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Nebenbei

  • Wie befreit aufgespielt

    Hoeneß ist wieder da, und schon ist alles beim Alten. So lange er für einige Monate weggeschlossen war, führte sich der FCB halbwegs anständig auf. Es wurde deutlich, was sein könnte, wenn nicht Hoeneß die Atmosphäre der Bundesliga prägte. Nun wiegelt der Mann, der wie ein Bullterrier agiert, wieder auf – und Rummenigge wieder ab. Die Arbeitsteilung klappt, als hätte Hoeneß nie eingesessen. Seine Hummels-Pöbelei zeigt, wie sehr der Druck, unter dem sein Verein steht, die Liga in Mitleidenschaft zieht. Der FCB ist zwar ein reicher Club. Englische Konkurrenten verfügen aber über mehr Mittel. Ändern sich die Verhältnisse nicht, wird es der FCB bald sehr schwer haben, sich so zu verstärken, dass er auf Dauer mithalten kann. Sogar in der Bundesliga ist seine Dominanz schon bedroht. Er hat Mühe, sich Dortmund vom Hals zu halten. Um erfolgreich zu bleiben, muss er Einnahmen generieren – über die Bundesliga und die Champions League hinaus. Nötiger als seine Wettbewerber braucht er Titel, möglichst viele, allen voran nationale. Dass er fast jedes Jahr deutscher Meister wird, ist die Basis seines wirtschaftlichen Erfolges. Um ihn zu stabilisieren, tut er alles, auf dem Platz und neben ihm. Er muss nicht nur stärker sein als nationale Konkurrenten. Er muss sie auch schwächen, sie in Unruhe versetzen, ihnen die besten Spieler abkaufen. Fußballerfolg hängt am Geld. Hoeneß war einer der ersten Funktionäre, der dieses Gesetz erkannte und nach ihm handelte. Beizukommen ist ihm und dem FCB nur, wenn man es besser macht als sie. Die Dortmunder versuchen es, die Schalker träumen davon. Sie haben nicht den Erfolg, sondern den Traum von ihm zum Daseinszweck ihres Vereins gemacht. Sie scheinen nicht zu begreifen, dass die Erfolge um Schalke so lange einen großen Bogen machen, wie der Verein auf einem Schuldenberg sitzt, der höher ist als jede Bergehalde im Revier. – Ulrich Horn

Dallas an der Ruhr und die Folgen

Montag, 5. September 2011

Medien

(uh) Die WAZ-Eigentümer führten sich oft auf wie die Ewings in der TV-Serie Dallas. Nun starten sie eine neue Staffel von „Dallas im Revier“. Die Gewichte im Konzern werden verschoben. Die Brost-Gruppe will ihren 50 Prozent-Anteil für 500 Millionen Euro an Petra Grotkamp von der Funke-Gruppe verkaufen. Grotkamp hielte dann knapp 67. Mit der neuen Eigentümer-Struktur könnte sich im Konzern einiges ändern.

Der Heimatmarkt

Der Wandel wird zunächst wohl das Führungspersonal treffen. Bodo Hombach, Geschäftsführer der Brost-Gruppe, dürfte seinen Job verlieren. Hombach war behilflich, das Geschäftsfeld der WAZ-Gruppe nach Osteuropa auszuweiten. Er führte die WAZ mit dem Portal DerWesten ins Internet-Geschäft und rationalisierte bei den Zeitungen im Heimatmarkt: Er legte Redaktionen zusammen und reduzierte die Redakteurstellen um 300 auf 600. Die Redaktionsarbeit wurde neu organisiert, die Konkurrenz zwischen den Zeitungstiteln abgeschliffen. Sie soll durch Kooperation ersetzt werden.

Die bisherigen Äußerungen der Grotkamp-Seite deuten darauf hin, dass die WAZ ihr Engagement in Osteuropa reduzieren wird. Die Aktivitäten dort bereiten dem Verlag zunehmend Ärger, bis hin zu dem Vorwurf, er kooperiere mit der Mafia. Grotkamp ließ erkennen, dass sie verstärkt im Heimatmarkt tätig werden will. Dort soll die WAZ-Gruppe rentabler werden. Die Auflage der NRW-Zeitungen gehen seit Jahren überdurchschnittlich stark zurück.

