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Nebenbei

  • Krafts Glanz

    Hannelore Krafts Stern ist seit der NRW-Wahl 2012 stark verblasst. Nun versucht die NRW-SPD, ihn aufzupolieren. Auf dem Landesparteitag in Bochum wurde sie am Wochenende mit DDR-ähnlichen 98,45 Prozent als SPD-Landesvorsitzende bestätigt. Sie steht in der NRW-SPD konkurrenzlos da. Sie hat keinen Kronprinzen und schon gar keine Kronprinzessin zu fürchten, die ihr das Amt der SPD-Landesvorsitzenden und NRW-Regierungschefin streitig machen könnten. Das ist bemerkenswert, weil Kraft in fast allen wichtigen politischen Bereichen mit leeren Händen dasteht. Dass sie in ihrer Partei dennoch unangefochten bleibt, zeigt, wie ratlos die Funktionärselite der NRW-SPD ist. Inhaltlich hat die Partei kaum etwas zu bieten. Doch ihre Machtreflexe funktionieren noch. Um ihre Konzeptionslosigkeit zu verbergen, versucht sie, Krafts innerparteiliches Ansehen aufzumöbeln und die Ministerpräsidentin von ihren ausbleibenden Erfolgen abzukoppeln. Ihr gutes Wahlresultat erhielt Kraft nicht trotz, sondern wegen ihrer bescheidenen Regierungsresultate. Hinter dem Bemühen der SPD-Delegierten, ihre Spitzenkandidatin glänzen zu lassen, steht die Hoffnung, die dürftige Bilanz der Regierung Kraft ließe sich gegenüber Mitgliedern und Wählern in den Hintergrund drängen und mit Krafts Glamour überstrahlen. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Rechnung bei der NRW-Wahl im Mai aufgehen wird. Um die Regierungsposten und Landtagsmandate zu verteidigen, wird die SPD ihren Wahlkampf nicht mit Leistungsnachweisen bestreiten, sondern mit Krafts Popoularität und ein paar Plänen und Versprechen für die nähere und fernere Zukunft. Kritik an der NRW-SPD wegen der vielen Defizite des Landes, die auf das Konto der Partei gehen, wird sie als Diffamierung und Nestbeschmutzung abtun. Diese Abwehrstrategie dient dazu, Angriffe der Opposition zu entschärfen und zum eigenen Vorteil zu nutzen. Sie ist seit Raus Zeiten als tauglich erprobt. Durchaus möglich, dass sie auch bei der nächsten NRW-Wahl greift. – Ulrich Horn

    Nachtrag:

    Die NRW-Grünen nominierten am Wochenende ebenfalls ihre Spitzenkandidatin für die NRW-Wahl, Sylvia Löhrmann, – mit nur 80,6 Prozent. Sie nannte ihr Resultat ein „ehrliches Ergebnis“. Was mag sie wohl über Kraft Wahlergebnis von 98,45 Prozent denken? (uh)

Dallas an der Ruhr und die Folgen

Montag, 5. September 2011

Medien

(uh) Die WAZ-Eigentümer führten sich oft auf wie die Ewings in der TV-Serie Dallas. Nun starten sie eine neue Staffel von „Dallas im Revier“. Die Gewichte im Konzern werden verschoben. Die Brost-Gruppe will ihren 50 Prozent-Anteil für 500 Millionen Euro an Petra Grotkamp von der Funke-Gruppe verkaufen. Grotkamp hielte dann knapp 67. Mit der neuen Eigentümer-Struktur könnte sich im Konzern einiges ändern.

Der Heimatmarkt

Der Wandel wird zunächst wohl das Führungspersonal treffen. Bodo Hombach, Geschäftsführer der Brost-Gruppe, dürfte seinen Job verlieren. Hombach war behilflich, das Geschäftsfeld der WAZ-Gruppe nach Osteuropa auszuweiten. Er führte die WAZ mit dem Portal DerWesten ins Internet-Geschäft und rationalisierte bei den Zeitungen im Heimatmarkt: Er legte Redaktionen zusammen und reduzierte die Redakteurstellen um 300 auf 600. Die Redaktionsarbeit wurde neu organisiert, die Konkurrenz zwischen den Zeitungstiteln abgeschliffen. Sie soll durch Kooperation ersetzt werden.

