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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

SPD: Bis zur Lachnummer nicht mehr weit

Mittwoch, 21. August 2013

Politik

(uh) Die SPD betritt im Bundestagswahlkampf 2013 Neuland. Bisher kippten Parteien ihre Wahlaussagen erst nach der Wahl. Nun macht die SPD ihr Programm schon vor der Wahl zum Altpapier.

Reinen Wein eingeschenkt

Im Wahlkampf 2005 versicherte sie, die Mehrwertsteuer stabil zu halten. Nach der Wahl hob sie die Steuer kräftig an. Auch dank dieser Aktion schrumpfte die SPD 2009 auf 23 Prozent, fast auf das Niveau einer Kleinpartei.

Heute, vier Jahre später, scheint der Verfall gestoppt. In Umfragen liegt sie bei mageren 25 Prozent. Doch das scheint ihr schon zu viel. Sie geht daran, ihr Wahlprogramm zu diskreditieren, nicht vier Wochen nach, sondern vor der Wahl.

Dazu wählt sie jenen Programmpunkt, mit dem sie besonders glaubwürdig wirken will: die geplante Steuererhöhung, ein Instrument, das als Folterwerkzeug gilt. Hand in Hand mit den Grünen wollte die SPD den Wählern vor der Wahl reinen Wein einschenken und hoffte, der Mut würde sich auszahlen.

Zigarren im Benzinlager angezündet

Die Hoffnung trog. Der Umfrage-Schub blieb aus. Teile der Wählerschaft verstanden die Ankündigung als Drohung. Die SPD-Spitzen versuchen, den Plan zur Steuererhöhung in den Hintergrund zu drücken und mit dem Thema Steuerflucht zu überdecken.


Die SPD Hessen schritt voran und ging besonders weit. Unnötig übereifrig verknüpfte sie beide Themen: Wenn die Steuerflucht gestoppt würde, gebe es Spielraum für Steuersenkungen, argumentierte sie. Auch Gabriel und Steinbrück nährten die Annahme, die SPD rücke von der geplanten Steuererhöhung ab.

Es kam, wie es kommen musste: Statt aus dem Blickfeld der Wähler zu geraten, flog die Steuersenkung der SPD um die Ohren, als hätten sich Steinbrück, Gabriel und Schäfer-Gümbel im Benzinlager der Partei Zigarren angezündet. Die Schlagzeilen überschlugen sich. Sie bescheren der SPD verheerende Resonanz.

Ziemlich besengt

Schlimmer als die Ankündigung der Steuererhöhung wirkt deren Absage. Sie erschüttert Vertrauen. Seit die SPD begreift, was sie angerichtet hat, mühen sich die Brandstifter, das Feuer zu löschen. Es bleibe bei der Steuererhöhung, versichern die Parteispitzen nun, auch um den aufkeimenden Aufruhr in der SPD zu ersticken.

Die Botschaften der SPD verschlagen den Wählern den Atem. Noch schlimmer als die Absage einer Ankündigung wirkt die Absage der Absage. Sie erschüttert nicht Vertrauen. Sie zerstört es. Die SPD ist auf dem Weg, sich zur Lachnummer zu machen. Nach diesem Lösch-Einsatz gegen das selbst gelegte Feuer sehen die SPD-Spitze und die Partei aus dem Blickwinkel des Wählers und des Koalitionspartners ziemlich besengt aus.


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4 Kommentare zu “SPD: Bis zur Lachnummer nicht mehr weit”

  1. Johannes Fischer sagt:

    Seit der Nominierung Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten ist der Unterhaltungswert der SPD um ein Vielfaches gestiegen. Was das rote Dreigestirn aus Gabriel, Steinmeier und Steinbrück seit Monaten bietet, ist Realsatire pur und man möchte fast mitlachen und nach jeder Nummer der drei Zirkusclowns Beifall klatschen.

    Leider disqualifiziert sich so die SPD nicht nur als Regierungspartei, sie ist auch als größte Oppositionspartei nicht mehr ernst zu nehmen. Bei der blassen Politik, die schwarz-gelb seit ihrer Regierungsübernahme bietet, bekommt die sozialdemokratische Lachnummer dann doch wieder ihre Dramatik zurück und entpuppt sich im Endeffekt als ein bedauernswertes Trauerspiel.

  2. Janine Sorenson sagt:

    Einzig noch wählbare Partei ist für mich AFD. Nicht wirklich, weil ich die gut finde, nur eben mangels Alternativen. Wenigstens wird es mit dieser neuen Partei ein wenig frischen Wind geben und keine Milliarden mehr für EU und/oder das Fass ohne Boden Griechenland.

  3. Man sollte endlich aufhören, bei den SPD-Oberen von „Sozialdemokraten“ zu sprechen. Es sind bei der SPD eingeschlichene Neoliberale, die als „Seeheimer Kreis“ in der SPD, dank der unpolitischen Mitglieder, Parteikarriere machen und am Ende ihrer Zerstörungsarbeit mit Sicherheit eine riesige Abfindung, eine überdurchschnittliche Pension und einen noch lukrativeren Job in der „freien Wirtschaft“ erwarten dürfen.
    Nicht die AfD ist die Alternative zur SPD, sondern die einzig verbliebene Oppositionspartei DIE LINKE. Sie muss gestärkt und von den noch denkenden Sozialdemokraten gewählt werden.

  4. Markus sagt:

    Wenn die vor der Wahl wieder relativierten Ankündigungen der SPD nun aber wenigstens eine deutliche Verbesserung brächten! Z.B. sich zu einem Zusammengehen mit den „bösen Linken“ zu entschließen und offensiv zu vertreten!

    Aber Opposition ist ja so schön, und eine andere Politik braucht das Land nach Meinung der SPD-Granden auch nicht.

    Wenn man etwas von Gerhard Schröder lernen kann, dann dies: den unbedingten „Willen zur Macht“. Deshalb muß man ja nicht gleich die „Seele der Partei“ verkaufen, wie das dieser „ehrenwerte Herr“ einst ohne Umschweife getan hat.

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