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Nebenbei

  • Die Büttenredner der SPD

    Zum Wochenwechsel beschäftigte sich die Republik mit zwei lokalen Ereignissen – mit dem Karneval und der Hamburg-Wahl. Beide Veranstaltungen vermittelten sich wie üblich in großem Stil über die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Es war schwer zu unterscheiden, ob gerade der Karneval oder die Wahl übertragen wurde. Hamburgs SPD-Bürgermeister hörte gar nicht auf, das Wahlergebnis seiner Partei zu bejubeln, obwohl sie mit mehr als sechs Prozentpunkten den höchsten Verlust aller Parteien erlitt. Die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans übertrafen den Bürgermeister noch. Sie beschränkten sich nicht darauf, das magere Ergebnis als Erfolg zu feiern. Sie beanspruchten auch, ihn mitbewirkt zu haben. Dabei weiß die ganze Republik: Hamburgs SPD hatte sich verbeten, dass Esken und Walter-Borjans im Wahlkampf auftraten. Die beiden SPD-Chefs sind schließlich angetreten, gerade jene politische Richtung in der SPD zu bekämpfen, deren Hamburger Wahlergebnis sie nun in den Wahlsendungen feierten und sogar für sich reklamierten. Wie viele Zuschauer fühlten sich wohl von den beiden SPD-Chefs belogen? Wie vielen vermittelten Esken und Walter-Borjans wohl, dass man auf das Wort von Politikern und auf ihres im Besonderen nichts geben kann? Für alle anderen machten sich Esken und Walter-Borjans über die Hamburg-Wahl zu Narren. Viele Zuschauer werden ihre Stellungnahmen als Büttenreden verstanden haben. Kürzlich war zu lesen, Walter-Borjans erwäge, zur Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat anzutreten. Seine Wahlkampfbotschaft und sein Wahlslogan dürften schon feststehen: SPD alaaf, SPD helau. – Ulrich Horn

Eine Kernfrage für Europas Zukunft

Wie viele Klosorten braucht Deutschland?

Donnerstag, 7. März 2019

Politik

Darf CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer als Karnevalistin auftreten? Darf sie sich in dieser Rolle über Minderheiten lustig machen? Sind die Intersexuellen eine Minderheit? Hat sich die CDU-Chefin über sie lustig gemacht? Womöglich sogar über die viel größere Minderheit der Männer? War ihr Karnevalsauftritt geschmacklos? Was hat Karneval mit Geschmack zu tun?

Die Vielfalt der Menschheit

Wer darf im Karneval durch den Kakao gezogen werden und wer nicht? Sind die Proteste gegen Kramp-Karrenbauer Ausdruck mangelnden Karnevalistentums? Oder des Strebens nach mehr Anstand im Karneval? Oder der parteIpolitischen Konkurrenz im Wahljahr 2019? Oder des Bemühens, sich bei der Minderheit der LGBTIQ* einzuschleimen?

Ist der grüne Bundestagsabgeordnete Lehmann, der Kramp-Karrenbauer einen langen Beschwerdebrief schrieb und von ihr eine Entschuldigung fordert, tatsächlich Rheinländer? Werden die Grünen eine Koalition mit der Union ablehnen, wenn sich die CDU-Chefin nicht entschuldigt? Haben die Politiker und Medien nichts Besseres zu tun, als sich über einen Karnevalsauftritt auszulassen?

Fragen über Fragen, die nach Antworten suchen. Erinnern wir uns: Ausgangspunkt des Theaters war die Klo-Frage. Die Spezies Mensch bestehe nicht nur aus Mann und Frau, sondern aus „geschlechtlicher Vielfalt“, belehrt Lehmann die CDU-Chefin.

Mangelndes Problembewusstsein

Seine Feststellung führt zur Frage aller Fragen: Wie viele Klosorten brauchen Deutschland und der Rest der Welt, um der „geschlechtlichen Vielfalt“ gerecht zu werden? Drei, vier, fünf oder mehr? Haben Deutschland und Europa noch eine Zukunft, wenn diese Frage unbeantwortet bleibt? Sie taucht unter den Aufgaben, die Frankreichs Präsident Macron in seinem jüngsten Brief zur Erneuerung Europas auflistet, gar nicht auf. Mangelt es ihm am Problembewusstsein?

