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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Nach der Affäre um das ZDF

Rettet Guttenberg die CSU?

Samstag, 27. Oktober 2012

Politik

(uh) Die CSU kommt nicht zur Ruhe. Kaum ist ihr Sprecher Strepp zurückgetreten, gerät ihr Generalsekretär Dobrinth unter Druck. Ihm werfen Parteifreunde vor, er habe die ZDF-Krise schlecht gemanagt. Ein Jahr vor der Landtagswahl fürchten viele, er könnte zur Belastung werden und den Wahlkampf in den Sand setzen. Schon wird über seinen Abgang gemunkelt. Das wäre ein Befreiungsschlag, der Karl-Theodor zu Guttenbergs Comeback ermöglichen könnte.

Auch in der CSU wabert längst der Verdacht, Dobrinth sei der Urheber des ZDF-Skandals. Er habe Strepp angewiesen, beim Sender zu intervenieren, um die Berichterstattung über die SPD zu verhindern. Dobrindts rustikales Auftreten leistet solchen Vermutungen Vorschub.

Auch seine Krisenstrategie stößt auf Kritik. Er habe das ZDF-Problem unterschätzt, Strepp zu früh gestützt, zu lange geschwiegen und dann zu spät reagiert. Vorwürfe, die Dobrindts Kompetenz als Generalsekretär in Frage stellen. Schon seit langem wird an seiner Amtsführung herumgemäkelt. Zum Entsetzen mancher Parteifreunde drosch er noch auf Griechenland ein, als sich schon abzeichnete, dass die Unionsspitzen den Konflikt entschärfen wollten.

In der CSU rechnet man nicht damit, dass der ZDF-Skandal so bald in Vergessenheit gerät. Die SPD kündigte bereits an, dass sie den Rücktritt des CSU-Sprechers für unzureichend halte und die Sache nicht auf sich beruhen lasse. Der CSU schwant, die Affäre könnte ihr noch lange nachlaufen und ihren Landtagswahlkampf belasten. Ohnehin ist die Partei nervös. Sie fürchtet, bei der Bayern-Wahl 2013 die Regierungsmacht zu verlieren.

In dieser Not erinnert sich mancher an jüngste Äußerungen von CSU-Chef Seehofer. Er hatte – vor der ZDF-Affäre – am Rande des CSU-Parteitags angekündigt, nach der Landtagswahl 2013 den früheren Verteidigungsminister Guttenberg in die Politik zurückzuholen. Er war über die Plagiate in seiner Doktorarbeit gestürzt und hatte sich in die USA abgesetzt. Guttenberg müsse bei einem Neustart in der Politik nicht von vorne beginnen, hatte Seehofer zu verstehen gegeben. Und geraunt: Der Ex-Minister solle eine „maßgebliche“ Aufgabe übernehmen.

Die CSU-ZDF-Affäre könnte Seehofers bewegen, seinen Zeitplan über den Haufen zu werfen. Es ist Not am Mann in Bayern. Da darf sich Seehöfer nicht zieren und Guttenberg nicht verweigern. Was gibt es für beide wichtigeres, als die CSU zu stabilisieren, einen berauschenden Wahlkampf zu führen und die Partei zur absoluten Mehrheit zurückzuführen? Wenn Dobrinth rasch abtritt, könnte Guttenberg rasch kommen und den Posten übernehmen. Wie CSU-Generalsekretär geht, weiß er genau. Er war es ja schon einmal.

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3 Kommentare zu “Rettet Guttenberg die CSU?”

  1. Roland Appel sagt:

    Tolle Aussichten. Und Peer Steinbrück holt sich Wolfgang Clement ins Wahlkampfteam – What a nice pair! Fehlt nur noch Sylvana Koch-Mehrin als Präsidentin der Deutschen Forschungsgesellschaft und Marc Zuckerberg als Bundesbeauftragter für den Datenschutz.

  2. Katharina sagt:

    Haben die Schiß vor UDE ???
    Der muß ja gewaltig sein, wenn die CSU aufeinmal so einen Mist nötig hat.
    Spielt der SPD und dem Herrn UDE zu.

    Politk ist manchmal eine Lachnummer.

  3. […] Nach der Affäre um das ZDF: “Rettet Guttenberg die CSU?”, fragt … postvonhorn […]

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