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Nebenbei

  • Söder und die Umfragen

    In repräsentativen Demokratien sollen die Abgeordneten und ihr Gewissen die Gemeinschaft vor schwankenden Stimmungen schützen. Dieses Prinzip steht unter Druck. Mit vielen Abgeordneten ist es nicht mehr weit her. Zudem hat sich die Stimmung in der Bevölkerung zu einer mächtigen Kraft entfaltet. Viele Abgeordnete mögen ihr nicht widerstehen. Viele nutzen sie auch, um ihre Interessen durchzusetzen. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Söder setzte darauf, dass sie ihn zum Kanzlerkandidaten der Union machen würde. Er mühte sich, in Umfragen zu reüssieren, und wurde zu einem Umfrageriesen. Er ging davon aus, dass er seinen CDU-Konkurrenten Laschet, einen Umfragezwerg, leicht aus dem Feld schlagen könne. Die Rechnung ging nicht auf. Laschet kandidierte. Er verlor. Hätten die Umfragen den Ausschlag gegeben, hätte Söder kandidieren müssen und ganz sicher gewonnen, behaupten er und seine Fans. Damals stand er in den Politiker-Rankings auf Platz 2 gleich hinter Merkel. Was es mit dem Gewicht der Umfragen auf sich hat, zeigt sich heute, drei Wochen nach der Wahl. Söder ist abgestürzt. Beim ZDF-Politbarometer rangiert er nur noch auf Platz 6, gerade noch knapp über der Nulllinie. Ginge es auch heute nach Umfragen, wie es Söder vor der Bundestagswahl wünschte, müsste er sich langsam darauf einrichten, sich vom Acker zu machen, damit bei der Bayernwahl 2023 ein beliebterer CSU-Politiker versuchen kann, die CSU vor dem Fall in die Opposition zu bewahren. Wetten, dass Söder auf Umfragewerte derzeit gar nichts mehr gibt? – Ulrich Horn

Ein vernünftiger Papst

Freitag, 25. Oktober 2013

Nebenbei

(uh) Papst Franziskus bestätigt den guten Eindruck, den er seit seiner Wahl hinterlässt, auch in heiklen Situationen. Viele Menschen erwarteten, er würden den Limburger Bischof Tebartz-van Elst absetzen, dem Prunksucht, Verschwendung und Falschaussage vorgeworfen wird. Der Papst erfüllt diese Erwartungen nicht. Nun sind viele überrascht und enttäuscht. Das wiederum ist das eigentlich Überraschende und Enttäuschende. Die Überraschten und Enttäuschten sind offenbar der Ansicht, einem Papst – quasi als höchster Instanz – stehe es zu, selbstherrlich und selbstgerecht zu urteilen. Franziskus teilt dieses Amtsverständnis offenbar nicht. Gott sei Dank, kann man nur sagen. Auch in dieser Hinsicht verhält sich er sich angemessen. Er suspendiert den umstrittenen Bischof und wartet die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und der Bischofs-Kommission ab, die ermitteln soll, was es mit den Limburger Baukosten auf sich hat. Der Papst tut das Selbstverständliche, das offenbar nicht mehr als selbstverständlich gilt: Er prüft, ehe er handelt. Er agiert sich nicht klug oder gar weise, sondern vernünftig. Der Fall Tebartz-van Elst muss sauber aufgearbeitet werden. Alle Fakten müssen auf den Tisch. Erst dann können Konsequenzen gezogen werden, um den Schaden zu heilen, der in Limburg entstand. Es wäre zu wünschen, die Kirche handelte bei ihren anderen, weit schlimmeren Skandalen ähnlich besonnen. Man darf hoffen. Franziskus ist ja erst ein paar Monate im Amt.

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4 Kommentare zu “Ein vernünftiger Papst”

  1. dr.pingel sagt:

    In der Rechtsprechung gibt es den Begriff „schlüssige Handlung“. Der wird angewandt, wenn eine Verkäuferin einen Pfandbon stiehlt oder nach Ladenschluss einem Obdachlosen ein Brötchen schenkt, das sonst im Müll landet. Da wird nicht geprüft, sondern entlassen. Das Brötchen hier ist 31 Mio teuer und steht da: Eine Unschuld des Bischofs kann da doch nicht mehr herauskommen! Die Untersuchung kann doch nur noch ergeben, dass da noch mehr Leute entlassen werden müssen.

  2. flurdab sagt:

    Ja, der Papst macht Mut und Hoffnung.

    Im Übrigen hat der Bischof das Geld nicht veruntreut oder sich auf kriminelle Art beschafft. Es stand ihm zur Verfügung. Ob dies sinnvoll oder adäquat ist oder war, muss innerhalb der katholischen Kirche geklärt werden.

    Aufregen über Verschwendung und Korruption kann man sich als Steuerzahler in Deutschland an vielen Orten und Objekten.
    Dort ist es auch angebracht.
    Bei Belangen einer Institution, die ihr eigenes Recht pflegt, ist diese unangebracht.

  3. Arnold Voss sagt:

    Ein Gerechter in den Mauern der Institution, die „ihr eigenes Recht“ so „pflegt“, dass dort bis heute, trotz vielfach nachgewiesenem Kindesmissbrauchs, keiner der Täter angemessen zur Rechenschaft gezogen worden ist? Gäbe es einen Gott, man würde ihn im gesamten Universum lauthals lachen hören.

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