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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Von Sündern und Sündenböcken

Mittwoch, 2. Februar 2011

Politik

(uh) Selten hat sich eine Regierung so kurz nach ihrem Amtsantritt so blamiert. Die die rot-grüne NRW-Minderheitsregierung wurde mit ihrem Nachtragsetat beim Tricksen und Täuschen erwischt. Finanzminister Walter-Borjans bezieht dafür kräftig Prügel. Dabei war es wohl Ministerpräsidentin Kraft, die den Zug auf das falsche Gleis setzte.

Das Elend nahm seinen Lauf mit der Kabinettsklausur Ende August. Wie die Rheinische Post damals berichtete, drang Kraft darauf, in den Etat 1,3 Milliarden Euro als Risiko-Vorsorge für die West-LB einzustellen. Walter-Borjans, so das Blatt, habe sich heftig dagegen gewehrt und rechtliche Bedenken geltend gemacht. Ihm schwante wohl schon damals, dass der Etat gegen die Verfassung verstoßen könnte.

In den Regen gestellt


Geholfen hat sein Widerstand nicht. Kraft setzte sich über seine Bedenken hinweg, obwohl die Opposition längst damit drohte, das Verfassungsgericht anzurufen. Bemerkenswert ist, dass Kraft und Walter-Borjans, beide SPD, ihre Differenzen nicht vor der Kabinettsklausur unter vier Augen klärten. Stattdessen stellte die Ministerpräsidentin ihren Parteifreund vor dem gesamten Kabinett und auch den Vertretern des Koalitionspartners in den Regen.

Ein Finanzminister, dem das passiert, büßt seine Autorität ein. Walter-Borjans nahm es hin. Nun hat er die Folgen zu tragen. Er ist der Sündenbock, hinter dem sich die Ministerpräsidentin verstecken kann.

Verantwortung weggeschoben


Es fragt sich, warum Kraft das Risiko einging, einen möglicherweise verfassungswidrigen Etat zu präsentieren. Ein aufgeblähter Haushalt war wohl zu verlockend. Dank der 1,3 Milliarden Euro so genannter Vorsorge für die West-LB bot sich die Möglichkeit, die Neuverschuldung in 2010 hoch zu setzen. Damit wurde es relativ einfach, für 2011 bessere Zahlen, sprich eigene Defizite, zu präsentieren. Und das alles, ohne tatsächlich substanzielle Kürzungen vorzunehmen, für die von der Linken keine Zustimmung zu erwarten wäre.

Der besondere Charme der Strategie: Kraft erklärte den Nachtragshaushalt kurzerhand zur Schlussbilanz der Vorgängerregierung. Damit schob sie die Verantwortung für die hohe Neuverschuldung ungehemmt von sich weg und der abgewählten schwarz-gelben Koalition in die Schuhe.

Gewaltiger Flurschaden


Das Manöver, das sich zunächst gut anließ, wurde im Januar zum Bumerang. Nicht genug damit, dass das Verfassungsgericht den aufgeblasenen Nachtragshaushalt stoppte. Der Finanzminister musste auch noch einräumen, dass die Vorgängerregierung weniger ausgegeben hatte und im Haushalt 2010 jede Menge Luft war. Beim Jahresabschluss tauchten 1,3 Milliarden Euro an Mehreinnahmen und Minderausgaben auf, die belegten, dass es keinen Bedarf für die hohe Neuverschuldung des Nachtragshaushalts gab. Die Ministerpräsidentin und ihre Regierung hätten den eigenen Fraktionen, dem übrigen Parlament und der Öffentlichkeit die gesamte Diskussion um den Nachtragshaushalt ersparen können.

Nun ist der Flurschaden gewaltig. Das Echo in Presse, Funk und Fernsehen ist verheerend. Die Kritik der Medien konzentriert sich vor allem auf den Finanzminister, der tapfer seinen Kopf für die Ministerpräsidentin hinhält.

Schuldenstrategie vor dem Scheitern


Auch ihr dämmert allerdings inzwischen, dass ihre Schuldenstrategie, mit der sie ihre Politik der sozialen Vorsorge finanzieren wollte, zu scheitern droht. Sie wird ihre Politik wohl ändern müssen. Inzwischen spricht auch sie von Kürzungen und erwägt, sich von Landesaufgaben zu trennen.

Sind sie plötzlich überflüssig? Sollen andere sie übernehmen? Die verschuldeten Kommunen wohl kaum. Sollen private Unternehmen einspringen, getreu dem liberalen Motto „Privat vor Staat? Aber das hat die SPD bisher mit Nachdruck bekämpft.

Für einen solchen Politikwechsel wird Kraft kaum mit den Stimmen der Linken rechnen können. Die FDP dagegen stünde bereit.

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