Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Vorreiter Duisburg?

Mittwoch, 24. März 2010

Politik

(ho) Erstmals in NRW haben in einer Großstadt SPD, Grüne und Linke in einer zentralen kommunalen Frage zusammen gearbeitet. In Duisburg, mit rund 493.000 Einwohnern die fünftgrößte Kommune des Landes, verabschiedeten SPD, Grüne und Linke gemeinsam den neuen Haushalt der Stadt.

Das rot-rot-grüne Duisburger Bündnis setzte sich gegen CDU, FDP und DWG durch, deren Haushaltsentwurf damit abgeschmettert wurde. CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der sich in der vergangenen Amtzeit auf CDU, FDP und Grüne stützen konnte, muss mit einem rot-rot-grünen Haushalt regieren, falls ihn der Düsseldorfer Regierungspräsident in den nächsten Wochen genehmigt.

Keine eindeutige Absage an Rot-Rot-Grün

Sieben Wochen vor der Landtagswahl dürfte die neue Duisburger Kooperation die ohnehin schon hektische Diskussion um Koalitionen nach der Landtagswahl am 9. Mai weiter anheizen. Seit Monaten warnt die NRW-CDU vor einem rot-rot-grünen Bündnis in NRW, zeitweise derart penetrant, dass dies bei politischen Beobachtern bereits Überdruss erzeugte. Der NRW-Verfassungsschutz sieht bei der Linken Hinweise auf linksextremistische Bestrebungen und beobachtet die Partei.

Ungeachtet aller CDU-Attacken sprach sich die NRW-SPD bisher nicht eindeutig gegen ein Bündnis mit der Linken aus. Stattdessen betonte die SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft gebetsmühlenartig, die Linke sei derzeit nicht koalitions- und auch nicht regierungsfähig. Hinter dieser Position wurde bisher die Hoffnung der Sozialdemokraten vermutet, die SPD könne die Linke bei der NRW-Wahl aus dem Landtag heraushalten, um so gemeinsam mit den Grünen die Mehrheit zu erreichen.

Keine Berührungsängste

Andererseits machten führende Sozialdemokraten deutlich, dass sie keinerlei Berührungsängste mit der Linken haben. DGB-Landeschef Guntram Schneider, seit vielen Jahren Mitglied der SPD, trat mehrfach vor der Linken auf. Erst jüngst wurde bekannt, dass sich der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Jochen Ott mit der Landesvorsitzenden der Linken, Katharina Schwabedissen, traf. Dafür wurde Ott intern heftig kritisiert.

In Teilen der SPD wird ein Pakt mit der Linken als ausgesprochen gefährlich eingestuft. Dies könne die seit Jahren geschwächte SPD endgültig in den Untergang führen, befürchtet zum Beispiel der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi.

Einflussreiche Duisburger Abgeordnete

Die Duisburger SPD ist, zumindest was die Lage in dieser Stadt angeht, offensichtlich anderer Ansicht, wie sie es dort nun mit der rot-rot-grünen Kooperation über den Haushalt der Stadt dokumentiert. Landespolitisch bemerkenswert ist an der Duisburger Entscheidung auch der Umstand, dass in der Duisburger SPD-Spitze eine Reihe von einflussreichen SPD-Landespolitikern sitzt.

Chef des SPD-Unterbezirks ist der Landtagsabgeordnete Ralf Jäger, zugleich stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und ihr kommunalpolitischer Sprecher. Seine Stellvertreterin im Duisburger SPD-Vorstand ist die Landtagsabgeordnete Gisela Walsken, zugleich haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion.

Mit dem Landtagsabgeordneten Rainer Bischoff findet sich in Duisburgs SPD-Vorstand ein Spitzenvertreter der NRW-Gewerkschaften. Bischoff ist Vorsitzender der DGB-Region Niederrhein. Auch der Landtagsabgeordneter Sören Link gehört dem Duisburger SPD-Vorstand an. Link ist Mitglied der IG BCE, der man bisher keine Nähe zu den Linken nachsagen konnte.

Signal für die Zeit nach der Wahl

Der NRW-SPD dürfte es schwer fallen, die rot-rot-grüne Duisburger Kooperation als lokal und zeitlich begrenzte Ausnahme darzustellen. Die Duisburger Zusammenarbeit legt doch sehr stark die Vermutung nahe, sie könnte ein starkes Signal für die Zeit nach der Landtagswahl sein. Zumal die Linke seit einiger Zeit immer wieder betont, sie sei bereit, in NRW Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Schlagwörter: , , , , ,

8 Kommentare zu “Vorreiter Duisburg?”

  1. Udo sagt:

    Ist es nicht etwa unehrlich, im Auftakt des Artikel gleich von einer Koalition zu sprechen, wo doch noch nicht einmal eine Kooperation vertraglich vereinbart wurde? Ich finde schon.

  2. […] Rot-Rot-Grün: Vorreiter Duisburg? | Post von Horn – Duisburg wird als Vorreiter für eine eher unwahrscheinliche rot-rot-grüe Koaltion angesehen, ignoriert aber gleich im ersten Satz/Wort, dass es in Köln schon entsprechende Kooperationen gab/gibt. […]

    • Ulrich Horn sagt:

      zu Pottblog:[…] Rot-Rot-Grün: Vorreiter Duisburg? | Post von Horn – Duisburg wird als Vorreiter für eine eher unwahrscheinliche rot-rot-grüe Koaltion angesehen, ignoriert aber gleich im ersten Satz/Wort, dass es in Köln schon entsprechende Kooperationen gab/gibt. […]

      (uh) In Köln ist nach meinen Informationen in der vergangenen Ratsperiode kein einziger Haushalt mit den Stimmen nur von SPD, Grünen und Linken verabschiedet worden, wie es jetzt in Duisburg geschah. In soweit ist Duisburg ein bisher einmaliger Vorgang in NRW. Zwar haben die Linken in Köln in Einzelfragen mit SPD und Grünen gestimmt. Eine Kooperation zwischen SPD, Grünen und der Linken hat es jedoch in Köln, soweit ich weiß, nicht gegeben.

  3. […] NRW VI: Rot-Rot-Grüner Vorreiter Duisburg?…Post von Horn […]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.