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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Der Geschichte schreibt

Samstag, 9. April 2016

Nebenbei

Seit Winfried Kretschmann begonnen hat, Geschichte zu schreiben, hört er nicht mehr damit auf. Zuerst wurde er zum ersten grünen Ministerpräsidenten. Dann machte er Baden-Württembergs Grüne mit 30,3 Prozent zur regionalen Volkspartei und auch zur stärksten Partei. Nun ist er auch noch – nach einer ZDF-Umfrage – zum beliebtesten Politiker Deutschlands aufgestiegen. Ist das von Bedeutung? Was sagt uns das? Denken wir diese Entwicklung einfach mal weiter. Vor allem der SPD müsste sie Sorgen bereiten. Was wäre denn, wenn Kretschmann bei der Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat der Grünen anträte? Für die SPD könnte sich dieser Schritt zur Katastrophe auswachsen. Schriebe Kretschmann auch als grüner Kanzlerkandidat Geschichte, müsste die SPD fürchten, im Bund zur dritten Kraft zu schrumpfen. Schwarz-Grün würde dann zur Großen Koalition. Es könnte beim Geschichteschreiben sogar noch doller kommen, auch für die CDU. Träfe Seehofers Prophezeiung ein und die Union fiele demnächst unter die 30-Prozent-Marke, könnte bei Kretschmanns Kandidatur die nächste Große Koalition sogar Grün-Schwarz sein, und am Kanzleramt müsste das Namensschild geändert werden. Statt der Kanzlerin gäbe es wieder einen Kanzler – namens Kretschmann. Und Seehofer könnte sagen, er habe doch richtig gelegen und rechtzeitig gewarnt. Schöne Aussichten wären das. Oder ein Albtraum? – Ulrich Horn

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7 Kommentare zu “Der Geschichte schreibt”

  1. Roland Appel sagt:

    Nette Phantasie, unrealistisch, aber sicher nicht die schlechteste. Ich finde, dass 15-25% AfD ein Albtraum sind. Aber nicht ein grüner Bundeskanzler.
    Die perverse Verschiebung der Werte hat schon mal einer angeprangert, der heute 90 wurde. Hugh Hefner, der Gründer des „Playboy“, mag ein alter Chauvi gewesen sein, aber er war Antirassist und stellte die richtige Frage, nämlich was das für eine Welt ist, in der Sexualität und Nacktheit tabuisiert wird, aber Krieg, Mord, Haß, Gewalt, Völkermord und religiöser Wahn als „normal“ gelten.

  2. Freifrau sagt:

    Nna also, für dieses Szenario ist Herr Kretschmann wohl doch schon zu alt. Außerdem müsste er wahrscheinlich die Grüne Partei dafür verlassen und als parteilos antreten. Wirklich Grüne Politik ist bundesweit weniger denn je gefragt. Das zeigt das Wahlergebnis der drei Landtagswahlen im März ja auch. Ihr naiver Kurs in Flüchtlingsfragen wird von den wenigsten Deutschen geteilt. Die Verbots- und Sanktionsansätze in Umweltfragen und die moralische Keule in allen Fragen der Sozialpolitik lassen den Normalbürger ratlos zurück. Es sollte der CDU gelingen, klar zu machen, welches Programm man sich mit Kretschmann antut. Außerdem: Ein so extrem behäbiger Typ mag im Ländle ja gut ankommen…aber ist das wirklich in ganz Deutschland so?

  3. Rainer Hertig sagt:

    • der SPD müsste • Was wäre • wenn Kretschmann anträte • Für die SPD könnte • Schriebe Kretschmann
    • müsste die SPD fürchten • Schwarz-Grün würde • Es könnte • Träfe Seehofers Prophezeiung ein
    • die Union fiele • könnte bei Kretschmanns Kandidatur • am Kanzleramt müsste • Seehofer könnte sagen • wären das • Schöne Aussichten wären das

    15 Konjunktive in ein paar nichts sagenden Sätzen – Chapeau! Ist das nicht ein bisschen happig für jemand, der als Journalist ernst genommen werden möchte? Die Bundespolitik ist ein paar Nummern zu groß, selbst im Landepolitik-Stiefel ist noch jede Menge Platz. Warum berichten Sie nicht über das, was Sie am besten können – über die Düsseldorfer Lokalpolitik?

