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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Die Ära Hoeneß geht zu Ende

Rosstäuscher noch im Niedergang

Mittwoch, 24. April 2013

Politik, Sport

(uh) Ulrich Hoeneß hat eingeräumt, er habe einen großen Fehler gemacht, als er Steuern hinterzog. Mit seiner Selbstanzeige habe er ihn teilweise wieder gutmachen wollen, behauptet er. Das klingt nach großen Bedauern und tiefer Reue. Und ist doch nichts anderes als Quatsch. Bis zum Dezember 2012 hat Hoeneß gehofft, sich hinter dem Steuerabkommen mit der Schweiz verstecken und seinen Steuerbetrug vertuschen zu können.

Das Ansehen eingebüßt

Als das Abkommen scheiterte, hat er sich angezeigt, weil er damit rechnen musste, nicht mehr anonym zu bleiben und schwer bestraft zu werden. Das eine und das andere Magazin war ihm bereits auf den Fersen. Seine Selbstanzeige war der Versuch, der drohenden Gefängnis-Strafe zu entgehen.

Mit seinem Eingeständnis, er habe einen Fehler gemacht, versucht der Bayern-Präsident, eine Legende zu bilden, die ihm helfen soll, sich in Amt und Würden zu halten. Der Mann führt sich auf, als kämpfe er um sein Ansehen. Dabei hat er es längst eingebüßt. Offensichtlich begreift er nicht, dass er ausgespielt hat.

Er geht dazu über, sein Verbrechen zu verharmlosen. Seine Behauptung, mit der Selbstanzeige habe er versucht, Schaden gut zu machen, stellt den Sachverhalt auf den Kopf und zeugt von jener Selbstgerechtigkeit, die ihn in diese jämmerliche Lage brachte. Schon tönt es aus seinem Umfeld: Machen wir nicht alle Fehler? Bald wird es heißen: Man muss auch Fehler verzeihen können.

Vater des Erfolgs

Richtig ist: Er hat Schaden angerichtet. Falsch ist: Es steht nicht in seinem Belieben, den Schaden gut zu machen. Wer nach einem Steuerbetrug Steuern nachzahlen und Strafgelder entrichten muss, ist kein Samariter, der Wohltaten verteilt. Er ist ein Verbrecher, der seine Strafe abzuzahlen hat.

Dass Hoeneß beginnt, Legenden zu spinnen, zeigt nur, dass er den Bodenkontakt verliert. Es fällt ihm schwer, aus seiner Verfehlung Konsequenzen zu ziehen. Selbst beim Versuch, sein Vergehen zu erklären, bleibt er sich treu: Er trickst wie ein Rosstäuscher.

Hoeneß wurde zu einem Zeitpunkt entlarvt, der für ihn besonders unangenehm ist. Während er als Betrüger durch die Medien geht, steht Bayern München sportlich und finanziell auf dem Höhepunkt. Das hat der Verein ihm zu verdanken. Er will sich als Vater des Erfolges feiern lassen. Ausgerechnet jetzt diese Schmach, dieser Gesichtsverlust.

Fast alle werden aufatmen

Es mag Hoeneß noch eine Zeit lang gelingen, die Fassade aufrecht zu erhalten. Dauerhaft tragen seine Mätzchen nicht. Längst wenden sich viele Menschen von ihm ab. Diejenigen, die mit ständig zu tun haben, die Leute im Verein, die Sponsoren, die Funktionäre im DFB, sie alle stehen noch bei ihm. Sollte er das als Unterstützung verstehen, wäre er auf dem Holzweg.

Viele von denen, die sich nicht abwenden, tun das nicht aus Verbundenheit, sondern aus eigenem Interesse. Sie wollen sich nicht vorwerfen lassen, dass sie ihn im Stich ließen. Nach einiger Zeit wird er begreifen, dass sie nur bei ihm stehen, weil sie erwarten, dass er die Konsequenzen zieht und sich vom Platz trollt. Dann wir er gehen. Manche werden das öffentlich bedauern, doch fast alle werden im Stillen aufatmen.


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Ein Kommentar zu “Rosstäuscher noch im Niedergang”

  1. […] Rosstäuscher noch im Niedergang Bis zum Dezember 2012 hat Hoeneß gehofft, sich hinter dem Steuerabkommen mit der Schweiz verstecken und seinen Steuerbetrug vertuschen zu können. Als das Abkommen scheiterte, hat er sich angezeigt, weil er damit rechnen musste, nicht mehr anonym zu bleiben und schwer bestraft zu werden. Das eine und das andere Magazin war ihm bereits auf den Fersen. Seine Selbstanzeige war der Versuch, der drohenden Gefängnis-Strafe zu entgehen. Mit seinem Eingeständnis, er habe einen Fehler gemacht, versucht der Bayern-Präsident, eine Legende zu bilden, die ihm helfen soll, sich in Amt und Würden zu halten. (…) Er geht dazu über, sein Verbrechen zu verharmlosen. Seine Behauptung, mit der Selbstanzeige habe er versucht, Schaden gut zu machen, stellt den Sachverhalt auf den Kopf und zeugt von jener Selbstgerechtigkeit, die ihn in diese jämmerliche Lage brachte. Schon tönt es aus seinem Umfeld: Machen wir nicht alle Fehler? Bald wird es heißen: Man muss auch Fehler verzeihen können. Quelle: Post von Horn […]

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