Lehmanns Problem mit der CDU-Chefin ließe sich leicht lösen. Er sollte sich dafür einsetzen, die Klosorten zu reduzieren, statt sie immer weiter auszudifferenzieren. Anstelle der Damen-, der Herren- und der Intersexuellenklos sollte es nur noch Unisexklos geben, wie im Flugzeug und im Zug: Ein Klo für alle, für die gesamte Spezies Mensch. Für die Grünen sollte der Verlust des Urinals kein Problem sein: Selbst ihr Ex-NRW-Minister Vesper ist ein Sitzpinkler, wie der frühere RAG-Chef Müller 2005 bei Vespers Verabschiedung im Landtag unwidersprochen öffentlich bekannt machte.

Auch bei uns zu Hause gehen Männer, Frauen und der Rest der Spezies Mensch seit jeher auf ein und das gleiche Klo. Noch nie hat sich jemand darüber beschwert. Es hat sich auch noch nie jemand geweigert, unser Unisexklo zu benutzen. Soweit ist weiß, kehrten alle von dort erleichtert zurück. Ich wüsste zu gerne, wie viele Klosorten es daheim bei den Lehmanns gibt. – Ulrich Horn


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6 Kommentare zu “Wie viele Klosorten braucht Deutschland?”

  1. Ich schreibe Ihnen keinen langen Brief, sondern mache es kurz und knapp und fordere Sie zu einer Entschuldigung gegenüber dem Forum auf. Wie können Sie es wagen, diese für die überwiegende Mehrheit der Menschen in diesem Land so wichtige Frage hier so offensichtlich auf die leichte Schulter zu nehmen? Links-ökologische Themen sind einfach zu wichtig, als dass man sie nicht mit dem nötigen Ernst behandelt. Wo kommen wir da hin, wenn man Politikern oder Journalisten das durchgehen ließe? Also Entschuldigung oder es wird sich auch hier ein Shitstorm der Betroffenheitsjünger erheben, der sich gewaschen hat.
    Grüße aus der SBZ (SpaßBefreiteZone)

  2. Roland Appel sagt:

    Alles blubb und Sturm im Wasserglas man kann den etwas derben Scherz, – der natürlich auch auf Kosten der Transen ging, denn es werden ja keine dritten Toiletten aufgestellt – durchaus so verstehen, dass sie sich damit vor allem über die uneinsichtigen Stehpisser lustig macht. Ich fand was ganz anderes interessant: Da ist eine CDU-Vorsitzende, die es schafft, in ihrem Putzfrauenkostüm in eine ganz andere Rolle zu schlüpfen und zwar ohne, dass mein sensibler Opportunismusdetektor anschlägt oder der Beim-volk-anwanz-Alarm blinkt. Ich hab nur gedacht – ja, so is die halt und das macht die nicht zum erstenmal. Da muss sich Andrea Nahles warm anziehen, Olaf Scholz kommt da sowieso nicht gegen an und selbst das smarte Habeckchen könnte da auf Dauer zum Schwiegersohn verkümmern. AKK wird unterschätzt und das wird allen noch zu schaffen machen.

  3. Jochen sagt:

    Wenn es nur noch Sitzpinkler geben darf, müßten beim Oktoberfest und sonstigen Massenbesäufnissen die Toilettenanlagen schwer aufgerüstet werden, damit sich die Herren in angemessener Zeit im Sitzen erleichtern können.

  4. Horst sagt:

    Ich war SPD-Wähler und sympathisiere manchmal mit Positionen der Grünen. In diesem Fall bin ich allerdings komplett auf Ihrer Seite, werter Herr Horn!

  5. Markus sagt:

    Wenn ich mich recht erinnere, hat Trump auch deshalb die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen, weil er sich mehr um die Arbeiter im Rust Belt gekümmert hat und nicht wie die Clinton-Demokraten um die Transgender.

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