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  • Sissy, Soraya, Frauke

    Die AfD kann mit der Resonanz ihres Kölner Parteitags zufrieden sein. Die Partei ist zerstritten. Ihre Umfragewerte sind gesunken. Dennoch beherrscht sie die Schlagzeilen. Ihre Gegner, die in Köln aufmarschierten, und die Medien, die seit Wochen über jede Regung der kleinen Partei berichten, verschafften ihr wieder einmal unverhältnismäßig starke Beachtung. Großes Verdienst daran hat auch Frauke Petry. Sie betätigt sich in der AfD seit Wochen als Spaltpilz und scheint darüber an Einfluss zu verlieren. Bisher ließen sich die Medien von der AfD mit Beschimpfungen und Tabubrüchen zu üppiger Berichterstattung provozieren. Nun aber beginnen Journalisten, bei der AfD das Feld der Politik mit dem des Glamours zu verbinden, auf dem sich üblicherweise die Stars, die Beauties und die Royals tummeln. Der MDR versah seinen Vorbericht auf den AfD-Parteitag mit der Schlagzeile: „Schicksalstage für Frauke Petry?“ Erinnert das nicht an Romy und ihre Paraderolle, die Sissy? Langsam, aber unaufhaltsam wird Frauke in die Riege der Sissys und Sorayas samt ihrer vielen Nachfolgerinnen vorrücken. Die AfD mag Frauke schnöde beiseiteschieben oder gar vollständig ausmustern. Uns wird sie auf lange Zeit erhalten bleiben, nicht nur auf den Titelbildern der Magazine, die beim Friseur, im Wartezimmer des Hausarztes und in den Stadtcafés herumliegen, sondern vielleicht sogar als ständige Gästin bei der jährlichen Bambiverleihung. Ist das nicht tröstlich? – Ulrich Horn

Steuerbetrüger führt Bayern München

Wer stellt Hoeneß vom Platz?

Montag, 22. April 2013

Politik, Sport

(uh) Ulrich Hoeneß war erfolgreicher Fußballspieler, erfolgreicher Wurst-Fabrikant und erfolgreicher Manager eines Fußballclubs. Nun hat er sich als Steuerbetrüger entlarvt. Er steht nicht allein. Der Wirbel um ihn wäre nur halb so groß, wenn er nicht so prominent wäre und sein Verbrechen nicht in krassem Gegensatz zu seinem Image stünde.

Als moralische Instanz inszeniert

Steuern hinterziehen nicht nur Reiche. Auch weniger Begüterte betrügen den Staat und bestehlen die Allgemeinheit. Es handelt sich um viele Hunderttausend, die das gleiche Verbrechen begehen. Wer schwarz arbeitet und Schwarzarbeit bezahlt, macht sich wie Hoeneß und der frühere Post-Chef Zumwinkel schuldig. Viele, die auf die beiden schimpfen, unterscheiden sich von ihnen nur in den Dimensionen ihrer Schandtat.

Der Fall Hoeneß ist spektakulär, weil das Vergehen so stark von dem Bild abweicht, das er von sich entwarf und die Medien von ihm zeichneten. Er wollte mehr sein als Fußballspieler, Wurst-Fabrikant und Fußball-Manager. Er verteilte Wohltaten und ließ zu, dass sie bekannt wurden. Das half ihm, sich als Vorbild und moralische Instanz zu inszenieren. Der Steuerbetrug diskreditiert diese Attitüde nun als Heuchelei.

Absurde Heldenverehrung im Fußball

Hoeneß stahl nicht nur Steuern. Er hinterging auch viele Menschen, die ihn bewunderten und sich an ihm aus- und aufrichteten. Er hatte sich in eine Rolle manövrieren, die seine Profession überstieg. Dabei halfen ihm der berufliche Erfolg und gedankenlose Journalisten. Sie bliesen ihn unterwürfig und kritiklos auf. Er schien das zu genießen.

