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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Unterirdisches TV

Montag, 18. August 2014

Nebenbei

Wen überrascht es, dass sich öffentlich-rechtliche TV-Anstalten zur Manipulation von Umfragen bekennen? Wache Zuschauer hätten merken können, dass die Umfragen nicht repräsentativ waren. Zur Einsicht, dass jede andere Art von Umfrage willkürlich ist, wäre es dann nicht mehr weit gewesen. Die Pseudo-Umfragen hätten gleich nach der Ausstrahlung kritisiert werden müssen. Doch Kritiker scheinen sich solche Sendungen gar nicht anzusehen. Und die Zuschauer?  Sie neigen dazu, großzügig zu sein. Diesen Umstand machen sich die Programmmacher zunutze. Sie können unverfroren agieren, weil sich die Zuschauer als Korrektiv nicht hinreichend einbringen (können). Zeitungen kann man abbestellen, TV-Sender nicht. Man kann sie meiden. Los wird man die öffentlich-rechtlichen Anstalten wegen der Zwangsgebühr nicht mehr. Daher können sie unverdrossen daran arbeiten, ihren Umgang mit Fakten neu zu gewichten. Keine ARD- und ZDF-Nachrichtensendung ohne den Hinweis auf die ausführlicheren Berichte auf der hauseigenen Internetseite. Die Nachrichtensendungen verkommen zum Hinweisgeber des Internet-Angebots. Es soll die Nachrichtensendungen ergänzen und nimmt ihnen doch nur ihr Gewicht. Sie wirken wie die Leicht-Version. Die ARD experimentiert obendrein mit einem seltsamen Sonderweg. Ihre Tagesthemen proben den Brückenschlag zum Unterhaltungsfach. Eine Moderatorin stieg kürzlich auf ihr Pult, um den Beitrag zum Tod eines Schauspielers zu moderieren. Wird sie demnächst unter das Pult kriechen, wenn sie einen Beitrag über den Gazastreifen ankündigen muss? – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Unterirdisches TV”

  1. Martin Böttger sagt:

    Ist das nun ein krimineller Betrug, wenn TV-Redaktionen Online-Votings nach eigenem Gutdünken korrigieren? Ja natürlich, kriminell vielleicht nicht, aber Betrug am Zuschauer auf jeden Fall. Allerdings habe ich mich schon vor Jahrzehnten dran gewöhnt. Als man als Jugendlicher in den 60er und 70er Jahren im Radio diverse “Hitparaden” hörte – und auch beim ZDF gab es natürlich eine – da wusste man ziemlich zügig, dass da nichts mit rechten Dingen zu ging.

    Meine Aufregung im aktuellen Fall ist eine andere. Die Dritten Programme der ARD haben von allen TV-Programmen das höchste Durschschnittsalter der Zuschauer. Und gleichzeitig immer dann, wenn keine WM oder EM ist, auch die höchsten Einschaltquoten von allen. Die Alten gehen einfach weniger aus dem Haus. Und sie sind viele. Und angeblich: eine nicht werberelevante Zielgruppe. Mit anderen Worten: Die gucken sowieso jeden Scheiß. Also kann man ihnen auch Scheiße vorsetzen. Wichtig ist nur, dass sie fast nichts kostet. So entstand die Idee dieser schon kabarettistisch anmutenden Ranking-Shows. Diese Verachtung dieser treudoofen Zuschauer ist mit das Widerwärtigste, was ich im TV-Business beobachte. Und das wird auch noch von uns allen bezahlt.

    Dieses Phänomen ist außerdem in meinen Augen die wirkungsvollste Sabotage, die man gegen das System öffentlich-rechtlicher Medien in unserer Gesellschaft ausüben kann. Ein Umsturzversuch von innen, im Kern verfassungswirdrig. Abmahnungen und Kündigungen sind daher das Mindeste – aber nicht nur gegen kleine RedakteurInnen. Das System stellt sich selbst infrage. Es kann wohl nur durch eine Revolution wirklich gerettet werden.

  2. Klaus sagt:

    Als beim ADAC die Teilnehmerzahlen zur Wahl der besten Autos geschönt wurden, gab es einen Skandal. Sondersendungen, Talkshows und Kommentare zu hauf. In eigener Sache wird dagegen schön alles unter den Teppich gekehrt, bisher konnte ich lediglich einen halbkritischen Beitrag bei Zapp im NDR dazu sehen.

  3. kuba4711 sagt:

    Unterirdisches TV scheint mir 30 Jahre nach George Orwells Roman 1984 die Untertreibung des Jahres zu sein. Die Berichterstattung der sog. öffentlich-rechtlichen Medien, nicht nur in Sachen manipulierter Umfragen, die sind doch nur die Spitze des Eisberges.
    Man denke doch nur an das Interview des Herrn Kleber während des heute-Journals in Sachen Ukraine-Krise und dem Verhältnis des Westens zu Rußland mit dem CEO von Siemens.
    Damals hat es Siemens nämlich gewagt, als deutscher Konzern mit Russland über mögliche Geschäfte zu sprechen. Damit hat offenbar der Siemens-Konzern die „political correctness“ der Atlantiker innerhalb und außerhalb der sog. öffentlich-rechtlichen Medien verletzt.
    Und Herr Kleber als „Prototyp des atlantisch-brain-gewashten“ sog. Journalisten durfte sich da nach aller Herzenslust als anglo-amerikanischer Polit-Rektalanalyst betätigen. Und dies auch noch mit meinem Gebühren-Beitrag bezahlt.
    Und derartiger sog. Journalismus aus dem Blickwinkel nicht-deutscher Interessenlagen, die wiederum scheint überwiegend die generelle Vorlage für die Berichterstattung der TV-Medien und der meisten anderen „Mainstream-Medien“ „in dieser unserer banana republika“ zu sein.
    George Orwells Roman 1984 und der dort beschriebene Zustand der Berichterstattung dort ist schon längst „embedded“.

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