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Nebenbei

  • Söder und die Umfragen

    In repräsentativen Demokratien sollen die Abgeordneten und ihr Gewissen die Gemeinschaft vor schwankenden Stimmungen schützen. Dieses Prinzip steht unter Druck. Mit vielen Abgeordneten ist es nicht mehr weit her. Zudem hat sich die Stimmung in der Bevölkerung zu einer mächtigen Kraft entfaltet. Viele Abgeordnete mögen ihr nicht widerstehen. Viele nutzen sie auch, um ihre Interessen durchzusetzen. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Söder setzte darauf, dass sie ihn zum Kanzlerkandidaten der Union machen würde. Er mühte sich, in Umfragen zu reüssieren, und wurde zu einem Umfrageriesen. Er ging davon aus, dass er seinen CDU-Konkurrenten Laschet, einen Umfragezwerg, leicht aus dem Feld schlagen könne. Die Rechnung ging nicht auf. Laschet kandidierte. Er verlor. Hätten die Umfragen den Ausschlag gegeben, hätte Söder kandidieren müssen und ganz sicher gewonnen, behaupten er und seine Fans. Damals stand er in den Politiker-Rankings auf Platz 2 gleich hinter Merkel. Was es mit dem Gewicht der Umfragen auf sich hat, zeigt sich heute, drei Wochen nach der Wahl. Söder ist abgestürzt. Beim ZDF-Politbarometer rangiert er nur noch auf Platz 6, gerade noch knapp über der Nulllinie. Ginge es auch heute nach Umfragen, wie es Söder vor der Bundestagswahl wünschte, müsste er sich langsam darauf einrichten, sich vom Acker zu machen, damit bei der Bayernwahl 2023 ein beliebterer CSU-Politiker versuchen kann, die CSU vor dem Fall in die Opposition zu bewahren. Wetten, dass Söder auf Umfragewerte derzeit gar nichts mehr gibt? – Ulrich Horn

Eigentlich nicht der Rede wert

Montag, 2. September 2013

Politik

(uh) Die TV-Anstalten machten großen Wirbel um das Duell der Kanzlerkandidaten. Die Medien drehten sich kräftig mit. Viel haften bleibt von ihm nicht. Als Ersatz für den Sonntagabend-Tatort war es unbrauchbar. Im Grunde ist es nicht der Rede wert.

Exzellenter Referent

Die Anstalten stilisierten es als Steinbrücks letzte Chance, den verpfuschten Wahlkampf umzubiegen. Das war hoch gestapelt. Seit Monaten feuert die SPD Startschüsse zur Aufholjagd ab. Stets blieb die Partei in den Startblöcken sitzen. Schießen diesmal ihre Umfragewerte in die Höhe? Wird nun Wechselstimmung um sich greifen? Eher nicht.

Dem politisch Interessierten offenbarte das Duell nichts Neues. Zu sehen und zu hören waren die bekannten Stärken und Schwächen der Kandidaten. Menschen ohne Bezug zur Politik könnten vielleicht ein Aha-Erlebnis gehabt haben. Ob es anhält und die Wahlbeteiligung steigert? Eher nicht.

Steinbrück wollte vor allem den Teil der SPD beeindrucken, der meint, der Kandidat sei gar kein Sozialdemokrat. Alle, das glaubten, wissen nun: Niemand kann das SPD-Wahlprogramm in all seinen Facetten so schnörkellos rezitieren wie er. Er ist halt ein exzellenter Referent. Wir sein Auftritt die SPD beflügeln, alle Reserven mobilisieren? Eher nicht. Oder doch?

Absurdes Theater

Merkel richtete sich stärker an jene Wähler, die besseres zu tun haben als ständig Politik zu beobachten. Sie vermied es, die Zuschauer mit Details zuzuschütten. Sie beschränkte sich darauf, jene Seiten von sich zu zeigen, die sie zur beliebtesten deutschen Politikerin machten.

Die Sender bliesen das Duell auf, als handele es sich um eine Neuauflage des Rumble in the Jungle. Dabei handelt es sich beim TV-Duell gar nicht um einen Wettkampf. Es wird nicht ermittelt, wer besser geeignet ist, Kanzler zu sein. Es geht nur darum, wer seinen Schaum besser als der andere schlägt.

Das TV-Duell der Kanzlerkandidaten ist absurdes Medien-Theater. Merkel und Steinbrück können sich noch so sehr auf den Kopf stellen: Allein aus eigener Kraft gewinnen sie bei der Wahl die Mehrheit nicht. Sie brauchen die kleinen Parteien. Doch sie, auf die es am Wahltag und danach wirklich ankommt, waren beim TV-Duell am vergangenen Sonntag gar nicht gefragt.


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2 Kommentare zu “Eigentlich nicht der Rede wert”

  1. Markus sagt:

    „Steinbrück wollte vor allem den Teil der SPD beeindrucken, der meint, der Kandidat sei gar kein Sozialdemokrat. Alle, das glaubten, wissen nun: Niemand kann das SPD-Wahlprogramm in all seinen Facetten so schnörkellos rezitieren wie er. Er ist halt ein exzellenter Referent. Wir sein Auftritt die SPD beflügeln, alle Reserven mobilisieren? Eher nicht. Oder doch?“

    Ja, so machen das die Sozis heute:
    Wählt die SPD! Wir sind auch keine Sozialdemokraten!

    Außerdem waren die humorigen Anekdoten von „Bruder Johannes“ Rau seinerzeit immer noch besser als das Herunterrasseln des Wahlprogramms von Peer Steinbrück.

    Aber richtig: Eigentlich nicht der Rede wert…

  2. Roland Appel sagt:

    Genau: Bruder Johannes brachte mit einem absurden Witz mehr Persönlichkeit und Menschlichkeit rüber, als die aktuellen Politikpygmäen Merkel und Stein…schnurps.

    Das unpolitsche, weichgespülte SPD-Publikum, bräsig glaubend, dass es selber die Exportüberschüsse erwirtschaftet habe, anstatt lediglich bei Karstadt Shrimps zu kaufen oder eine Griechenland-Pauschalreise mit Lidl zu buchen, ist zu doof, zu träge und zu bräsig, um noch irgend etwas Wahlrelevantes wahrzunehmen. Alles ist egal, Hauptsache der Euro bleibt scheinbar stabil.
    DAS ist spätrömische Dekadenz! Tja, dann wird dank verpennter Sozis „die Kanzlerin verspielt Gemeinsamkeiten“ – ach gottchen, Peer, was bist Du großkoalitionsgeil – dieselbe wohl entscheiden können, ob sie mit Gabriel oder Göhring-Eckart Kanzlerin bleibt!

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