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Nebenbei

  • Armes NRW

    Mehr als eine Woche lang stand in den Kreisen Gütersloh und Warendorf der Lockdown in Rede. Auch wenn er nicht gleich angeordnet wurde, als bei Tönnies das Virus zuschlug: Umsichtige Politik hätte einen Lockdown zumindest in Betracht ziehen müssen. NRW-Ministerpräsident Laschet wehrte ihn zunächst ab. Der Regierungschef tat sich schwer, die Freiheitsrechte erneut einzuschränken. – Doch NRW ist nicht allein auf dieser Welt. Ganz gleich, ob es den Lockdown ausruft oder nicht: Andere Bundesländer gehen so oder so in Deckung. Ihnen reicht die hohe Zahl der Infizierten, um für Besucher aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf hohe Hürden aufzurichten. Österreich warnt sogar vor Reisen nach NRW. – Inzwischen hat Laschet doch noch den Lockdown angeordnet und die Bürger in und um Gütersloh und Warendorf aufgerufen, sich testen zu lassen. Die Bürger folgten brav. Das Ergebnis: Bis zu vier Stunden mussten sie am Mittwoch vor einem Testzentrum warten. Die Tester fühlten sich überfordert. Sie schickten die Bürger nach Hause und vertrösteten sie auf Donnerstag. Armes NRW. Zuerst ärgerten sich die Bürger über den erneuten Lockdown. Nun ärgern sie sich darüber, dass die Politiker und die Verwaltungen es nicht fertig brachten, zügiges Testen zu ermöglichen. Genügend Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, war durchaus vorhanden. – Was lehrt uns das? Erstens: Der Amtsschimmel kann, wenn er nicht gerade eben steht und grast, sich wohl nur im Schritttempo bewegen. Und zweitens: Viele Politiker sind für ihren Job offenbar fehlqualifiziert. Sie ließen sich wählen, obwohl sie gar nicht reiten können – schon gar nicht den Amtsschimmel. – Ulrich Horn

Wem die „Straße“ nutzt

Montag, 19. Juni 2017

Nebenbei

Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

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2 Kommentare zu “Wem die „Straße“ nutzt”

  1. Hubertus Bruch sagt:

    Oh, wie passend von Ihnen in vielerlei Hinsicht geschrieben: Da sind einerseits Ihre Kollegen der schreibenden Zunft. Was mussten wir alles an Mutmaßungen, Zuspitzungen und Realitätsferne die letzten Monate erleiden. Entweder wurden linke oder rechte Ränder zu Wahlsiegern hochstilisiert oder aber bei uns ein Heilsbringer als zukünftiger Überkanzler herbeigeschrieben. Tatsächlich aber hatte das alles nichts mehr mit fundiertem Journalismus zu tun, sondern eher mit „wer liest was zuerst in der Glaskugel“. Das Ergebnis ist, dass der aufgeklärte Bürger den Redaktionsstuben nichts mehr abnimmt bzw. die Damen und Herren für Bruder Leichtfuß hällt.
    Und was die Franzosen im Speziellen angeht. Wir alle, die im Sommer wieder in dieses herrliche Land fahren, fürchten mal wieder die Traktorbarrikaden einiger weniger Genossen. Denn es sind ja nachweislich nicht mehr. Allerdings liegt es dem gemeinen Franzosen einfach im Blut, gegen die da oben zu rebellieren. Mal sehen, ob das auch diesmal so ist. Was man hört, haben inzwischen eine große Zahl an Leuten dort die Nase gestrichen voll und wollen, dass sich was ändert. Wir sind also gespannt, wie lange unsere Autobahnfahrt dieses Mal dauern wird …

  2. Martin Böttger sagt:

    Der gefeierte Macron hat halb so viel Unterstützung unter seinen Wahlberechtigten, wie die von ihren Partei“freunden“ quasi schon gestürzte Theresa May. Eine Demokratie mit 43 Prozent Wahlbeteiligung hat ein Problem, und zwar kein kleines. Die Blödheit von Macrons Konkurrenz will ich damit keineswegs verharmlosen, sie ist Teil dieses Problems.

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