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Nebenbei

  • Jäger: Mühe gegeben

    In NRW ist manches anders. Einen Tag nach der Love-Parade-Katastrophe 2010 stellte sich NRW-Innenminister Jäger vor die Polizei. Er sprach sie von Fehlern frei – allerdings ohne jede Prüfung. Monate später musste er den Persilschein kassieren. Der Vorgang beschädigte Jägers Glaubwürdigkeit. Es schien, als führe in NRW nicht der Innenminister die Polizei, sondern die Polizei den Minister. Heute, fast sieben Jahre im Amt, steht Jäger wegen vieler Pannen und einer schlechten Sicherheitsbilanz unter starkem Druck. Wie schlimm es um ihn steht, wird daran deutlich: Kurz bevor sich im Landtag der Untersuchungsausschuss mit Jägers Rolle im Fall Amri befasst, stellen sich die Landeschefs der drei Polizeigewerkschaften GdP, DPolG und BDK schützend vor den Minister, in NRW ein Vorgang ohne Beispiel. Die drei Gewerkschafter Plickert, Rettinghaus und Fiedler kritisieren Jägers Kritiker. Deren Kritik sei maßlos überzogen und vom Wahlkampf bestimmt. Es habe zwar viele Pannen gegeben. Doch an den meisten sei Jäger nicht beteiligt gewesen. Deshalb trage er auch keine Verantwortung. Dass die Gewerkschaftschefs als Jägers Schutzengel mit ihrer Hilfsaktion selbst in den Wahlkampf eingreifen, bereitet ihnen offenbar kein Problem. Sie spielen nicht nur die Kritik an ihm herunter. Sie ziehen auch eine Art Arbeitsbilanz. Sie hat es in sich. Jäger habe getan, was von ihm zu erwarten gewesen sei, stellen sie fest. Er habe aus jedem Skandal gelernt. Mit anderen Worten: Zwar fielen in seine Amtszeit viele Kinder in die Brunnen des Landes. Doch danach stattete er die Wasserspender mit Deckeln aus. Jeder Lehrling weiß: Steht in einem Arbeitszeugnis: „Er hat unseren Erwartungen entsprochen“, meint das: „Seine Leistungen waren mangelhaft.“ – Ulrich Horn

Der DFB wird Weltmacht

Sonntag, 27. Juli 2014

Nebenbei

Weltmeister ist der DFB schon. Nun will er Weltmacht werden. Der eingetragene Verein, der wie der ADAC viele Millionen bewegt, geht daran, die Bundesrepublik zu übernehmen. In den VIP-Lounches der Vereine nehmen die DFB- und DFL-Funktionäre längst Wochenende für Wochenende die Huldigungen der Politiker entgegen. Die Kanzlerin reist rund um die Welt, um dem DFB-Team die Aufwartung zu machen. Als sich Bayern-Präsident Hoeneß als der Champion der Steuerbetrüger entlarvte, wackelte das bayrische Kabinett, und die CSU erbebte. Der Zugriff auf Steuern und TV-Zwangsgebühren ist DFB und DFL sicher. Nun verhängt der DFB Sanktionen gegen unliebsame Regierungen. Den Anfang macht er mit Bremen: Dort gibt es kein Länderspiel mehr. Prompt versicherten andere Landesregierungen dem DFB eilig ihre Botmäßigkeit. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird der DFB festlegen, wer Ministerpräsident und wer Kanzler werden darf. – Was aber geschähe, wenn sich die Bundesländer mit Bremen solidarisierten? Sie müssten gar nicht Bremens Regelung für Krawallspiele übernehmen. Es reichte, dem DFB zu signalisieren: „Gibt es in Bremen kein Länderspiel, gibt es auch keins in Nürnberg oder andernorts – wir lassen uns nicht vom DFB erpressen – soll er doch seine Länderspiele in Moskau, Luxemburg, Zürich oder Palermo austragen.“ – So weit wird es nicht kommen. Eher wird der DFB das fertig bringen, woran die Bild-Zeitung kläglich scheiterte: zu Guttenberg zum Kanzler zu machen. – Ulrich Horn

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11 Kommentare zu “Der DFB wird Weltmacht”

  1. dr.pingel sagt:

    Am besten versteht man das alles, wenn man davon ausgeht, dass der Fußball neben dem Kapital die Staatsreligion ist, die das Christentum längst abgelöst hat.

  2. Paule sagt:

    Der Fussball ist der Garant für inneren Frieden im Land. Panem et circenses sorgte schon im alten Rom für das Stillhalten der Plebejer. Man kann dem Deutschen alles nehmen. Er erträgt es mit stoischem Gleichmut. Nähme man ihm den Fussball, wäre der Volksaufstand des Michel unabwendbar.

