Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Letzte Kommentare

Nebenbei

  • AfD: Wie ein Geheimbund

    Die AfD in NRW will sich nicht in die Karten schauen lassen. Zwar möchte sie das Ergebnis ihres Parteitages unter die Leute gebracht sehen. Wie es zustande kam, will sie jedoch verbergen. Um diesen Zweck zu erreichen, möchte sie den Journalisten die Teilnahme am Parteitag verwehren. Die AfD scheut Transparenz. Sie führt sich wie ein Geheimbund auf, der das Tageslicht scheut. Sie will ihre Selbstsicht zum Standard machen. Kann sich eine Partei dümmer verhalten? Diskussionsverläufe, kluge und weniger kluge Anmerkungen von Delegierten und auch Ränkespiele auf Parteitagen lassen sich nicht geheim halten, schon gar nicht in einer Partei, in der unterschiedliche Strömungen und Gruppierungen gegeneinander konkurrieren. Dass die AfD Journalisten ausschließt, trifft nicht die Journalisten. Sie werden über kurz oder lang schon Wege finden, über das zu berichten, was ihnen die NRW-AfD vorenthalten will. Mit ihrer Geheimniskrämerei trifft die AfD vor allem ihre Sympathisanten und potenziellen Wähler, die nur unvollständig informiert werden sollen. Mancher wird sich fragen, ob er einer Partei, die so erpicht darauf ist, ihren Kram im Verborgenen zu regeln, seine Stimme geben kann. – Ulrich Horn

Mit der Zuwanderung erreichen die Krisen Europa

Das Idyll sieht sich bedroht

Dienstag, 4. August 2015

Politik

Europa sieht sich gerne als Modell für Demokratie, Frieden, Freiheit und Fortschritt. Dieses Selbstverständnis hat sich herumgesprochen. Europa wird beim Wort genommen. Seit vielen Monaten ist eine Wanderungsbewegung in Gang, deren Ziel das vorbildliche Europa ist. Löst dieser große Zuspruch auf dem Kontinent Freude aus? Mitnichten. Plötzlich klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander.

Improvisation und Flickschusterei

Es zeigt sich: Europa handelt nicht als Union. Es ist auf Zuwanderung nicht eingerichtet. Viele EU-Staaten schotten sich ab. Andere wollen ihre Türen nicht schließen, verkleinern jedoch eilig die Türöffnungen. Die EU-Staaten sehen ihr Idyll bedroht.

In Deutschland offenbart sich: Bundes- und Länderparlamente haben über die Jahre für die Zuwanderung Regelungen geschaffen, die sich nun, im Bedarfsfall, als untauglich erweisen. Der hohe Anspruch, beispielhaft zu sein, entpuppt sich als hohl.

Unfreiwillig räumen Bund und Länder ein, Pfuschwerk produziert zu haben. Sie halten die Verfahren, die sie geschaffen haben, plötzlich für zu lang. Es fehlen Unterkünfte. Die Pläne für die Integration der Zuwanderer erweisen sich als unzureichend. Improvisation und Flickschusterei ersetzen planvolles Handeln.

Hass und Gewalt

Die Bundestagsabgeordneten haben es versäumt, sich und die Bürger auf die Folgen einzustellen, die sich aus den Krisen in Afrika ergeben, aus dem Gemetzel im Nahen Osten, aus dem Elend der Balkanstaaten, aus der Diskriminierung der Sinti und Roma und aus der Unterdrückung, mit der die Diktatoren in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ihre Herrschaft sichern.

Die Zuwanderung schafft Probleme, der Umgang mit ihr ebenfalls. Die Politik zeigt sich entscheidungsschwach, die Bürokratie behäbig. Das Chaos, das die Bundestags- und Landtagsabgeordneten zu verantworten haben, stimuliert Ängste, Hass und Gewalt.

Anschläge auf Unterkünfte häufen sich. Der Verdacht liegt nahe, es handle sich um Aktionen gut organisierter rechtsradikaler Terroristen. Von den Ermittlungsbehörden ist kaum etwas zu hören. Auch Regierungen und Parlamente reagieren unzureichend.

Unternehmer und Politiker versuchen, aus der Zuwanderung Vorteile zu schlagen. Es winkt die Aussicht, billige Arbeitskräfte zu gewinnen und parteipolitisch Punkte zu machen. Die einen sehen die Chance, die Vergreisung der Republik zu stoppen, während Regionen, die unter Landflucht leiden, mit heftigem Widerstand gegen Zuwanderung ihren Niedergang beschleunigen.

Gut bekannte Defizite

Die Politik ist mit der Zuwanderung, ihren Ursachen und Folgen lange fahrlässig und gedankenlos umgegangen. Viele Bürger nehmen solche Verhaltensweisen resignierend wahr. Sie hoffen längst nicht mehr, dass sich die Verhaltensweisen der Politiker ändern. Deren Defizite sind ihnen aus vielen anderen Zusammenhängen nur zu gut bekannt.

Die Abgeordneten lassen Straßen und Brücken bauen, ohne für deren Instandhaltung und Sanierung vorzusorgen. Sie starten Bauprojekte, die den Kostenrahmen um Milliarden übersteigen und erst viele Jahre nach dem Plan in Betrieb gehen. Vorkehrungen gegen solche Skandale treffen sie nicht.

Sie unterhalten eine Bahn, die unpünktlich ist. Sie schufen ein Steuersystem, das die meisten Steuerpflichtigen nicht verstehen. Sie stützen ein Schulsystem, das Kinder ein ganzes Schuljahr kostet, wenn ihre Eltern in ein anderes Bundesland umziehen müssen.

