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Nebenbei

  • Auf Merz ist Verlass

    Eines muss man Friedrich Merz lassen: Auf ihn ist Verlass. Sobald es darauf ankommt, übermannen ihn Aussetzer. 2002 verlor er den Fraktionsvorsitz. Er kam nicht auf die Idee, sich die Hilfe von CSU-Chef Stoiber zu sichern. Wohl aber Merkel. Sie gab Stoiber für den Fraktionsvorsitz die Kanzlerkandidatur. Merz schaute in die Röhre. Als er 2018 gegen Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz kandidierte, vergaß er, Teile der Jungen Union an sich binden. Seine Kandidatenrede fanden selbst seine Fans miserabel. Die Konkurrentin gewann. Wieder schaute er in die Röhre. Derzeit kämpft er erneut um den CDU-Vorsitz, diesmal gegen Laschet und Röttgen. Was passiert? Er patzt. Er rückt Schwule in die Nähe von Pädophilen. Prompt steht er mitten im Shitstorm und als Mann von vorgestern da. Er hat gute Aussichten, bei der Wahl wieder in die Röhre zu schauen. Selbst seine Fans sollten inzwischen wissen: Merz tut nichts, wenn er handeln müsste. Er versagt, wenn er die richtigen Worte sprechen müsste. Er plappert drauf los, wenn er den Mund halten sollte. Man fragt sich: Wie kommen Leute in der CDU nur auf die Idee, ein Mann wie er, der noch nie ein Regierungsamt innehatte und im entscheidenden Moment zu versagen pflegt, könnte die Union hinter sich vereinen, Deutschland führen, Europa zusammenhalten, beide durch Krisen führen und sie zwischen China, Russland und den USA über Wasser halten? – Ulrich Horn

Neonazis: Alles muss auf den Tisch

Donnerstag, 24. November 2011

Politik

(uh) Von Tag zu Tag erfahren wir mehr über die Neonazi-Szene, die Morde der Neonazis und das Versagen der Sicherheitsbehörden und der Innenpolitiker, die diese Behörden kontrollieren sollen. Es fällt schwer, den Überblick über den gesamten Komplex und seine vielen einzelnen Stränge zu gewinnen.

Notwendig wäre eine unabhängige Inststanz, die der Gesellschaft glaubhaft garantieren könnte, dass alles auf den Tisch kommt und nichts unter den Teppich gekehrt wird. So ein politik- und behördenfernes Gremium, das frei von allen Partei- und Organisationszwängen agieren und die Probleme sachlich aufarbeiten könnte, gibt es meines Wissens bisher nicht. Und so besteht die Gefahr, dass wir längst nicht alles erfahren werden, was wir wissen müssten.

Die Untersuchungen, so wie sie sich derzeit vermitteln, haben etwas Chaotisches und Zufälliges an sich. Auf der einen Seite untersuchen die Sicherheitsbehörden die Verbrechen, die sie lange falsch einschätzten. Auf der anderen Seite untersuchen die Sicherheitskräfte auch die Sicherheitskräfte, die sich Untätigkeit, Fehleinschätzung und Fehlverhalten zu schulden kommen ließen.

Gleichzeitig versuchen die Innenpolitiker, die es sträflich unterließen, die Sicherheitsbehörden wirkungsvoll zu kontrollieren, deren Defizite zu beseitigen. Und das, noch während ermittelt wird und das Ausmaß des Versagens noch gar nicht vollständig erfasst ist.

In dieser trüben Melange wird immerhin deutlich: Mit jedem Tag der Untersuchungen nimmt die Neonazi-Szene einen immer größeren und bedrohlicheren Umfang an. Das gleiche gilt auch für das Versagen der Behörden und der Innenpolitiker.

Wie abgehoben sie inzwischen hantieren, kann man am CDU-Abgeordneten Bosbach beobachten. Er behauptet, die Behörden hätten nicht versagt. Auf Fakten kann er sich dabei nicht stützen. Wer soll Bosbach da noch abnehmen, dass er die Behörden unabhängig und distanziert kontrolliert?

Er gibt wie viele Innenpolitiker den Schutzpatron der Sicherheitsbehörden, eine Einstellung, die das Versagen der Behörden begünstig. Bosbach setzt sich dem Verdacht aus, mit den Behörden zu paktieren. Die ihrerseits im Verdacht stehen, mit den Neonazis zu paktieren. Der Bürger, der das alles finanziert, fasst sich an den Kopf.

Der Verfassungsschutz und die Polizei sollen den Staat und die Gesellschaft schützen. Das ist ihnen offensichtlich nicht gelungen. Sie haben die Gesellschaft über das Ausmaß der Bedrohung durch Neonazis im Unklaren gelassen und getäuscht. Ob durch Unfähigkeit, Faulheit, Fahrlässigkeit oder mit Absicht und durch Kumpanei mit den Neonazis, muss in aller Öffentlichkeit und für die Gesellschaft nachvollziehbar geklärt werden.

Und dabei darf es den Versagern nicht gestattet werden, ihr eigenes Versagen aufzuklären. Das wäre der sicherste Weg, die Dinge unter den Teppich zu kehren und die Gesellschaft ein weiteres Mal zu hintergehen. Dies zu verhindern, Kumpanei zu unterbinden und umfassende Aufklärung zu ermöglichen, wäre eine schöne Aufgabe für die Medien und die Journalisten.

Die Behörden und die Innenpolitiker, vorne weg der frühere SPD-Innenminister Otto Schily, sind in ihrer Ignoranz sogar so weit gegangen, den Mordopfern und den Verletzten zu unterstellen, sie selbst hätten die Gründe für ihre Ermordung und für ihre Verletzungen geliefert. Niemand fiel den Behörden und Politikern in den Arm. Allerdings auch kaum ein Journalist. Versagt haben in den vergangenen Jahren viele, auch unter denen, die sich jetzt so laut als Warner und Mahner aufführen.

Viele Menschen glauben nicht daran, dass die Ermittlungen die volle Wahrheit über die Ereignisse und den Zustand am rechten Rand der Gesellschaft ans Licht bringen werden. Viele glauben den Behörden und den Politikern schon lange nicht mehr und fühlen sich durch die Offenbarungen der vergangenen Wochen noch bestärkt. Sie sehen sich hinters Licht geführt.

Anlass zum Argwohn gibt es mehr als genug. Die Untersuchungen, wenn sie denn transparent und umfassend geführt würden, könnten dazu beitragen, schwindendes Vertrauen zu stabilisieren und zurück zu gewinnen. Doch danach sieht es derzeit ganz und gar nicht aus.

Gerade erst haben sich Behörden und Politiker pathetisch dafür entschuldigt, dass sie bei den ersten stümperhaften Ermittlungen die Opfer der Neonazi-Bande in die Nähe von Kriminellen rückten. Wie kann es da sein, dass Bundesinnenminister Friedrich (CSU) und der Chef des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, die ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter nun fälschlicherweise in die Nähe der Neonazis brachten>?

 

 

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