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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Das Hamburger Nachrichten-Magazin in der Krise

Zum Spieglein geschrumpft und erblindet

Sonntag, 25. August 2013

Medien

(uh) Ob Parteien, Unternehmen oder Verbände – sobald sich Verfall nicht mehr verdrängen lässt, wächst das Bedürfnis, ihn zu stoppen. Dann häufen sich Eingriffe in Personalstruktur und Organisation. Sie rücken umso massiver in den Vordergrund, je stärker der Niedergang voranschreitet. Sie dienen dann auch dazu, Differenzen in Inhaltsfragen zu überlagern, die schwer zu lösen sind. Das gilt selbst für Redaktionen wie die des Magazins „Der Spiegel“.

Zum Nutzwert-Organ abgeschliffen

Dessen Niedergang zeigt sich an seinen Chefredakteuren. Aust musste gehen, weil Privates und Berufliches ineinander zu fließen schien. Die Nachfolger von Blumencron und Mascolo stritten und bekämpften sich. Öffentlich traten sie kaum in Erscheinung. Sie versuchten erst gar nicht, sich zu einer Instanz zu entwickeln. Würde der Spiegel Auflage machen, wären solche Defizite kaum von Belang. Niemand kommt auf die Idee, in einem blühenden, gewinnträchtigen Unternehmen, dessen Arbeit in aller Munde ist, das Ruder herumzureißen.

Doch der Spiegel blüht nicht. Er schrumpft. Seine Auflage sinkt. In 15 Jahren brach ein Sechstel weg. Noch schneller schwand seine Bedeutung. Exklusive Nachrichten bietet er kaum. Themen, die den öffentlichen Diskurs prägen, sucht man vergeblich. Man muss ihn nicht lesen, um auf der Höhe zu sein. Er schafft es nicht mehr, Akzente zu setzen, die andere Informationsquellen nachrangig erscheinen lassen. Das Nachrichten-Magazin wurde zum Nutzwert-Organ abgeschliffen. Von dieser Sorte gibt es viele.

Die Redaktion hat sich in der historischen Bedeutung des Magazins eingerichtet. Wie die Erben-Gemeinschaft zehrt es immer noch von seinem Gründer Rudolf Augstein. Sein einst schlagkräftiger Apparat wirkt heute träge und fett. Wie bei vielen Informationsprodukten droht die Beschäftigung mit sich selbst den Daseinszweck zu überlagern. Die publizistische Kraft verkümmert. Mit ihr schrumpft die politische und gesellschaftliche Relevanz. Der Spiegel entfaltet kaum noch Wirkung. Längst hat ihm die Bild-Zeitung den Rang abgelaufen. Der Fall Wulff illustriert die Verlagerung der Macht.

Nach rechts gedriftet

Wie desaströs die Verhältnisse beim Spiegel sind, lässt sich an der Suche nach dem neuen Chefredakteur ablesen. In ihrer entlarvenden Naivität nahm sie Ruf schädigende Züge an. Wer da wen inner- und außerhalb des Hauses als neuen Chefredakteur handelte: Man konnte sich nur die Augen reiben und die Ohren zuhalten.

Der künftige Chefredakteur Büchner will das Magazin offenbar auf Trab bringen. Als Ursache für die schlappe Gangart der vergangenen Jahre hat er wohl die Mitarbeiter-KG ausgemacht, die 50,5 Prozent am Spiegel hält und Tendenzen zu bürokratischer Verkrustung begünstigt, wie man sie aus öffentlichen Verwaltungen und Betrieben kennt. Noch ehe Büchner im Amt ist, geht er auf Konfrontation. Er beruft Bild-Mann Blome zu seinem Stellvertreter – gegen die Mitarbeiter-KG. Seither tobt beim Spiegel der Bär.

Die Mitarbeiter argwöhnen, mit Blomes Berufung verbinde sich ein politischer Kurswechsel. Der Spiegel solle nach rechts gerückt werden. Das mag der Redaktion in ihrer Selbstwahrnehmung so erscheinen. Mit vielen Titelgeschichten der jüngeren Zeit vermittelte der Spiegel jedoch immer seltener den Eindruck, ein politisches Nachrichten-Magazin zu sein. Blomes Berufung dürfte politisch links orientierte Kräfte so sehr nicht überraschen. Zu Zeiten Adenauers und Kohls konnten sich Linke noch über das Magazin freuen. Seither sehen sie den Spiegel nach rechts driften. Mit Blome bekommt der schleichende Wandel nun ein Gesicht.

