Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Letzte Kommentare

Nebenbei

  • Kühnert: Endlich gesichert

    Deutschland kann aufatmen. Juso-Chef Kühnert geht ernsthaft daran, seine materielle Existenz zu sichern. Der 31-Jährige hat weder Studienabschluss noch Beruf vorzuweisen. Die Gefahr, auf Hartz IV zurückzufallen, scheint nun aber gebannt. Kühnert macht aus der Not eine Tugend. Er bewirbt sich um einen Job, für den es keine Qualifikation braucht: um ein Bundestagsmandat. Er will es über den Wahlkreis Berlin-Tempelhof-Schöneberg gewinnen. Dort kandidierte für die SPD bisher die Abgeordnete Rawert. 2005 gewann sie den Wahlkreis direkt. 2009 und 2013 scheiterte sie. Dennoch kam sie in den Bundestag, über die Reserveliste. 2017 klappte es über diesen Umweg nicht mehr. Ihr Listenplatz zog nicht. Seit 2009 gewinnt der CDU-Politiker Luczak das Direktmandat. Selbst wenn Kühnert es verfehlen sollte, muss sich niemand um ihn sorgen. Die SPD wird ihm einen sicheren Platz auf der Reserveliste verschaffen, damit er in den Bundestag einziehen kann. Dort wird ihn der linke Flügel der SPD-Fraktion freudig begrüßen. Die Freude auf dem rechten Flügel wird sich in Grenzen halten. Die Berichterstatter können sich die Hände reiben. Kühnert wird ihnen viel Stoff liefern. Für ihn wird dann die gemütliche Zeit enden, in der er weitgehend unbelästigt im Hintergrund Strippen ziehen konnte. Er steht dann auf der Bühne. Wie viele in der Republik warten auf diesen Moment? Wie viele wetzen wohl heute schon ihre Messer? – In den drei Jahren als Juso-Chef sackte die SPD auch dank seiner Aktivitäten von 20,5 Prozent auf 14 Prozent ab. Verstärkt er seine Bemühungen vom Bundestag aus, hat die Partei gute Chancen, unter die Zehn-Prozent-Marke zu fallen. Um wieder an und über die aktuellen 14 Prozent zu kommen, wird die SPD dann mit der Linken fusionieren müssen. Mit Kühnert an der Spitze dürfte das kein Problem sein. – Ulrich Horn

Röttgens NRW-CDU: Trübe Aussichten

Montag, 2. Januar 2012

Politik

(uh) Seit eineinhalb Jahren wird NRW von einer rot-grünen Minderheitskoalition regiert. Mit dürftigem Erfolg, wie ihr selbst Anhänger bescheinigen. Dennoch müssen sich die Minister und Abgeordneten der Koalitionsparteien nicht sorgen. Die NRW-CDU, die größte Oppositionspartei, ist nicht in der Lage, die Koalition zu kippen.

Der NRW-CDU fehlen die Voraussetzungen, um selbst eine so schwache Formation wie die Minderheitsregierung in Gefahr zu bringen.

Eines der schwerwiegendsten Defizite: Die NRW-CDU hat kein Geld, um einen Wahlkampf zu führen. Die Beitragseinnahmen sinken, weil die Partei Mitglieder verliert. Der Landesverband ist tief verschuldet. Er versucht, sich zu sanieren. Das wird noch einige Zeit dauern. Ein Wahlkampf bei Neuwahlen würde die Finanzen noch mehr schwächen, eine Wahlniederlage die Union sogar auf lange Zeit lähmen.

In der NRW-CDU gibt es noch genügend Politiker, die wissen, wie man eine Regierung und die Regierungsparteien aushebelt. Zweimalgelang es der Union, die NRW-SPD zu erschüttern. 1999 schlug die CDU die SPD bei der Kommunalwahl, 2005 dann auch bei der Landtagswahl. Fast hätte sie das schon 2000 geschafft. Damals rettete Kohls Spendenskandal und Rüttgers’ Missgriff „Kinder statt Inder“ die SPD vor der Niederlage.

