Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Nebenbei

  • SPD: Es geht noch tiefer

    Drei Monate nach der Bundestagswahl hat Deutschland noch keine neue Regierung. Das liegt an der SPD. Sie deutete den Denkzettel, den die Wähler ihr und ihren Koalitionspartnern CDU und CSU verpasst hatten, zur Abwahl der großen Koalition um – ein folgenreicher Fehler.Er verführte die SPD dazu, die Kooperation mit der Union zu beenden. CDU und CSU sahen sich gezwungen, die Jamaika-Koalition zu prüfen. Sie scheiterte am Unwillen der FDP. Schon steht die SPD dumm da. Sie muss nun doch mit der Union reden. Den Weg zu Ergebnissen zieht die SPD in die Länge. Der Grund: Die Partei hat den Vorstand an die Kette gelegt. Er muss Kooperationspläne in die Partei rückkoppeln. Sie ist zerrissen. Sie braucht Zeit. Die Führungskräfte in den SPD-Bezirken sind derzeit an der Basis unterwegs. Die einen, um die Mitglieder zu bestärken, die große Koalition abzulehnen. Die anderen, um die Genossen zu beknien, ihre Aversionen gegen die große Koalition zurückzustellen. Hopphopp geht das nicht. Anders als SPD-Chef Schulz fällt es dem normalen SPD-Mitglied schwer, seine Positionen von heute auf morgen zu ändern. Dieses Verhalten ist problematisch: Je länger die SPD eine neue Regierung blockiert, desto größer wird das Risiko, die Wähler gegen sich aufzubringen. Wie bewegt man SPD-Mitglieder, ihre Aversion gegen die große Koalition aufzugeben? Man führt ihnen vor Augen, dass alle anderen Varianten bis hin zur KoKo für die SPD nachteiliger sind. – Vor der Wahl versicherte sie, sie wolle regieren. Am Wahlabend pfiff sie auf ihr Wort und das Wählervotum. Nun düpiert sie die Wähler erneut: Sie ordnet deren Votum dem ihrer Mitglieder unter. Sie behalten sich vor, das Wählervotum zu akzeptieren oder zurückzuweisen. Die SPD sollte vorerst keine Neuwahl riskieren. Die Wähler könnten es ihr heimzahlen. Die 20,5 Prozent der jüngsten Wahl sind nicht die Talsohle. Es geht noch tiefer. – Ulrich Horn

Duisburg: Alles wie gehabt

Mittwoch, 22. Februar 2012

Politik

(uh) Die Duisburger Parteien bleiben sich treu. Die Abwahl von Oberbürgermeister Sauerland (CDU) sollte die Stadt von der Lähmung befreien, die seine Gegner seit der Loveparade-Katastrophe beklagten. Der viel beschworene Befreiungseffekt durch die Abwahl mag sich jedoch nicht einstellen. Er entpuppt sich als politisches Geplapper; denn die Parteien machen weiter wie bisher.

Das zeigt sich bei ihrer Suche nach dem Sauerland-Nachfolger. Dabei wird deutlich, warum Duisburg in den vergangenen 30 Jahren so tief ins Elend geriet. Das Problem der Stadt sind ihre Politiker. Sie zeigen sich auch mit der Lage nach Sauerlands Abgang überfordert. Sie scheinen das nicht einmal zu bemerken.

Das erste Signal, das sie nach Sauerlands Sturz sendeten, war eine Kapitulationserklärung. Sie gaben ihren Gestaltungsanspruch auf. Sie verzichten auf ihr Recht, aus den eigenen Reihen Nachfolge-Kandidaten zu benennen und sie der Bevölkerung zur Wahl zu stellen.

Ob sich die Parteien aus Angst vor den Wählern oder aus Mangel an geeigneten Kandidaten verkrochen, ist unerheblich. Das eine wie das andere ist entlarvend. Dass die Parteien in Duisburg Verantwortung übernehmen und etwas zum Besseren bewegen, ist kaum zu erwarten.

