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Nebenbei

  • Etwas wie ein Vogelschiss

    Die neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestages vereidigt. Zu diesem Zweck wurden die Abgeordneten aus dem Urlaub gerufen. Etliche, darunter die Fraktionschefs Lindner (FDP) und Weidel (AfD), beanstanden die Kosten der Aktion. Es soll sich um 100.000 Euro handeln. Keine Peanuts, aber doch so etwas wie ein Vogelschiss, diesmal ein echter. Wie teuer war eigentlich die Sondersitzung des Verkehrsausschusses, die ebenfalls am Mittwoch stattfand? Und wie teuer waren die Sitzungen der Ausschüsse für Auswärtiges und für Bildung, die am Dienstag tagten, auch er ein Ferientag? Wurde der Aufwand der Ausschüsse gegen den der Bundestagssondersitzung gegengerechnet? – Im Ernst: Wollen Lindner und Weidel sparen, sollten sie den Bundestag verkleinern. 709 Abgeordnete sind zu viele. Die Hinterbank des Parlaments wird von Wahl zu Wahl länger. Die Qualität im Parlament wächst nicht mit, siehe die Kritik an der Sondersitzung. Würde das Plenum nur um zehn Prozent schrumpfen, könnten nicht 100.000 Euro, sondern mehrere Millionen gespart werden, und das Jahr für Jahr. Lindner und Weidel sollten sich auch daranmachen, die Geldverbrennungsanlage Berliner Flughafen zu stoppen. Dort geht seit Langem Tag für Tag eine Million durch den Kamin. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dort wird unter den Augen von Lindner, Weidel und 707 weiteren Bundestagsabgeordneten allein an einem Tag Geld im Wert von zehn Sondersitzungen verschwendet. Es sieht nicht so aus, als seien die Abgeordneten dabei, diesen Missstand zu beheben. – Ulrich Horn

Unterirdisches TV

Montag, 18. August 2014

Nebenbei

Wen überrascht es, dass sich öffentlich-rechtliche TV-Anstalten zur Manipulation von Umfragen bekennen? Wache Zuschauer hätten merken können, dass die Umfragen nicht repräsentativ waren. Zur Einsicht, dass jede andere Art von Umfrage willkürlich ist, wäre es dann nicht mehr weit gewesen. Die Pseudo-Umfragen hätten gleich nach der Ausstrahlung kritisiert werden müssen. Doch Kritiker scheinen sich solche Sendungen gar nicht anzusehen. Und die Zuschauer?  Sie neigen dazu, großzügig zu sein. Diesen Umstand machen sich die Programmmacher zunutze. Sie können unverfroren agieren, weil sich die Zuschauer als Korrektiv nicht hinreichend einbringen (können). Zeitungen kann man abbestellen, TV-Sender nicht. Man kann sie meiden. Los wird man die öffentlich-rechtlichen Anstalten wegen der Zwangsgebühr nicht mehr. Daher können sie unverdrossen daran arbeiten, ihren Umgang mit Fakten neu zu gewichten. Keine ARD- und ZDF-Nachrichtensendung ohne den Hinweis auf die ausführlicheren Berichte auf der hauseigenen Internetseite. Die Nachrichtensendungen verkommen zum Hinweisgeber des Internet-Angebots. Es soll die Nachrichtensendungen ergänzen und nimmt ihnen doch nur ihr Gewicht. Sie wirken wie die Leicht-Version. Die ARD experimentiert obendrein mit einem seltsamen Sonderweg. Ihre Tagesthemen proben den Brückenschlag zum Unterhaltungsfach. Eine Moderatorin stieg kürzlich auf ihr Pult, um den Beitrag zum Tod eines Schauspielers zu moderieren. Wird sie demnächst unter das Pult kriechen, wenn sie einen Beitrag über den Gazastreifen ankündigen muss? – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Unterirdisches TV”

  1. Martin Böttger sagt:

    Ist das nun ein krimineller Betrug, wenn TV-Redaktionen Online-Votings nach eigenem Gutdünken korrigieren? Ja natürlich, kriminell vielleicht nicht, aber Betrug am Zuschauer auf jeden Fall. Allerdings habe ich mich schon vor Jahrzehnten dran gewöhnt. Als man als Jugendlicher in den 60er und 70er Jahren im Radio diverse “Hitparaden” hörte – und auch beim ZDF gab es natürlich eine – da wusste man ziemlich zügig, dass da nichts mit rechten Dingen zu ging.

