Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Letzte Kommentare

Nebenbei

  • Wem die „Straße“ nutzt

    Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

Das Ruhrgebiet

Nur bei der Produktion von Illusionen Spitze

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Politik

(uh) Das Ruhrgebiet macht wieder Schlagzeilen, zum Leidwesen aller, die sich ihm verbunden fühlen. Thyssen-Krupp geht es miserabel. Die Fertigung bei Opel in Bochum endet 2016. Die WAZ will erneut massiv sparen. Und wie lautet die Botschaft? Das Ruhrgebiet, ein Bild des Elends. Die überregionalen Medien zeichnen es in kräftigen Farben. Weltspitze scheint die Region nur noch in einer Disziplin zu sein – bei der Produktion von Illusionen.

Politik als Scheingeschäft

Kürzlich noch war das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas. Kaufen kann es sich für diesen Titel nichts. Übrig blieb nur die Erinnerung. Die Behauptung der Region, sie habe die dichteste Kulturlandschaft des Kontinents, belegt ihre Neigung zur Selbstsuggestion. Schon 80 Kilometer weiter in Köln beeindrucken solche Sprüche niemanden.

Fast alle Städte des Ruhrgebiets verlieren Einwohner – in großer Zahl. Bei den meisten  Kommunen handelt es sich um schrumpfende Kleinstädte. Dennoch nennt sich die Region Metropole Ruhr. Auch dieser Begriff wird außerhalb der Region als Großmannssucht eines Gernegroß belächelt.

Jeder von Flensburg bis Oberstdorf weiß: Die Städte der Metropole sind pleite. Sie können kaum noch ihre Pflichtaufgaben erfüllen. Freiwillige Leistungen werden über städtische Unternehmen abgewickelt, die Almosen verteilen. Wer gefördert wird, entscheiden nicht die Räte, sondern Vorstände und Geschäftsführer der kommunalen Unternehmen. Die Politik in den Städten wird immer mehr zum wirkungslosen Scheingeschäft.

Immer schlimmere Zahlen

Die Infrastruktur in den Städten verfällt immer schneller und großflächiger. Politische Konzepte, die helfen könnten, die Zerstörung aufzuhalten, sind nicht zu erkennen. Die Städte helfen sich nicht selbst. Sie warten auf Hilfe, vor allem auf die des Bundes. Bis dahin verfahren sie nach dem Grundsatz: Wenn man die Augen schließt, sind die Probleme weg.

Dabei werden sie stetig größer. Das gilt von der Integration über die schulische und berufliche Qualifizierung bis zur Armut und der Verwahrlosung der Kinder. Jahr für Jahr melden die Statistiken schlimmere Zahlen. Die Parole: „Kein Kinder darf verloren gehen“ – ist bisher nur ein frommer Wunsch. Der Anteil der Alten wächst. Viele junge Leute verlassen die Region, weil man andernorts mehr verdienen kann und es sich dort auch besser leben lässt.

Das Ruhrgebiet hat zu viele Arbeitslose und zu wenig Arbeitsplätze. Hätte es heute mehr Stellen, wenn man die Milliarden, die in die Kohle flossen, in zukunftsfähige Branchen investiert hätte? Ein politisches Märchen. Das Geld, das man bei der Kohle gespart hätte, wäre ganz sicher nicht ins Ruhrgebiet geflossen.

Seltsam apathisch

Selbst in der Ära Schröder, als im Bund und in NRW Rot-Grün regierte, konnten NRW und das Ruhrgebiet nicht profitieren, weil sie politisch zu schwach waren. Es gelang ihnen nicht einmal, Geld für ein paar Schienen zwischen Dortmund und Köln locker zu machen.

Seinen Niedergang nimmt das Ruhrgebiet kaum noch zu Kenntnis. Wer ihn thematisiert, steht schnell als Nestbeschmutzer da. Es fehlt öffentlicher Druck, die Defizite und die Suche nach Lösungen zum Thema zu machen. Was den Abbau der Defizite und die Gestaltung der Zukunft angeht, bleiben die politischen und gesellschaftlichen Organisationen und die Bevölkerung seltsam apathisch.

