Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Letzte Kommentare

Nebenbei

  • Wie die Lemminge

    In knapp zwei Wochen werden die Infektionszahlen in und um Düsseldorf herum stark ansteigen. Die Stadt wird dann ziemlich sicher die dritte Coronawelle erleben. Ausgelöst wurde sie durch das schöne Wetter am vergangenen Wochenende. Tausende drängten sich auf der Rheinpromenade, fast alle, ohne Abstand zu halten, und die meisten ohne Maske. Alle Aufrufe zur Vorsicht haben ihr Ziel verfehlt. Die Menschen am Rhein verhielten sich wie die Lemminge. Es schien, als suchten sie das Virus und die Infektion mit ihm. Der Andrang am Rhein lässt alle, die im Kampf gegen Corona auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen, naiv erscheinen. In Düsseldorf feierte am Wochenende die Verantwortungslosigkeit einen Triumph. Er war vorhersehbar. Der Wetterbericht wirkte seit Tagen wie ein Marschbefehl für die Karawane zum Rhein. Die Stadt, die den Schutz vor dem Virus gewährleisten soll, zeigte der Aufgabe nicht gewachsen und tat so, als habe sie den Schuss nicht gehört. Die wenigen Ordnungskräfte, die sie aufbot, um die Schutzregeln durchzusetzen, standen auf verlorenem Posten. Was passiert, wenn sich derartige Aufläufe wiederholen? Wird man dann den Lockdown verlängern oder sich an höhere Infektions- und Totenzahlen gewöhnen müssen? – Ulrich Horn

Attacken gegen die Landeshauptstadt

Mittwoch, 12. September 2012

Politik

(uh) Bis zur NRW-Kommunalwahl 2014 ist es zwar noch hin. Doch die rot-grüne Landesregierung arbeitet schon auf sie zu. Sie schießt sich auf das schwarz-gelb regierte Düsseldorf ein, eine der wenigen Städte in NRW, in denen noch normale Verhältnisse herrschen.

So viele Arbeitsplätze wie Dortmund plus Bochum

In der Landeshauptstadt erdrosseln – anders als im benachbarten Ruhrgebiet – die Schulden das öffentliche Leben und seine Einrichtungen nicht. Grundlage des Düsseldorfer Wohlergehens ist seine Wirtschaftskraft. Obwohl die Stadt kaum mehr Einwohner als Dortmund hat, bietet sie so viele Arbeitsplätze wie Dortmund plus Bochum. Während das schwarz-gelb regierte Düsseldorf seine Ausgaben den Einnahmen anpasste, sanken im überwiegend rot-grün regierten Ruhrgebiet die Einnahmen, während die Ausgaben stiegen.

Inzwischen sind viele Revierstädte pleite. Anders als Düsseldorf finden sie immer weniger Kreditgeber, auch Duisburg und Oberhausen, die Heimatstädte der NRW-Minister Jäger (SPD) und Groschek (SPD). Beide Minister schießen sich auf Düsseldorf ein. Jäger will der Stadt hohe Millionenbeträge entziehen, um sie schwachen Städten zu schenken. Groscheck verlangt, Düsseldorf solle mehr Sozialwohnungen bauen, um das Wohnen billiger zu machen.

Keine Grantie für die Rettung schwacher Städte

Was passiert, wenn sich Jäger durchsetzt? Düsseldorf würde schwächer und müsste Leistungen kürzen. Oder soll es wie das SPD-regierte Duisburg die Grundsteuer anheben und damit alle Mieter, auch die Sozialmieter, stärker belasten? Dabei kann Jäger noch nicht einmal garantieren, dass mit den Düsseldorfer Millionen die schwachen Städte zu retten wären. Bei ihnen haben Bürgerschwund und Alterung ein Tempo erreicht, das Jägers Rettungsversuche zunichtezumachen droht.

Und was passiert, wenn Düsseldorf Groscheks Forderung in großem Stil nachkäme? Für manche Oberhausener und Duisburger würde dann der Umzug nach Düsseldorf attraktiv, weil dort die öffentlichen Dienstleistungen umfangreicher sind und sich die öffentliche Einrichtungen vom Kindergarten bis zum Schwimmbad in besserem Zustand befinden. Duisburg und Oberhausen leiden längst unter Leerständen. Sie wurden zunehmen, wenn diese Städte noch mehr Einwohner verlören.

Steuererhöhung zu Lasten der Mieter

Was das Wohnen in NRW selbst dort teuer macht, wo die Mieten auf niedrigem Niveau stagnieren, sind die Mietnebenkosten. Strom-, Gas- und Wassergebühren steigen weitaus schneller als die Mieten. Der Anstieg der Nebenkosten ist auch von der SPD verursacht und gewollt. Um die Mieter zu entlasten, hat Düsseldorf Jahr für Jahr die Grundsteuer gesenkt. In den Städten des Ruhrgebiets, wo vielerorts die SPD regiert, wurde sie dagegen zu Lasten der Mieter erhöht. Groscheks Attacke gegen Städte, die weniger Sozialwohnungen bauen, lenkt von dieser sozialen Belastung ab.

Statt sich über die Wohnungspolitik in zwei, drei Städten zu erregen, sollte Groschek dafür sorgen, dass alle Mieter in den 396 NRW-Städten von stetig steigenden Gebühren verschont bleiben. Die Grundsteuer in Duisburg und Oberhausen zu senken, wäre da nur ein erster Schritt. Auch die SPD-Wähler unter den Mietern würden ihn sicher begrüßen. Ob es in Düsseldorf oder Münster noch etwas mehr Sozialwohnungen gibt, trägt kaum dazu bei, die Mieter- und Mietprobleme in NRW zu lösen.

Den Rollenwechsel zum Minister noch nicht geschafft

Groscheks Berufung zum Minister für Bauen und Verkehr ließ hoffen, er werde alle Kräfte in NRW bündeln, um die riesigen Defizite auf beiden Politikfeldern zu verringern. Sein Auftritt zeigt, dass er den Rollenwechsel vom Parteifunktionär zum Minister noch nicht geschafft hat. Er tritt auf, als wolle er mit dem öffentlichen Amt weniger Sachfragen lösen als der SPD Stimmen verschaffen: Statt ein paar Städte anzugreifen, hätte er mit deren Bürgermeistern reden müssen. Das unterblieb. Ein schlechtes Signal für alle anderen Städte.

Diese Art, Politik zu machen, die sich überigens nicht auf Groschek und die SPD beschränkt, ist einer der Gründe, warum NRW beim Ausbau der Infrastruktur seit langem nicht voran kommt, in nationalen Vergleichen hinter anderen Bundesländern her hinkt und inzwischen sogar von manchem neuen Bundesland abgehängt wird.

Schlagwörter: , , , , , ,

Ein Kommentar zu “Attacken gegen die Landeshauptstadt”

  1. Pottblog sagt:

    Links anne Ruhr (12.09.2012)…

    Bottrop: Kein iPad für die Ratsherren (Bottblog.de) – Dortmund: NPD-Demo: “Ein kläglicher Haufen” (Ruhrbarone) – WDR zeigt Dokumentarfilm über Rivalität zwischen BVB und Schalke (WAZ.de) – SPD-Minister …

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.