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Nebenbei

  • Auf Merz ist Verlass

    Eines muss man Friedrich Merz lassen: Auf ihn ist Verlass. Sobald es darauf ankommt, übermannen ihn Aussetzer. 2002 verlor er den Fraktionsvorsitz. Er kam nicht auf die Idee, sich die Hilfe von CSU-Chef Stoiber zu sichern. Wohl aber Merkel. Sie gab Stoiber für den Fraktionsvorsitz die Kanzlerkandidatur. Merz schaute in die Röhre. Als er 2018 gegen Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz kandidierte, vergaß er, Teile der Jungen Union an sich binden. Seine Kandidatenrede fanden selbst seine Fans miserabel. Die Konkurrentin gewann. Wieder schaute er in die Röhre. Derzeit kämpft er erneut um den CDU-Vorsitz, diesmal gegen Laschet und Röttgen. Was passiert? Er patzt. Er rückt Schwule in die Nähe von Pädophilen. Prompt steht er mitten im Shitstorm und als Mann von vorgestern da. Er hat gute Aussichten, bei der Wahl wieder in die Röhre zu schauen. Selbst seine Fans sollten inzwischen wissen: Merz tut nichts, wenn er handeln müsste. Er versagt, wenn er die richtigen Worte sprechen müsste. Er plappert drauf los, wenn er den Mund halten sollte. Man fragt sich: Wie kommen Leute in der CDU nur auf die Idee, ein Mann wie er, der noch nie ein Regierungsamt innehatte und im entscheidenden Moment zu versagen pflegt, könnte die Union hinter sich vereinen, Deutschland führen, Europa zusammenhalten, beide durch Krisen führen und sie zwischen China, Russland und den USA über Wasser halten? – Ulrich Horn

Unterirdisches TV

Montag, 18. August 2014

Nebenbei

Wen überrascht es, dass sich öffentlich-rechtliche TV-Anstalten zur Manipulation von Umfragen bekennen? Wache Zuschauer hätten merken können, dass die Umfragen nicht repräsentativ waren. Zur Einsicht, dass jede andere Art von Umfrage willkürlich ist, wäre es dann nicht mehr weit gewesen. Die Pseudo-Umfragen hätten gleich nach der Ausstrahlung kritisiert werden müssen. Doch Kritiker scheinen sich solche Sendungen gar nicht anzusehen. Und die Zuschauer?  Sie neigen dazu, großzügig zu sein. Diesen Umstand machen sich die Programmmacher zunutze. Sie können unverfroren agieren, weil sich die Zuschauer als Korrektiv nicht hinreichend einbringen (können). Zeitungen kann man abbestellen, TV-Sender nicht. Man kann sie meiden. Los wird man die öffentlich-rechtlichen Anstalten wegen der Zwangsgebühr nicht mehr. Daher können sie unverdrossen daran arbeiten, ihren Umgang mit Fakten neu zu gewichten. Keine ARD- und ZDF-Nachrichtensendung ohne den Hinweis auf die ausführlicheren Berichte auf der hauseigenen Internetseite. Die Nachrichtensendungen verkommen zum Hinweisgeber des Internet-Angebots. Es soll die Nachrichtensendungen ergänzen und nimmt ihnen doch nur ihr Gewicht. Sie wirken wie die Leicht-Version. Die ARD experimentiert obendrein mit einem seltsamen Sonderweg. Ihre Tagesthemen proben den Brückenschlag zum Unterhaltungsfach. Eine Moderatorin stieg kürzlich auf ihr Pult, um den Beitrag zum Tod eines Schauspielers zu moderieren. Wird sie demnächst unter das Pult kriechen, wenn sie einen Beitrag über den Gazastreifen ankündigen muss? – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Unterirdisches TV”

  1. Martin Böttger sagt:

    Ist das nun ein krimineller Betrug, wenn TV-Redaktionen Online-Votings nach eigenem Gutdünken korrigieren? Ja natürlich, kriminell vielleicht nicht, aber Betrug am Zuschauer auf jeden Fall. Allerdings habe ich mich schon vor Jahrzehnten dran gewöhnt. Als man als Jugendlicher in den 60er und 70er Jahren im Radio diverse “Hitparaden” hörte – und auch beim ZDF gab es natürlich eine – da wusste man ziemlich zügig, dass da nichts mit rechten Dingen zu ging.

    Meine Aufregung im aktuellen Fall ist eine andere. Die Dritten Programme der ARD haben von allen TV-Programmen das höchste Durschschnittsalter der Zuschauer. Und gleichzeitig immer dann, wenn keine WM oder EM ist, auch die höchsten Einschaltquoten von allen. Die Alten gehen einfach weniger aus dem Haus. Und sie sind viele. Und angeblich: eine nicht werberelevante Zielgruppe. Mit anderen Worten: Die gucken sowieso jeden Scheiß. Also kann man ihnen auch Scheiße vorsetzen. Wichtig ist nur, dass sie fast nichts kostet. So entstand die Idee dieser schon kabarettistisch anmutenden Ranking-Shows. Diese Verachtung dieser treudoofen Zuschauer ist mit das Widerwärtigste, was ich im TV-Business beobachte. Und das wird auch noch von uns allen bezahlt.

    Dieses Phänomen ist außerdem in meinen Augen die wirkungsvollste Sabotage, die man gegen das System öffentlich-rechtlicher Medien in unserer Gesellschaft ausüben kann. Ein Umsturzversuch von innen, im Kern verfassungswirdrig. Abmahnungen und Kündigungen sind daher das Mindeste – aber nicht nur gegen kleine RedakteurInnen. Das System stellt sich selbst infrage. Es kann wohl nur durch eine Revolution wirklich gerettet werden.

  2. Klaus sagt:

    Als beim ADAC die Teilnehmerzahlen zur Wahl der besten Autos geschönt wurden, gab es einen Skandal. Sondersendungen, Talkshows und Kommentare zu hauf. In eigener Sache wird dagegen schön alles unter den Teppich gekehrt, bisher konnte ich lediglich einen halbkritischen Beitrag bei Zapp im NDR dazu sehen.

  3. kuba4711 sagt:

    Unterirdisches TV scheint mir 30 Jahre nach George Orwells Roman 1984 die Untertreibung des Jahres zu sein. Die Berichterstattung der sog. öffentlich-rechtlichen Medien, nicht nur in Sachen manipulierter Umfragen, die sind doch nur die Spitze des Eisberges.
    Man denke doch nur an das Interview des Herrn Kleber während des heute-Journals in Sachen Ukraine-Krise und dem Verhältnis des Westens zu Rußland mit dem CEO von Siemens.
    Damals hat es Siemens nämlich gewagt, als deutscher Konzern mit Russland über mögliche Geschäfte zu sprechen. Damit hat offenbar der Siemens-Konzern die „political correctness“ der Atlantiker innerhalb und außerhalb der sog. öffentlich-rechtlichen Medien verletzt.
    Und Herr Kleber als „Prototyp des atlantisch-brain-gewashten“ sog. Journalisten durfte sich da nach aller Herzenslust als anglo-amerikanischer Polit-Rektalanalyst betätigen. Und dies auch noch mit meinem Gebühren-Beitrag bezahlt.
    Und derartiger sog. Journalismus aus dem Blickwinkel nicht-deutscher Interessenlagen, die wiederum scheint überwiegend die generelle Vorlage für die Berichterstattung der TV-Medien und der meisten anderen „Mainstream-Medien“ „in dieser unserer banana republika“ zu sein.
    George Orwells Roman 1984 und der dort beschriebene Zustand der Berichterstattung dort ist schon längst „embedded“.

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