    Meine Aufregung im aktuellen Fall ist eine andere. Die Dritten Programme der ARD haben von allen TV-Programmen das höchste Durschschnittsalter der Zuschauer. Und gleichzeitig immer dann, wenn keine WM oder EM ist, auch die höchsten Einschaltquoten von allen. Die Alten gehen einfach weniger aus dem Haus. Und sie sind viele. Und angeblich: eine nicht werberelevante Zielgruppe. Mit anderen Worten: Die gucken sowieso jeden Scheiß. Also kann man ihnen auch Scheiße vorsetzen. Wichtig ist nur, dass sie fast nichts kostet. So entstand die Idee dieser schon kabarettistisch anmutenden Ranking-Shows. Diese Verachtung dieser treudoofen Zuschauer ist mit das Widerwärtigste, was ich im TV-Business beobachte. Und das wird auch noch von uns allen bezahlt.

    Dieses Phänomen ist außerdem in meinen Augen die wirkungsvollste Sabotage, die man gegen das System öffentlich-rechtlicher Medien in unserer Gesellschaft ausüben kann. Ein Umsturzversuch von innen, im Kern verfassungswirdrig. Abmahnungen und Kündigungen sind daher das Mindeste – aber nicht nur gegen kleine RedakteurInnen. Das System stellt sich selbst infrage. Es kann wohl nur durch eine Revolution wirklich gerettet werden.

  2. Klaus sagt:

    Als beim ADAC die Teilnehmerzahlen zur Wahl der besten Autos geschönt wurden, gab es einen Skandal. Sondersendungen, Talkshows und Kommentare zu hauf. In eigener Sache wird dagegen schön alles unter den Teppich gekehrt, bisher konnte ich lediglich einen halbkritischen Beitrag bei Zapp im NDR dazu sehen.

  3. kuba4711 sagt:

    Unterirdisches TV scheint mir 30 Jahre nach George Orwells Roman 1984 die Untertreibung des Jahres zu sein. Die Berichterstattung der sog. öffentlich-rechtlichen Medien, nicht nur in Sachen manipulierter Umfragen, die sind doch nur die Spitze des Eisberges.
    Man denke doch nur an das Interview des Herrn Kleber während des heute-Journals in Sachen Ukraine-Krise und dem Verhältnis des Westens zu Rußland mit dem CEO von Siemens.
    Damals hat es Siemens nämlich gewagt, als deutscher Konzern mit Russland über mögliche Geschäfte zu sprechen. Damit hat offenbar der Siemens-Konzern die „political correctness“ der Atlantiker innerhalb und außerhalb der sog. öffentlich-rechtlichen Medien verletzt.
    Und Herr Kleber als „Prototyp des atlantisch-brain-gewashten“ sog. Journalisten durfte sich da nach aller Herzenslust als anglo-amerikanischer Polit-Rektalanalyst betätigen. Und dies auch noch mit meinem Gebühren-Beitrag bezahlt.
    Und derartiger sog. Journalismus aus dem Blickwinkel nicht-deutscher Interessenlagen, die wiederum scheint überwiegend die generelle Vorlage für die Berichterstattung der TV-Medien und der meisten anderen „Mainstream-Medien“ „in dieser unserer banana republika“ zu sein.
    George Orwells Roman 1984 und der dort beschriebene Zustand der Berichterstattung dort ist schon längst „embedded“.

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