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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Beispiellose Fledderei

Donnerstag, 30. August 2012

Nebenbei

(uh) Der Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Handelsblatt, Gabor Steingart, arbeitet an seinem Image als harter Hund. Er versucht, das Konkurrenzblatt Financial Times Deutschland zu fleddern. Es muss seine Berichterstattung einschränken, um Kosten zu sparen. Steingart fordert die FTD-Leser öffentlich auf, zum Handelsblatt zu wechseln. Eine beispiellose Aktion. Er glaubt wohl, sie werde in wirtschaftsnahen Kreisen, denen Konkurrenzkämpfe nicht fremd sind, auf Beifall stoßen. Wenn er sich da mal nicht täuscht. Diese Gruppen schätzen vor allem Seriosität und Stil. Mit windigen Aktionen wollen sie nicht verbunden sein. Ein Blick auf Westerwelle könnte helfen. Als er sich unangemessen aufführte, gingen ihm und der FDP die Wähler von der Fahne. Die gleichen Gruppen spricht auch Steingart nun an. Sie könnten auf die Idee kommen, er werbe so unangemessen – nicht aus Stärke, sondern weil er und das Handelsblatt es bitter nötig hätten.

6 Kommentare zu “Beispiellose Fledderei”

  1. Das Handelsblatt ist unter Steingart in jedem Fall streitbarer geworden …

    Aber auch wenn die Handelsblatt-Aktion nicht jedem gefällt, zum Wechsel hat er eben nicht (oder zumindest nicht explizit) aufgerufen. Er schreibt: „Ich will Sie nicht zum Wechsel ermuntern, auch um die prekäre Lage unseres Wettbewerbers nicht zu verschärfen. Aber ich möchte Ihnen anbieten, unsere (doppelt so starke) Zeitung zusätzlich zu nutzen.“

    Und sein Argument finde ich ebenfalls richtig: „In Zeiten wie diesen sollten wir alle sparen, das ist ja richtig. Aber doch nicht bei der Information und ihrer Einordnung.“

    Schlau wäre es von der FTD, zum Gegenangriff zu blasen und den Handelsblattlesern ein ähnliches Angebot zu machen („das Wichtigste wissen“) – ich würde zugreifen und dann kann man ja sehen, welche Zeitung sich durchsetzt …

  2. […] Fledderei…Post von Horn sr_adspace_id = 1000007954907; sr_adspace_width = 300; sr_adspace_height = 250; […]

  3. Martin Böttger sagt:

    Das was hier als Charakter erkennbar wird, hat meines Wissens auch neben anderen Faktoren verhindert, dass der Mann, was er wohl angestrebt hat, Spiegel-Chefredakteur geworden wäre.
    Das Erscheinungsbild des Handelsblattes hat er für meinen Geschmack angemessen modernisiert, den ideologisierten Inhalt dagegen kaum. Inhaltlich ist aus meiner Sicht die FTD wg. einer – bisher – größeren Meinungsbreite zu bevorzugen.

  4. Muss mich wohl zumindest teilweise korrigieren: G+J war anscheinend „not amused“, dass Steingart 1.000 Frei-Abos raushaut: http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Handelsblatt-vs.-FTD-Klusmann-macht-ein-bisschen-den-Steingart_109710.html

  5. […] Horn schreibt über den Versuch des Chefredaktuers des Handelsblatts, Gabor Steingart, den Konkurrenten ftd zu […]

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