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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Der Traum von der eigenen Mehrheit

Dienstag, 5. Juli 2011

Politik

(uh) Im Düsseldorfer Landtag soll seit der vergangenen Woche Misstrauen unter den Abgeordneten grassieren. Es soll entstanden sein, weil sich die ehemalige Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion, Britta Altenkamp, erdreistete, eine Absprache mit der CDU-Opposition zur Abstimmung über den WestLB-Umbau zu brechen. Die Bürger werden daraus ihre Schlussfolgerungen ziehen. Ernsthaft besorgt sein müssen die Menschen in NRW über andere Dinge.

Entscheidungen von großer Tragweite


Die Umstände der WestLB-Abstimmung zeigen: Es ist nicht unbedingt zum Nutzen des Landes, dass NRW von einer Minderheitsregierung geführt wird. Viele Entscheidungen im Landtag haben nur lokale oder regionale Auswirkungen. Wird in solchen Fällen falsch entschieden, hält sich der Schaden in Grenzen und kann bei Bedarf repariert werden.

Ab und zu aber hat der Landtag über Sachverhalte zu befinden, die weit über die regionalen Grenzen hinausreichen. Die Abstimmung über den WestLB-Umbau war eine solche Entscheidung. Wäre sie falsch ausgegangen, hätte das für NRW und seine Bürger, aber auch für Menschen in anderen Ländern verheerende finanzielle und wirtschaftliche Folgen nach sich gezogen. Entscheidungen von großer Tragweite werden selbst im sonst recht provinziellen NRW-Landtag immer wieder einmal notwendig. Sie erfordern eine Regierung mit klarer Mehrheit.

Nur begrenzt handlungsfähig


Die Linke jedenfalls ist nicht in der Lage, der rot-grünen NRW-Minderheitskoalition ausreichende Stabilität zu verschaffen. Die NRW-Linke ist weit entfernt vom Pragmatismus der Linken in den neuen Ländern. Die Minderheitsregierung, die in NRW von Anfang an auf Unterstützung oder Duldung der Linken setzte, ist nur begrenzt handlungsfähig, weil ihr die Linke nur sehr geringen Spielraum einräumt.

Verglichen mit den Aktionsmöglichkeiten, die Rot-Grün in Rheinland-Pfalz und Grün-Rot in Baden-Württemberg mit ihren eindeutigen Mehrheiten haben, ist die NRW-Regierung fast zum Stillstand verurteilt. Das wird sich in den nächsten Monaten immer deutlicher herausschälen. Neuwahlen könnten die Lage im Landtag ändern. Doch außer den Grünen hat derzeit niemand ein Interesse an einem Urnengang.

Im Widerspruch zu den Parteifreunden


Schon jetzt zeigt sich die Starre bei der Haushaltspolitik. Die Spitzen der SPD verurteilen dieser Tage die Steuersenkungspläne der Bundesregierung und fordern die Sanierung des Bundeshaushalts. Die NRW-Regierungschefin Kraft, nebenher auch noch stellvertretende SPD-Vorsitzende, muss dazu betreten schweigen. Ihre Politik in NRW steht im Widerspruch zu den Forderungen ihrer Parteifreunde Steinmeier, Steinbrück und Gabriel.

Kraft traf bisher zwei Haushaltsentscheidungen, zum Nachtragsetat 2010 und zum Etat 2011. In beiden Fällen entschied sie, die Etats mit Schulden auszublasen. Sie riskierte sogar Verfassungsklagen. Kürzungen, mit denen die Neuverschuldung auf ein verfassungsgerechtes Maß begrenzt und die Sanierung des Haushalts eingeleitet würde, scheute Kraft, weil sie bei der linken Fraktion auf Widerstand stoßen.

Ein Linker gab den Ausschlag


Ob sich die Linke im Laufe der Legislaturperiode wandeln und kompromissbereiter zeigen wird, ist schwer vorauszusagen. Bei der Abstimmung über den Umbau der WestLB reihte sie sich in die Opposition ein und stimmte mit CDU und FDP gegen das Projekt. Dennoch hatte die rot-grüne Koalition plötzlich eine Mehrheit.

Vor der Abstimmung fehlten zwei CDU-Abgeordnete und ein Mitglied der SPD-Fraktion. Ein weiteres SPD-Mitglied, das sich abgemeldet hatte, war dann doch erschienen. Es hätte nach dem Pairing-Abkommen zwischen CDU und SPD nicht stimmen dürfen. Seine Stimme hätte im Parlament allenfalls zum Patt geführt, weil die Oppositionsfraktionen eine Stimme mehr haben als die Regierungsfraktionen.

Die unerwartete Regierungsmehrheit kam zustande, weil sich der linke Abgeordnete Michalowski, früher parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion, für die Plenartage der vergangenen Woche abgemeldet hatte. Erst seine Abwesenheit gab der SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Altenkamp die Möglichkeit, mit dem Bruch des Pairing-Abkommens die Mehrheit zu schaffen. Für kurze Zeit wurde der Traum von der eigenen rot-grünen Mehrheit wahr.

Einzeltäterin oder Bauernopfer


Dass es an diesem Donnerstag diese Möglichkeit gab, hätte allen Fraktionen frühzeitig klar sein müssen. Sie werden vor Beginn der Landtagssitzung darüber informiert, welche Abgeordneten aus welchen Fraktionen abwesend sind. In der Debatte, die der Abstimmung voraus ging, klang mancher Beitrag so, als könne er sich nicht entscheiden, ob er die Opposition umwerben oder angreifen solle. Der eine oder die andere hatte da möglicherweise schon die plötzlich aufgetauchte eigene Mehrheit im Kopf.

Das Misstrauen im Landtag richtet sich gegen die SPD-Fraktion, die das Pairing-Abkommen gebrochen hat. Altenkamp hat ihr Amt als Fraktionsgeschäftsführerin erst nach einigem Zögern niedergelegt. Möglicherweise war da etwas nachgeholfen worden, vermutet man im Landtag. Mancher sieht sie als Bauernopfer. Trotz aller Dementis bleibt unter den Abgeordneten der Verdacht, Kraft und Fraktionschef Römer könnten in die Aktion Altenkamps eingeweiht gewesen sein.

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Ein Kommentar zu “Der Traum von der eigenen Mehrheit”

  1. […] NRW: Der Traum von der eigenen Mehrheit gepatzt? … postvonhorn […]

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