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Nebenbei

  • Nackenschlag zu Neujahr

    Seit Anfang Dezember sind die beiden SPD-Chefs im Amt. Seither suchen sie nach Autorität. Sie wehren sich, Handlanger von Jusos-Chef Kühnert zu sein, und geben viele Erklärungen ab. Esken wirkt noch etwas gehemmt. Walter-Borjans, seit jeher sein eigener Pressesprecher, hantiert routinierter. Kaum ein Thema, zu dem er schweigt. Sein Spektrum reicht vom Kassenbon über die Geschäfte, mit denen sich die WestLB unter seiner Aufsicht in Verruf brachte, bis hin zur neuen Ostseepipeline, die sein Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vorgänger Schröder beaufsichtigt. Auch die Rolle der SPD weiß Walter-Borjans zu definieren. „Sozialdemokratie notwendiger denn je“, heißt es bei ihm auf Twitter. Er und Esken kamen an ihre Posten mit der Verheißung, die Großen Koalition zu verlassen. Inzwischen dämmert ihnen wohl, dass die Behauptung, die SPD sei unverzichtbar, und der Koalitionsbruch sich widersprechen. Über ihn reden sie kaum noch. Ihr Generalsekretär Klingbeil dagegen sieht Klärungsbedarf. Er sagt den Koalitionsbruch endgültig ab. Für die SPD-Chefs, die nach Autorität streben, ein herber Nackenschlag. Alle ihre Forderungen verlieren nun ihr Sprengpotenzial. Etliche Wähler dürften die beiden SPD-Chefs nun für Maulhelden, wenn nicht gar für Rosstäuscher halten. Deutlich wird auch: Mit ihrer Autorität ist es nicht weit her. Machtfragen beantworten nicht sie, sondern ihr Generalsekretär. Kaum einen Monat sind sie im Amt, und schon stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis Klingbeil (oder Kühnert) an ihre Stelle rückt? – Ulrich Horn

Ein Datendieb als Wecker

Donnerstag, 10. Januar 2019

Nebenbei

Tagelang bebte die Republik. Auslöser der Erschütterung: ein Diebstahl. Rund 1000 Leuten waren Daten entwendet worden, von einem 20-jährigen mit Grünspan hinter den Ohren. Der Schaden, den er anrichtete, hält sich finanziell in Grenzen. Die Tat ist auch nicht originell. Seit langer Zeit werden in Deutschland Tag für Tag Daten gestohlen. Dabei werden ihre Eigentümer, vor allem Unternehmer, um viele Millionen geschädigt. Diesen massenhaften Datenklau mit hohem Schaden steckte die Republik bisher ohne großes Gewese locker weg. Dass nun quasi der Bagatelldiebstahl eines 20-jährigen das Gemeinwesen erschüttert, liegt nicht an der Höhe des Schadens, sondern an der Bedeutung der Geschädigten. Unter ihnen befinden sich Prominente aus Kunst, Medien und Politik, darunter der Bundespräsident, die Kanzlerin und etwas weniger bedeutsame Ministerpräsidenten, Minister, Bundes- und Landtagsabgeordnete – und, nicht zu vergessen, auch Moderatoren und etliche Journalisten. Sie alle sorgten dafür, dass ihr Datenverlust, die Umstände seines Entstehens und die Suche nach dem Täter tagelang die Schlagzeilen bestimmten. Dabei zeigte sich: Viel interessanter als der Diebstahl waren die Reaktionen auf ihn. All’ die vielen Unternehmer, die der unablässige Datenklau viel Geld gekostet hat und noch kostet, werden sich verwundert die Augen gerieben haben: Mit einem Schlag wurde Datensicherheit zum Spitzenthema der Politik und der Medien. Nun endlich sollen große Anstrengungen gemacht werden, um Daten besser zu schützen und ihren Diebstahl zu erschweren. Müssen alle besorgten Datenbesitzer dem 20-jährigen Übeltäter nicht dankbar sein? Die Reaktion der Politiker auf seinen Datenklau könnte die Bürger auf den Gedanken bringen: Richtig wach werden deutsche Politiker erst, wenn Missstände so weit angewachsen sind, dass auch die Politiker unter ihnen zu leiden haben. – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Ein Datendieb als Wecker”

  1. Frank sagt:

    Der CCC 2018 hat es gezeigt. Daten sind nie schützbar. am Beispiel der Gesundheitskarten/-daten. In Amerika sind bereits 30.000.000 Krankenakten gehackt. In Schweden 99% in einem Rutsch (Durch ein Versehen der Datenhüter selbst) . Datenschutz ist eine Illusion. Lösungen? Daten gar nicht erst herausgeben.
    Siehe die CCC Vorträge.

  2. dr.pingel sagt:

    Dieser Fall zeigt, dass die Milliarden, die der Bund für die Digitalisierung der Schulen bereit stellen will, verschwendetes Geld ist. Die Schüler können nämlich ihre Lehrer dann in der Digitalisierung unterrichten.
    Was wir brauchen, sind mehr Lehrer und bessere Schulräume.

  3. Jochen sagt:

    Ich wundere mich, warum es nicht wieder den Russen in die Schuhe geschoben wurde.

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