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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Ein Datendieb als Wecker

Donnerstag, 10. Januar 2019

Nebenbei

Tagelang bebte die Republik. Auslöser der Erschütterung: ein Diebstahl. Rund 1000 Leuten waren Daten entwendet worden, von einem 20-jährigen mit Grünspan hinter den Ohren. Der Schaden, den er anrichtete, hält sich finanziell in Grenzen. Die Tat ist auch nicht originell. Seit langer Zeit werden in Deutschland Tag für Tag Daten gestohlen. Dabei werden ihre Eigentümer, vor allem Unternehmer, um viele Millionen geschädigt. Diesen massenhaften Datenklau mit hohem Schaden steckte die Republik bisher ohne großes Gewese locker weg. Dass nun quasi der Bagatelldiebstahl eines 20-jährigen das Gemeinwesen erschüttert, liegt nicht an der Höhe des Schadens, sondern an der Bedeutung der Geschädigten. Unter ihnen befinden sich Prominente aus Kunst, Medien und Politik, darunter der Bundespräsident, die Kanzlerin und etwas weniger bedeutsame Ministerpräsidenten, Minister, Bundes- und Landtagsabgeordnete – und, nicht zu vergessen, auch Moderatoren und etliche Journalisten. Sie alle sorgten dafür, dass ihr Datenverlust, die Umstände seines Entstehens und die Suche nach dem Täter tagelang die Schlagzeilen bestimmten. Dabei zeigte sich: Viel interessanter als der Diebstahl waren die Reaktionen auf ihn. All’ die vielen Unternehmer, die der unablässige Datenklau viel Geld gekostet hat und noch kostet, werden sich verwundert die Augen gerieben haben: Mit einem Schlag wurde Datensicherheit zum Spitzenthema der Politik und der Medien. Nun endlich sollen große Anstrengungen gemacht werden, um Daten besser zu schützen und ihren Diebstahl zu erschweren. Müssen alle besorgten Datenbesitzer dem 20-jährigen Übeltäter nicht dankbar sein? Die Reaktion der Politiker auf seinen Datenklau könnte die Bürger auf den Gedanken bringen: Richtig wach werden deutsche Politiker erst, wenn Missstände so weit angewachsen sind, dass auch die Politiker unter ihnen zu leiden haben. – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Ein Datendieb als Wecker”

  1. Frank sagt:

    Der CCC 2018 hat es gezeigt. Daten sind nie schützbar. am Beispiel der Gesundheitskarten/-daten. In Amerika sind bereits 30.000.000 Krankenakten gehackt. In Schweden 99% in einem Rutsch (Durch ein Versehen der Datenhüter selbst) . Datenschutz ist eine Illusion. Lösungen? Daten gar nicht erst herausgeben.
    Siehe die CCC Vorträge.

  2. dr.pingel sagt:

    Dieser Fall zeigt, dass die Milliarden, die der Bund für die Digitalisierung der Schulen bereit stellen will, verschwendetes Geld ist. Die Schüler können nämlich ihre Lehrer dann in der Digitalisierung unterrichten.
    Was wir brauchen, sind mehr Lehrer und bessere Schulräume.

  3. Jochen sagt:

    Ich wundere mich, warum es nicht wieder den Russen in die Schuhe geschoben wurde.

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