Statt Gestaltungskraft zu zeigen, mauscheln SPD, Linke, Grüne und FDP mit dem DGB, der Gewerkschaft Verdi und der Abwahlinitiative, um einen für sie akzeptablen Kandidaten auszutuppen. Das wird als große Konsensaktion verkauft. Dabei dient es nur dazu, die Konkurrenz zwischen den Parteien auszuschalten. Ein Zeichen von Schwäche, das jedoch Vorteile verspricht. Erwiese sich der gemeinsame Nachfolge-Kandidat als Niete, könnte niemand dem Anderen Vorwürfe machen.

Bezeichnend ist, dass die Parteien Interessengruppen an der Auswahl des OB-Kandidaten beteiligen. Was den DGB, Verdi und die Abwahlinitiative dazu legitimiert, erschließt sich nicht. Warum ist nicht die IG Metall dabei, die IG Bergbau und die Gewerkschaft der Polizei? Auch der Verbraucherverband und der Tierschutzverein, die christlichen Kirchen und die Organisationen der Migranten könnten helfen? Selbst die Arbeitgeberverbände wären sicher interessiert, bei der Auswahl des Kandidaten zu helfen. Doch auch sie bleiben außen vor.

Dass ausgerechnet Verdi, DGB und Abwahlinitiative das Stadtoberhaupt auswählen, ist ein sonderbares Signal für eine Stadt, die kaum noch Steuern einnimmt, völlig überschuldet ist und in die Statistik der Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger Spitzenplätze, bei den Betreuungsplätzen für Kleinkinder dagegen Abstiegsplätze besetzt. Dem Duisburger OB-Suchtrupp liegt wohl offenbar sehr daran, jemanden zu finden, der das Kunststück fertig bringt, den fälligen Personalabbau in der Stadtverwaltung so zu gestalten, dass er nicht einmal Verdi weh tut..

Was Duisburg braucht, um auf die Beine zu kommen, sind Investoren. Das scheinen die Parteien kaum im Blick zu haben. Dass sie den DGB und Verdi wie Parteien agieren lassen und die Unternehmerverbände nicht einbeziehen, dürfte Unternehmer verblüffen. Glaubt wirklich jemand in der Duisburger Parteienszene, mit Slogans wie: „Bei uns macht Verdi die Musik“ – ließe sich für den Standort Duisburg werben und privates Kapital anlocken?

Auch die Methode, mit der das Stadtoberhaupt gesucht wird, erinnert an sehr bürokratische Verfahren, die dem DGB, Verdi und auch manchem in der Abwahl-Initiative gut bekannt sind. Zunächst wollen die OB-Sucher einen Katalog von Kriterien aufstellen, denen der Kandidat entsprechen muss. Gleichzeitig will der Suchtrupp Inhalte festschreiben, auf die er den Kandidaten verpflichten will. Mit dem Katalog in der Hand will man sich dann auf den Weg machen, den passenden Aspiranten zu finden.

Wer Ahnung und Erfahrung hat, wie man ein marodes Unternehmen von der Größe Duisburgs saniert und wieder aufrichtet, wird sich fragen, ob er sich das antun soll angesichts der schwachen örtlichen Parteien, die von Verdi, DGB und Abwahl-Initiative dominiert werden.

Wer sich dann noch vor Augen führt, dass der Ruf der Stadt durch Mafia-Morde, Loveparade-Katastrophe, Sauerland-Abwahl, Spendenskandal-Vorwürfe gegen Duisburgs SPD-Chef Jäger und Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Linken-Fraktionschef Dierkes ruiniert ist, dürfte sich nach der Sauerland-Nachfolge nicht drängen.

Und so könnte es passieren, dass sich die Kandidaten-Sucher am Ende auf einen Duisburger Politiker verständigen, der sich zweifelnde Fragen verkneift. Auf jemanden ohne Sanierungserfahrung, dafür aber mit einem Parteibuch der SPD und einem Mitgliedsausweis von Verdi.

 

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.