    Schade um die kostbare Zeit …

    • Ulrich Horn sagt:

      Vielen Danke dafür, dass Sie dieses Blog so intensiv lesen und sich über seine bundes-, landes- und kommunalpolitischen Positionen Gedanken gemacht haben. Ich schätze engagierte Leser sehr.
      Im kritisierten Text gibt es einen Hinweis auf den Grad der Ernsthaftigkeit, mit der ihm der Leser begegnen möge. Der Hinweis ist Ihnen möglicherweise entgangen. Da heißt es:“Denken wir diese Entwicklung einfach mal weiter.“ Von hier ab ist nicht mehr von Fakten die Rede, sondern von (ziemlich unwahrscheinlichen, eher unernst gemeinten) Möglichkeiten, und die erfordern nun mal den Konjunktiv.

  4. Beate sagt:

    Kretschmann ist nur deshalb so groß, weil die anderen einen so schlechten Wahlkampf machen. Was wäre, wenn die Deutschen merkten, wer im Süden für die falschen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen verantwortlich ist? Würden die Kälber eine solche Petition unterstützen:
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    die Agenda 2010 vergiftet seit 12 Jahren das gesellschaftliche Leben in Deutschland. Das überraschende daran ist, dass es zu keinem Zeitpunkt zu Massenprotesten gekommen ist, obwohl es sehr vielen Menschen in Deutschland schlecht geht. Stattdessen hat sich in Deutschland ein Untertanengeist restauriert, der sich Entlastung dadurch sucht dass er sich gegen noch Schwächere richtet.
    Frau Merkel behauptet dass die Deutschen über ihren Verhältnissen leben:
    „Wenn Europa heute sieben Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, etwa 25 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet und damit 50 Prozent der weltweiten Sozialkosten finanzieren muss, dann ist es offensichtlich, dass es künftig sehr hart arbeiten muss, um seinen Wohlstand und Lebensstil zu erhalten. Wir alle müssen aufhören, jedes Jahr mehr auszugeben als wir einnehmen.“ (Angela Merkel in der Financial Times, Dezember 2013)
    Frau Merkel befördert durch ihre Wirtschaftspolitk den Rechtsextremismus und antidemokratische Tendenzen.
    Meine Petition:
    Die Löhne, Renten, Sozialleistungen und staatlichen Investitionen in Deutschland sind solange zu erhöhen, bis die Deutschen nicht mehr unter ihren Verhältnissen leben. Die Kaufkraft soll solange gesteigert werden, durch Stärkung der Gewerkschaften, schuldenfinanzierte Investitionen des Staates, Erhöhung des Mindestlohnes, der Renten, der Sozialleistungen, bis die Importe annähernd den Exporten entsprechen.
    Mit Beschämung nehme ich zur Kenntnis, dass Frau Merkel in der Türkei und Griechenland Gefangenenlager für Geflüchtete errichten ließ. Die Türkei ist ein Unrechtsstaat, mit dem man keine Geschäfte zu Lasten der Menschenrechte machen darf. Es ist beschämend, wie Griechenland durch diese Bundesregierung destablisiert wurde und dabei ist, ein Failed State zu werden, und das in Europa.
    Die AFD wurde nicht gewählt, um denen da oben einen Denkzettel zu verpassen, sondern denen, die unter einem in der Hierarchie stehen.
    Der Kampf gegen den Rassismus kann nur durch eine Demokratisierung der Schulen und Universitäten ihrer angemessenen Ausstattung, der Demokratisierung unserer Wirtschaft, der Stärkung der Arbeitnehmerrechte und die Rückbesinnung auf soziale Tugenden des Staates gewonnen werden.
    Woher kommt das ganze rassistische Gedankengut?
    Wer den Wettbewerbsstaat ausruft wie Frau Merkel, fördert den Rassismus und Rechtsextremismus.

  5. Ralle sagt:

    … Verblödung, grüner Größenwahn und Katholiken in einem völlig übersättigten Ländle – was will man dann noch erwarten, als das so ein „Roßtäuscher“ zum zukünftigen Heiland der genderisierten bunten Republik à la „Bonner Wasserwerk“ hochgejubelt wird! ;-(( vG Ralf
    P.S.: … und dann über Wahlerfolge von gegensätzlichen Strömungen (die ich auch nicht gutheiße) klagen!

  6. Martin Böttger sagt:

    Entscheidend ist, dass Kandidat/in, Programm und Organisation glaubwürdig zusammenpassen. Das ist dann nicht nur überzeugungsstark, sondern mobilisiert auch. Das stärkste Beispiel dieser Art war Willy Brandt 1972. Bei Kretschmann passte das in BaWü, auf Bundesebene aber würde es nicht funktionieren, da ist er eher ein personelles Kontrastmittel zu Programm und Organisation. Gabriel und die SPD personifizieren und sind beispielhaft für desaströses Scheitern, was dieses Zusammenpassen betrifft. Und auch was Wagenknecht und Lafontaine aktuell treiben, könnte für die Linkspartei kaum schlimmer und demobilisierender sein. Es läuft also alles gut für Merkel.

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