Die Heldenverehrung hat im Fußball absurde Züge angenommen und Fachkunde fast verdrängt. Man könnte meinen, die dauerhafte Beschäftigung mit Fußball führe zur Verblödung. Der Vorstandschef von Bayern München, ein erwachsener Mann mit Namen Kalle Rummenigge, verglich Hoeneß vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich mit Mutter Theresa. Die Bayern-Spitzen sehen sich in Nobelpreis-Sphären, und wollen so gesehen werden.

Bei Hoeneß wird das nicht mehr klappen. Er muss damit rechnen, dass über ihn gekübelt wird, was die Jauche-Gruben hergeben. Seit sie sich über den früheren Bundespräsidenten Wulff entleerten, ist es ja schon eine Weile hin. Sie dürften inzwischen wieder gut gefüllt sein.

Zur öffentlichen Erklärung verpflichtet

Es gibt auch schon erste Versuche, Hoeneß zu retten, falls er nicht im Knast verschwindet. Man muss wohl damit rechnen, dass ihm viele Fans, die ihre Steuern zahlen und sich die Dauerkarte vom Mund absparen, zur Seite stehen werden. Die dauerhafte Beschäftigung mit Fußball bleibt, wie gesagt, oft nicht ohne Folgen.

Hoeneß hat den Steuerbetrug eingestanden. Dennoch ermittelt die Staatsanwaltschaft. Offenbar hat sie einen weitergehenden Verdacht. Jeder Beschuldigte hat das Recht zu schweigen. Hoeneß macht davon Gebrauch und bittet, man möge ihn mit Anfragen verschonen. Dieses Privileg sollte man ihm nicht gewähren.

Der Mann hat sich zur öffentlichen Figur gemacht, die Allgemeinheit bestohlen und Öffentlichkeit belogen und getäuscht. Er hat die Pflicht, sich öffentlich zu erklären. Sieht er sich dazu außerstande, was ich verstehen kann, sollte er Konsequenzen ziehen, sein Amt bei Bayern München aufgeben und sich ins Privatleben zurückziehen. Solange er das nicht tut, muss er sich Fragen gefallen lassen, nach seinem Delikt und seinem moralischen Doppelleben.

Antworten vom DFB und von den Sponsoren

Auch andere müssen dann Fragen beantworten. Der DFB muss seinen vielen Mitgliedern, Jugendlichen und Kindern erklären, warum es kein Problem ist, dass ein Bundesliga-Club, der öffentliche Mittel in Anspruch nimmt, von einem Steuerbetrüger geführt wird. Und die Unternehmen, die Bayern München sponsern, müssen ihren Beschäftigten, die Steuern zahlen, erklären, warum das schwer verdiente Geld in einen Club fließt, an dessen Spitze ein Steuerbetrüger steht.

Je länger Hoeneß im Amt bleibt, desto größer wird der Schaden auch für die CSU, die mit Bayern München verbandelt ist und mitten im Landtagswahlkampf steht. Und für die CDU, die mit dem Schweizer Steuerabkommen Leuten wie ihm Straffreiheit verschaffen wollte. Bleibt er noch lange im Amt, könnte das sogar den Bundestagswahlkampf beeinflussen und dem SPD-Kandidaten Steinbrück aufhelfen, der die Schweiz schon einmal mit der Kavallerie bedrohte, um Leute wie Hoeneß aufzuschrecken.


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7 Kommentare zu “Wer stellt Hoeneß vom Platz?”

  1. Holger sagt:

    Gleiches Recht für Alle!

    Zuerst: Ich bin weder Bayern- noch UH-Fan!
    Trotzdem: Ich finde man soll nicht (auch wenns oft gemacht wird und ich mich bestimmt nicht ganz davon freisprechen kann) mit zweierlei Maß messen, egal ob es um die Bewertung oder die Umgehensweise mit einem Menschen geht.
    Zitat:
    „Jeder Beschuldigte hat das Recht zu schweigen. Hoeneß macht davon Gebrauch und bittet, man möge ihn mit Anfragen verschonen. Dieses Privileg sollte man ihm nicht gewähren.“
    Hier führt sich der Autor sich selber ad absurdum, weil:
    „Jeder Beschuldigte…“ gegenüber „Dieses Privileg…“.
    Ausserdem wird in dem Beitrag eine Vorverurteilung von UH vorgenommen, denn es ist mitnichten so, dass die Selbstanzeige gleichbedeutend ist mit einer rechtskräftigen Verurteilung oder Ähnlichem. Das Verfahren um die Steuersache UH ist nicht rechtskräftig abgeschlossen! Bitte an dieser Stelle einfach genauer recherchieren.