Die bisherigen Äußerungen der Grotkamp-Seite deuten darauf hin, dass die WAZ ihr Engagement in Osteuropa reduzieren wird. Die Aktivitäten dort bereiten dem Verlag zunehmend Ärger, bis hin zu dem Vorwurf, er kooperiere mit der Mafia. Grotkamp ließ erkennen, dass sie verstärkt im Heimatmarkt tätig werden will. Dort soll die WAZ-Gruppe rentabler werden. Die Auflage der NRW-Zeitungen gehen seit Jahren überdurchschnittlich stark zurück.

Diesen Trend zu bremsen dürfte schwer werden. Die Rahmenbedingungen im Verbreitungsgebiet der WAZ sind schwierig. Die Zahl der Einwohner ist stark gesunken. Die Abwärtsbewegung wird sich noch beschleunigen. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen zunehmen, die von Transferleistungen abhängig sind und den Kauf von Tageszeitungen für entbehrlich halten.

Um dennoch profitabler werden, wird der Konzern weiter rationalisieren müssen. Das wird nur gelingen, wenn er die Kooperation zwischen den Titeln verstärkt und die Produktion der Mantelteile weiter zentralisiert. Schon bald könnte sich die Frage stellen, ob jeder Titel einen eigenen Newsdesk benötigt. Und ob man nicht stärker externe Autoren einsetzen müsste.

Die Online-Schwäche

Ein weiterer Schwachpunkt der WAZ-Gruppe ist ihr Internet-Auftritt. Das Portal DerWesten blieb hinter den Erwartung zurück. Es gelang bisher nicht, den Online-Auftritt der Rheinischen Post zu überflügeln. Noch weiter hinkt die WAZ hinter dem Springer-Verlag her, der Online bereits mehr Gewinn erzielt als mit den Print-Produkten.

Um der Konkurrenz auf den Fersen zu bleiben, wird der WAZ-Verlag Online und Print noch enger verzahnen müssen. Und er muss seine lokale Kernkompetenz als Informationsquelle, Meinungsführer und Diskussionsforum verstärken. Ohne Investitionen in die Qualifizierung des Personals wird das kaum gelingen.

Der Druck der Rundfunkanstalten

Wie sehr sich der Konzern und die übrigen Verlage unter Druck fühlen, zeigt sich in der Diskussion um das kostenfreie Online-Konzept der gebührenfinanzierten Rundfunkanstalten. Der Vorsitzende der NRW-Zeitungsverleger, WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus, wirft den öffentlich-rechtlichen Anstalten vor, mit kostenlosen Internet-Aktivitäten das Online-Geschäftsfeld der Verlage zu ruinieren.

Nienhaus kämpft gegen die Haushaltsgebühr, die demnächst die Geräte-Gebühr ablösen soll. Der Ton zwischen den Verlegern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird schärfer. Abgeordneten, die gegen die Haushaltsgebühr stimmen wollen, sei angedroht worden, sie müssten mit negativer Berichterstattung im WDR rechnen, behauptete Nienhaus. Einen Beleg lieferte er nicht. Der WDR drohte mich rechtlichen Schritten. Inzwischen ruderte Nienhaus zurück. Er sei missverstanden worden.

Die politische Ausrichtung

Werden sich die Veränderungen bei den WAZ-Eigentümern auf die politische Ausrichtung der Titel auswirken? Der WAZ-Verlag war schon immer stark politisiert. Lange Zeit hielten sich die beiden Eigentümer-Gruppen Brost (SPD) und Funke (CDU) in Schach, wobei die SPD dank ihrer langen Regierungszeit in NRW und ihrer starken Stellung in den Ruhrgebietsstädten sicher Vorteile genoss, sehr zum Leidwesen der CDU.

In den letzten Jahren sah man in der SPD jedoch Anlass zu klagen. Die Partei, die selbst Verlagsgeschäfte betreibt und an Medienunternehmen beteiligt ist, neigt dazu, Medien und Journalisten zu vereinnahmen. Und sich zu empören, wenn sie meint, ihr werde nicht genug Beachtung geschenkt. Der frühere WAZ-Geschäftsführer Schumann (SPD) half dem ehemaligen CDU-Kanzler Kohl mit einem hohen sechsstelligen Betrag, als Kohl in der Spendenaffäre in Not geriet. In der SPD schlugen die Wellen hoch.