Den Strukturwandel verdöst

Das Ruhrgebiet hat zu viele Untätige. Einst war es das industrielle Herz Deutschlands. Heute spielt es diese Rolle kaum noch in NRW. Eher bremst es die Wachstumsraten des Landes. Die letzte unternehmerische Großtat war der Ausstieg aus der Kohle und der Umbau der RAG zu Evonik. Doch das liegt bereits fünf Jahre zurück.

Seither wird viel über Kooperation geredet. Entschlossen gehandelt wird jedoch nicht. Nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft im Ruhrgebiet bringt es bisher nicht über sich, ihre Kräfte zu konzentrieren.

Diese Untätigkeit hat Tradition. Dass sich das Ruhrgebiet immer wieder aus seinen Problemen herauswinde, ist ein Mythos. Die Region schrumpft ungebremst weiter. Inzwischen treten sogar einst kraftvolle Unternehmen auf der Stelle und verdösen den Strukturwandel. In dieser Hinsicht sind ThyssenKrupp und die WAZ typische Repräsentanten der Metropole Ruhr.

Schlagwörter: , , , , ,

5 Kommentare zu “Nur bei der Produktion von Illusionen Spitze”

  1. […] ThyssenKrupp und die WAZ typische Repräsentanten der Metropole Ruhr: Nur bei der Produktion von Illusionen Spitze … postvonhorn […]

  2. […] Ruhrgebiet: Nur bei der Produktion von Illusionen Spitze…Post von Horn […]

  3. Pottblog sagt:

    Links anne Ruhr (12.12.2012)…

    Bochum: Tag eins nach der Opel-Entscheidung: Bochum zwischen Mut und Resignation (RP-Online) – Dortmund: Der Haushalt schimmert Rot-Grün (WR.de) – Bochum: Weitere Zusammenarbeit? Sascha Hellen bekam fast eine Million Euro von den Stadt…

  4. Hans Meier sagt:

    Trotz der düsteren Stimmung, in der vorangehenden Revier-Beschreibung, klagen wird nicht weiterhelfen, genauso wenig wie „Schuld-Theorien“.
    Das Ruhrgebiet hat eine Tradition in Kohle und Stahl hinter sich und eine Bevölkerung, die wegen der einfachen Arbeitsnachfrage zuzog.
    Großbetriebe brauchten Arbeitskräfte, Strukturwandel hatte es politisch traditionell schwer, weil sich die Politiker überschätzten, häufig nicht erkennen das Unternehmen, Bevölkerung und die politische Klasse wesentlich mehr gemeinsame Interessen haben, als in den aufgebauschten „Schein-Konflikten“ zwischen den Beteiligten öffentlich transportiert wird.
    Arbeitgeber und Arbeitnehmer streben nicht zu gegenteiligen Zielen, auch wenn das gebetsmühlenhaft so dargestellt wird, sie haben nur „gemeinsam“ Erfolg.
    Politik die das nicht versteht, behindert die Arbeitgeber und schädigt die Arbeitnehmer durch zu hohe Abgaben an Steuern und Kaufkraft an den umverteilenden Staat, der sich bürokratisch lähmend aufbläht.
    In Wirklichkeit können sich nur die Menschen im Ruhrgebiet eine Zukunft attraktiv gestalten, wenn sie ersteinmal zuversichtlich Selbstverantwortung entwickeln, statt Anderen den „schwarzen Peter“ für das eigene persönliche Schicksal zu geben.
    Allerdings wäre dazu schon sehr hilfreich, wenn weniger industriefeindlicher Alarmismus Arbeitsplätze vertreibt, wenn Kraftwerke billig und zuverlässig Strom liefern können. Wenn Verkehrsanbindungen und Unternehmensansiedlungen begrüßt, statt von Sektierern mit Mandat bekämpft werden.
    Es gilt gemeinsame Interessen und Kompromisse zu finden, statt sich im Klein-Klein zu beharken.

  5. […] selbst die veränderungsscheuen Politiker im Ruhrgebiet nicht entziehen könnten. Lesen Sie auch: Nur bei der Produktion von Illusionen Spitze Keine Ideen, keine Konzepte, kein Mut Eine Stadt sinkt immer […]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.