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Nebenbei

  • Wem die „Straße“ nutzt

    Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

Der Nabel des Fußballs

Samstag, 31. August 2013

Nebenbei, Sport

(uh) In dieser Woche zeigte sich das Gefälle im deutschen Fußball. Die Spiele Schalke gegen Saloniki und Bayern gegen Chelsea waren spannend. Die deutschen Clubs gewannen. Doch Krösus Bayern spielte zwei Klassen besser als Schulden-Meister Schalke. Mag sein, dass NRW Fußball-Hochburg ist. Doch den Ton im Fußball gibt der FCB an. Er hat die beste Mannschaft, die meisten Erfolge und genug Geld, um jedem Verein die besten Spieler wegzukaufen und ihn zu schwächen. Die FCB-Vormacht scheint auf Jahre gesichert, selbst wenn andere Clubs ab und an einen Titel holen sollten. Auch die Medien dominiert der Club. Im TV treten mit Kahn und Scholz Scholl Ex-Bayern-Spieler als Experten auf. Sie sorgen dafür, dass die Sonderrolle des FCB gewürdigt wird. Ihnen stehen TV-Journalisten zu Seite, die wie Hilfskräfte wirken und den Eindruck erwecken, als seien auch sie dem FCB verpflichtet. Sie werben für ihn ohne Unterlass und verhalten sich so, als hinge ihr Job vom Wohlwollen des Clubs ab. Die FCB-Manager treten wie Dax-Vorstände auf. Dagegen wirken Manager anderer Clubs wie Büdchen-Pächter. Nun entschied der DFB, sich mit München statt Berlin für die Europameisterschaft 2020 zu bewerben. Der DFB scheint eine Filiale des FCB zu sein. In Berlin hockt die Bundesregierung. Der Fußball aber wird von München aus regiert. Die Hochburg NRW spielt auch eine Rolle – als Trainigsplatz.

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10 Kommentare zu “Der Nabel des Fußballs”

  1. dr.pingel sagt:

    Die Entwicklung ist gut beschrieben. Aber es ist der klassische Fall von Kontraproduktivität: Die ganze Sache geht an ihrem Erfolg zu Grunde. Das belegt jetzt schon die Sportschau. Normale Spiele von Vereinen wie Nürnberg, Stuttgart, Wolfsburg sind selbst in einer geschönten Zusammenfassung nicht erträglich. Die Bundesliga ist keinesfalls die beste Liga der Welt, wir haben jetzt schon spanische Verhältnisse. Auch viele Spieler, die in ihren Vereinen erstklassig waren, haben nach dem Weggang zu den Bayern aufgrund ständigen Bankdrückens ihre Klasse verloren und kehrten gedemütigt zu ihren alten Vereinen zurück oder gingen gleich in die 2. Liga.
    Wie sehr die Pest des geldgierigen Industriefußballs auch die Amateure und sogar die Jugend erreicht hat, belegt eine Meldung in der WAZ, wonach im Fußballkreis Ruhrgebiet-West die Zahl der roten Karten und der Spielabbrüche sich dramatisch erhöht hat – und das im Jugendfußball bis hin zur F-Jugend.

    • chriwi sagt:

      „Die Bundesliga ist keinesfalls die beste Liga der Welt, wir haben jetzt schon spanische Verhältnisse“

      In Spanien gibt es aber 2 große Clubs. 😉

    • Johannes sagt:

      ewiges bla bla; nennen Sie doch bitte mal ein paar Beispiele von Spielern, die bei Bayern „aufgrund ständigen Bankdrückens ihre Klasse verloren“ haben (innerhalb der letzten 10-15 Jahre); und was haben Spielabbrüche in der Kreisliga mit „geldgierigen Industriefußball“ zu tun?

  2. Martin Böttger sagt:

    Die zutreffend beschriebene Servilität der Leute, die von unserem Gebührengeld dafür bezahlt werden, uns sportjournalistische Arbeit zu liefern, finde ich das Ärgerlichste an dieser Situation. So hatte es z.B. beim Spiel BVB-Braunschweig die vom WDR produzierte ARD-Sportschau nicht für nötig gehalten, den Stimmungsboykott der BVB-Südtribüne nach einem überzogenen Polizeieinsatz überhaupt zu erwähnen. Der Grund dafür ist aus meiner Sicht, dass sie sich gegenüber der DFL zu einer werbewirksamen Produktpräsentation vertraglich verpflichtet haben oder mindestens fühlen, und dafür auch noch mit unseren Gebühren-Millionen bezahlen. Verzichten tun sie seit über 10 Jahren auf das europarechtlich verankerte Recht auf kostenlose Kurzberichterstattung. Das wäre billiger, und zusätzlich wäre noch unabhängiger Journalismus möglich. Aber wie soll die Fußballbranche mit ihren kooptierten Politikern (Stoiber bei Bayern, Steinbrück beim BVB, u.v.a.) dann ihre Taschen voll machen? Ausschließlich von Rupert Murdoch („Sky“) bezahlt zu werden, ist ihnen wohl selbst zu unheimlich.

