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Nebenbei

  • Auf Merz ist Verlass

    Eines muss man Friedrich Merz lassen: Auf ihn ist Verlass. Sobald es darauf ankommt, übermannen ihn Aussetzer. 2002 verlor er den Fraktionsvorsitz. Er kam nicht auf die Idee, sich die Hilfe von CSU-Chef Stoiber zu sichern. Wohl aber Merkel. Sie gab Stoiber für den Fraktionsvorsitz die Kanzlerkandidatur. Merz schaute in die Röhre. Als er 2018 gegen Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz kandidierte, vergaß er, Teile der Jungen Union an sich binden. Seine Kandidatenrede fanden selbst seine Fans miserabel. Die Konkurrentin gewann. Wieder schaute er in die Röhre. Derzeit kämpft er erneut um den CDU-Vorsitz, diesmal gegen Laschet und Röttgen. Was passiert? Er patzt. Er rückt Schwule in die Nähe von Pädophilen. Prompt steht er mitten im Shitstorm und als Mann von vorgestern da. Er hat gute Aussichten, bei der Wahl wieder in die Röhre zu schauen. Selbst seine Fans sollten inzwischen wissen: Merz tut nichts, wenn er handeln müsste. Er versagt, wenn er die richtigen Worte sprechen müsste. Er plappert drauf los, wenn er den Mund halten sollte. Man fragt sich: Wie kommen Leute in der CDU nur auf die Idee, ein Mann wie er, der noch nie ein Regierungsamt innehatte und im entscheidenden Moment zu versagen pflegt, könnte die Union hinter sich vereinen, Deutschland führen, Europa zusammenhalten, beide durch Krisen führen und sie zwischen China, Russland und den USA über Wasser halten? – Ulrich Horn

Spahn: Noch zu behäbig

Montag, 10. August 2020

Politik

Das CDU-Nachwuchstalent Spahn (40) zählt nach allgemeiner Auffassung zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Der Gesundheitsminister hat sich in der Krise einen Namen gemacht. 60 Prozent sind mit Spahns Arbeit zufrieden. Kann auch er mit sich zufrieden sein?

Als Merkel-Gegner hervorgetan

Er braucht Anerkennung. Er strebt nach Höherem. Er will einmal CDU-Chef und Kanzler werden. Es fragt sich: Hat er das Zeug, den Anforderungen dieser Ämter zu genügen?

Er gehört zum konservativen Lager der Union, das unter deren Anhängern nur eine Minderheit darstellt. Seit Mitte des Jahrzehnts trat er als Merkel-Gegner hervor. Er zog sich den Verdacht zu, Intrigen zu spinnen und den CSU-Politikern Seehofer und Söder in die Karten zu spielen, die Merkel stürzen wollten.

Sie hielt sich im Amt, auch dank ihres Rückhalts in der Bevölkerung. Brachten dieser Sachverhalt und die ernüchternde Erfahrung, auf dem Hamburger Parteitag 2018  bei der Wahl für den Vorsitz nur von 16 Prozent der Delegierten gewählt zu werden, bei Spahn einen Reifeprozess in Gang?

Die Pandemie heruntergespielt

Die Sucht, zu allem medienwirksam seinen Senf beizusteuern, bekommt er allmählich in den Griff. Auch im Kampf um Merkels Erbe hält er sich inzwischen zurück. Bisher unterstützt er Laschets Ambition, CDU-Chef und Kanzlerkandidat zu werden.

Zu Beginn der Pandemie konnte Spahn in Merkels Schatten vom Vertrauen der Bürger profitieren, das ihr damals reichlich zufloss. Als Gesundheitsminister scheint Spahn akzeptiert.

Doch als Krisenmanager muss er noch lernen. Die Pandemie spielte er anfangs herunter. Es dauerte lange, bis er Schutzmasken empfahl und die Bevölkerung mit ihnen versorgte. Beim Kauf der Masken soll es in seinem Ministerium chaotisch zugegangen und viel Geld verschwendet worden sein.

Mangel an Umsicht gezeigt

Viel zu lange dauerte es auch, bis er die Corona-App in Angriff nahm und installierte. Dass er nach dem Lockdown Urlaubsreisen zuließ, ohne für Rückkehrer Test- und Quarantänevorkehrungen parat zu haben, war ebenfalls ein schwerer Fehler. Die Urlauber der ersten Welle kehrten ungetestet heim. Hat das Versäumnis den jüngsten Anstieg der Infektionen begünstigt?