An den Bürgern vorbei

Jeder Leser kann die Liste sicher leicht verlängern. Jeder Punkt belegt, dass die Parlamente an den Bedürfnissen der Bürger vorbei schauen. Man könnte meinen, die Parlamente seien dazu da, das Leben der Bürger zu erschweren.

Wer wundert sich noch, dass so viele Wahlberechtigte an Wahltagen zu Hause bleiben? Wohl aber wundert man sich, dass so viele immer noch wählen gehen. – Ulrich Horn


Letzter Hinweis: Wollen Sie keinen Beitrag verpassen, können Sie rechts oben oder hier Post-von-Horn abonnieren. Empfehlen Sie Post-von-Horn auch Ihren Freunden bei Facebook und Google+.

Schlagwörter: , , ,

4 Kommentare zu “Das Idyll sieht sich bedroht”

  1. ungefragt sagt:

    Da unsere Gesellschaft von Berufspolitikern regiert wird, ergeben sich diverse Probleme, wie z.B. Wachsen des Staates hin zum Maximalstaat. Die Alternative wäre, dass Parteien verboten werden, Berufspolitiker verboten werden und Politikerhaftung eingeführt wird.
    Man wird ja noch träumen dürfen ….

  2. Roland Appel sagt:

    @ungefragt: Haha, und ein kleiner Diktator mit Nasenbart richtet es dann, oder? So ein Blödsinn!
    Politiker sind genau so gut oder schlecht, wie die Bürger, die ihre Mitwirkungsrechte wahrnehmen. Die Kölner Ratsmitgieder sind Feierabendpolitiker und lassen sich trotzdem mit der Renovierung der Oper von der Verwaltung am Nasenring durch die Arena ziehen. Wir haben nur so gute Vorlksvertreter, weil sich niemand dafür interessiert. Wer lieber vor der Glotze Bier säuft, Surfen oder Golfspielen geht, hat halt beschlossen, lamentierende Marionette zu sein und anderen das Feld zu überlassen.
    Aber das „Volk“ lässt sich ja gerne belügen – z.B. gestern wieder von Seehofer, der in einer von Fluchtursachen nur so strotzenden Welt, gegen die die Europäische Politik nichts substanzielles unternimmt, den Menschen vorgauckelt, man könne sich abschotten gegen Flüchtlinge und Einwanderung. Solange solche irrealen Spinner CSU-Parteivorsitzender werden können, wird sich an der Ehrlichkeit der Politik nichts ändern.
    Das Zauberwörtchen, das Sie meinen, Herr Horn, heißt Verantwortung. Aber die übernimmt in unserer Wolfsgesellschaft wohl niemand mehr – die Banker sind für die Bankencrashs nicht verantwortlich, die Baubehörden und Architekten sind für die Kostenexplosionen nicht verantwortlich und der Bundestag und die anderen EU-Parlamente nicht für die Abschaffung einer funktionierenden Post mit sicheren Arbeitsplätzen zugunsten eines unzuverlässigen, ökologisch zertörerischen und massenhaft auf sozial unerträglichen Scheinselbständigkeiten und Dumpinglohnjobs beruhenden Ausbeutungssystems privater Zustelldienste, die nichts besser, sondern alles schlechter gemacht haben. Und jetzt? Resignieren? Nein, den Arsch hoch kriegen, gegen Merkel und Steinmeier, die mal mit Putin, dem Iran und Syrien an einem Tisch etwas tun könnten, um diesen mörderischen Krieg zu beenden und auch dem Tun der vom Westen mitfinanzierten Killerbanden in Syrien ein Ende zu setzen! Wo macht der Außenminister eigentlich Urlaub, anstatt in die Türkei zu fahren und mal dem Herrn Erdogan zugunsten der Kurden, die als einzige tapfer die Menschlichkeit verteidigt haben, heimzuleuchten! Wo ist der Marshall-Plan für den Nahen Osten, damit Irak, Somalia, Jemen und Äthiopien gegen Mörderbanden der IS, Boko Haram und wie sie alle heißen, stabilisiert werden können? Warum fragt die Presse eigentlich nicht danach und beschäftigt sich lieber mit Spekulationen um Merkels 34. Amtszeit?

  3. Martin Böttger sagt:

    „Die Bundestagsabgeordneten haben es versäumt, sich und die Bürger auf die Folgen einzustellen, die sich aus den Krisen in Afrika ergeben, aus dem Gemetzel im Nahen Osten, aus dem Elend der Balkanstaaten, aus der Diskriminierung der Sinti und Roma und aus der Unterdrückung, mit der die Diktatoren in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ihre Herrschaft sichern.“ Richtig Herr Horn, das könnte man auch so ausdrücken: Die Bundesregierung versäumt es absichtsvoll, über die Folgen ihrer Außen- und Freihandelspolitik zu informieren.
    Wurde nicht seinerzeit gelästert, wo eigentlich der damalige FDP-Außenminister Westerwelle sei? Wo ist denn heute der Außenminister? Wo hat er sich denn um die Rettung des Zusammenhalts von Europa bemüht? War er im Dienst? So weit ich weiß, spricht er aus Antipathie nicht mit seinem Parteivorsitzenden. Das immerhin hat man gemerkt.

  4. […] erobert strategisch wichtige Stadt…FAZ Debatte: Das Idyll sieht sich bedroht…Post von Horn Debatte: »Was ist Landesverrat?«…Jungle World Debatte: Israels radikale Siedler gefährden […]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.