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  • AfD: Wie ein Geheimbund

    Die AfD in NRW will sich nicht in die Karten schauen lassen. Zwar möchte sie das Ergebnis ihres Parteitages unter die Leute gebracht sehen. Wie es zustande kam, will sie jedoch verbergen. Um diesen Zweck zu erreichen, möchte sie den Journalisten die Teilnahme am Parteitag verwehren. Die AfD scheut Transparenz. Sie führt sich wie ein Geheimbund auf, der das Tageslicht scheut. Sie will ihre Selbstsicht zum Standard machen. Kann sich eine Partei dümmer verhalten? Diskussionsverläufe, kluge und weniger kluge Anmerkungen von Delegierten und auch Ränkespiele auf Parteitagen lassen sich nicht geheim halten, schon gar nicht in einer Partei, in der unterschiedliche Strömungen und Gruppierungen gegeneinander konkurrieren. Dass die AfD Journalisten ausschließt, trifft nicht die Journalisten. Sie werden über kurz oder lang schon Wege finden, über das zu berichten, was ihnen die NRW-AfD vorenthalten will. Mit ihrer Geheimniskrämerei trifft die AfD vor allem ihre Sympathisanten und potenziellen Wähler, die nur unvollständig informiert werden sollen. Mancher wird sich fragen, ob er einer Partei, die so erpicht darauf ist, ihren Kram im Verborgenen zu regeln, seine Stimme geben kann. – Ulrich Horn

Putin, die Ukraine, Russland und das Ruhrgebiet

Schalke nun im Buch der Geschichte

Dienstag, 29. April 2014

Politik, Sport

(uh) Die Ukraine-Krise elektrisiert Politik und Medien. Nun hat sie auch das Ruhrgebiet erfasst. Die Region, die kürzlich noch den Städten im Donezbecken glich, hat geschafft, was ihr schon lange nicht mehr gelang: Sie brachte sich und andere in Wallung. Das vor sich hindösende Revier vibriert inzwischen im Wirbel der Weltpolitik. Wem hat es das zu verdanken? Schalke und dem russischen Präsidenten Putin.

Merkel und Obama fehlen

Die Gemüter erhitzen sich, weil Schalke Putin besuchen will. Er hat die Mannschaft vor Zeiten in den Kreml eingeladen. Seit 2007 sponsert Putin Schalke über den Energie-Konzern Gazprom mit 15 Millionen Euro pro Jahr. Die Mannschaft will der Einladung nach Moskau irgendwann folgen.

Eigentlich ein läppischer Vorgang. Doch nicht in Zeiten wie diesen, in denen Putin der EU, den USA und der Nato die Zähne zeigt. Da wird der Touristentrip in den Kreml zur Staatsaffäre. Der Schalker Reiseplan löst Empörung aus, vor allem bei jenen, die im Ukraine-Drama Putin in der Rolle des Schurken sehen.

Es rumste im Blätterwald. Selbst die WAZ, die in Gelsenkirchen erscheint und bis vor kurzem noch mit einem Mitglied ihrer Geschäftsleitung im Aufsichtsrat des Vereins mitmischte, findet die Reisepläne „mindestens instinktlos“. Politiker aus der ganzen Republik schließen sich an. Sogar CDU-Generalsekretär Tauber gab seinen Senf dazu. Fehlt nur noch, dass sich demnächst auch Merkel und Obama äußern.

Der Eifer der Kritiker

Im Palaver über die Petitesse mischen sich viele Interessen. Aus dem Verein, der zwischen dem Ehrgeiz, mit München und Dortmund mitzuhalten, und dem Wunsch, mehr zu sein als nur ein Werbeträger, heftig schwankt, schlagen interne Querelen durch. Die Schalker Fangemeinde hat es in sich. Welcher Geist sie beseelt, lässt das Fanmagazin erahnen, das sich in Anlehnung an das „Vater unser“ „Schalke unser“ nennt und der Devise folgt: „Fußball ist keine Sache auf Leben und Tod – es ist viel wichtiger.”

Die Politiker und die Medien, die mit ihrer Deutung der Ukrainekrise die Mehrheit der Bevölkerung bisher nicht hinter sich brachten, nutzen die Chance, um den skeptischen Bürgern Lagerdenken einzubläuen und das Meinungsklima gegen Putin zu drehen. Dieses Bemühen geht so weit, dass Medien sogar riskieren, die Glaubwürdigkeit ihrer Berichterstattung zu unterminieren.

Dabei steht die Schalke-Reise gar nicht an. Der Eifer ihre Kritiker ist prophylaktisch und wirkt daher schon ein wenig hysterisch. Sie legen dem Verein nahe, Putin und den Sponsor Gazprom zu brüskieren. Fehlt nur noch, dass sie Schalke auffordern, der Verein solle sich den EU-Sanktionen anschließen und Champions League-Spiele gegen russische Vereine boykottieren.

Geschäftspartner Gazprom

Unweigerlich fragt man sich: Haben wir Russland schon den Krieg erklärt? Und wenn nicht: Stehen wir kurz davor? Sind Pauschalreisen nach Russland noch gestattet, oder hat das Auswärtige Amt schon eine Reisewarnung herausgegeben? Wird Russland demnächst gar zum Schurkenstaat erklärt?

Schalkes Präsident Tönnies, der Putin zu seinen Freunden zählt, wird längst als Kollaborateur und Deserteur abgestempelt. Die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Göring-Eckardt, unterstellt ihm sogar, er missbrauche Schalke für seine geschäftlichen Interessen in Russland. Tönnies ein Krisengewinnler? Starker Tobak.

