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(uh) Der Bundestagswahlkampf hat begonnen, seit die SPD Peer Steinbrück vorzeitig zum Kanzlerkandidaten ausrief. Obwohl die Entscheidung längst gefallen war, ehe sie bekannt wurde, stand er ohne Wahlkampfteam da. Eine Fahrlässigkeit, die sich in der Honorar-Affäre übel auswirkte. Steinbrücks Bedarf an Beratung wird weiter wachsen – auch, weil der Wahlkampf einen Schwerpunkt in NRW haben wird.

(uh) Der Verlag Gruner + Jahr hat mit zwei Aktionen Geschichte geschrieben. Er veröffentlichte die sogenannten Hitler-Tagebücher, ein kaum fassbares journalistisches Debakel. Und es gelang ihm, dieses Desaster noch zu toppen. Er ruinierte seine angesehene Wirtschaftspresse. Er vernichtete damit viele Arbeitsplätze und viel Geld. Ein kaum fassbares unternehmerisches Debakel.

(uh) NRW-Ministerpräsidentin Kraft möchte sich stärker in die Bundespolitik einbringen. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende wird demnächst die Politik der SPD-Länder koordinieren. Die neue Aufgabe wird als Beleg für die große Macht gedeutet, die Kraft inzwischen errungen habe. Diese Schlussfolgerung ist ein Trugschluss.

(uh) Peer Steinbrück meint, es müsse langsam genug sein. Er habe zum Thema Honorare Versäumnisse und Fehler eingestanden. Nun sei es an der Zeit, sich den Problemen des Landes zuzuwenden. Der Wunsch ist verständlich. Erfüllen wird er sich wahrscheinlich nicht. Steinbrück ist für seine Partei zum Problem geworden. Das könnte, wenn es schlecht läuft, bis zum Wahltag so bleiben.

(uh) Der Kanzlerkandidat sollte der SPD nach Jahren des Siechtums unterhalb der 30 Prozent-Marke Auftrieb bringen. Das Ziel ist – vorerst – verfehlt. Statt die Partei zu beflügeln, wurde ihr Steinbrück zur Bürde. Die Diskussion um seine ungenügende Parlamentsarbeit, ausufernde Nebentätigkeit und sprudelnden Millionen-Einnahmen zeigt Wirkung.

(uh) Städte mit eigenen Stadtwerken schauen aufmerksam nach Bochum. Dort gibt es für Kommunalpolitiker eine Menge zu bestaunen. Sie können beobachten, wie sich die Spitzen einer eher unscheinbaren Stadt und ihrer Stadtwerke unmöglich machen und dabei auch noch den Wahlkampf der drittgrößten Exportnation ins Schlingern bringen.

(uh) Wahlkampf ist für Politiker ein Ausnahmezustand. Sie nehmen ihn wie eine Krise wahr. Oft genug geht es ums politische Überleben. Daher gilt Krisenmanagement als Königsdisziplin der Politik. Wer sie nicht beherrscht, hat schnell Probleme, den Kopf über Wasser zu halten. So wie derzeit SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück.

(uh) Eine der größten Herausforderungen für Politiker ist das Amt des Generalsekretärs. Es lockt mit den Vorteilen der Prominenz. Es beschert seinen Inhabern mehr Aufmerksamkeit als ihren Kollegen. Es kann die Inhaber aber auch bloßstellen. Die aktuellen Generalsekretäre schweben in dieser Gefahr.

(uh) Die Wahl Werner Müllers zum Chef der Essener RAG-Stiftung ist kein regionales Randereignis. Sie hat viele unterschiedliche Facetten, die über das Ruhrgebiet und NRW hinausragen. Eine der umstrittensten Personalien der letzten Jahre in Wirtschaft könnte sich am Ende noch als Vorbote der großen Koalition herausstellen, die nach der Bundestagswahl 2013 möglich ist.