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Nebenbei

  • Wie befreit aufgespielt

    Hoeneß ist wieder da, und schon ist alles beim Alten. So lange er für einige Monate weggeschlossen war, führte sich der FCB halbwegs anständig auf. Es wurde deutlich, was sein könnte, wenn nicht Hoeneß die Atmosphäre der Bundesliga prägte. Nun wiegelt der Mann, der wie ein Bullterrier agiert, wieder auf – und Rummenigge wieder ab. Die Arbeitsteilung klappt, als hätte Hoeneß nie eingesessen. Seine Hummels-Pöbelei zeigt, wie sehr der Druck, unter dem sein Verein steht, die Liga in Mitleidenschaft zieht. Der FCB ist zwar ein reicher Club. Englische Konkurrenten verfügen aber über mehr Mittel. Ändern sich die Verhältnisse nicht, wird es der FCB bald sehr schwer haben, sich so zu verstärken, dass er auf Dauer mithalten kann. Sogar in der Bundesliga ist seine Dominanz schon bedroht. Er hat Mühe, sich Dortmund vom Hals zu halten. Um erfolgreich zu bleiben, muss er Einnahmen generieren – über die Bundesliga und die Champions League hinaus. Nötiger als seine Wettbewerber braucht er Titel, möglichst viele, allen voran nationale. Dass er fast jedes Jahr deutscher Meister wird, ist die Basis seines wirtschaftlichen Erfolges. Um ihn zu stabilisieren, tut er alles, auf dem Platz und neben ihm. Er muss nicht nur stärker sein als nationale Konkurrenten. Er muss sie auch schwächen, sie in Unruhe versetzen, ihnen die besten Spieler abkaufen. Fußballerfolg hängt am Geld. Hoeneß war einer der ersten Funktionäre, der dieses Gesetz erkannte und nach ihm handelte. Beizukommen ist ihm und dem FCB nur, wenn man es besser macht als sie. Die Dortmunder versuchen es, die Schalker träumen davon. Sie haben nicht den Erfolg, sondern den Traum von ihm zum Daseinszweck ihres Vereins gemacht. Sie scheinen nicht zu begreifen, dass die Erfolge um Schalke so lange einen großen Bogen machen, wie der Verein auf einem Schuldenberg sitzt, der höher ist als jede Bergehalde im Revier. – Ulrich Horn

Neue Doktorarbeit für Guttenberg?

Sonntag, 11. September 2011

Medien

(uh) Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich abgesetzt. Ende August sei er samt Familie in die USA übergesiedelt, meldet der Spiegel. Das erfahren wir erst jetzt, zwei Wochen danach. Unfassbar. Früher konnte man sich darauf verlassen, dass die Medien und die Guttenbergs uns zeitnah auf dem Laufenden hielten. Und nun das. Ein mediales Desaster. Es wirft eine Reihe von Fragen auf.

Geheimniskrämerei

Die beiden dringlichsten: Haben die Medien das Interesse an den Guttenbergs verloren? Oder haben die Guttenbergs mit der Gewohnheit gebrochen, alle Welt an ihrem Dasein teilhaben zu lassen?

Lange Zeit hatte es sich vor allem die Bild-Zeitung zur Aufgabe gemacht, Guttenberg und seine Frau auf Schritt und Tritt zu begleiten. Dabei war das Blatt sehr erfolgreich. Es kann für sich in Anspruch nehmen, zu den wichtigsten Stiftern und Förderern des Guttenberg-Kultes zu gehören.

Doch jetzt hat uns Bild im Stich gelassen: Keine Foto-Strecke, die Stephanie zu Guttenberg beim Kofferpacken zeigt. Keine Aufnahmen, die Karl-Theodor beim Tragen der Umzugskisten präsentieren. Kein Video vom Abschied auf dem Flughafen, vom Winken am Eingang zum Flugzeug. Das alles haben die Guttenbergs ihrer Fan-Gemeinde vorenthalten. War der letzte Blick zurück traurig, zornig oder gar erleichtert? Wir wissen es nicht. Er bleibt undokumentiert. Die Fans müssen über diese Geheimniskrämerei bestürzt sein.

