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Nebenbei

  • Lindner und die „AfD light“

    Bei der Bundestagswahl 2017 spielte FDP-Chef Lindner eine tragende Nebenrolle. Damals stellte sich unter anderem die Frage: Findet die FDP in den Bundestag zurück? Sie fand. Es war Lindners Verdienst. Vier Jahre lang hat er auf das Comeback hingearbeitet. Die FDP wird es ihm nicht vergessen. Heute, ein Jahr danach, nehmen die Mitglieder, Wähler und Sympathisanten wahr, dass in der FDP von einem Aufbruch kaum etwas zu spüren ist. Dabei wäre er gerade jetzt leicht zu bewerkstelligen. Die Regierungsparteien SPD, CDU und CSU sind in sich und untereinander zerstritten. Die FDP könnte mit den drei übrigen Oppositionsparteien profitieren. Sie und die Linke tun es nicht. Die Linke tritt auf der Stelle, weil sie so zerstritten ist wie die Union und die SPD. Die Grünen dagegen, die sich geschlossen zeigen und um Seriosität bemühen, wachsen in den Umfragen rasch. Auch die AfD kann zufrieden sein. Sie hat die FDP und die Linke hinter sich gelassen und prägt seit Langem den öffentlichen Diskurs. Die Medien, die CSU und die Konservativen in der CDU helfen ihr. Obwohl die FDP befriedet scheint, schafft sie es nicht, die schrumpfende Attraktion der drei Regierungsparteien zu nutzen. Es rächt sich, dass Lindner im Frühjahr die Jamaika-Verhandlungen platzen ließ und in die Opposition floh. Seither wird die FDP kaum noch ernst genommen. Es zeigt sich, dass sie über ihren Wählerstamm hinaus kaum weitere Wähler an sich binden kann. Lindner schafft es nicht, FDP-Anliegen zum Thema zu machen, bis auf eines. Kaum eine Woche vergeht, in der er nicht fordert: Merkel muss weg. Auch als Verstärker der AfD generiert er für die FDP kein Wachstum. Wohl aber festigt er den Eindruck, bei der FDP handele es sich um den lauwarmen zweiten Aufguss des Konglomerats aus AfD und Pegida, um eine Art „AfD light“. Vielen FDP-Anhängern wird das auf Dauer nicht gefallen. – Ulrich Horn

Vor der Fan-Gewalt kapituliert

Der Alltag straft die Propaganda Lügen

Montag, 3. September 2012

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(uh) Wie viele Menschen beschäftigen sich in Deutschland jedes Wochenende mit Fußball? Viele Millionen. Der DFB versucht in Werbespots, den Fußball als Kraft darzustellen, die der Gesellschaft auf vorbildliche Weise positive Impulse gibt. Doch der Alltag widerlegt die Propaganda.

Handlanger von Kriminellen

Kürzlich wurde Kevin Pezzoni, ein Spieler des 1. FC Köln, von sogenannten Fans bedroht. Der Verein und der Spieler trennten sich. Die einen sagen, der Spieler habe um die Trennung gebeten, die anderen vermuten, der Verein habe die Trennung nicht ungern vollzogen wenn nicht sogar betrieben. Fest steht jedenfalls: Der 1. FC Köln hat den bedrohten Spieler nicht in Schutz genommen, sondern sich zum Handlanger von Kriminellen gemacht.

Ist das ein Beleg für die positive gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs, die der DFB propagiert? Der FC-Vorstand ermuntert mit seinem Verhalten auch andernorts Ganoven. Er hat sein Geschäft an die Randalo-Fan abgegeben. Er sollte einpacken und sich vom Acker machen.

Was tun der DFB und die Liga? Sie beobachten die Entwicklung sicher besorgt. Äußerungen von Liga-Chef Rauball in der „Welt am Sonntag“ gehen in diese Richtung. Er befürchtet, die Innenminister könnten nun noch stärker auf ein Stehplatz-Verbot dringen, das finanzschwache Randalos, aber auch friedliche Fans aus den Stadien hielte.

Kein positiver Impuls

Im Übrigen ist Rauball sicher, dass der FC-Vorstand „alle nötigen Konsequenzen“ ziehen werde. Das verheißt nichts Gutes. Rauball ist nebenher Vorstandschef bei Borussia Dortmund. Auch sein Verein hat gewalttätige Fans. Auch er hat vor ihnen kapituliert. Er untersagte Kindern unter sieben Jahren den Zutritt zur Fan-Kurve, weil sie dort nicht mehr sicher sind.

Unweigerlich möchte man Rauball fragen: Ist die Kurve für Frauen, Alte und Behinderte sicher? Oder laufen auch sie Gefahr, dort verletzt zu werden? Sollte der Verein nicht auch ihnen sicherheitshalber nahe legen, die Kurve zu meiden? Auch in Dortmund kapituliert der Verein vor der Gewalt. Ein positiver Impuls für die Gesellschaft ist auch sein Verhalten nicht.

Wie bescheiden die Ansprüche inzwischen sind, kann man in der Rheinischen Post lesen. Sie freut sich, dass die Fans beim Spiel der Fortuna gegen Gladbach ruhig blieben, in der Altstadt habe es keine Schlägereien gegeben. Allerdings waren drei Hundertschaften der Polizei erforderlich, um die Fans beider Vereine auf Distanz zu halten.

Immer mehr brutalisiert

Die Randalo-Fans strapazieren die Polizei. Sie stöhnt jede Woche über die Fußball-Einsätze. Sie fühlt sich an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Fußball kann nur noch unter aufwändigen und teuren Sicherheitsmaßnahmen stattfinden. Sie sind erforderlich, weil die Fan-Kultur sich in den vergangenen Jahren ungehindert brutalisieren konnte.

Das geht auf das Konto der Innenminister und der Fußballfunktionäre. Die Minister haben wie bei den Neonazi- und den Rockerbanden zu lange über die bedrohlichen Entwicklungen hinweggesehen. Nun treten ihre Versäumnisse von Wochenende zu Wochenende immer schärfer hervor.

Was passiert, wenn den Innenministern und den Fußballfunktionären die Probleme noch weiter aus den Händen gleiten? Werden wir dann erleben, dass die Bundeswehr aufmarschiert, um die Randalo-Fans in Schach zu halten?

2 Kommentare zu “Der Alltag straft die Propaganda Lügen”

  1. Werner Jurga sagt:

    Starker Tobak, dem ich nichtsdestotrotz voll und ganz zustimme! So weit ich das beurteilen kann – bin im Fall „Pezzoni“ nicht sachkundig (gewesen). Es gibt keinen Grund, an Horns Darstellung zu zweifeln.
    Eine ernüchternde Analyse: ein großer Wirtschaftszweig, nämlich ein Teil der Unterhaltungsindustrie, macht sich zum Handlanger von Kriminellen. Der Staat, und zwar sein Kernbereich, der Gewaltapparat, hat diesen zwielichtigen Fußballpräsidenten und Managern zu dienen.
    Im Zweifel machen Politiker dies ganz gern, weil die Wähler die Unterstützung für ihren lokalen Kickerverein zu honorieren wissen. Seltsame Bigotterie!
    Allerdings: mit der Polizei (gar der Bundeswehr) wird diese Hooligan-Gewalt nicht zu besiegen sein. Ohne diese ganzen – mehr oder weniger – sozialarbeiterlichen Projekte wird es nicht gehen. Sowohl für die rechte (Polizei) als auch für die linke (Fan-Projekte) Variante staatlicher „Ordnungspolitik“ als bleibt Schlüsselfrage: wer zahlt die Zeche?

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