Diesen Trend zu bremsen dürfte schwer werden. Die Rahmenbedingungen im Verbreitungsgebiet der WAZ sind schwierig. Die Zahl der Einwohner ist stark gesunken. Die Abwärtsbewegung wird sich noch beschleunigen. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen zunehmen, die von Transferleistungen abhängig sind und den Kauf von Tageszeitungen für entbehrlich halten.

Um dennoch profitabler werden, wird der Konzern weiter rationalisieren müssen. Das wird nur gelingen, wenn er die Kooperation zwischen den Titeln verstärkt und die Produktion der Mantelteile weiter zentralisiert. Schon bald könnte sich die Frage stellen, ob jeder Titel einen eigenen Newsdesk benötigt. Und ob man nicht stärker externe Autoren einsetzen müsste.

Die Online-Schwäche

Ein weiterer Schwachpunkt der WAZ-Gruppe ist ihr Internet-Auftritt. Das Portal DerWesten blieb hinter den Erwartung zurück. Es gelang bisher nicht, den Online-Auftritt der Rheinischen Post zu überflügeln. Noch weiter hinkt die WAZ hinter dem Springer-Verlag her, der Online bereits mehr Gewinn erzielt als mit den Print-Produkten.

Um der Konkurrenz auf den Fersen zu bleiben, wird der WAZ-Verlag Online und Print noch enger verzahnen müssen. Und er muss seine lokale Kernkompetenz als Informationsquelle, Meinungsführer und Diskussionsforum verstärken. Ohne Investitionen in die Qualifizierung des Personals wird das kaum gelingen.

Der Druck der Rundfunkanstalten

Wie sehr sich der Konzern und die übrigen Verlage unter Druck fühlen, zeigt sich in der Diskussion um das kostenfreie Online-Konzept der gebührenfinanzierten Rundfunkanstalten. Der Vorsitzende der NRW-Zeitungsverleger, WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus, wirft den öffentlich-rechtlichen Anstalten vor, mit kostenlosen Internet-Aktivitäten das Online-Geschäftsfeld der Verlage zu ruinieren.

Nienhaus kämpft gegen die Haushaltsgebühr, die demnächst die Geräte-Gebühr ablösen soll. Der Ton zwischen den Verlegern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird schärfer. Abgeordneten, die gegen die Haushaltsgebühr stimmen wollen, sei angedroht worden, sie müssten mit negativer Berichterstattung im WDR rechnen, behauptete Nienhaus. Einen Beleg lieferte er nicht. Der WDR drohte mich rechtlichen Schritten. Inzwischen ruderte Nienhaus zurück. Er sei missverstanden worden.

Die politische Ausrichtung

Werden sich die Veränderungen bei den WAZ-Eigentümern auf die politische Ausrichtung der Titel auswirken? Der WAZ-Verlag war schon immer stark politisiert. Lange Zeit hielten sich die beiden Eigentümer-Gruppen Brost (SPD) und Funke (CDU) in Schach, wobei die SPD dank ihrer langen Regierungszeit in NRW und ihrer starken Stellung in den Ruhrgebietsstädten sicher Vorteile genoss, sehr zum Leidwesen der CDU.

In den letzten Jahren sah man in der SPD jedoch Anlass zu klagen. Die Partei, die selbst Verlagsgeschäfte betreibt und an Medienunternehmen beteiligt ist, neigt dazu, Medien und Journalisten zu vereinnahmen. Und sich zu empören, wenn sie meint, ihr werde nicht genug Beachtung geschenkt. Der frühere WAZ-Geschäftsführer Schumann (SPD) half dem ehemaligen CDU-Kanzler Kohl mit einem hohen sechsstelligen Betrag, als Kohl in der Spendenaffäre in Not geriet. In der SPD schlugen die Wellen hoch.

