhageln könnten.

Der Ärger ist auch deshalb groß, weil der Kandidat nicht von einer breiten Mehrheit der Mitglieder gewählt, sondern der Partei von einer kleinen Gruppe in der Parteiführung aufgezwungen wurde. Viele Mitglieder sehen sich gegen ihren Willen in Mithaftung genommen. Immer mehr fühlen sich dabei unwohl.

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7 Kommentare zu “Was liegt sonst noch in Steinbrücks Keller?”

  1. Werner Jurga sagt:

    Die Thematik ist relevant. Der Kommentar auch. Schlimmer noch: ich mag nichts gegen ihn einwenden. Und das Allerschlimmste: ich kann nichts gegen ihn einwenden.

  2. […] gegen Mursi…Jungle World Debatte: Was liegt sonst noch in Steinbrücks Keller?…Post von Horn Pop: Pussy Riot bei 1Live-Krone – Smudo hält bewegende Laudatio…Der […]

  3. Jürgen sagt:

    Naja, man sollte nicht verschweigen, dass dies unter der Regie von Fr. Angela Merkel als Bundeskanzlerin passierte. Das Fr. Merkel auch nicht unbedingt als bankenfern gilt, zeigt doch das berühmte Geburtstagsessen für Hr. Ackermann im Bundeskanzleramt, an dem sie auch teilgenommen hat.

    Es ist aber schon richtig, dass sich immer mehr zeigt, insbesondere für die Genossen und Genossinnen selber, Hr. Steinbrück ist der falsche Kandidat der SPD. Und ohne Inhalte geht sowieso nichts.

    • Uwe sagt:

      Man sollte in dem Zusammenhang auch das sogenannte „Personalaustauschprogramm Seitenwechsel“ erwähnen. Dieses wurde 2004 vom damaligen Bundesminister Otto Schily und dem Personalvorstand der Deutschen Bank AG, Tessen von Heydebreck initiiert und wird noch heute praktiziert.

      Wikipedia: „Neben Beamten und Angestellten arbeiten seit mehreren Jahren auch externe Mitarbeiter in deutschen Bundesministerien. Dabei handelt es sich nicht um klassische Freie Mitarbeiter, die von den Behörden finanziert werden, sondern um Personal aus der Privatwirtschaft, aus Verbänden und Interessengruppen, die weiterhin Angestellte ihres eigentlichen Arbeitgebers bleiben und von diesem bezahlt, zeitweilig in Bundesministerien tätig sind….“

  4. Volker Birk sagt:

    Die Christlich Grüne Union unter Göring-Eckardt wird sowieso die Vizekanzlerin stellen.

    Die SPD kann ihren Vizekanzler-Kandidaten gefahrlos zurückrufen.

  5. Manfred Mchael Schwirske sagt:

    Mag nichts, kann nichts gegen ihn einwenden. Brauch auch keiner tun. Der Kandidat spricht fuer sich selbst. D.h. gegen sich. Frage ist, wer sonst genießt die Gunst des Alten und die der Banken? Und womöglich die der Wähler.

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