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Nebenbei

  • Geisels Denkmal

    Düsseldorfs Oberbürgermeister Geisel (SPD) hat sich ein Denkmal gesetzt. Sollte er 2020 abgewählt werden, bleibt von ihm: Er holte den Auftakt der Tour de France 2017 in die Stadt. Das weltweit registrierte Ereignis zog eine Million Besucher an. Hoteliers und Händler profitierten. Der Haken an der Geschichte: Geisel hat zwar die Musik bestellt, doch fehlt ihm das Geld, sie zu bezahlen. Er will einen Zuschuss vom Land. Es winkte bereits ab. Muss sich die Stadt nun weiter verschulden? Müssen Stellen gestrichen werden, um Geld freizuschaufeln? Ursprünglich waren für den Tourstart 11 Millionen anvisiert. Fünf bis sechs Millionen bewilligte der Stadtrat. Den Rest sollten Sponsoren und Einnahmen bei der Veranstaltung erbringen. Aus den Ausgaben wurden bald 13 Millionen. Heute ist sogar von 17 Millionen die Rede. Ob sie das Ende der Fahnenstange sind, ist ungewiss. Es stehen noch Rechnungen aus. Auch bei den Einnahmen hat sich Geisel verkalkuliert. Sponsoren hielten sich zurück, der Souvenirverkauf war zu hoch veranschlagt. Der VIP-Bereich war nur zur Hälfte ausgelastet. Auch er hat ein Loch gerissen. Geisel agiert wie jene Sorte Mensch, die in die Kneipe geht, tafelt, trinkt und Lokalrunden schmeißt. Und wenn dann am Ende die Rechnung kommt, treuherzig offenbart, dass sein Geldbeutel leer ist, aber tröstend beteuert, immerhin hätten doch viele profitiert und mächtig Spaß gehabt. Der Werbeeffekt des Tourstarts für Düsseldorf wird durch Geisels Finanzgebaren aufgezehrt. Längst hat sich über Düsseldorf hinaus herumgesprochen, dass er und der Rat sich etwas gönnten, das sie sich nicht leisten konnten. Mit Geisel an der Spitze macht sich Düsseldorf daran, wie Duisburg zu werden. – Ulrich Horn

Schulz und das Glashaus

Mittwoch, 28. Juni 2017

Nebenbei

Auf dem jüngsten SPD-Parteitag warf SPD-Kanzlerkandidat Schulz der Kanzlerin Merkel (CDU) vor, sich inhaltlichen Diskussionen zu entziehen. Er nennt dieses Verhalten „einen Anschlag auf die Demokratie“. Diese Attacke lässt vor allem in NRW die Wähler aufhorchen – auch und gerade die der SPD. Sie haben gerade den Landtagswahlkampf hinter sich gebracht. Die SPD erzielte ihr schlechtestes Ergebnis der NRW-Geschichte. Als einer der Gründe für das Desaster gilt auch in der SPD der seltsame Umstand, dass Schulz in diesem Wahlkampf, den er als Generalprobe für die Bundestagswahl ausrief, kaum in Erscheinung trat. Über Wochen war er nicht zusehen und zu hören. Dabei gab es jede Menge inhaltliche Diskussionen – vor allem über die innere Sicherheit, über den Schulunterricht, über die Entwicklung der Wirtschaft, den Zustand der Straßen und Brücken. Es hätten sich Schulz viele Anlässe geboten, kraftvoll mitzureden und im Wettbewerb der Ideen mit der CDU zu ringen. Er hätte sich auch mit Merkel auseinandersetzen können. Allein von Ende April bis Mitte Mai trat sie achtmal in NRW auf. Und wo war Schulz? Was tat er? Er ließ diese Chancen verstreichen. Er schwieg. Er tauchte ab. Er entzog sich der Diskussion, nicht weil er unpässlich war, sondern aus taktischem Kalkül. Seine Parteifreundin Kraft hielt es für erforderlich. Sie glaubte, ohne ihn besser abzuschneiden. Der Kanzlerkandidat hielt es für angebracht, ihr zu folgen und zu verstummen. Den NRW-Wählern, besonders den geplagten der SPD, hat Schulz nun auf dem Parteitag klar gemacht, wie sie sein Abtauchen im NRW-Wahlkampf einzuordnen haben – als „einen Anschlag auf die Demokratie“. Die SPD-Anhänger kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Frühere Kanzlerkandidaten der Partei führten ihren Wahlkampf aus der Kampa, Schulz seinen aus dem Glashaus. – Ulrich Horn

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5 Kommentare zu “Schulz und das Glashaus”

  1. Ein Europäer sagt:

    Volltreffer, Herr Horn! Es ist genau so, wie Sie es beschrieben haben. Allerdings gilt auch: Wenn sich die Regierenden der Auseinandersetzung über die Inhalte der Politik und die Qualität ihres Regierungshandelns verweigern, dann iat das eine Herausforderung für die Demokratie. Es kommt dann darauf an, wie die Opposition und die Wählerschaft damit umgehen. In NRW hat die Demokratie funktioniert. Die Regierenden erhielten ihren verdienten Lohn. Im Bund sind die Verhältnisse bekanntlich komplizierter. Frau Merkel spielt in einer ganz anderen Liga, als Frau Kraft dies tat. Herr Schulz zeigt sich bei weitem nicht so geschickt wie Herr Laschet …

  2. Benno Lensdorf sagt:

    Genau richtig erkannt, Herr Horn! Und wenn er dann noch sagt, sie seien „im Maschinenraum“, denn auf der Kommandobrücke haben sie keinen Platz: Realistische Einschätzung der Lage, richtiges Errechnen der Koordinaten für den richtigen Kurs und Standfestigkeit in „schwerem Wetter“… diese Eigenschaften besitzt der „Leicht-?)Matrose nicht. In Brüssel war er „an Deck“ im angenehmen Vergnügungsbereich. „Schön Wetter“-Zone!!
    Belassen wir ihn also im geschlossenen „Maschinenraum“ und die CDU auf der „Kommandobrücke“.

  3. reih sagt:

    … Nur glaube ich, das taktische Kalkül vor der NRW-Wahl sah anders aus. Dass es für die SPD zu einem Desaster kommen würde, war lange vorher absehbar, ich habe sogar darauf gewettet. Schulz war deshalb abgetaucht, damit er für die Bundestagswahl nicht mit diesem Desaster in Verbindung gebracht würde.

    • Ulrich Horn sagt:

      Aufgegangen ist dieses Kalkül nicht. Die Niederlage blieb zwangsläufig an ihm hängen, nicht zuletzt auch, weil er im Wahlkampf nicht in Erscheinung trat.

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