  3. Den Nagel auf den Kopf getroffen. Wir haben ja die Situation, dass die Regierungen der Länder schon lange nicht mehr die „Macht“ haben. Die Energieriesen bestimmen, wo es lang geht, die Wirtschaftsverbände geben die Vorgaben, und die Lobbyisten aller Länder sind ohnehin immer eine Nase voraus. Umweltverbände, Gewerkschaften etc. dürfen ein wenig mitspielen, aber wirklich nur ein wenig.

  4. Lieber Herr Horn,

    ich vermute einmal, dass Sie Ihre Kritik am DFB, zumindest teilweise, als Satire gedacht haben, doch es kann einem das Lachen im Halse stecken bleiben. Die Methoden des DFB im Umgang mit seinen Mitgliedern zeigen schon fast die gleichen mafiaähnlichen Strukturen wie die des Weltverbandes FIFA.
    Ihre gewünschte Solidarität unter den Clubs und Vereinen wird leider nur Wunschdenken bleiben, denn die Sanktionen des DFB gegen aufmüpfige Mitglieder, werden nicht auf sich warten lassen. Die Strukturen des DFB, mit den eigenen Gesetzen und Gerichtsbarkeiten, ihre mit einer Demokratie kaum vereinbarte Machtfülle etabliert den DFB als Staat im Staate.
    Dass die Fußballvereine, angefangen vom Dorfverein bis zur 1. Bundesliga, einen starken Dachverband brauchen, steht außer Frage. Doch wenn dieser Dachverband mit erpresserischen Methoden Vereine zu knebeln versucht, ist bei Mitgliedern, Vereinsführungen und auch in der Politik Handlungsbedarf.

  5. Roland Appel sagt:

    Ein Beispiel, aus dem alle sofort lernen können! So ist es, wenn kapitalistische Strukturen sich einstmals demokratisch verfasste (Vereinsrecht und Wahlen) organisierte Institutionen übernehmen. Durch die Monopolisierung und Privatisierung der Rechte zur Berichterstattung – ein Unding, das man hätte in der Demokratie niemals zulassen dürfen, denn Ereignisse von allgemeiner Bedeutung wie Bundesliga-Fußballspiele sind öffentliche Ereignisse – wer käme auf die Idee die Rechte an der Übertragung von Kriegsberichterstattung oder einer Demonstration zu privatisieren? (außer den USA) – hat die kleine bekannte Geldmafia DFL/DFB soviel Macht bekommen, dass sie sich über den Rechtstaat lustig machen kann. Für den DOSB gilt übrigens das gleiche.
    Wer sich diese Woche die Liste angeschaut hat, wieviel vom Millionenkuchen die Vereine vorab bekommen, muss sich an den Kopf greifen: Wer sowieso oben streht, wie Bayern München, bekommt die meiste Kohle, wer unten steht, bekommt nicht mal halb soviel. Damit auch schön ein fairer Wettbewerb um Spieler ausgeschlossen ist. Jetzt weiß ich endlich, was die immer mit den „Verdiensten“ meinen, die angeblich Knacki Hoeneß hat.
    Wem haben wir es zu verdanken? Helmut Kohl und Christian Schwarz-Schilling, die uns um 1985 das Privatfernsehen schenkten und den Bürgern „mehr Vielfalt“ versprachen. Bekommen haben diese Bürger mehr Verdummung, Gewalt, Einfachdenken, Peinlichkeit, Monopolisten wie Herrn Kirch und Konsorten und einen beispiellosen Druck auf Journalisten, „Quote“ zu bedienen.
    Damit wir noch mehr kapitalistische Machtmonopole über – noch – gesellschaftliche Güter wie Wasser, Verkehr, Gesundheit, kommunale Dienste bekommen, möchten die USA, Merkel UND Gabiel uns das TTIP-Abkommen schenken. Mit Ägypten haben die Konzerne so etwas schon, dort verklagen jetzt – in Hinterzimmern von Hotels, nicht etwa vor rechtstaatlichen Gerichten und wie auch bei TTIP vorgesehen – US-Konzerne die Regierung um Milliarden „entgangener Gewinne“, weil diese bei Arbeitern einen Mindestlohn eingeführt hat. Und weil wir dank Privatfernsehen und Fußballrausch so schön blöd geworden sind, wird die Mehrheit das Gabriel und Merkel wahrscheinlich auch durchgehen lassen.
    Wehren wir den Anfängen, schreiben wir doch mal unserer Ministerpräsidentin, sie könnte ja mal Rückgrat beweisen und Bremen zur Seite springen. Die Verpflichtung dazu steht übrigens – ganz nebenbei – im Grundgesetz!

