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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Problemhaus wird Duisburgs Eiffelturm

Das Elend schafft sich ein Wahrzeichen

Mittwoch, 4. September 2013

Politik

(uh) Ignoranz findet man in vielen Städten, mal mehr, mal weniger. In Duisburg eher mehr. Die Stadt setzt ihrer Ignoranz sogar ein Denkmal: Längst hat sie ihr Problemhaus deutschland- und sogar europaweit bekannt gemacht. Es fehlt nicht viel, dann wird das Haus mit Touristen-Attraktionen wie dem Eiffelturm oder dem Kölner Dom in der ersten Reihe der Wahrzeichen stehen.

Fast ohne jeden Handschlag

Mitten im Wohlstandszentrum Deutschland ein Hort tiefsten Elends – das Problemhaus in Duisburg, ein Symbol mit Perspektive. Es hat das Zeug zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Stadt verhält sich, als wolle sie seinen schrecklichen Zustand zur Sehenswürdigkeit entwickeln. Schon heute lockt es Neugierige an, erstes Anzeichen seiner Stadttourismus-Tauglichkeit. Einkaufszentren, Hotels und Gaststätten könnten profitieren. Geld könnte nach Duisburg fließen, auch in den leeren Stadtsäckel. Populär genug ist das Problemhaus längst.

Wie hat Duisburg das nur hingekriegt? Wie diese Stadt das halt so macht – fast ohne jeden Handschlag. Sie weiß nicht, wie viele Menschen im Problemhaus leben. Es soll überfüllt sein. Etwa 1400 Roma sollen sich dort drängen. Die Stadt will es wohl gar nicht so genau wissen. Wüsste sie es, könnte jemand auf die Idee kommen zu verlangen, sie müsse eingreifen, die Probleme mildern und lösen. Das könnte dem abträglichen Ruf des Problemhauses schaden. Einer solchen Entwicklung steuert die Stadt seit Jahren stoisch entgegen.

Ghetto- und Favela-Charakter

Sie stellt zu wenige Mülltonnen auf, damit das Viertel schön zugemüllt wird. Sie kümmert sich nicht um die Frauen, die dort der Prostitution nachgehen. Sie schreitet nicht gegen den Arbeitsstrich ein. Sie stellt nicht sicher, dass die Kinder zur Schule gehen. Die Kriminalität erreicht Rekordzahlen. Bei der Gesundheitsbetreuung der Bewohner gibt es Defizite. Der Stadtteil kommt herunter. Die Stadt nährt den Eindruck, alles zu unterlassen, was den Ghetto- und Favela-Charakter ihres Problemhauses und seines Viertels nachhaltig beschädigen könnte.

Duisburgs SPD-Oberbürgermeister Link vermarktet das Ergebnis seiner Untätigkeit beim Problemhaus in Talkshows wie eine Attraktion. Dabei hängt das Haus der ganzen Stadt, dem Ruhrgebiet und Land NRW inzwischen ähnlich an wie die Katastrophe bei der Loveparade. Das Haus widerlegt das Motto der Ministerpräsidentin Kraft, kein Kind in NRW werde zurückgelassen. Fremdenfeindlichkeit nimmt zu. Wie zu erwarten war, zieht die Untätigkeit der Stadt rund um das Haus inzwischen Rechts- und Linksradikale an. Allmählich entwickelt sich dort sogar so etwas wie ein Event- und Abenteuerprogramm.

Zum Betteln verkommen

Vor dem Haus können Touristen zuschauen, wie sich Demonstranten und Gegendemonstranten prügeln. Duisburgs SPD-Chef, NRW-Innenminister Jäger, fordert die Bürger auf, Flagge zu zeigen und sich einzumischen. Fehlt nur noch, dass Duisburgs Stadtwerke am Problemhaus Fan-Läden eröffnen, die Schutzhelme, Verbandskästen, Transparente und Winkelemente wie Souvenirs verkaufen, und SEK-Beamte durch das Innere des Problemhauses Führungen organisieren.

Von SPD-Oberbürgermeister Link ist bisher nur zu hören, wie er ständig  den Bund um Subventionen anbettelt. Man könnte meinen, die Stadt unterlasse es, beim Problemhaus tätig zu werden, um mit dem wachsenden Elend Druck auf den Bund auszuüben. Eine Idee gegen die Probleme? Ein Konzept? Fahrkarte. In Duisburg ist Lokalpolitik zum Betteln verkommen. Man sollte sich nicht wundern, wenn Link demnächst bei „Brot für die Welt“ und Miserior“ um Hilfe nachsucht. Von Duisburg bis Nideggen ist es nicht weit.


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2 Kommentare zu “Das Elend schafft sich ein Wahrzeichen”

  1. […] Duisburg: Das Elend schafft sich ein Wahrzeichen…Post von Horn […]

  2. Man weiß ja nicht, ob der Stadt einfach jegliche finanziellen Mittel für all die Dinge fehlen, die du aufgezählt hast … ist es wirklich so, das er in Talkshows davon prahlt ?

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