Treuebekundungen

Dass der Bild-Zeitung die Abreise entgangen sein soll, mag man kaum glauben. Eher schon die Vermutung, Bild habe sich zurückgehalten, weil die Guttenbergs das so wollten. Vielleicht wollen sie sich aus der Öffentlichkeit verabschieden. Vorerst. Die Neugier der Fans würde von Monat zu Monat, vielleicht sogar von Jahr zu Jahr wachsen. Die Rückkehr der Familie könnte dann zu einem besonders großen Medienereignis werden, bei dem auch Bild sicher wieder in vorderster Front eine tragende Rolle spielen dürfte.

Die CSU jedenfalls hält Guttenberg nach wie vor demonstrativ alle Türen für eine Rückkehr offen. Doch diesen Treuebekundungen darf man nicht uneingeschränkt trauen. Skepsis bleibt angebracht. Schließlich gibt es diesen alten politischen Trick, etwas zu beteuern, obwohl das Gegenteil betrieben wird. Wir erinnern uns an Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Informationslücke

Wir müssen zur Kenntnis nehmen: Längst nicht alle Kräfte in der CSU und um sie herum sind Guttenberg-Fans. Das Magazin Focus, das in München erscheint und sich im CSU-Milieu auskennt, zeigt sich jedenfalls reserviert. Guttenberg habe sich „still und heimlich aus Deutschland gestohlen“, nörgelt das Magazin. Den Zusatz „wie ein Tagedieb“ verkniff sich das Blatt.

Vieles ist bisher ungeklärt: In welchem Ort leben die Guttenbergs in den USA, wie leben sie dort? Und war tun sie dort? Dieser Mangel an Informationen ist bestürzend. Weder die Nachrichten-Magazine noch die Bunten Blätter noch die Boulevard-Blätter geben Auskunft.

Sollten sie sich erfolglos bemüht haben, diese Lücke zu schließen, würfe das ein schlechtes Licht auf ihre Recherche-Qualitäten. Oder verschweigen sie ihr Wissen in Übereinkunft mit den Guttenbergs? Wäre das Unterdrückung von Nachrichten? Theoretisch möglich, aber eigentlich undenkbar wäre auch, dass die Medien die Umstände, unter denen die Guttenbergs in den USA leben, gar nicht so interessant finden, also die Guttenberg schlicht abgehakt haben. Das müsste dann aber seine Fans auf den Plan rufen. Man wird sehen, ob sie sich demnächst rühren.

Zur Bewährung verbannt

Rührig war in den vergangenen Wochen jedenfalls Guttenbergs Vater Enoch. Mehrfach hat er sich öffentlich geäußert. Aus seinen Bemerkungen kann man schließen, dass er seinem Sohn kräftig den Kopf gewachsen hat. Fast könnte man glauben, er habe seinen Sohn zur Bewährung in die USA verbannt. Guttenberg Senior ist offenbar der Ansicht, sein Filius habe die Familienehre verletzt. Und müsse sie nun wieder herstellen. „Glaubwürdigkeit ist ein ganz großer Teil unserer Familie. Es ist an meinem Sohn, diese Glaubwürdigkeit, wie auch immer, wieder herzustellen. Das wird er hoffentlich schaffen“, sagt Vater Guttenberg.

Wie das gelingen soll, kann man bisher nicht erkennen. Was er angerichtet hat, kann Karl-Theodor nicht ungeschehen und auch nicht rückgängig machen. Bewähren kann er sich eigentlich nur durch dauerhaft vorbildlichen Lebenswandel. Dazu gehört sicher auch Zurückhaltung gegenüber den Medien und ernsthafte Arbeit. Vielleicht beginnt er ja als ersten Schritt damit, eine neue Doktorarbeit zu schreiben, diesmal mit Erkenntnissen, die er auf seinem Mist wachsen lässt, ganz ohne Copy und Paste.

 

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2 Kommentare zu “Neue Doktorarbeit für Guttenberg?”

  1. hobby-winfried sagt:

    Welcher Professor will mit so einem Doktoranden seinen Ruf aufs Spiel setzen?

  2. […] Neue Doktorarbeit für Guttenberg? Karl-Theodor hat sich abgesetzt. Ende August sei er samt Familie in die USA übergesiedelt … postvonhorn […]

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