    Holger

    • Ulrich Horn sagt:

      Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt. Nicht sein Recht zu schweigen steht in Frage, sondern die Erwartung, die sich aus der Reklamation dieses Rechts ergibt, nämlich: Die Öffentlichkeit möge das Ende des Verfahrens abwarten, ehe sie sich ein Bild mache. Ich denke, den Rechtsverstoß der Steuerhinterziehung hat er bereits eingestanden, als er sich selbst anzeigte und Steuern nachzahlte. Um diesen Sachverhalt geht es.

  2. […] Horn meint, im Fall Hoeneß müssten noch diverse Fragen öffentlich geklärt […]

  3. Franz Weiler sagt:

    Sehr geehrter Herr Horn,
    ich bin wahrlich kein Freund von Steuerhinterziehung, aber so
    lange es derart große Ungereimtheiten der Besteuerung ( Politiker,Beamte etc., eine Madame Lagarde zahlt überhaupt keine Steuer ) gibt, und die Steuerbelastung immer mehr ansteigt ( plus Abgaben )- von Doppel o. Mehrfachbesteuerung ganz zu schweigen (Mineralölsteuer MWst. Soli )sollte auch mal darüber diskutiert werden, was Steuerrepression seitens des Staates bedeutet bzw.Wie Politiker keinerlei Verantwortung für ihre Steuerverschwendungen zu tragen haben. Immer höhere Ausgaben ( BER – Stuttgart21 etc.).Es ist m.E. nicht verwunderlich ,dass sich irgendwann auch der ehrlichste
    darüber Gedanken macht ,wie er dieser endlosen Spirale entgehen kann.
    Mit den besten Grüßen
    Franz Weiler

  4. Peter Riemann sagt:

    Sehr geehrter Herr Horn,

    die Sache Hoeneß ist in mehrfacher Hinsicht bedeutsam:

    a) er beleuchtet den Irrsinn beim Fußball. Mario Götze soll für über 37 Mio. Ablöse zum FCB wechseln. Dreht man in diesen Sphären von „Kaisern“ und „Mutter Theresa“ zu schnell durch? Doch wer kreiert diese Kaiser und Mütter?

    b) der Staat, also wir selbst, haben die Gesetze für Steuerhinterziehung geschaffen, die jetzt so (blaues Auge) oder so (Knast) Anwendung finden. Herrn Hoeneß hat ein Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden.

    c) steckt nicht in uns allen ein wenig Hoeneß, fragte Frank Plasberg in der Einspielung von „Hart aber Fair“ gestern Abend. Das deutet nicht nur menschliche Schlitzohrigkeit an, sondern auch die Rache des kleinen Mannes. Dem greift der „Staat“ immer tiefer in die Tasche, während das Geldverbrennen in Verwaltungen und Behörden häufig ungeahndet bleibt.

    d) der Staat, das sind aber nicht mehr wir, sondern machtgierige Politiker, die z.B. nach gewonnener Wahl die Stühle von Regierungspräsidenten entern. Die Herren Steinbrück und Borjans, um zwei zu nennen, die nun über UH herfallen, spielen sich aus parteitaktischen Gründen als Moralapostel auf, ohne vor der eigenen Türe zu kehren.

