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Nebenbei

  • Auf Merz ist Verlass

    Eines muss man Friedrich Merz lassen: Auf ihn ist Verlass. Sobald es darauf ankommt, übermannen ihn Aussetzer. 2002 verlor er den Fraktionsvorsitz. Er kam nicht auf die Idee, sich die Hilfe von CSU-Chef Stoiber zu sichern. Wohl aber Merkel. Sie gab Stoiber für den Fraktionsvorsitz die Kanzlerkandidatur. Merz schaute in die Röhre. Als er 2018 gegen Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz kandidierte, vergaß er, Teile der Jungen Union an sich binden. Seine Kandidatenrede fanden selbst seine Fans miserabel. Die Konkurrentin gewann. Wieder schaute er in die Röhre. Derzeit kämpft er erneut um den CDU-Vorsitz, diesmal gegen Laschet und Röttgen. Was passiert? Er patzt. Er rückt Schwule in die Nähe von Pädophilen. Prompt steht er mitten im Shitstorm und als Mann von vorgestern da. Er hat gute Aussichten, bei der Wahl wieder in die Röhre zu schauen. Selbst seine Fans sollten inzwischen wissen: Merz tut nichts, wenn er handeln müsste. Er versagt, wenn er die richtigen Worte sprechen müsste. Er plappert drauf los, wenn er den Mund halten sollte. Man fragt sich: Wie kommen Leute in der CDU nur auf die Idee, ein Mann wie er, der noch nie ein Regierungsamt innehatte und im entscheidenden Moment zu versagen pflegt, könnte die Union hinter sich vereinen, Deutschland führen, Europa zusammenhalten, beide durch Krisen führen und sie zwischen China, Russland und den USA über Wasser halten? – Ulrich Horn

Lindners Stepptanzboden

Montag, 21. September 2020

Nebenbei

Nichts währt ewig. Diese älteste aller Binsenweisheiten tritt auch die FDP. Zwei Hemmnisses könnten ihr demnächst den Garaus machen: Sie hat sich zum Anhängsel ihres Vorsitzenden Lindner gemacht. Und: Ihr Bild vom Menschen, der aus eigener Kraft sein Leben gestaltet, erweist sich in Krisen als Hirngespinst. In der Finanz- und Bankenkrise wären viele FDP-Anhänger auf den Hund gekommen, hätte ihnen der Staat nicht gegen ihre politische Überzeugung geholfen. Dieser Akt wiederholt sich nun in der Corona-Krise. Das Menschenbild der FDP ist nicht krisentauglich. Kommt es hart auf hart, geht es nicht ohne starken Staat. Krisen sind für die FDP gefährlich. Sie bescheren ihr Sinnkrisen. Prallen sie auf Personalkrisen, wird es dramatisch. Diesen Punkt hat die FDP erreicht. Sie fungiert als Lindners Stepptanzboden. Von seinen Stärken kann sie nicht profitieren. Wohl aber leidet sie unter seinen Schwächen. Ob sie 2021 in den Bundestag kommt, ist ungewiss. Selbst wenn es ihr gelingt, wäre sie am Ende, sollte sie es nicht in die nächste Regierung schaffen. Doch wer soll mit ihr koalieren? Für Grün-rot-gelb reicht es nicht, für Schwarz-grün wird sie nicht gebraucht. Dass sie erklären kann, warum sie in den Bundestag gehört, ist fraglich. Sie könnte also demnächst in die Binsen gehen. Mit dieser Aussicht ließe sich Wahlkampf machen. Dafür wäre Lindner der richtige Mann.- Ulrich Horn

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2 Kommentare zu “Lindners Stepptanzboden”

  1. Roland Appel sagt:

    Das tragische Schicksal der FDP ist die geschichtslose Beliebigkeit ihrer aktuellen Funktionäre. Seit der Wende 1982 hat die FDP ihr sozialliberales Erbe verleugnet und die linksliberalen, demokratischen Wurzeln vergewaltigt, indem sie erst von Kinkel, dann von Westerwelle und zuletzt von Lindner zur rechten Blockpartei an der Seite der CDU gemacht wurde. Die folgerichtige Steigerung hieß Kemmerich, 48 Stunden-Ministerpräsident Thüringens, gewählt mit Stimmen der faschistischen AfD, aber authentischer Vertreter der Ost-FDP. Die rechtsliberale DVP Weimars hat ähnlich geirrlichertert: Von 1930 stammt ein Plakat mit drei Marschsäulen der „Nationalen Front“ , die „Deutschlands Zukunft“ entgegenmarschieren – links die DVP, in der Mitte die DNVP Hugenbergs und rechts die NSDAP Hitlers. Lindner lebt in einer Traumwelt: Er versteht einfach nicht, dass sich viele Grün-Wähler*innen bei Veggie-Days, Verboten und Bußgeldern nicht wohlfühlen, aber trotzdem gegen den Klimawandel sind, für mehr Gleichtellung, Antirassismus und gegen den Überwachungsstaat eintreten – und nicht Steuern sparen, sondern mehr soziale Gerechtigkeit wollen und von Schwarz-Grün den Hals voll haben. Er lässt etwa10% Wähler*innenpotenzial einfach außer acht. Damit hat er den Absturz redlich verdient.

    • Markus sagt:

      Da mag einiges Wahres dran sein. Aber der Lindner von 2020 ist mit dem Lindner von 2017 auch kaum noch zu vergleichen. Daß Lindner zu dem Jamaika-Gewürge 2017 nein gesagt hat, war schon eine Leistung, da man der „Umfaller-Partei“ FDP doch nachsagt, nur ans Mitregieren zu denken. Aber danach kam nicht mehr viel von Lindner & Co. außer der von den linken und grünen Medien erzwungenen Anpassung an den Zeitgeist ohne jede Differenzierung, die besagtes 10%-Wählerpotential ansprechen könnte.

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