Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Nebenbei

  • Rot-Rot: Streng vertraulich

    Es klingt wunderbar geheimnisvoll: SPD-Chef Gabriel trifft Linken-Fraktionschefin Wagenknecht zu einem vertraulichen Gespräch. Was könnten sie vertraulich zu bereden haben? Eine rot-rot-grüne Koalition? Will Gabriel Wagenknecht bewegen, ihre Vorbehalte gegen die NATO und die Schröderschen Agenda-Reformen aufzugeben? Will Wagenknecht Gabriel klar machen, Rot-Rot-Grün komme nur zustande, wenn die Linke das Verteidigungs- und das Arbeitsministerium bekäme? – Dass wir nicht wissen, was die beiden beredeten, ist bei vertraulichen Gesprächen durchaus üblich. Tröstlich ist: Solche Vertraulichkeit hält nicht lange. Irgendwann hält es einer von ihnen für angebracht zu plaudern. – Bis dahin lässt sich die Zeit gut mit Spekulationen vertreiben. Was, wenn Gabriel nur der SPD-Linken signalisieren wollte, dass er deren Lieblingsprojekt Rot-Rot-Grün nicht beiseiteschiebe und durchaus daran mitarbeite? Könnte es nicht sein, dass Gabriel Wagenknecht benutzt, um der SPD-Linken zu gefallen und seine Chancen zu verbessern, Ende Januar Kanzlerkandidat zu werden? Dieser Fall wäre eine Sensation. Dann nämlich würde Wagenknechts Ehemann Lafontaine, der einst aus der SPD austrat und die Linke gründete, indirekt mitentscheiden, wer SPD-Kanzlerkandidat werden soll. – Sage niemand, diese Spekulation sei weltfremd. Für sie spricht der vertrauliche Charakter des Gabriel-Wagenknecht-Gesprächs. Denn trotz allen Unwissens kann man eines mit Sicherheit sagen: Es war so vertraulich, dass dieser Umstand unbedingt mitgeteilt werden musste. Offenbar kam es genau darauf an. – Ulrich Horn

Der DFB wird Weltmacht

Sonntag, 27. Juli 2014

Nebenbei

Weltmeister ist der DFB schon. Nun will er Weltmacht werden. Der eingetragene Verein, der wie der ADAC viele Millionen bewegt, geht daran, die Bundesrepublik zu übernehmen. In den VIP-Lounches der Vereine nehmen die DFB- und DFL-Funktionäre längst Wochenende für Wochenende die Huldigungen der Politiker entgegen. Die Kanzlerin reist rund um die Welt, um dem DFB-Team die Aufwartung zu machen. Als sich Bayern-Präsident Hoeneß als der Champion der Steuerbetrüger entlarvte, wackelte das bayrische Kabinett, und die CSU erbebte. Der Zugriff auf Steuern und TV-Zwangsgebühren ist DFB und DFL sicher. Nun verhängt der DFB Sanktionen gegen unliebsame Regierungen. Den Anfang macht er mit Bremen: Dort gibt es kein Länderspiel mehr. Prompt versicherten andere Landesregierungen dem DFB eilig ihre Botmäßigkeit. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird der DFB festlegen, wer Ministerpräsident und wer Kanzler werden darf. – Was aber geschähe, wenn sich die Bundesländer mit Bremen solidarisierten? Sie müssten gar nicht Bremens Regelung für Krawallspiele übernehmen. Es reichte, dem DFB zu signalisieren: „Gibt es in Bremen kein Länderspiel, gibt es auch keins in Nürnberg oder andernorts – wir lassen uns nicht vom DFB erpressen – soll er doch seine Länderspiele in Moskau, Luxemburg, Zürich oder Palermo austragen.“ – So weit wird es nicht kommen. Eher wird der DFB das fertig bringen, woran die Bild-Zeitung kläglich scheiterte: zu Guttenberg zum Kanzler zu machen. – Ulrich Horn

Schlagwörter: , , , ,

11 Kommentare zu “Der DFB wird Weltmacht”

  1. dr.pingel sagt:

    Am besten versteht man das alles, wenn man davon ausgeht, dass der Fußball neben dem Kapital die Staatsreligion ist, die das Christentum längst abgelöst hat.

  2. Paule sagt:

    Der Fussball ist der Garant für inneren Frieden im Land. Panem et circenses sorgte schon im alten Rom für das Stillhalten der Plebejer. Man kann dem Deutschen alles nehmen. Er erträgt es mit stoischem Gleichmut. Nähme man ihm den Fussball, wäre der Volksaufstand des Michel unabwendbar.