Göring-Eckardt muss sich derzeit in ihrer Partei gegen den Vorwurf wehren, sie habe keinen Plan und biete der Partei keine Perspektive. Nun bemüht sie sich, Profil zu gewinnen. Ob sie mit ihrer Unterstellung richtig liegt? Bei aller Kritik, die man an Tönnies üben kann – eines ist nicht zu übersehen: Schalke hat ihm viel zu verdanken. Ist es nicht so, dass der Verein eher von den Russland-Kontakten seines Präsidenten profitiert als er von dem Verein? Fußball ist ein Geschäft. Gazprom und Schalke sind Geschäftspartner. Beide haben Vorteile von ihrer Verbindung. Klar ist: Gazprom käme auch ohne Schalke zurecht, Schalke ohne Gazprom jedoch kaum.

Kontakte knüpfen

Ohne diesen Sponsor stünde der Verein wohl in einer der unteren Ligen, wenn er nicht sogar pleite wäre. Diese trübe Perspektive blieb dem hoch verschuldeten Klub bisher erspart. Viele in und um Gelsenkirchen herum profitieren von den Euros, die Gazprom in die Schalker Kasse schaufelt. Inzwischen profitiert sogar Göring-Eckhard. Versucht sie nicht, Schalke zu ihrer Profilierung zu nutzen, um nicht zu sagen: zu missbrauchen?

Wer Schalke nahe legt, den Geschäftskontakt nach Russland zu gefährden, muss das Gleiche auch von VW, Mercedes, der Metro und dem Rest der Wirtschaft verlangen. Man sieht Frau Göring-Eckardt schon, wie sie auf Belegschaftsversammlungen die Beschäftigten mitreißt und ihnen erklärt, warum es nun notwendig sei, ihre Unternehmen zu schwächen. Liegt das im Interesse Deutschlands und Europas? Wohl kaum.

Ein Wirtschaftskrieg schadet Europa und Russland. Das Land ist und bleibt in und nach der Krise Europas Nachbar. Wer mit ihm gedeihlich leben will, darf es nicht ausgrenzen. Man sollte ihm zeigen, wo die Grenzen sind. Doch statt Kontakte zu kappen, gilt es, Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. Das haben die Politiker und die meisten Parteien lange Zeit vernachlässigt. Dieses Versäumnis rächt sich nun. Es kann beide Seiten teuer zu stehen kommen.

Fazit

Vor 70 Jahren war das Ruhrgebiet die Waffenschmiede des Dritten Reiches. Heute symbolisiert Schalke den Willen zu Frieden und Versöhnung. Was sind schon Meisterschaften und Pokalsiege? Mögen sich andere danach verzehren und daran erfreuen. Schalke hat sich mit der Kontroverse über den Beinahe-Besuch bei Putin einen Eintrag ins Buch der Geschichte verschafft. Für einen Augenblick war der Verein Teil der Weltpolitik. Welcher Fußballverein zwischen Himmel und Erde kann das schon von sich sagen? Dieser denkwürdige historische Moment, an dem Schalke-Mitglied Göring-Eckardt so tatkräftig mitwirkte, wird für alle Zeiten unvergessen bleiben. Niemand kann ihn Schalke und seinen Fans mehr nehmen. Übrigens: Der frühere SPD-Kanzler Schröder feierte gestern in St. Petersburg seinen Geburtstag nach, und zwar gemeinsam mit seinem Freund Putin. Eine Steilvorlage für Frau Göring-Eckard. Wie wird sie diesen Vorgang wohl kommentieren?


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4 Kommentare zu “Schalke nun im Buch der Geschichte”

  1. […] Debatte: Schalke nun im Buch der Geschichte…Post von Horn […]

  2. Martin Böttger sagt:

    Sie sind zu freundlich zu Tönnies. Die Branche, in der er reich geworden ist und wird, die Massenschlachterei, ist zu recht anrüchig, nicht nur unter Tierschützern sondern noch mehr unter Arbeitsrechtlern und Gewerkschaftern.
    Und den Stellenwert von S04 übertreiben Sie heftig. Nicht den in Gelsenkirchen, aber „den Eintrag im Buch der Geschichte“.
    Davon aber abgesehen: Zustimmung.
    Die Politiker, denen Sie zu Recht Konzept- und Gedankenarmut zuschreiben, sollten hier bei ihrer staatlich finanzierten Politikberatung mal genauer nachlesen:
    http://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2014A23_rrw.pdf

  3. Düsselbarsch sagt:

    Schalke!

  4. Hans Meier sagt:

    Schöner Artikel, mit vielen Links, stellt eine konstruktive Sichtweise zu einer seltsam emotionalen Politisierung dar, wie ich finde.

    Die Dämonisierung aller, ob Schalke oder Anderer, welche entspannte Beziehungen zu Russland unterhalten, offenbart eine bisher so nie erkennbare erbärmlich Abhängigkeit einer Klientel in Politik und Medien.

    Es ist erschreckend, wenn von Heute auf Morgen jeder friedliche Kontakt zu einem europäischen Land, mit dem gute Beziehungen bestehen, plötzlich wie auf ein entmündigendes Kommando zum unerlaubt skandalösen Fehlverhalten erklärt wird.
    Wie entsetzlich abhängig, wie erpressbar müssen solche politischen Figuren sein, die sich wie Drohnen fernsteuern lassen. Diese eskalierende Feindseligkeit mit einer Personifizierung Putins als bösem Kriegstreiber ist eine einseitige Inszenierung für absolut Naive und Volltrottel.

    Den etablierten Parteien, die sich an dieser irrationalen Kriegstreiberei gegen Russland und die Selbstverstümmlung deutscher Interessen beteiligen, sollte bei der Europawahl mit hoher Wahlbeteiligung und einer Alternative zum politisch gefährlichen Chaos die Quittung präsentiert werden.

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