  3. Michael Michalski sagt:

    Die wechselseitigen Beziehungen zwischen DFB und FCB sind vortrefflich dargestellt. Ergänzend ist anzumerken, dass der Umstand, dass der heutige Sportvorstand der FC Bayern München AG, der zuvor als Sportdirektor des DFB verpflichtet war, den Kontakt des FCB zum DFB nicht verschlechtert haben dürfte. Bemerkenswert ist ferner, dass der DFB jüngst wiederholt ein Drittländerspiel in Deutschland untersagt hat. Die Begründung für das dem DFB nach FIFA-Regeln zustehende Veto, derzeit nur Länderspiele anderer Nationalmannschaften zuzulassen, soweit es sich um WM-Vorbereitungsspiele handelt, wird ad absurdum geführt, da die anfragenden Nationalmannschaften beide für die WM-Endrunde qualifiziert sind. Dabei ist es dem DFB offensichtlich ebenso bewusst wie egal, mit seiner Haltung andere nationale Fußballverbände zu düpieren und vom DFB völlig unabhängigen Bertreibern von Fußballstadien eine wirtschaftliche Nutzung der Stadien zu verhageln. Es bestehen in den Reihen der Betroffenen keine Zweifel daran, dass der DFB eine Zusage erteilt hätte, wäre München als Austragungsort angefragt worden. Austragungsorte in NRW haben selbst bei Drittländerspiele und der DFB-Politik kaum eine Chance berücksichtigt zu werden. Die Frage stellt sich, wie lange sich die anderen Mitglieder der DFL das bieten lassen. Die weitere Frage stellt sich, wie lange noch hochprofessionell geführte Wirtschaftsunternehmen der DFL zu dem wie eine deutsche Behörde geführten DFB passen. Hier besteht offensichtlich Gesprächs- und Handlungsbedarf. Übrigens, am 6. September findet das WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich statt. Wo? – natürlich in München, wo sonst!

  4. Fußballgucker sagt:

    Es war ja schon fast eine Sensation, daß bei der nächsten DFB-Pokal-Runde nicht das Bayern-Spiel live gezeigt wird !!

    Und in der Sportschau kommt so gut wie immer das Bayern-Spiel als letztes ! das Nervt.

  5. Jörg sagt:

    Gute Bestandsaufnahme mit einem klitzekleinen Schönheitsfehler: Statt Kahn und Scholz sind sicher Kahn und Scholl gemeint.

  6. Tired sagt:

    Also ich finde diese Entwicklung gut. Am Ende wird der Fußball insgesamt seinen hohen Status verlieren, weil er einfach nur noch langweilig und einseitig sein wird, so dass das Interesse daran nachlassen wird. Dann haben endlich auch andere, sinnvollere Freizeitbeschäftigungen wieder eine Chance, mehr Beachtung zu finden, als dieser Kommerz-Zirkus „Bundesliga-Fußball“, mit dem gerade den unteren Schichten, die ohnehin über weniger Einkommen verfügen, auch noch ihr letztes Geld für überteuerte Fußballer-Trikots, etc. aus der Tasche gezogen wird.

    Am Wochenende, als ich ausnahmsweise mal ins Sportstudio reingeschaut habe, wurde in einem Spielbericht ein, ich schätze mal, zwischen 3 und 5 Jahre altes Mädchen gezeigt, das weinend auf der Tribüne stand. – Hat sich jemand schon mal Gedanken darüber gemacht, was diese emotional künstlich aufgeladene Freizeitvernichtungsindustrie „Fußball“ mit Kindern anrichtet, die damit aufwachsen (müssen)? – Jeder, der Kinder hat und ehrlich mit sich selbst ist, sollte normalerweise kapieren, dass (Klein-)kinder im Stadion nichts zu suchen haben, weil sie mit dieser Reizüberflutung und diesem Lärm nicht umgehen können.

  7. armino sagt:

    Bayern war einmal ein Fußballclub, ….

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