  3. Den Nagel auf den Kopf getroffen. Wir haben ja die Situation, dass die Regierungen der Länder schon lange nicht mehr die „Macht“ haben. Die Energieriesen bestimmen, wo es lang geht, die Wirtschaftsverbände geben die Vorgaben, und die Lobbyisten aller Länder sind ohnehin immer eine Nase voraus. Umweltverbände, Gewerkschaften etc. dürfen ein wenig mitspielen, aber wirklich nur ein wenig.

  4. Lieber Herr Horn,

    ich vermute einmal, dass Sie Ihre Kritik am DFB, zumindest teilweise, als Satire gedacht haben, doch es kann einem das Lachen im Halse stecken bleiben. Die Methoden des DFB im Umgang mit seinen Mitgliedern zeigen schon fast die gleichen mafiaähnlichen Strukturen wie die des Weltverbandes FIFA.
    Ihre gewünschte Solidarität unter den Clubs und Vereinen wird leider nur Wunschdenken bleiben, denn die Sanktionen des DFB gegen aufmüpfige Mitglieder, werden nicht auf sich warten lassen. Die Strukturen des DFB, mit den eigenen Gesetzen und Gerichtsbarkeiten, ihre mit einer Demokratie kaum vereinbarte Machtfülle etabliert den DFB als Staat im Staate.
    Dass die Fußballvereine, angefangen vom Dorfverein bis zur 1. Bundesliga, einen starken Dachverband brauchen, steht außer Frage. Doch wenn dieser Dachverband mit erpresserischen Methoden Vereine zu knebeln versucht, ist bei Mitgliedern, Vereinsführungen und auch in der Politik Handlungsbedarf.

  5. Roland Appel sagt:

    Ein Beispiel, aus dem alle sofort lernen können! So ist es, wenn kapitalistische Strukturen sich einstmals demokratisch verfasste (Vereinsrecht und Wahlen) organisierte Institutionen übernehmen. Durch die Monopolisierung und Privatisierung der Rechte zur Berichterstattung – ein Unding, das man hätte in der Demokratie niemals zulassen dürfen, denn Ereignisse von allgemeiner Bedeutung wie Bundesliga-Fußballspiele sind öffentliche Ereignisse – wer käme auf die Idee die Rechte an der Übertragung von Kriegsberichterstattung oder einer Demonstration zu privatisieren? (außer den USA) – hat die kleine bekannte Geldmafia DFL/DFB soviel Macht bekommen, dass sie sich über den Rechtstaat lustig machen kann. Für den DOSB gilt übrigens das gleiche.
    Wer sich diese Woche die Liste angeschaut hat, wieviel vom Millionenkuchen die Vereine vorab bekommen, muss sich an den Kopf greifen: Wer sowieso oben streht, wie Bayern München, bekommt die meiste Kohle, wer unten steht, bekommt nicht mal halb soviel. Damit auch schön ein fairer Wettbewerb um Spieler ausgeschlossen ist. Jetzt weiß ich endlich, was die immer mit den „Verdiensten“ meinen, die angeblich Knacki Hoeneß hat.
    Wem haben wir es zu verdanken? Helmut Kohl und Christian Schwarz-Schilling, die uns um 1985 das Privatfernsehen schenkten und den Bürgern „mehr Vielfalt“ versprachen. Bekommen haben diese Bürger mehr Verdummung, Gewalt, Einfachdenken, Peinlichkeit, Monopolisten wie Herrn Kirch und Konsorten und einen beispiellosen Druck auf Journalisten, „Quote“ zu bedienen.
    Damit wir noch mehr kapitalistische Machtmonopole über – noch – gesellschaftliche Güter wie Wasser, Verkehr, Gesundheit, kommunale Dienste bekommen, möchten die USA, Merkel UND Gabiel uns das TTIP-Abkommen schenken. Mit Ägypten haben die Konzerne so etwas schon, dort verklagen jetzt – in Hinterzimmern von Hotels, nicht etwa vor rechtstaatlichen Gerichten und wie auch bei TTIP vorgesehen – US-Konzerne die Regierung um Milliarden „entgangener Gewinne“, weil diese bei Arbeitern einen Mindestlohn eingeführt hat. Und weil wir dank Privatfernsehen und Fußballrausch so schön blöd geworden sind, wird die Mehrheit das Gabriel und Merkel wahrscheinlich auch durchgehen lassen.
    Wehren wir den Anfängen, schreiben wir doch mal unserer Ministerpräsidentin, sie könnte ja mal Rückgrat beweisen und Bremen zur Seite springen. Die Verpflichtung dazu steht übrigens – ganz nebenbei – im Grundgesetz!