Kampagnen-Journalismus beleben

Wie desolat es beim Spiegel zugeht, zeigt sich auch an der Reaktion der Eigentümer auf Blome. Die Erbengemeinschaft Augstein, die 24 Prozent am Spiegel hält, ist über die Personalie zerstritten. Jakob Augstein stützt Blome, Franziska Augstein hält ihn für unzumutbar. Gruner + Jahr, die dritte Eigentümer-Gruppe, hält sich bedeckt. Sie machte durch den wahnwitzigen Umgang mit ihren Wirtschaftsmedien von sich Reden und hat alle Hände voll zu tun, den Stern zu sanieren. Spiegel-Geschäftsführer Saffe sollte die Personalie mit Gruner + Jahr abgestimmt haben. Er kommt aus diesem Verlag. Sollte Blomes Berufung scheitern und Büchner deshalb hinwerfen, müsste sicher auch Saffe gehen.

Dass Jakob Augstein Blome stützt, gilt auf dem linken Flügel des politischen Spektrums als Beleg, dass Augstein wohl doch nur ein Salonlinker sei. Der Verleger des Freitag füllt zwar bei Spiegel Online eine Kolumne mit dem Titel „Im Zweifel links“. Doch glauben Linke längst, er blinke nur links und biege im Zweifel rechts ab. Augsteins Einsatz für Blome gibt diesem Verdacht neue Nahrung.

Büchner und Augstein spielen das politische Signal herunter, das sie mit Blome zwangsläufig setzen. Sie wollen offenbar dessen Fertigkeit nutzen, Kampagnen zu fahren, Themen zuzuspitzen und politischen Einfluss zu nehmen. Gerade auf diesen Gebieten hatte das Magazin große Kompetenzen. Sie sind inzwischen zu Defiziten verblasst. Das hat den Spiegel blind gemacht. Überleben Büchner und Blome den Machtkampf um das Magazin, muss man sich wohl auf einiges gefasst machen.


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3 Kommentare zu “Zum Spieglein geschrumpft und erblindet”

  1. Roland Appel sagt:

    ..dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es ist…sang Hannes Wader in seiner legendären Deutsch-Folk Nummer in den 70ern.
    Das, was Salonlinke wie Joschka Fischer, Daniel Cohn Bendit, die ehemaligen Stamokap-Jusos Gerdahr Schröder und Olaf Scholz Krieg protegierten (was es heute unmöglich macht, politische Alternativen wie Blauhelme und Entwaffnung der Kriegsparteien in Syrien als Alternative zum gewaltsamen Interventionismus auch nur zu denken) in unserer jüngsten Geschichte angerichtet haben, lässt sich noch nicht ermessen.
    Tatsache ist, dass wir uns an einem Scheideweg zwischen Demokratie, Selbstbestimmung und Aufklärung einerseits und Repression durch Datenkraken, Mind-Mapping und weltweiter Bespitzelung durch NSA, CIA und FBI sowie Facebook und Google befinden. Und niemand scheint sich dafür zu interessieren, dass unsere Bürgerrechte von den USA, dem Hort der demokratischen Freiheiten seit fast 240 Jahren, bedroht sind.
    Hinzu kommt die Bedrohung der Aufklärung durch antidemokratische Regime des Islamismus von der Türkei über Iran, Irak, Ägypten, Saudi Arabien und Quatar bis zu Aserbeidschan, Usbekistan und Afghanistan.
    Dass in dieser Situation der Weltpolitik naive Naturen ohne politische Bildung auf Abwege geraten, sollte nicht verwundern. Doof, dass darunter steinreiche Erben wie Jakob Augstein zu finden sind.

  2. Martin Böttger sagt:

    Der „Rang“ der Bild-Zeitung ist ein klassisches Beispiel der Selbstreferentialität von Politik und Medien. Denn auf dem Zeitungsmarkt ist BILD der größte Auflagenverlierer von allen; seit Anfang der 90er Jahre verlor sie rund 50%! Ihren „Rang“ gewinnt sie allein aus der Schwäche der Politiker, die sich umgekehrt proportional zum Volk von BILD die Agenda diktieren lassen. Und ihre schwachen Konkurrenten, zu denen in Sachen Agenda-Setting auch der Spiegel gehört, tun es den schwachen Politikern nach. So kreisen sie um sich selbst, bis sie gestorben sind.

  3. Düsselbarsch sagt:

    Aber Herr Horn!?!

    „Zu Zeiten Adenauers und Kohls konnten sich Linke noch über das Magazin freuen.“

    Wie kann es bei einem Medienprofi wie Ihnen zu einer solchen Vereinfachung kommen. Der Spiegel wurde erst zu Ende seiner Ähra von Adenauer in der sog. Spiegel-Affäre nach Links(liberal) getrieben. Ursprünglich war er das nicht.

    Und die Entwicklung zur Hauspostille der Bonner Republik war dann auch nicht er aufrechte Gang nach Links, oder?

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