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Nebenbei

  • Der Preis der Pandemie

    Die vierte Coronawelle macht den Politikern Sorgen. Die Krankenhäuser laufen über. Sie werden vor allem von Impfunwilligen geflutet, die sich bei ihresgleichen angesteckt haben. Seit das Virus die Inzidenz zum vierstelligen Bereich hochtreibt, sind die Politiker alarmiert. Es fällt ihnen auf, dass fast elf Monate nach dem Impfstart 15 Millionen Impffähige die Impfung verweigern. Um zu verhindern, dass sich die große Katastrophe zu einer gigantischen auswächst, sollen die Impfunwilligen bewogen werden, sich sozial zu verhalten und sich impfen zu lassen. Man will ein wenig Druck auf sie ausüben: Es soll ihnen gut zugeredet werden. Man will ihnen vor Augen halten, sie könnten vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen werden, wenn es mit der Pandemie noch doller kommen sollte. Wen wollen die Politiker mit solchen Ankündigungen beeindrucken? Die 15 Millionen Impfverweigerer können es nicht sein. Ihnen wollen die Politiker mit kostenlosen Tests die Möglichkeit bieten, sich der Impfnadel zu entziehen. Solange die Tests gratis sind und von den Steuermitteln aus dem Kreis der 56 Millionen Geimpften finanziert werden, schwindet der Anreiz für die Impfverweigerer, sich impfen zu lassen. Der Unmut unter den Geimpften dürfte dagegen neues Maximum erreichen. Sie bezahlen nicht nur die Tests für die Impfverweigerer, sondern auch die hohen Kosten, die sich darüber hinaus durch das unsoziale Verhalten der Impfverweigerer ergeben. Wäre es nicht gerechter und an der Zeit, die Coronakosten stärker am Verursacherprinzip auszurichten? – Ulrich Horn

Lindners Stepptanzboden

Montag, 21. September 2020

Nebenbei

Nichts währt ewig. Diese älteste aller Binsenweisheiten tritt auch die FDP. Zwei Hemmnisses könnten ihr demnächst den Garaus machen: Sie hat sich zum Anhängsel ihres Vorsitzenden Lindner gemacht. Und: Ihr Bild vom Menschen, der aus eigener Kraft sein Leben gestaltet, erweist sich in Krisen als Hirngespinst. In der Finanz- und Bankenkrise wären viele FDP-Anhänger auf den Hund gekommen, hätte ihnen der Staat nicht gegen ihre politische Überzeugung geholfen. Dieser Akt wiederholt sich nun in der Corona-Krise. Das Menschenbild der FDP ist nicht krisentauglich. Kommt es hart auf hart, geht es nicht ohne starken Staat. Krisen sind für die FDP gefährlich. Sie bescheren ihr Sinnkrisen. Prallen sie auf Personalkrisen, wird es dramatisch. Diesen Punkt hat die FDP erreicht. Sie fungiert als Lindners Stepptanzboden. Von seinen Stärken kann sie nicht profitieren. Wohl aber leidet sie unter seinen Schwächen. Ob sie 2021 in den Bundestag kommt, ist ungewiss. Selbst wenn es ihr gelingt, wäre sie am Ende, sollte sie es nicht in die nächste Regierung schaffen. Doch wer soll mit ihr koalieren? Für Grün-rot-gelb reicht es nicht, für Schwarz-grün wird sie nicht gebraucht. Dass sie erklären kann, warum sie in den Bundestag gehört, ist fraglich. Sie könnte also demnächst in die Binsen gehen. Mit dieser Aussicht ließe sich Wahlkampf machen. Dafür wäre Lindner der richtige Mann.- Ulrich Horn

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2 Kommentare zu “Lindners Stepptanzboden”

  1. Roland Appel sagt:

    Das tragische Schicksal der FDP ist die geschichtslose Beliebigkeit ihrer aktuellen Funktionäre. Seit der Wende 1982 hat die FDP ihr sozialliberales Erbe verleugnet und die linksliberalen, demokratischen Wurzeln vergewaltigt, indem sie erst von Kinkel, dann von Westerwelle und zuletzt von Lindner zur rechten Blockpartei an der Seite der CDU gemacht wurde. Die folgerichtige Steigerung hieß Kemmerich, 48 Stunden-Ministerpräsident Thüringens, gewählt mit Stimmen der faschistischen AfD, aber authentischer Vertreter der Ost-FDP. Die rechtsliberale DVP Weimars hat ähnlich geirrlichertert: Von 1930 stammt ein Plakat mit drei Marschsäulen der „Nationalen Front“ , die „Deutschlands Zukunft“ entgegenmarschieren – links die DVP, in der Mitte die DNVP Hugenbergs und rechts die NSDAP Hitlers. Lindner lebt in einer Traumwelt: Er versteht einfach nicht, dass sich viele Grün-Wähler*innen bei Veggie-Days, Verboten und Bußgeldern nicht wohlfühlen, aber trotzdem gegen den Klimawandel sind, für mehr Gleichtellung, Antirassismus und gegen den Überwachungsstaat eintreten – und nicht Steuern sparen, sondern mehr soziale Gerechtigkeit wollen und von Schwarz-Grün den Hals voll haben. Er lässt etwa10% Wähler*innenpotenzial einfach außer acht. Damit hat er den Absturz redlich verdient.

    • Markus sagt:

      Da mag einiges Wahres dran sein. Aber der Lindner von 2020 ist mit dem Lindner von 2017 auch kaum noch zu vergleichen. Daß Lindner zu dem Jamaika-Gewürge 2017 nein gesagt hat, war schon eine Leistung, da man der „Umfaller-Partei“ FDP doch nachsagt, nur ans Mitregieren zu denken. Aber danach kam nicht mehr viel von Lindner & Co. außer der von den linken und grünen Medien erzwungenen Anpassung an den Zeitgeist ohne jede Differenzierung, die besagtes 10%-Wählerpotential ansprechen könnte.

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