Kein Bonus für die SPD

Später traf der Unmut der SPD auch WAZ-Geschäftsführer Hombach (SPD). Man warf ihm vor, mit CDU-Ministerpräsident Rüttgers zu kollaborieren und es zuzulassen, dass die WAZ ins Lager der Neoliberalen abdrifte, die SPD überkritisch behandle und vor Ort sogar benachteilige. Dass der frühere Bevollmächtigte der Funke Gruppe, CDU-Mitglied Holthoff-Pförtner, Helmut Kohl als Anwalt vertrat, und Hombach und Holthoff-Pförtner gut zusammenarbeiteten, stachelte das Misstrauen der SPD noch an.

Im Vorfeld der Landtagswahl 2010 verschärfte sich die Kontroverse. Das SPD-nahe Kampfblog „Wir in NRW“ behauptete, in NRW sei die Pressefreiheit gefährdet. Eine unabhängige Berichterstattung sei nicht mehr gewährleistet, Rüttgers führe die Verlage am kurzen Zügel, die Verlage ließen Kritik am Regierungschef nicht mehr zu.

Diese Sicht der Dinge war leicht als Legende zu erkennen. Sie sollte verschleiern, dass dieses Blog als Schaufenster und Deponie für skandalöse CDU-Interna gegründet worden war, die von Rüttgers-Gegnern in der Union durchgestochen wurden. Dennoch zeigt der Vorgang, wie heftig in den Politik- und Medienkulissen des Landes um Vorteile gerungen wird.

Die Zeiten, in denen die SPD damit rechnen konnte, im Ruhrgebiet einvernehmlich mit und unbehelligt von der WAZ zu agieren, sind längst vorbei. Sie werden kaum wiederkehren. In der SPD geht man davon aus, dass CDU und FDP versuchen werden, vom Wandel der Eigentümer-Struktur bei der WAZ zu profitieren.

Schwindende Gestaltungskraft

Die Härte, mit der WAZ-Geschäftsführer Nienhaus den Konflikt um der Rundfunkgebühren zuspitzte, lässt vermuten, dass sich zumindest der Stil der WAZ ändern könnte. Statt leise die Strippen zu ziehen, könnte es schon mal laut werden. Ob sich der Konzern dauerhaft und folgenlos die konservative Orientierung seiner mittelständischen Anzeigenkunden zueigen machen kann, wird sich zeigen. Grotkamps Durchmarsch im Konzern kann trotz ihrer Mehrheit ins Stocken geraten. Sie und die restlichen Eigentümer der Funke-Gruppe können sich blockieren, falls das Prinzip der Einstimmigkeit in der Gruppe Bestand haben sollte.

Der Kampf um die Dominanz im Ruhrgebiet wird derzeit weniger durch die Politik geprägt. Anders als zu früheren Zeiten ist die Landesregierung heute nicht mehr in der Lage, den Strukturwandel im Ruhrgebiet finanziell abzufedern und konzeptionell zu gestalten. Es sind die großen Unternehmen, die versuchen, das Ruhrgebiet zu revitalisieren. Sie stehen der Union näher als der NRW-SPD.

Die WAZ begleitet den Modernisierungsversuch. Ihr Geschäftsführer Hombach engagiert sich als Moderator des Initiativkreises Ruhr für das Projekt Innovation City. Und er holte die rot-grüne Landesregierung ins Boot. Auch nach Hombachs Ausstieg bei der WAZ wird der Konzern diesen Kurs wohl aus eigenem Interesse fortsetzen. Welche Partei aber von diesem Prozess profitiert, ist bisher noch nicht ausgemacht.

 

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2 Kommentare zu “Dallas an der Ruhr und die Folgen”

  1. Stefan sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel!

  2. Härte nennen Sie das mit der Zuspitzung? Ich persönlich würde es weiterhin eher als mißglücktes PR-Manöver ansehen, was ja inzwischen (siehe Link) auch zu einem Rückzieher führte…

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