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Nebenbei

  • Wem die „Straße“ nutzt

    Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

WDR-Manöver bei den Tagesthemen

Tom Buhrows Erfolg

Dienstag, 25. Juni 2013

Medien

(uh) Tom Buhrow wird ein erster Erfolg als WDR-Intendant zugeschrieben. Dabei hat er das Amt noch gar nicht angetreten. Er gewann den New Yorker ARD-Büroleiter Roth (61) für die Tagesthemen-Moderation. Der Posten, den Buhrow bis vor kurzem selbst inne hatte, steht dem WDR zu. Dort wird erwartet, dass die Interessen des Senders gewahrt bleiben. Dass Buhrow dies schaffte, hat seinen Preis. Zahlen müssen ihn Roth, Zamperoni und die Gebührenzahler.

Gegen die übliche Laufrichtung

Als erste Besetzung für den Tagesthemen-Job galt Zamperoni. Er ist als qualifiziert. Er ist jung. Er könnte die Tagesthemen für jüngere Leute attraktiv machen. Roth kam ins Spiel, weil Zamperoni ein Handicap hat: Er arbeitet beim NDR. Hätte Buhrow ihn zugelassen, hätte er sich dem Vorwurf ausgesetzt, die Interessen des WDR zu missachten.

Weil sich Buhrow diese Kritik nicht zuziehen will, muss Zamperoni zurückstecken und sich mit der Rolle des Junior-Moderators zufrieden geben. Der Generationswechsel bei den Tagesthemen vollzieht sich gegen die übliche Laufrichtung. Ob das der Sendung bekommt?

Auch Roth kann nicht zufrieden sein. Er sah in New York seinem nahen Ruhrstand entgegen. Als ihn Buhrow als Teilzeit-Moderator für die Tagesthemen ins Spiel brachte, entstand der Eindruck, der Büroleiter-Posten in den USA fülle Roth nicht aus. Er könne nebenher als Pendler zwischen New York und Hamburg locker die Tagesthemen-Moderation als Zweitjob erledigen.

Nur eine Übergangslösung

Damit stand Roth in New York zur Disposition. Die Pendel-Variante diente dazu, ihn ins Spiel zu bringen. Sie stieß erwartungsgemäß auf Widerstand. Hätte sich Roth gegen den Wechsel nach Hamburg gewehrt, wäre seine Arbeit in New York zum Thema geworden. Nun soll er in Hamburg noch einmal richtig ran, eine Übergangslösung, die sich für den WDR opfern muss. Wenn Roth in drei Jahren pensioniert wird, soll ihn Zamperoni beerben.

Buhrow hat sich nicht nur Kritik im WDR erspart, sondern sich obendrein die Chance verschafft, das New Yorker Büro neu zu besetzen. Die Stadt ist Zentrum des großen Geldes. Und sie setzt Trends. Von ihnen war in den vergangenen Jahren zu wenig zu sehen. Das kann Buhrow nun ändern.

Eine weitere Planstelle

Der Gebührenzahler stellt erstaunt fest, dass der neue Intendant des zu teuren WDR vor allem einen Effekt erzielte: Er schuft eine weitere Stelle bei den Tagesthemen. Für jemanden, der wie Buhrow sein Amt noch gar nicht angetreten hat und demnächst in seinem Sender sparen muss, ein bemerkenswertes Resultat.

Er hat nun drei Jahre lang Zeit, sich zu überlegen, was er tun will, wenn Roth 2016 in Pension geht. Entfällt mit ihm auch seine Stelle? Dann hätte der NDR bei den Tagesthemen mit Miosga und Zamperoni beide verbleibenden Moderatoren-Posten besetzt. Buhrow müsste einem von ihnen einen anderen Platz anbieten, um jemanden vom WDR bei den Tagesthemen unterzubringen. Bleibt jedoch Roths Stelle bestehen, ist das kein Problem. Auf welche Lösung wird es wohl hinauslaufen?


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Ein Kommentar zu “Tom Buhrows Erfolg”

  1. Detlef B.O. Ellebracht sagt:

    Hallo,
    ihr Vorstands-Mitarbeiter des WDRs. Wir leben doch in einem freiheitlichen demokratischen Land, hier in der BRD?
    Obliegen diese Vorgehensweisen beim WDR der Demokratie?

    Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Antwort.

    MfG
    detlef ellebracht

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