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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Das Elend des Fußballs

Mittwoch, 20. März 2019

Nebenbei

Der deutsche Fußball macht nicht mehr viel her. Der aktuelle DFB-Präsident Grindel, ein Journalist, flüchtet vor unangenehmen Fragen. Er zeigt sich überfordert, wie schon sein Vorgänger Niersbach, ebenfalls ein Journalist. – Die Nationalmannschaft überstand nicht einmal die WM-Gruppenspiele. Auch stieg sie aus der Nations League ab. – Die Bundesliga-Klubs sind in der Champions League früh gescheitert. Die zweite Hälfte der 1. Liga spielt drittklassig. – Auf dem gleichen Niveau bewegen sich die Spielberichte der TV-Sender. Seit dem WM-Sieg 2014 verharmlosen sie die Defizite des deutschen Fußballs. Da ihn die Sender mitfinanzieren, scheuen sie sich, ihr Produkt schlechtzureden. Um diese Falle zu umgehen, entschärfen sie die Information durch Moderation – und landen prompt in der nächsten Falle: Sie machen sich zum Teil des Fußballs. Sie reden ihn schön. Sie blasen ihn auf. Sie lassen ihre Moderatoren wie Animateure agieren. Der graue Zustand des Fußballs verschwindet unter einer rosaroten TV-Verklärung. Kritik bleibt rar. Sie scheint unerwünscht. Das bekam Felix Magath zu spüren, als er am Samstag im ZDF-Sportstudio auf das Fußballelend hinwies. Statt ihn zu ermuntern, seine Kritik am DFB, an den Klubs, am Bundestrainer und am Medienbetrieb weiter auszuführen und zu begründen, lenkte Breyer von ihr ab: Er machte Magath zum Thema. Breyer schien sich von Magaths Kritik am Fußballbetrieb beleidigt zu fühlen. Er drängte seinen Gast in die Rolle des Sonderlings. Dennoch brachte Magath seine Botschaften über. Das Hamburger Abendblatt hat sie zutreffend zusammengefasst. Magath lieferte den Zuschauern, was ihnen Testimonials wie Breyer seit Jahren vorenthalten. Nicht auszudenken, was Magath noch von sich gegeben hätte, wenn ihn an diesem Abend ein(e) Journalist(in) interviewt hätte. – Ulrich Horn

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6 Kommentare zu “Das Elend des Fußballs”

  1. Markus sagt:

    Nun vielleicht ist Quälix Magath auch ein Sonderling. Aber einer, der weiß, wie der Hase läuft! Jedenfalls besser als manche Schönredner im TV und Dreinredner in den Vereinen, die den Trainern das Leben schwer bis unmöglich machen. – Der deutsche Fußball ist zweitklassig geworden sowohl im Vereinsfußball als auch die Nationalmannschaft. Zum ersten Mal überhaupt sind die Qualifikationen zu den großen Turnieren wie Welt- und Europameisterschaft in ernster Gefahr. Auch mit seiner verjüngten neuen Truppe wird Jogi Löw es alles andere als leicht haben, wenigstens diese beiden Minimalziele zu erreichen.

  2. Roland Appel sagt:

    Solange unsere Fernsehgebühren von (…) TV-Verantwortlichen statt für kritischen Journalismus und gute Fernsehfilme zu 80% in den Rachen von Fußballkommerz zur Massenverdummung gesteckt werden – was erwarten Sie da, Herr Horn? Fußball ist kein Sport mehr, er ist Opium fürs Volk, Projektionsfläche für die internationale Wettmafia und Spekulationsobjekt für die organisierten Kriminellen von FIFA und UEFA. Ich freue mich an Fußballclubs wie dem 1.FC Köln, die als Fahrstuhlmannschaft völlig losgelöst von Ligen und Quatsch Zuschauer moblisieren und schaue lieber Formel 1:
    Da ist der Kapitalismus krass und erfreulich ehrlich offen (3-Tageskarte für VIPs im Schwellenland Mexiko 1.500 Euro), da sind Korruption und Klassengegensätze klar erkennbar und es fließen keine öffentlich-rechtlichen Gelder in Verbrechertaschen und die Oligarchen und Ölscheichs versuchen nicht, sich soziale Mäntelchen umzuhängen, wie die Herrn Ronaldo oder Hoeneß. Im Gegensatz zum Fußball eher ein Beitrag zur Aufklärung!