Kein Bonus für die SPD

Später traf der Unmut der SPD auch WAZ-Geschäftsführer Hombach (SPD). Man warf ihm vor, mit CDU-Ministerpräsident Rüttgers zu kollaborieren und es zuzulassen, dass die WAZ ins Lager der Neoliberalen abdrifte, die SPD überkritisch behandle und vor Ort sogar benachteilige. Dass der frühere Bevollmächtigte der Funke Gruppe, CDU-Mitglied Holthoff-Pförtner, Helmut Kohl als Anwalt vertrat, und Hombach und Holthoff-Pförtner gut zusammenarbeiteten, stachelte das Misstrauen der SPD noch an.

Im Vorfeld der Landtagswahl 2010 verschärfte sich die Kontroverse. Das SPD-nahe Kampfblog „Wir in NRW“ behauptete, in NRW sei die Pressefreiheit gefährdet. Eine unabhängige Berichterstattung sei nicht mehr gewährleistet, Rüttgers führe die Verlage am kurzen Zügel, die Verlage ließen Kritik am Regierungschef nicht mehr zu.

Diese Sicht der Dinge war leicht als Legende zu erkennen. Sie sollte verschleiern, dass dieses Blog als Schaufenster und Deponie für skandalöse CDU-Interna gegründet worden war, die von Rüttgers-Gegnern in der Union durchgestochen wurden. Dennoch zeigt der Vorgang, wie heftig in den Politik- und Medienkulissen des Landes um Vorteile gerungen wird.

Die Zeiten, in denen die SPD damit rechnen konnte, im Ruhrgebiet einvernehmlich mit und unbehelligt von der WAZ zu agieren, sind längst vorbei. Sie werden kaum wiederkehren. In der SPD geht man davon aus, dass CDU und FDP versuchen werden, vom Wandel der Eigentümer-Struktur bei der WAZ zu profitieren.

Schwindende Gestaltungskraft

Die Härte, mit der WAZ-Geschäftsführer Nienhaus den Konflikt um der Rundfunkgebühren zuspitzte, lässt vermuten, dass sich zumindest der Stil der WAZ ändern könnte. Statt leise die Strippen zu ziehen, könnte es schon mal laut werden. Ob sich der Konzern dauerhaft und folgenlos die konservative Orientierung seiner mittelständischen Anzeigenkunden zueigen machen kann, wird sich zeigen. Grotkamps Durchmarsch im Konzern kann trotz ihrer Mehrheit ins Stocken geraten. Sie und die restlichen Eigentümer der Funke-Gruppe können sich blockieren, falls das Prinzip der Einstimmigkeit in der Gruppe Bestand haben sollte.

Der Kampf um die Dominanz im Ruhrgebiet wird derzeit weniger durch die Politik geprägt. Anders als zu früheren Zeiten ist die Landesregierung heute nicht mehr in der Lage, den Strukturwandel im Ruhrgebiet finanziell abzufedern und konzeptionell zu gestalten. Es sind die großen Unternehmen, die versuchen, das Ruhrgebiet zu revitalisieren. Sie stehen der Union näher als der NRW-SPD.

Die WAZ begleitet den Modernisierungsversuch. Ihr Geschäftsführer Hombach engagiert sich als Moderator des Initiativkreises Ruhr für das Projekt Innovation City. Und er holte die rot-grüne Landesregierung ins Boot. Auch nach Hombachs Ausstieg bei der WAZ wird der Konzern diesen Kurs wohl aus eigenem Interesse fortsetzen. Welche Partei aber von diesem Prozess profitiert, ist bisher noch nicht ausgemacht.

 

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2 Kommentare zu “Dallas an der Ruhr und die Folgen”

  1. Stefan sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel!

  2. Härte nennen Sie das mit der Zuspitzung? Ich persönlich würde es weiterhin eher als mißglücktes PR-Manöver ansehen, was ja inzwischen (siehe Link) auch zu einem Rückzieher führte…

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