Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Nebenbei

  • Vom Wähler abgewrackt

    Die einstigen Volksparteien bieten ein jämmerliches Bild. Die SPD zerfleischte sich über Jahrzehnte. Sie schrumpfte zur Kleinpartei. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl stellte sie sich ruhig. Prompt erhielt sie Aufwind. Die Union zerfleischt sich seit 2015. Sie steigerte das Gemetzel im Wahlkampf sogar. Viele Wähler kehrten ihr erzürnt den Rücken. – Heute warten die dürftigen Reste der Volksparteien darauf, dass ihnen die kleine FDP und die kleinen Grünen zur Macht verhelfen. Union und SPD regierten in 12 der 16 Regierungsjahre Merkels gemeinsam. Beide Gruppierungen haben den Erfolg und den Misserfolg dieser Ära zu verantworten. Beide haben die Mängel verursacht, der in der Pandemie sichtbar wurden. Beide haben sich mehr mit ihren internen Problemen als mit denen des Staates und der Gesellschaft befasst. Dass beide nicht gewohnt sind, sachgerecht zu agieren, zeigte sich in der Pandemie. Dass sie der jeweils anderen Partei vorwerfen, die Modernisierung des Landes verschlafen zu haben, ist lächerlich. Die Wähler sind nicht dumm. Sie wissen: Beide Parteien haben sich durch eigenes Verschulden auf Grund gesetzt. Die Wähler haben begonnen, beide Volksparteien abzuwracken. Der SPD gaben sie bei der Bundestagswahl noch einmal Paddel, der Union nahmen sie die Segel. Doch ohne die Schlepper FDP und Grüne kämen die beiden schrottreifen Dickschiffe nicht mehr vom Fleck. – Ulrich Horn

Lindners Stepptanzboden

Montag, 21. September 2020

Nebenbei

Nichts währt ewig. Diese älteste aller Binsenweisheiten tritt auch die FDP. Zwei Hemmnisses könnten ihr demnächst den Garaus machen: Sie hat sich zum Anhängsel ihres Vorsitzenden Lindner gemacht. Und: Ihr Bild vom Menschen, der aus eigener Kraft sein Leben gestaltet, erweist sich in Krisen als Hirngespinst. In der Finanz- und Bankenkrise wären viele FDP-Anhänger auf den Hund gekommen, hätte ihnen der Staat nicht gegen ihre politische Überzeugung geholfen. Dieser Akt wiederholt sich nun in der Corona-Krise. Das Menschenbild der FDP ist nicht krisentauglich. Kommt es hart auf hart, geht es nicht ohne starken Staat. Krisen sind für die FDP gefährlich. Sie bescheren ihr Sinnkrisen. Prallen sie auf Personalkrisen, wird es dramatisch. Diesen Punkt hat die FDP erreicht. Sie fungiert als Lindners Stepptanzboden. Von seinen Stärken kann sie nicht profitieren. Wohl aber leidet sie unter seinen Schwächen. Ob sie 2021 in den Bundestag kommt, ist ungewiss. Selbst wenn es ihr gelingt, wäre sie am Ende, sollte sie es nicht in die nächste Regierung schaffen. Doch wer soll mit ihr koalieren? Für Grün-rot-gelb reicht es nicht, für Schwarz-grün wird sie nicht gebraucht. Dass sie erklären kann, warum sie in den Bundestag gehört, ist fraglich. Sie könnte also demnächst in die Binsen gehen. Mit dieser Aussicht ließe sich Wahlkampf machen. Dafür wäre Lindner der richtige Mann.- Ulrich Horn

Schlagwörter: , , , ,

2 Kommentare zu “Lindners Stepptanzboden”

  1. Roland Appel sagt:

    Das tragische Schicksal der FDP ist die geschichtslose Beliebigkeit ihrer aktuellen Funktionäre. Seit der Wende 1982 hat die FDP ihr sozialliberales Erbe verleugnet und die linksliberalen, demokratischen Wurzeln vergewaltigt, indem sie erst von Kinkel, dann von Westerwelle und zuletzt von Lindner zur rechten Blockpartei an der Seite der CDU gemacht wurde. Die folgerichtige Steigerung hieß Kemmerich, 48 Stunden-Ministerpräsident Thüringens, gewählt mit Stimmen der faschistischen AfD, aber authentischer Vertreter der Ost-FDP. Die rechtsliberale DVP Weimars hat ähnlich geirrlichertert: Von 1930 stammt ein Plakat mit drei Marschsäulen der „Nationalen Front“ , die „Deutschlands Zukunft“ entgegenmarschieren – links die DVP, in der Mitte die DNVP Hugenbergs und rechts die NSDAP Hitlers. Lindner lebt in einer Traumwelt: Er versteht einfach nicht, dass sich viele Grün-Wähler*innen bei Veggie-Days, Verboten und Bußgeldern nicht wohlfühlen, aber trotzdem gegen den Klimawandel sind, für mehr Gleichtellung, Antirassismus und gegen den Überwachungsstaat eintreten – und nicht Steuern sparen, sondern mehr soziale Gerechtigkeit wollen und von Schwarz-Grün den Hals voll haben. Er lässt etwa10% Wähler*innenpotenzial einfach außer acht. Damit hat er den Absturz redlich verdient.

    • Markus sagt:

      Da mag einiges Wahres dran sein. Aber der Lindner von 2020 ist mit dem Lindner von 2017 auch kaum noch zu vergleichen. Daß Lindner zu dem Jamaika-Gewürge 2017 nein gesagt hat, war schon eine Leistung, da man der „Umfaller-Partei“ FDP doch nachsagt, nur ans Mitregieren zu denken. Aber danach kam nicht mehr viel von Lindner & Co. außer der von den linken und grünen Medien erzwungenen Anpassung an den Zeitgeist ohne jede Differenzierung, die besagtes 10%-Wählerpotential ansprechen könnte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.