  6. Martin Böttger sagt:

    Der Fußball hat ein Gerechtigkeitsproblem. Derzeit beherrschen die DFL-Manager die Schlagzeilen damit, dass sie das Bremer Parlament als “Stammtisch” beschimpfen. Das ärmste aller Bundesländer will seine polizeilichen Dienstleistungen nicht kostenlos einer Organisation zur Verfügung stellen, die dank des Medienzaren Rupert Murdoch über einen Milliardenumsatz verfügt. Ich halte das keineswegs für unproblematisch. Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen finde ich schon grundsätzlich schlecht. Für “hoheitliche” Aufgaben wie Polizei und Justiz, Kernelemente eines wohlverstandenen Rechtsstaates, gilt das erst recht.
    Die Bundesligamanager haben dennoch beste Aussichten, in der öffentlichen Wahrnehmung schlecht auszusehen. Denn sie tun fast nichts für soziale und gesellschaftliche Gerechtigkeit. Während sie in der 1. Liga das Geld von Rupert Murdoch und der UEFA-Champions-League in schweren Geldsäcken nach Hause tragen und mit vollen Händen nicht nur an Jungmillionäre, sondern auch eine legale und illegale, auf jeden Fall aber undurchschaubare und mafiös organisierte Spielerberaterindustrie wieder rauswerfen,
    – wird das Zuschauen im Stadion und im TV weiter verteuert,
    – vergammeln im Land Sportanlagen von Kommunen und Amateurvereinen mit einem Sanierungsbedarf von 45 Mrd. Euro,
    – subventionieren Pleitekommunen wie Köln, Essen oder Kaiserslautern Stadien für ihre gepamperten Vereine,
    – wird Nachwuchs- und Amateurfußball durch durchgehende TV-Termine der geldgierigen 1. und 2. Liga unmöglich gemacht.
    Besonders lächerlich macht sich jetzt der DFB, der Bremen dieses “Länderspiel” gegen Gibraltar entzogen hat. Was für eine Strafe! Wenn das Fußball-Business nicht selbst ein funktionierendes System von sozialer Gerechtigkeit entwickelt – und nichts davon ist zu erkennen – dann wird es einfach nur eine Finanzblase aufblasen wie andere Businessbranchen auch – und eines bösen Tages platzen.

  7. […] So weit wird es nicht kommen. Eher wird der DFB das fertig bringen, woran die Bild-Zeitung kläglich scheiterte: zu Guttenberg zum Kanzler zu machen.   Crosspost von Post von Horn […]

  8. […] Glosse: DFB wird Weltmacht – Quelle: Post von Horn […]

  9. Jo Müller sagt:

    Wie unglaubwürdig und zynisch die Sprechblasen (Werbekampagnen) des DFB sind, kann man an einer erkennen, die zwar schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, aber die Verlogenheit von DFB/DFL zeigt: „KEINE MACHT DEN DROGEN“. Dabei ist Geld die Triebfeder aller Drogen. Und von Geld können diese Mafiaverbände nicht genug bekommen.
    Unsere Sportfunktionäre unterscheiden sich charakterlich nicht von Mafia-Boss Blatter, von dem sie sich, wenn es vorteilhaft erscheint, distanzieren. Und unsere Politiker schleimen sich bei ihnen ein und freuen sich, wenn sie von diesen Gestalten in die VIP-Lounge gebeten werden.

  10. Rosi sagt:

    „Was aber geschähe, wenn sich die Bundesländer mit Bremen solidarisierten? … Es reichte, dem DFB zu signalisieren: „Gibt es in Bremen kein Länderspiel, gibt es auch keins in Nürnberg oder andernorts – „

    Leider, leider rein utopisches Wunschdenken … Schade eigentlich, doch sie werden statt dessen weiter zu Kreuze kriechen. Einfach nur noch ekelhaft, diese ewige Arschkriecherei, Duckmäusertum gegenüber sog. „machtvollen“ Institutionen (das macht beim DFB nicht halt ..).

  11. Peter Piper sagt:

    Hallo,
    ich kann mich Horn und Euren Kommentaren bisher nur voll anschliessen, denn das Wesentliche ist ja eigentlich schon gesagt worden!
    Es ist wirklich unglaublich, wie pervers dieser ganze „Sport“ (und andere Branchen) geworden ist! An dem Thema muss man dran bleiben!

    Gruß an alle kritischen Geister

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.