Pannen wie diese zeugen von Behäbigkeit und einem Mangel an Erfahrung, Umsicht und Vorausschau. Unübersehbar fallen Wollen und Können noch auseinander. Spahn ist ganz sicher noch nicht so weit, die höchsten Posten zu bekleiden. Ob er das auch so sieht, wird sich zeigen.

Wer zu langsam ist, kann nur noch reagieren. Zunehmende Fallzahlen setzen Spahn unter Druck. Steigen sie stark an, kann sich leicht der Eindruck festsetzen, die Krise laufe aus dem Ruder und er seinen Versäumnissen hinterher. In den Umfragen dürfte dann aus dem Profiteur der Krise schnell ihr Verlierer werden. – Ulrich Horn


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8 Kommentare zu “Spahn: Noch zu behäbig”

  1. Roland Mitschkr sagt:

    Das sieht die große Mehrheit der Bevölkerung anders.

  2. Markus sagt:

    Spahn sagt einmal, daß man nicht zu viele Corona-Tests machen solle, weil man sonst zu viele falsch-positive Testergebnisse erhalte (was ja auch stimmt). Und nun ist der Spahn der große Test-Befürworter (was ein Riesengeschäft für die Test-Industrie ist, obwohl niemand krank ist).

    Aber nicht nur Spahn würde mal eine Dienstreise nach Schweden guttun, um überhaupt einmal wieder mit der Realität in Kontakt zu kommen:
    https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-740919.html

    • Ulrich Horn sagt:

      Zur Information, weniger für Sie als für alle, die Ihren Kommentar lesen, hier die Spitzenreiter der Corona-Pandemie nach Toten pro 100.000 Einwohnern, („obwohl niemand krank ist“), Stand 6.8.2020:
      1. Belgien 86 (Total: 9.872)
      2. Großbritannien 70 (Total: 46.659)
      3. Peru 66 (Total: 21.072)
      4. Spanien. 61. (Total: 28.503)
      5. Italien. 58 (Total: 35.205)
      6. Schweden. 57 (Total: 5.763)
      7. USA 50 (Total: 162.938)
      Bezogen auf die Bevölkerungszahl hat Schweden mehr als fünfmal so viele Corona-Tote wie Deutschland (11 Total: 9.197).

      • Markus sagt:

        Wie viel Menschen sind denn gestern an Corona in D gestorben? Einer! Und vorgestern waren es sieben oder acht Corona-Tote.

        Die Politik hat sich bei den Anti-Corona-Maßnahmen auf den Rat von zu wenigen Fachleuten gestützt. Nötig ist ein breit aufgestelltes Expertengremium: https://taz.de/!5701892/

        • Ulrich Horn sagt:

          Und wie viele waren es gestern in Schweden? Wie viele Corona-Kranke sind gestern in Deutschland vor dem Tod gerettet worden?

          • Markus sagt:

            Was gibt es denn jetzt zu retten? Die Wirtschaft vor dem Kollaps retten! Und den Kindern den Schulalltag nicht unerträglich machen! Der Höhepunkt der Infektionen lag im März, wo niemand Masken zu tragen brauchte und es auch zu keinem Massensterben gekommen ist, weder im Musterland Deutschland noch im Reich der Finsternis in Schweden. Die jetzt herbeigeredete zweite Welle wird durch hochgefahrene Corona-Tests und die falsch-positiven Testergebnisse erzeugt. Mit Angst und Bange kann man beim deutschen Michel immer landen.

  3. Benno Lensdorf sagt:

    Das ist mal wieder so ein Kommentar, wo deutlich wird, dass Journalisten wohl die besten Politiker sein müssten…
    Denn sie (er-)kennen sämtliche Fehler der handelnden Politiker/ aber immer aus der Retrospektive… Und das ist nicht schwer.. zu dumm!
    Wir alle wissen:
    Im Nachhinein ist man(n) immer klüger.
    Zu Jens Spahn sei angefügt, dass er ja nicht nur „Corona-Minister“ ist, sondern auch „ Bundesgesundheitsminister!
    Und als solcher hat er eine Menge auf den Weg gebracht und in Gang gesetzt.
    Dies zu würdigen wäre angebracht.
    Denn bei der MammutAufgabe Ärzte- Krankenhäuser-Altenpflegeeinrichtungen- Patienten kann es eigentlich nur einen Verlierer geben: den/die jeweilige(n) dafür zuständige(n) Minister-/ erin…
    Und da steht Herr Spahn doch sehr ordentlich da mit seiner Leistung bislang.

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