    • @Herr Appel,
      das ist jetzt aber Sarkasmus, oder? Der FC als Sinnbild des transparenten, fanorientierten Clubs und besser noch die Feststellung, dass die Formel 1 transparent und ohne Schmierereien und Abzocke der Bürger auskommt?

      @Herr Horn, was erwarten Sie? Die Fussballligen in Europa leiden doch schon lange unter massiven Wettberwerbsverzehrungen. Das fängt bei der Eigentümersituation an, bei der Scheichs und Oligarchen in England und Frankreich, die Kohle nur so in die Clubs reinpumpen, und hört bei der massiven und nicht sanktionierten Überschuldung bei – na wo wohl? Natürlich! – in Südeuropa auf.

      National können Sie ebenfalls die politische Schablone anlegen. So wie Bayern damals wirtschaftlich von uns aufgepumpt wurde, hat man ihnen mit dem Olympiastadion den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg hingelegt, kostenfrei! Dass ein Hoeneß der große Magier ist, ist eine weit verbreitete Mär. Er musste den Lottogewinn nur richtig einsetzen und hat das getan.

      Und wie stellen Sie sich das vor, dass der Produktinhaber/Mitarbeiter sein eigenes Produkt schlecht redet? Das gibt es nirgends in der Wirtschaft, es sei denn, sie sind auf der Suche nach einem neuen Job. Man kann sich nun mal nicht waschen, aber nicht nass machen wollen.

  3. Susan sagt:

    Letzter Satz „Nicht auszudenken, was Magath noch von sich gegeben hätte, wenn ihn an diesem Abend ein(e) Journalist(in) interviewt hätte“.

    !Da hoffe ich nun, dass es genau dazu kommt. Felix Magath, möglicherweise noch jemand, ein gescheiter Jourmalist, unbegrenzte Sendezeit (ja, sowas gab es auch mal) und ausreden lassen.

    Grundsätzlich finde ich, dass der DFB bis runter zur kleinsten Kreisliga-Mannschaft ein Reset gebrauchen könnte. Die Show um „Die Mannschaft“ war unmöglich. Dieses aufgeblasene, nichtssagende Geblubber zieht sich bis in die letze Trikot-Waschmaschine und gibt dem Deutschen Fußball den Rest. Die machen jetzt erst mal eine lange Pause. Ich schätze gut 10 Jahre.

  4. Martin Böttger sagt:

    Sie, Herr Horn, liegen hier völlig richtig. Magath ist allerdings nicht der ideale Zeuge. Ältere S04-Fans erinnern sich gewiss, welchen Schuldenstand der Verein hatte, als er ihn endlich verliess. Und die Herren im Gelsenkirchener Stadtrat und bei den Stadtwerken wissen es sicherlich auch noch, wie sie den Laden mit Steuergeldern retten „mussten“.

  5. Christian sagt:

    Dieses Wochenende hat mir einmal mehr gezeigt, wie es um
    den deutschen Fußball und hier besonders die „ach so starke
    Bundesliga“ bestellt ist. Der Tabellenerste spielte gegen
    den Zweiten, das Spiel war nach 25 Minuten entschieden und
    zur Halbzeit stand es 4:0!
    Freitag spielte in der Premier League der Erste gegen den
    17. der Tabelle, ein spannendes Spiel das erst in der 80.
    Minute entschieden wurde. Alles klar?

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