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Nebenbei

  • Wem die „Straße“ nutzt

    Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

Neue Doktorarbeit für Guttenberg?

Sonntag, 11. September 2011

Medien

(uh) Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich abgesetzt. Ende August sei er samt Familie in die USA übergesiedelt, meldet der Spiegel. Das erfahren wir erst jetzt, zwei Wochen danach. Unfassbar. Früher konnte man sich darauf verlassen, dass die Medien und die Guttenbergs uns zeitnah auf dem Laufenden hielten. Und nun das. Ein mediales Desaster. Es wirft eine Reihe von Fragen auf.

Geheimniskrämerei

Die beiden dringlichsten: Haben die Medien das Interesse an den Guttenbergs verloren? Oder haben die Guttenbergs mit der Gewohnheit gebrochen, alle Welt an ihrem Dasein teilhaben zu lassen?

Lange Zeit hatte es sich vor allem die Bild-Zeitung zur Aufgabe gemacht, Guttenberg und seine Frau auf Schritt und Tritt zu begleiten. Dabei war das Blatt sehr erfolgreich. Es kann für sich in Anspruch nehmen, zu den wichtigsten Stiftern und Förderern des Guttenberg-Kultes zu gehören.

Doch jetzt hat uns Bild im Stich gelassen: Keine Foto-Strecke, die Stephanie zu Guttenberg beim Kofferpacken zeigt. Keine Aufnahmen, die Karl-Theodor beim Tragen der Umzugskisten präsentieren. Kein Video vom Abschied auf dem Flughafen, vom Winken am Eingang zum Flugzeug. Das alles haben die Guttenbergs ihrer Fan-Gemeinde vorenthalten. War der letzte Blick zurück traurig, zornig oder gar erleichtert? Wir wissen es nicht. Er bleibt undokumentiert. Die Fans müssen über diese Geheimniskrämerei bestürzt sein.

Treuebekundungen

Dass der Bild-Zeitung die Abreise entgangen sein soll, mag man kaum glauben. Eher schon die Vermutung, Bild habe sich zurückgehalten, weil die Guttenbergs das so wollten. Vielleicht wollen sie sich aus der Öffentlichkeit verabschieden. Vorerst. Die Neugier der Fans würde von Monat zu Monat, vielleicht sogar von Jahr zu Jahr wachsen. Die Rückkehr der Familie könnte dann zu einem besonders großen Medienereignis werden, bei dem auch Bild sicher wieder in vorderster Front eine tragende Rolle spielen dürfte.

Die CSU jedenfalls hält Guttenberg nach wie vor demonstrativ alle Türen für eine Rückkehr offen. Doch diesen Treuebekundungen darf man nicht uneingeschränkt trauen. Skepsis bleibt angebracht. Schließlich gibt es diesen alten politischen Trick, etwas zu beteuern, obwohl das Gegenteil betrieben wird. Wir erinnern uns an Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Informationslücke

Wir müssen zur Kenntnis nehmen: Längst nicht alle Kräfte in der CSU und um sie herum sind Guttenberg-Fans. Das Magazin Focus, das in München erscheint und sich im CSU-Milieu auskennt, zeigt sich jedenfalls reserviert. Guttenberg habe sich „still und heimlich aus Deutschland gestohlen“, nörgelt das Magazin. Den Zusatz „wie ein Tagedieb“ verkniff sich das Blatt.

Vieles ist bisher ungeklärt: In welchem Ort leben die Guttenbergs in den USA, wie leben sie dort? Und war tun sie dort? Dieser Mangel an Informationen ist bestürzend. Weder die Nachrichten-Magazine noch die Bunten Blätter noch die Boulevard-Blätter geben Auskunft.

Sollten sie sich erfolglos bemüht haben, diese Lücke zu schließen, würfe das ein schlechtes Licht auf ihre Recherche-Qualitäten. Oder verschweigen sie ihr Wissen in Übereinkunft mit den Guttenbergs? Wäre das Unterdrückung von Nachrichten? Theoretisch möglich, aber eigentlich undenkbar wäre auch, dass die Medien die Umstände, unter denen die Guttenbergs in den USA leben, gar nicht so interessant finden, also die Guttenberg schlicht abgehakt haben. Das müsste dann aber seine Fans auf den Plan rufen. Man wird sehen, ob sie sich demnächst rühren.

Zur Bewährung verbannt

Rührig war in den vergangenen Wochen jedenfalls Guttenbergs Vater Enoch. Mehrfach hat er sich öffentlich geäußert. Aus seinen Bemerkungen kann man schließen, dass er seinem Sohn kräftig den Kopf gewachsen hat. Fast könnte man glauben, er habe seinen Sohn zur Bewährung in die USA verbannt. Guttenberg Senior ist offenbar der Ansicht, sein Filius habe die Familienehre verletzt. Und müsse sie nun wieder herstellen. „Glaubwürdigkeit ist ein ganz großer Teil unserer Familie. Es ist an meinem Sohn, diese Glaubwürdigkeit, wie auch immer, wieder herzustellen. Das wird er hoffentlich schaffen“, sagt Vater Guttenberg.

Wie das gelingen soll, kann man bisher nicht erkennen. Was er angerichtet hat, kann Karl-Theodor nicht ungeschehen und auch nicht rückgängig machen. Bewähren kann er sich eigentlich nur durch dauerhaft vorbildlichen Lebenswandel. Dazu gehört sicher auch Zurückhaltung gegenüber den Medien und ernsthafte Arbeit. Vielleicht beginnt er ja als ersten Schritt damit, eine neue Doktorarbeit zu schreiben, diesmal mit Erkenntnissen, die er auf seinem Mist wachsen lässt, ganz ohne Copy und Paste.

 

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2 Kommentare zu “Neue Doktorarbeit für Guttenberg?”

  1. hobby-winfried sagt:

    Welcher Professor will mit so einem Doktoranden seinen Ruf aufs Spiel setzen?

  2. […] Neue Doktorarbeit für Guttenberg? Karl-Theodor hat sich abgesetzt. Ende August sei er samt Familie in die USA übergesiedelt … postvonhorn […]

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