Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Seehofers Erben

Samstag, 4. November 2017

Nebenbei

Horst Seehofer ist am Ende. Dass es so weit kommen würde, müsste eigentlich jedem klar sein, der den EU-Wahlkampf 2014 miterlebte. Damals machte Seehofer gegen Europa mobil. Er besorgte das Geschäft der AfD. Prompt verlor die CSU drei von acht Mandaten. Die AfD sprang von null auf 7,1 Prozent. Seehofer bot postwendend seinen Rücktritt an. Doch niemand in der CSU ging darauf ein. Er blieb, was er war. Seither aber wackelt er. Seither versucht er, sich über die Runden zu retten. Dass es ihm so lange gelang, liegt an den schwachen Kandidaten, die für seine Nachfolge infrage kommen. Sie schafften es nicht, ihn abzulösen. Ihnen fehlen die Courage und die Gefolgschaft. Sogar sich schwächen und seinen Ruf zerstören kann er besser als sie. Seit er in der Flüchtlingsfrage die Obergrenze thematisiert, ist nun wirklich unübersehbar, dass es mit ihm zu Ende geht. Er hat sich mit seiner Forderung die Schlinge selbst um den Hals gelegt. Merkel musste da gar nichts tun. Sie brauchte nur geduldig zu warten. Nun also, wenige Monate vor dem Ablauf der Legislaturperiode in Bayern, hat sich die Junge Union ein Herz gefasst. Sie verlangt, Seehofer solle bis zur Bayernwahl 2018 den Weg für einen Nachfolger freimachen. Sind sie nicht mutig, die nachwachsenden Führungskräfte der bayrischen Union? Vor kurzer Zeit noch beschlossen sie, bis zum CSU-Parteitag im Dezember keine Personaldiskussionen zu führen, damit die Jamaika-Gespräche nicht gestört werden. Nun bricht der CSU-Nachwuchs seine Zusage. Was kann man von einer solchen Truppe erwarten? Die CSU geht schweren Zeiten entgegen. Mit ihrem Nachwuchs ist kein Staat zu machen. Noch haben die Wähler nicht richtig verdaut, dass sich die SPD herunterwirtschaftete. Da schickt sich die CSU schon an, es der ihr nachzutun. – Ulrich Horn

Schlagwörter: , , , , , , , ,

3 Kommentare zu “Seehofers Erben”

  1. Man ersetze „Seehofer“ durch „Merkel“, und hier schreibe man dann:

    Die AfD musste da gar nichts tun. Sie brauchte nur geduldig zu warten.

  2. Horst Seehofers Versagen liegt nicht darin, dass er bezüglich der Migrationspolitik etwas Falsches gefordert hätte, ganz im Gegenteil. Sein Versagen liegt vielmehr darin, dass er seine richtigen Forderungen, hinter denen mutmaßlich nicht nur in der CSU Bayerns aus triftigen ökonomischen, kulturellen und politischen Gründen Mehrheiten stehen, nicht entschlossen umgesetzt hat.

    Das heißt: Er hat es versäumt, Merkel zu stürzen.

    Das war m. E. seine historische Aufgabe, und die hat er nicht gelöst. Es mag aber sein, dass ihm dafür nicht der Wille, sondern Voraussetzungen innerhalb der CDU, also Bündnispartner dort gefehlt haben. Wie auch immer, die historische Chance für Seehofer ist vorüber. Statt Bundeskanzler geworden zu sein, wird er sich nun wohl bald verabschieden. Ich halte dennoch eine ganze Menge von ihm, weil er wahrscheinlich deutlich mehr geleistet hat, als in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

    Die SPD allerdings hat wenig Grund, sich aufzuplustern (…).

  3. Markus sagt:

    Zur Ehrenrettung des wankelmütigen Horst Seehofer kann man jedoch feststellen, dass es auch einem Franz Josef Strauß nicht gelungen ist, sich klar gegenüber Helmut Kohl durchzusetzen. Freilich ist es auch kurzsichtig, dass Seehofer mit Markus Söder im Dauerclinch liegt und das Parteivolk allzu lange lediglich zugeschaut hat. Seehofers seinerzeitiges Teilrückzugsangebot war m.E. nur taktischer Natur und weder ernst noch ehrlich gemeint. Und solchen Leuten obliegt es, die Geschicke unseres Landes zu leiten.

    Wenn man übrigens Merkel mit Kohl vergleicht, kann man sagen, dass beide die CDU nach ihren Wünschen ge- und verformt haben. Aber was Merkel von Kohl unterscheidet, ist, dass Muttis Verhältnis zur CDU ein stiefmütterliches ist, während Kohl mit der Partei faktisch verheiratet war. Innerparteiliche Demokratie sollte doch anders aussehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.