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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Die Ruhr-Wirtschaft am Scheideweg

Donnerstag, 19. Januar 2012

Politik

(uh) Das jüngste Zauberwort im Ruhrgebiet heißt Kooperation. Sie wird vor allem von der Wirtschaft propagiert. Sie ist seit einiger Zeit dabei, sich stärker in die Diskussion über die Belange der Region einzumischen. Sie merkt, dass im Ruhrgebiet wichtige Grundlagen und Ressourcen gefährdet sind, die sie für ihren Weiterbestand dringend benötigt.

Der Initiativkreis Ruhr, ein Zusammenschluss von 70 Unternehmen, will die Kooperation im Ruhrgebiet fördern. Er hat dazu einen Wettbewerb ausgelobt. Damit griffen die Unternehmen die Botschaft einer Studie auf, die das RWI im Auftrag der RAG–Stiftung erstellte. Die Untersuchung rät, die Zusammenarbeit zu forcieren, um den Wandel vom Abbruch alter Strukturen hin zu tragfähigen neuen zu beschleunigen.

Ob die Akteure der Region die Kraft finden, Kooperationen zu initiieren und zu einer breiten Kultur der Zusammenarbeit zu entwickeln, ist fraglich. Der innere Zustand der einzelnen Gruppierungen ist nicht der beste. Es fällt ihnen schwer, sich in den eigenen Reihen und mit anderen auf Ziele und Lösungswege zu verständigen.

Das beste Beispiel für diesen schlechten Kooperationszustand bietet die Ruhr-Wirtschaft selbst. Sie ist organisatorisch zersplittert und agiert dabei weitgehend unkoordiniert auf verschiedenen Ebenen.

Die 17 Arbeitgeber-Verbände des Ruhrgebiets teilen sich auf fünf Standorte auf. Die Verbände mit Sitz in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen Dortmund und Bochum wursteln mehr oder weniger unkoordiniert vor sich hin. Zusammenarbeit findet kaum statt. Die Verbände unterhalten zwar eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Namen „Arbeitgeber Ruhr“. Sie beschränkt sich jedoch darauf, Konjunkturumfragen durchzuführen und zu veröffentlichen.

Als Gestaltungskraft tritt sie nicht in Erscheinung. Den Verbänden würde es nicht gefallen, wenn der Ruhr-Verband mehr täte. Das dokumentieren sie schon dadurch, dass der Vorsitz ständig wechselt. Ein Repräsentant, der für alle spricht, kann sich so nicht entwickeln. Die Verbände, die fast 2200 Mitgliedsunternehmen und 260.000 Beschäftigten vertreten, arbeiten lieber klein kariert auf eigene Rechnung.

Auch die fünf Industrie- und Handelskammern, die für das Ruhrgebiet zuständig sind, kooperieren unzureichend. Die Kammern achten peinlich darauf, dass die Nachbarkammern nicht ihre Zuständigkeiten berührt. Die Eifersüchteleien verhindern, dass über die Kammergrenzen hinaus eine gemeine Interessenvertretung für das ganze Ruhrgebiet sichtbar wird.

Über allem schwebt der Initiativkreis Ruhr, der mit seinen 70 Mitgliedern zwar eine gewisse Autorität ausstrahlt, politisch jedoch weitgehend bedeutungs- und wirkungslos bleibt.

Ursache dafür ist unter anderem seine Satzung. Sie verlangt, dass die viel beschäftigten Vorstandschefs und Eigentümer persönlich präsent sein müssen, wenn es um Projekte geht. Sie können sich nicht durch Beauftragte vertreten lassen. Auf diese Weise bleibt das elitäre Gremium aber ziemlich unbeweglich und ineffizient.

Mit wem in der Ruhr-Wirtschaft muss man sprechen, wenn man im Ruhrgebiet etwas bewegen will? Wen bietet die Wirtschaft als Gesprächspartner an? Hinter wem versammelt sie sich? Wer spricht in ihrem Namen? Gern kritisiert sie politisches Kirchturmsdenken und Bürokratisierung. Und hat sich doch selbst in engen Grenzen und bürokratischer Organisation gefesselt.

Die Ruhr-Wirtschaft täte gut daran, ihrer Forderung nach mehr Kooperation größeren Nachdruck zu verschaffen – mehr als nur mit einem Wettbewerb. Sie sollte daran gehen, den Gedanken der Kooperation in ihren eigenen Reihen mit Leben zu erfüllen.

Sie sollte sich von Hamm bis Xanten neu aufstellen und sich kooperationsfähig machen. Das wäre ein starkes Zeichen an die übrigen Akteure der Region, es ihr gleich zu tun. Erst dann kann man hoffen, dass zwischen den Akteuren im Ruhrgebiet Kooperation zu Erfolgen führt

Die Unternehmer im Ruhrgebiet wissen längst, dass sich die Ressourcen der Region für wirtschaftliche Betätigung in den nächsten Jahren immer schneller erschöpfen werden. Der demographische Wandel, der das Ruhrgebiet heftig tritt, macht der Wirtschaft schon heute schwer zu schaffen.

Diese Entwicklung wird sich zuspitzen. Viele erfahrene Arbeitnehmer gehen demnächst in den Ruhrstand. Die Zahl der qualifizierten und qualifizierungsfähigen jungen Menschen nimmt stark ab. Der Wirtschaft im Ruhrgebiet wird es immer schwerer fallen, ihren Personalbedarf in der Region zu decken.

Dieses Problem mit all seinen weit reichenden Facetten wird die Zukunftsfähigkeit der Region auf allen anderen Gebieten massiv beeinträchtigen, wenn es nicht gelöst wird. Die Politik im Ruhrgebiet hat dieses Problem ähnlich wie die Landesregierung noch kaum im Blick. Die Ruhr-Wirtschaft steht am Scheideweg. Sortiert sie sich nicht neu, wird sie in schweres Wasser geraten.

So, wie das Ruhrgebiet derzeit verfasst ist, bietet es jedenfalls nicht die Gewähr dafür, die Probleme der Region in den Griff zu bekommen.

 

 

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