Voraussetzung für die Erfolge der NRW-CDU war die enge Kooperation ihrer wichtigsten Politiker in Bund, Land und Kommunen. Rund ein Dutzend Eckleute auf den drei politischen Ebenen sorgten für koordiniertes Handeln.

Die Landesgruppe im Bundestag war geschlossen. Sie verpflichtete die andere Landesverbände und die Bundespartei, den Wahlkampf in NRW zu unterstützen. Auch die Landtagsfraktion und die Landespartei traten geschlossen auf und sorgten für eine reibungslose Kooperation mit der Bundespartei und den CDU-Kommunalpolitikern.

Von dieser Geschlossenheit ist die NRW-CDU weit entfernt. Beim Machtkampf zwischen Röttgen und Laschet um die Reste der Ära Rüttgers wurde deutlich, dass die NRW-CDU in zwei Lager zerfällt. Es gibt in der CDU niemanden, der beide Teile eint.

Mit Röttgens Wahl zum Landeschef entschied sich die Mehrheit in der Partei, die landespolitischen Ambitionen zurückzustellen und sich den Karriereinteressen ihres neuen Vorsitzenden zu unterwerfen. Röttgen sieht seine Zukunft in Berlin.

Er ist von dort aus nicht in der Lage, die CDU-Gruppen in Bund, Land und Kommunen auf das Ziel auszurichten, die Landesregierung zu Fall zu bringen. Bis heute hat er es nicht einmal geschafft, seinen Düsseldorfer Statthalter, Generalsekretär Wittke, über die Reserveliste in den Landtag zu bringen.

Der CDU-Fraktionschef Laumann verwaltet die Landtagsfraktion und ihr starkes Interesse, ohne Risiko bis zum Ende der Legislaturperiode Diäten zu kassieren. Die Fraktion auf den Sturz der Landesregierung vorzubereiten, ist Laumanns Sache nicht.

Landeschef Röttgen, der als geborener Spitzenkandidat die Landtagsfraktion auf sich einschwören müsste, steht für diese Arbeit in NRW nicht zur Verfügung. Er verfolgt in Berlin persönlichen Interessen. Er möchte wie manch anderer Merkels Kronprinz werden. Dieses Streben polarisiert die Bundes-CDU. Es verhindert, ihre ungeteilte Hilfe für die Eroberung von NRW zu gewinnen.

Oliver Wittke, der Generalsekretär der NRW-CDU, verschleißt sich als Handlanger, festgenagelt in der Düsseldorfer CDU-Landeszentrale. Ein General, der in der Etappe vor sich hin schmort, weil ihn Partei und Fraktion nicht an die Landtagsfront lassen.

Beim Machtkampf zwischen Röttgen und Laschet stand Wittke auf der Seite des Siegers. Doch sein Bezirksverband CDU Ruhr entschied sich für Laschet. Der Bezirkschef hatte in dieser wichtigen Personalfrage die Mehrheit seines Bezirks gegen sich, auch das ein Zeichen für die Schwäche der Partei und die Schwäche Wittkes. Er polarisiert selbst im eigenen Bezirk. Ihm ist kaum zuzutrauen, dass er an Röttgens Stelle die NRW-CDU einen kann.

Wenn die Landespartei ernsthaft daran ginge, die SPD bei der Landtagswahl 2015 zu kippen, müsste sie jetzt mit den Vorbereitungen beginnen. Davon ist weit und breit nichts zu sehen. Röttgen beschränkt sich darauf, ein paar alte Zöpfe abzuschneiden, etwa in der Schulpolitik. Doch auch das geht nicht ohne Polarisierung ab.

Und so richtet sich die NRW-CDU allmählich darauf ein, zwei Legislaturperioden in der Opposition bleiben. Zum Wahlkampf 2020 werden die Politiker, die heute die NRW-CDU prägen, verschlissen oder pensioniert sein. Sie sind Politiker des Übergangs.

Die jungen Leute zwischen 30 und 35 in der NRW-CDU dürften heute schon anfangen zu überlegen, wie sie die Partei 2020 in NRW regierungsfähig machen können.

 

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Ein Kommentar zu “Röttgens NRW-CDU: Trübe Aussichten”

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.