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Nebenbei

  • Auf Merz ist Verlass

    Eines muss man Friedrich Merz lassen: Auf ihn ist Verlass. Sobald es darauf ankommt, übermannen ihn Aussetzer. 2002 verlor er den Fraktionsvorsitz. Er kam nicht auf die Idee, sich die Hilfe von CSU-Chef Stoiber zu sichern. Wohl aber Merkel. Sie gab Stoiber für den Fraktionsvorsitz die Kanzlerkandidatur. Merz schaute in die Röhre. Als er 2018 gegen Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz kandidierte, vergaß er, Teile der Jungen Union an sich binden. Seine Kandidatenrede fanden selbst seine Fans miserabel. Die Konkurrentin gewann. Wieder schaute er in die Röhre. Derzeit kämpft er erneut um den CDU-Vorsitz, diesmal gegen Laschet und Röttgen. Was passiert? Er patzt. Er rückt Schwule in die Nähe von Pädophilen. Prompt steht er mitten im Shitstorm und als Mann von vorgestern da. Er hat gute Aussichten, bei der Wahl wieder in die Röhre zu schauen. Selbst seine Fans sollten inzwischen wissen: Merz tut nichts, wenn er handeln müsste. Er versagt, wenn er die richtigen Worte sprechen müsste. Er plappert drauf los, wenn er den Mund halten sollte. Man fragt sich: Wie kommen Leute in der CDU nur auf die Idee, ein Mann wie er, der noch nie ein Regierungsamt innehatte und im entscheidenden Moment zu versagen pflegt, könnte die Union hinter sich vereinen, Deutschland führen, Europa zusammenhalten, beide durch Krisen führen und sie zwischen China, Russland und den USA über Wasser halten? – Ulrich Horn

Die Zeit spielt mit ihrem Mythos

Montag, 16. Januar 2012

Medien

(uh) Die Zeit ist eine renommierte und erfolgreiche Wochenzeitung. Sie gilt als seriös und solide, ihre Autoren sind fach- und sachkundig. Das Blatt ist in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht auf der Höhe der Zeit.

Die Zeit wird geschätzt. Einen Teil ihrer Reputation verdankt sie sicherlich dem Ansehen ihres Herausgebers, Ex-Kanzler Helmut Schmidt. Dessen Glaubwürdigkeit strahlt auf das Blatt ab. Und so wundert es nicht, dass die Zeit im Unterschied zu vielen anderen Zeitungen, die vergeblich gegen den Schwund kämpfen, ihre Auflage halten und sogar steigern kann.

Die Zeitung wird auch deshalb so geschätzt, weil sie für distanzierten und dennoch engagierten Journalismus steht. Das Blatt verzichtet auf spektakuläre Schlagzeilen und beteiligt sich nicht an windigen Kampagnen. Seine Leser würdigen den tiefen Gedanken mehr als den flachen, flinken Effekt. Die Zeitung erfüllt diese Erwartung. Sie hat es geschafft, sich zum Inbegriff der Seriosität zu entwickeln.

Umso deutlicher fällt auf, wenn sie diesem Anspruch einmal nicht gerecht wird. Das geschah erst kürzlich mit dem Interview, das ihr Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit dem Ex-Verteidigungsminister und Plagiator zu Guttenberg führte.

Dass die Zeit ihm die Möglichkeit bot, sie für seine Rückkehr in die Politik zu benutzen, stieß bei vielen Lesern und wohl auch in der Redaktion auf großes Unverständnis. Dass der Abdruck des Interviews in der Zeit wie eine Werbung für das zeitgleich erschienene Interview-Buch wirkte, verstärkte den Unmut noch.

Der Guttenberg-Skandal hatte seriösen Blättern die Möglichkeit eröffnet, das eigene Ansehen zu mehren. Vor allem die FAZ nutzte diese Chance. Sie stemmte sich der Guttenberg-Hysterie entgegen und arbeitete alle Aspekte des Skandals vorbildlich heraus. Schon damals fiel auf, dass der Chefredakteur der Zeit Guttenberg trotz seiner Verfehlungen nicht so recht abschreiben wollte. Das große Guttenberg-Interview schien Fortsetzung und Zuspitzung dieser Einstellung zu Guttenberg zu sein. Schon damals stellte sich mancher die Frage, wie lange sich di Lorenzo als Chefredakteur halten könne.

Diese Frage verschärft sich, seit die taz jüngst von einem sonderbaren Zusammenspiel zwischen di Lorenzo und Bild-Chef Kai Diekmann berichtete. 2005 soll der Bild-Chef bei di Lorenzo interveniert haben. Diekmann beanstandete, dass in einem Bericht der Zeit über eine Studie zum Journalismus in Deutschland sein Name in einem angeblich falschen Zusammenhang erschien. Der Chefredakteur der Zeit gab dem „lieben Kai“ beflissen Recht und veranlasste, dass der Name Diekmann aus den entsprechenden Absätzen des Artikels gelöscht wurde. (1)

Abgesehen davon, dass die taz nun Diekmann als den wahren Wulff entlarvt. Sie stellt auch di Lorenzo in den Regen. Doch während Diekmann den Mut fand, Wulffs Eingriff abzuwehren, brachte di Lorenzo nicht die Courage auf, Diekmanns Intervention zurückzuweisen. Er gab ihr nach.

Ich möchte gar nicht wissen, wie oft so etwas bei der Zeit – und anderen Zeitungen – passiert.
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1. taz – Steffen Grimberg: „Bild“-Chef verhinderte Berichterstattung – Als Diekmann noch wie Wulff war, 15.1.2012

 

 

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