  6. Martin Böttger sagt:

    Der Fußball hat ein Gerechtigkeitsproblem. Derzeit beherrschen die DFL-Manager die Schlagzeilen damit, dass sie das Bremer Parlament als “Stammtisch” beschimpfen. Das ärmste aller Bundesländer will seine polizeilichen Dienstleistungen nicht kostenlos einer Organisation zur Verfügung stellen, die dank des Medienzaren Rupert Murdoch über einen Milliardenumsatz verfügt. Ich halte das keineswegs für unproblematisch. Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen finde ich schon grundsätzlich schlecht. Für “hoheitliche” Aufgaben wie Polizei und Justiz, Kernelemente eines wohlverstandenen Rechtsstaates, gilt das erst recht.
    Die Bundesligamanager haben dennoch beste Aussichten, in der öffentlichen Wahrnehmung schlecht auszusehen. Denn sie tun fast nichts für soziale und gesellschaftliche Gerechtigkeit. Während sie in der 1. Liga das Geld von Rupert Murdoch und der UEFA-Champions-League in schweren Geldsäcken nach Hause tragen und mit vollen Händen nicht nur an Jungmillionäre, sondern auch eine legale und illegale, auf jeden Fall aber undurchschaubare und mafiös organisierte Spielerberaterindustrie wieder rauswerfen,
    – wird das Zuschauen im Stadion und im TV weiter verteuert,
    – vergammeln im Land Sportanlagen von Kommunen und Amateurvereinen mit einem Sanierungsbedarf von 45 Mrd. Euro,
    – subventionieren Pleitekommunen wie Köln, Essen oder Kaiserslautern Stadien für ihre gepamperten Vereine,
    – wird Nachwuchs- und Amateurfußball durch durchgehende TV-Termine der geldgierigen 1. und 2. Liga unmöglich gemacht.
    Besonders lächerlich macht sich jetzt der DFB, der Bremen dieses “Länderspiel” gegen Gibraltar entzogen hat. Was für eine Strafe! Wenn das Fußball-Business nicht selbst ein funktionierendes System von sozialer Gerechtigkeit entwickelt – und nichts davon ist zu erkennen – dann wird es einfach nur eine Finanzblase aufblasen wie andere Businessbranchen auch – und eines bösen Tages platzen.

  7. […] So weit wird es nicht kommen. Eher wird der DFB das fertig bringen, woran die Bild-Zeitung kläglich scheiterte: zu Guttenberg zum Kanzler zu machen.   Crosspost von Post von Horn […]

  8. […] Glosse: DFB wird Weltmacht – Quelle: Post von Horn […]

  9. Jo Müller sagt:

    Wie unglaubwürdig und zynisch die Sprechblasen (Werbekampagnen) des DFB sind, kann man an einer erkennen, die zwar schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, aber die Verlogenheit von DFB/DFL zeigt: „KEINE MACHT DEN DROGEN“. Dabei ist Geld die Triebfeder aller Drogen. Und von Geld können diese Mafiaverbände nicht genug bekommen.
    Unsere Sportfunktionäre unterscheiden sich charakterlich nicht von Mafia-Boss Blatter, von dem sie sich, wenn es vorteilhaft erscheint, distanzieren. Und unsere Politiker schleimen sich bei ihnen ein und freuen sich, wenn sie von diesen Gestalten in die VIP-Lounge gebeten werden.

  10. Rosi sagt:

    „Was aber geschähe, wenn sich die Bundesländer mit Bremen solidarisierten? … Es reichte, dem DFB zu signalisieren: „Gibt es in Bremen kein Länderspiel, gibt es auch keins in Nürnberg oder andernorts – „

    Leider, leider rein utopisches Wunschdenken … Schade eigentlich, doch sie werden statt dessen weiter zu Kreuze kriechen. Einfach nur noch ekelhaft, diese ewige Arschkriecherei, Duckmäusertum gegenüber sog. „machtvollen“ Institutionen (das macht beim DFB nicht halt ..).

  11. Peter Piper sagt:

    Hallo,
    ich kann mich Horn und Euren Kommentaren bisher nur voll anschliessen, denn das Wesentliche ist ja eigentlich schon gesagt worden!
    Es ist wirklich unglaublich, wie pervers dieser ganze „Sport“ (und andere Branchen) geworden ist! An dem Thema muss man dran bleiben!

    Gruß an alle kritischen Geister

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