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Nebenbei

  • Armes NRW

    Mehr als eine Woche lang stand in den Kreisen Gütersloh und Warendorf der Lockdown in Rede. Auch wenn er nicht gleich angeordnet wurde, als bei Tönnies das Virus zuschlug: Umsichtige Politik hätte einen Lockdown zumindest in Betracht ziehen müssen. NRW-Ministerpräsident Laschet wehrte ihn zunächst ab. Der Regierungschef tat sich schwer, die Freiheitsrechte erneut einzuschränken. – Doch NRW ist nicht allein auf dieser Welt. Ganz gleich, ob es den Lockdown ausruft oder nicht: Andere Bundesländer gehen so oder so in Deckung. Ihnen reicht die hohe Zahl der Infizierten, um für Besucher aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf hohe Hürden aufzurichten. Österreich warnt sogar vor Reisen nach NRW. – Inzwischen hat Laschet doch noch den Lockdown angeordnet und die Bürger in und um Gütersloh und Warendorf aufgerufen, sich testen zu lassen. Die Bürger folgten brav. Das Ergebnis: Bis zu vier Stunden mussten sie am Mittwoch vor einem Testzentrum warten. Die Tester fühlten sich überfordert. Sie schickten die Bürger nach Hause und vertrösteten sie auf Donnerstag. Armes NRW. Zuerst ärgerten sich die Bürger über den erneuten Lockdown. Nun ärgern sie sich darüber, dass die Politiker und die Verwaltungen es nicht fertig brachten, zügiges Testen zu ermöglichen. Genügend Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, war durchaus vorhanden. – Was lehrt uns das? Erstens: Der Amtsschimmel kann, wenn er nicht gerade eben steht und grast, sich wohl nur im Schritttempo bewegen. Und zweitens: Viele Politiker sind für ihren Job offenbar fehlqualifiziert. Sie ließen sich wählen, obwohl sie gar nicht reiten können – schon gar nicht den Amtsschimmel. – Ulrich Horn

Schulz und das Glashaus

Mittwoch, 28. Juni 2017

Nebenbei

Auf dem jüngsten SPD-Parteitag warf SPD-Kanzlerkandidat Schulz der Kanzlerin Merkel (CDU) vor, sich inhaltlichen Diskussionen zu entziehen. Er nennt dieses Verhalten „einen Anschlag auf die Demokratie“. Diese Attacke lässt vor allem in NRW die Wähler aufhorchen – auch und gerade die der SPD. Sie haben gerade den Landtagswahlkampf hinter sich gebracht. Die SPD erzielte ihr schlechtestes Ergebnis der NRW-Geschichte. Als einer der Gründe für das Desaster gilt auch in der SPD der seltsame Umstand, dass Schulz in diesem Wahlkampf, den er als Generalprobe für die Bundestagswahl ausrief, kaum in Erscheinung trat. Über Wochen war er nicht zusehen und zu hören. Dabei gab es jede Menge inhaltliche Diskussionen – vor allem über die innere Sicherheit, über den Schulunterricht, über die Entwicklung der Wirtschaft, den Zustand der Straßen und Brücken. Es hätten sich Schulz viele Anlässe geboten, kraftvoll mitzureden und im Wettbewerb der Ideen mit der CDU zu ringen. Er hätte sich auch mit Merkel auseinandersetzen können. Allein von Ende April bis Mitte Mai trat sie achtmal in NRW auf. Und wo war Schulz? Was tat er? Er ließ diese Chancen verstreichen. Er schwieg. Er tauchte ab. Er entzog sich der Diskussion, nicht weil er unpässlich war, sondern aus taktischem Kalkül. Seine Parteifreundin Kraft hielt es für erforderlich. Sie glaubte, ohne ihn besser abzuschneiden. Der Kanzlerkandidat hielt es für angebracht, ihr zu folgen und zu verstummen. Den NRW-Wählern, besonders den geplagten der SPD, hat Schulz nun auf dem Parteitag klar gemacht, wie sie sein Abtauchen im NRW-Wahlkampf einzuordnen haben – als „einen Anschlag auf die Demokratie“. Die SPD-Anhänger kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Frühere Kanzlerkandidaten der Partei führten ihren Wahlkampf aus der Kampa, Schulz seinen aus dem Glashaus. – Ulrich Horn

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5 Kommentare zu “Schulz und das Glashaus”

  1. Ein Europäer sagt:

    Volltreffer, Herr Horn! Es ist genau so, wie Sie es beschrieben haben. Allerdings gilt auch: Wenn sich die Regierenden der Auseinandersetzung über die Inhalte der Politik und die Qualität ihres Regierungshandelns verweigern, dann iat das eine Herausforderung für die Demokratie. Es kommt dann darauf an, wie die Opposition und die Wählerschaft damit umgehen. In NRW hat die Demokratie funktioniert. Die Regierenden erhielten ihren verdienten Lohn. Im Bund sind die Verhältnisse bekanntlich komplizierter. Frau Merkel spielt in einer ganz anderen Liga, als Frau Kraft dies tat. Herr Schulz zeigt sich bei weitem nicht so geschickt wie Herr Laschet …

  2. Benno Lensdorf sagt:

    Genau richtig erkannt, Herr Horn! Und wenn er dann noch sagt, sie seien „im Maschinenraum“, denn auf der Kommandobrücke haben sie keinen Platz: Realistische Einschätzung der Lage, richtiges Errechnen der Koordinaten für den richtigen Kurs und Standfestigkeit in „schwerem Wetter“… diese Eigenschaften besitzt der „Leicht-?)Matrose nicht. In Brüssel war er „an Deck“ im angenehmen Vergnügungsbereich. „Schön Wetter“-Zone!!
    Belassen wir ihn also im geschlossenen „Maschinenraum“ und die CDU auf der „Kommandobrücke“.

  3. reih sagt:

    … Nur glaube ich, das taktische Kalkül vor der NRW-Wahl sah anders aus. Dass es für die SPD zu einem Desaster kommen würde, war lange vorher absehbar, ich habe sogar darauf gewettet. Schulz war deshalb abgetaucht, damit er für die Bundestagswahl nicht mit diesem Desaster in Verbindung gebracht würde.

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