    Fazit: Bevor nicht alle gleichmäßig behandelt werden, bleibt Verlogenheit in der BRD-Trumpf.
    Die heutige WHH-Präsidentin Bärbel Dieckmann (SPD) ist als Ex-OB maßgeblich verantwortlich für den größten Bau-, Polit- und Verwaltungsskandal in der BRD. Das „World Conference Centrum“ in Bonn (WCCB) mit ca. 400 Mio. Euro belastet die Bonner mit 1.250 Euro pro Kopf. Ursprünglich sollte das Projekt den Bürger nichts kosten!
    Was passiert? Frau Dieckmann wird in Talkshows herumgereicht, reist aus Spenden finanziert in der Welt herum und gibt Interviews als WCCB-Unschuldslamm.
    Kritik oder Fragen: Null. Ausgewogenheit im Fernsehen und journalistische Sorgfalt sehen anders aus!
    Deshalb war der gestrige Kommentar von Wirtschaftsredakteur Marcus Bornheim im BR zu UH so verlogen. Nach Guttenberg, Wulff und Schavan ist der Hoeneß-Skandal nur ein weiterer shit-storm, der vom Wesentlichen ablenkt.

  5. Johannes Fischer sagt:

    Es grenzt schon an Comedy, wenn Politiker derzeit den Moralapostel heraus hängen lassen und mit erhobenem Zeigefinger auf Uli Hoeneß zeigen, weil der den Bürger und Steuerzahler betrogen hat, dieselben Politiker aber mit Steuergeldern ihre überteuerten, unnützen und völlig an der Realität vorbei kalkulierten Leuchtturmprojekte finanzieren. Franz Weiler hat in seinem Kommentar schon einige treffende Beispiele benannt.
    Wen wundert es da, dass sich in unserem Land nicht nur eine Politikverdrossenheit breit macht, sondern auch die Zahlungsmoral einiger Bürger gegenüber dem Staat in einer prekären Schieflage befindet?
    Ob jetzt der Millionen schwere Hoeneß den Staat hintergeht, oder Otto Normalverbraucher von dem Bekannten eines Kumpels „unter der Hand“ sein neues Badezimmer fliesen lässt, macht vom moralischen Aspekt und der Motivation, die dahinter steckt, eigentlich keinen Unterschied.

    Was ich viel erschreckender finde, ist die Tatsache, dass nur über die Straftat des Uli Hoeneß öffentlich diskutiert wird, weil ja eigentlich zwei Straftaten begangen worden sind. Irgendein Beamter der Steuerfahndung oder der Staatsanwaltschaft hat da mal wieder nicht dicht halten können und die Causa Hoeneß an die Medien lanciert. Auch das ist kein Kavaliersdelikt und kann laut StGB §355 „Verletzung des Steuergeheimnisses“ mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren geahndet werden. Sicherlich, der Journalismus lebt von solchen undichten Stellen, aber wenn wir uns anmaßen, im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung die Moral ins Spiel zu bringen, dann sollten wir uns genauso Gedanken machen, was von einem Staat zu halten ist, für dessen Staatsdiener die Gesetze, die sie zu Verschwiegenheit und Datenschutz verpflichten, keine Rolle zu spielen scheinen.

    Auch sie sind mit dafür verantwortlich, dass man als Bürger den Staat in vielerlei Dingen einfach nicht mehr ernst genug nimmt.

    Zum Schluss noch ein Gedanke zu Peer Steinbrück, der hier im Block regelmäßig thematisiert wird:
    Das die Causa Hoeneß derzeit medial so aufgeblasen wird, ist sicherlich dem Wahlkampf geschuldet, denn der nicht unumstrittene Ankauf von Steuersünder CDs durch mehrheitlich SPD-regierte Bundesländer lässt sich so im Nachhinein legitimieren und die Bundes-SPD auf einen neuen Steuer-Kurs bringen. Wäre da nicht Kanzlerkandidat Steinbrück. Während die einen Zweidrittel der Troika von Diebstahl am Volk reden und härtere Konsequenzen gegenüber Steuersündern fordern, will Steinbrück an der derzeitigen Regelung festhalten. Wen wundert es, wenn man bedenkt, dass Hoeneß einer der Berater Steinbrücks als Finanzminister war, in einer Zeit, als das sogenannte Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz seine jetzigen Konturen bekam…

  6. […] Horn meint, im Fall Hoeneß müssten noch diverse Fragen öffentlich geklärt […]

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